40/2001

INHALT

Neue Bücher

Päpste und Papsttum

 

Lexikon der Päpste und des Papsttums, Lexikon für Theologie und Kirche kompakt, Redaktion: Bruno Steimer, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 376 Seiten.

Wie immer man zur Institution des Papsttums stehen mag, niemand, der mit einigem Interesse Welt- und Europa-Geschichte verfolgt, wird darüber leicht hinweggehen können. Da ist es wichtig, auch entsprechende historische Hilfsmittel zu haben, die wissenschaftlich seriös das heutige Wissen über die Päpste und das Papsttum zusammenfassen. Sicher ist das «Lexikon für Theologie und Kirche» (LThK), das vor kurzem in seiner dritten Auflage abgeschlossen wurde, ein solches unentbehrliches Nachschlagewerk.
Nun können sich aber viele die Auslagen für dieses 10-bändige Werk kaum leisten. Es war darum nicht nur eine gute verlegerische Idee, sondern auch ein Dienst an Wissenschaft und Arbeit in der Kirche, in einer Reihe «LThK kompakt» ein einbändiges «Lexikon der Päpste und des Papsttums» herauszugeben, das zwei Teile umfasst: einen Personenteil mit allen Bischöfen von Rom, von Petrus bis Johannes Paul II., und einen Teil mit «allen wichtigen Realien zum Papsttum».
Diese einbändige Ausgabe ist nicht einfach ein Abdruck dessen, was im LThK steht. So weit ich sehe, ist die Literatur weitergeführt und teilweise ergänzt worden. Auch der Text zu den einzelnen Päpsten und Realien wurde überprüft und korrigiert. Wünschenswert würde ich es finden, wenn irgendwo die Autoren kurz vorgestellt würden; so ist es von Interesse, zu wissen, dass der Autor, der den Beitrag über die umstrittene Figur von Gregor VII. verfasst hat, ein bekannter Mediävist ist.

Nestor Werlen


Dominikanische Quellen und Zeugnisse

 

Ulrich Engel (Hrsg.), Dominikanische Spiritualität, Band 1, Benno Verlag, Leipzig 2000, 181 Seiten; Timothy Radcliffe, Gemeinschaft im Dialog. Ermutigung zum Ordensleben. Herausgegeben von Thomas Eggensperger und Ulrich Engel, (Dominikanische Spiritualität, Band 2, Benno Verlag, Leipzig 2001, 325 Seiten.

Der Studentenmagister der Dominikanerprovinz Teutonia in Düsseldorf, Ulrich Engel OP, gibt in zwei Bänden gesammelte Aufsätze ­ meistens Zeitschriftenartikel ­ heraus. Sie behandeln auf dem Boden der neuesten Forschung dominikanische Ordensgeschichte und Spiritualität. Die meisten dieser Aufsätze sind in fremdsprachigen Publikationen erschienen und für diese Bände übersetzt worden. Doch sind auch im deutschen Sprachraum gewachsene Arbeiten enthalten (aus «Wort und Antwort»). Alle Arbeiten der beiden Bände stammen von Mitgliedern des Dominikanerordens. Ihr gemeinsames Anliegen ist die Aktualisierung der dominikanischen Regel in unserer Zeit.
Der zweite Band «Gemeinschaft im Dialog» enthält ausschliesslich Beiträge des Generalmagisters Timothy Radcliffe. Der englische Dominikaner hat den Orden von 1992 bis 2001 geleitet. Radcliffe ist ein versierter Kenner der Frühgeschichte des Predigerordens, an den heute wie zur Gründungszeit Aufgaben des Dialogs mit abseits Stehenden herantreten. Der Generalobere der Jesuiten, Peter-Hans Kolvenbach, würdigt das erfolgreiche Wirken und die charismatische Eigenart seines Kollegen mit einem brüderlichen Geleitschreiben.

Leo Ettlin


Ordensleben heute

 

Joan Chittister, Unter der Asche ein heimliches Feuer. Spiritueller Aufbruch heute. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Martha M. Matesich. Mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe von Benedikta Hintersberger OP und Stefanie Aurelia Spendel OP, (Reihe «Frauen Spuren»), Don Bosco, München 2000, 272 Seiten.

Die Benediktinerin Joan Chittister (Erie, Pennsylvania) gilt in den USA als eine führende und kritische Stimme im Bereich der Frauenspiritualität. In diesem Band sind ihre Thesen zu neuen Möglichkeiten des Ordenslebens gesammelt. Auch in Nordamerika erleben die alten Orden (und nicht nur sie) eine Zeit des Umbruchs, der zu einer Neuorientierung ruft. Sr. Joan Chittister hat den Mut, das zeitgenössische Ordensleben kritisch zu hinterfragen. Dabei plädiert sie aber keineswegs für eine Liquidation der Orden oder die Präsentation einer völlig neuen Klosterspiritualität. Es gilt, unter der Asche den glimmenden Feuerfunken zu entdecken. Die Bewahrung und behütende Pflege dieser Glut ist notwendig, damit man eine Spiritualität mit neuen, der Zeit angepassten Elementen entfachen kann. Die Autorin entnimmt den Vergleich mit der Glut einem altgälischen Vorgang, wo man über Nacht das Feuer unter der Asche glimmen liess, damit man am andern Morgen mühelos neue Glut entfachen konnte. In dieser Vorstellung steckt ein bedeutendes Energiepotential, eine spirituelle Vision für das heutige Ordensleben.
Schwester Joan Chittister fordert eine Spiritualität der Bescheidung, des Kleinwerdens. Nicht die Grösse einer Gemeinschaft ist entscheidend, sondern ihr unermüdlicher Einsatz, ihr Beten ohne Unterlass, ein Vertrauen ohne Grund und eine Hoffnung ohne Ende, auch wenn Erfolge ausbleiben und die Zukunft ungewiss ist. Eine solche Spiritualität ist keineswegs ein Indiz des Scheiterns, sondern der Stoff, aus dem neues Leben entsteht. Daraus ergibt sich auch eine zeitgenössische Form der Stabilität. Diese Spiritualität des Kleinwerdens rechtfertigt und befruchtet das Ordensleben von heute. Gottsuche erwartet keinen Erfolg. Sie gründet auf dem Evangelium.
Ebenso bemerkenswerte Ideen entwickelt die Nonne aus Amerika zum Thema Alter. Es hängt für die Ordensgemeinschaften viel davon ab, ob sie sich zu einer positiven Einstellung durchringen, die sich von der modernen Gesellschaft unterscheidet.
Diese Überlegungen zur Problematik des Ordenslebens in der modernen Gesellschaft sind sehr bemerkenswert. Da lohnt es sich, den oft harschen Ton der dozierenden Ordensschwester zu übersehen, und wenn das nicht gelingt, in Geduld zu ertragen.

Leo Ettlin


Chanzuns Spiritualas

 

Holger Finze-Michaelsen (Hrsg.), Gian Battista Frizzoni (1729­1800). Ein Engadiner Pfarrer und Liederdichter im Zeitalter des Pietismus, Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 1999, 238 Seiten.

Der Engadiner Pfarrer Gian Battista Frizzoni war ein religiöser Liederdichter in der Zeit des Pietismus. Seine Liedtexte und Melodien sind im romanisch sprechenden Engadin noch heute im Gebrauch. Das 200. Todesjahr des Engadiner Pfarrers fällt zusammen mit dem 300. Geburtstag Nikolaus Ludwig Zinzendorfs, des bekannten Herrnhuter Pietisten. Der Einfluss Zinzendorfs auf das Wirken Frizzonis ist bedeutend, war aber wie fast überall Anlass zu gemeindeinternen Auseinandersetzungen zwischen alten, konservativen und neuen Tendenzen subjektiver Frömmigkeit.
Drei Bündner Pfarrer berichten über ihre privaten Studien über Gian Battista Frizzoni und haben so im Teamwork den Gedenkband für den romanischen und romantischen Liederdichter geschaffen. Sie haben drei wesentliche Themen über Frizzoni unter sich aufgeteilt: Leben und Werk (Gion Gaudenz-Ganzoni); Frizzoni und die pietistischen Herrnhuter (Holger Finze-Michaelsen) sowie Frizzoni und der Engadiner Kirchengesang (Hans-Peter Schreich-Stuppen).
Die «Chanzuns Spiritualas» erfreuten sich grosser Beliebtheit. Noch heute sind sie ein wichtiger Bestandteil des Engadiner Weihnachts- und Silvestersingens.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001