33-34/2001 | |
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Neue Bücher |
Marion Wagner, Die himmlische Frau. Marienbild und Frauenbild in dogmatischen Handbüchern des 19. und 20. Jahrhunderts, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999, 397 Seiten.
Es gibt wohl kaum ein Dokument des gegenwärtigen Papstes Johannes
Paul II., das nicht mit der Bitte um den Schutz der jungfräulichen
Gottesmutter endet. Die himmlische Frau ist ganz gewiss ein Herzensanliegen
des Papstes aus Polen. Doch im Raum der Theologie hat die Mariologie schon
blühendere Zeiten gekannt als die heutige.
Marion Wagner hat sich in ihrer Habilitationsschrift mit dem «marianischen
Jahrhundert» befasst, an dessen Anfang und Ende ein Pius-Papst (Papst
Pius IX. und Papst Pius XII.) und die Definition eines Mariendogmas (1854
das Immaculata-Dogma, 1950 das Assumpta-Dogma) stehen (vgl. S. 13). Der
besondere Blickwinkel, unter dem Wagner die mariologische Entwicklung in
dieser Zeit und bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts betrachtet, ergibt
sich aus der Zusammenschau mit dem Frauenbild, wie es sich in dogmatischen
Handbüchern dieser Zeit findet.
Während das Bild der Frau systematisch aus den Aussagen über die
Erschaffung von Mann und Frau, deren Gottebenbildlichkeit und der Rolle
von Mann und Frau beim Sündenfall eruiert wird, folgt die Darstellung
des Marienbildes den Definitionen der Mariendogmen sowie den Bezügen
von Eva zu Maria, Maria zu Christus, Maria zur Kirche. Für das 19.
Jahrhundert kann Wagner festhalten: «Das Frauenbild spiegelt sich
im Marienbild, und das Marienbild wirft dieses Frauenbild dann wieder wie
einen Reflex auf die Frauen zurück» (210). Die stärksten
Auswirkungen dieses Zirkels zeigen sich für Frauen darin, dass sie
ihre Lebensform stets am unerreichbaren Leitbild Maria orientieren sollten,
da die Jungfräulichkeit Marias alles in allem auf das ethische Ideal
der Keuschheit im Sinne eines biologischen Zustands verkürzt wird,
sie aber trotzdem Mutter war.
Es versteht sich von selbst, dass sich das Bild und Selbstverständnis
der Frau im 20. Jahrhundert stark verändert hat. Erstaunlicher ist,
wie wenig sich diese Veränderung in den dogmatischen Handbüchern
bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil auswirkte. Erst der Einfluss und die
Erkenntnisse der Psychologie, Anthropologie und allmählich der Feministischen
Theologie lassen ein partnerschaftliches, auf der Gleichwertigkeit der Geschlechter
aufbauendes Menschenbild auch in der systematischen Theologie zu. Es zeigt
sich, dass nur dort, wo Maria nicht länger als Vorbild in der Art und
Weise ihres Frauseins, sondern in der Art und Weise ihres Gläubigseins
vorgestellt wird, ihre auch für heute bedeutsame Rolle in der Heilsgeschichte
angemessen zur Sprache kommt. Sowohl Frauenbild als auch Marienbild bleiben
in den nachkonziliaren Handbüchern und lehramtlichen Verlautbarungen
aber zwiespältig. Die differenzierte, unpolemische Untersuchung von
Marion Wagner zur «himmlischen Frau» zeigt die Hintergründe
dafür auf, die nicht zuletzt für die Stellung der Frau innerhalb
der Kirche bedeutsam sind. Ein Buch, das mitsamt der Fülle an wissenschaftlichem
Material spannend zu lesen ist und manchen Impuls zum Weiterdenken über
die Zusammenhänge zwischen (un)bewussten Voraussetzungen und angeblich
unabänderlichen (göttlichen) Normen gibt.
Henri J. M. Nouwen, Ich höre auf die Stille. Sieben Monate im Trappistenkloser, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 18. Auflage seit 1976, 269 Seiten.
Henri J. M. Nouwen «Ich höre auf die Stille» ist längst ein Klassiker. Nouwen hatte 1974 sieben Monate lang in der Trappistenabtei Genesee im Staat New York verbracht. Für ihn, den von Terminen Gejagten, hatte dieser Aufenthalt die Funktion eines Sabbatjahres. Nouwen hat das strenge Trappistenleben vollständig mitgemacht und mitgelitten und dabei viel über seine ungewohnte Umgebung reflektiert. Der Vergleich mit Thomas Merton «Der Berg der sieben Stufen» drängt sich auf. Aber Vorsicht! Thomas Merton erlebt noch die Strenge einer vorkonziliaren Trappistenabtei, Nouwen atmet eine freiere und frischere Luft der postkonziliaren Zeit.
P. Matthäus Keust, Kapuzinerleben. Erinnerungen eines törichten Herzens 18401894. Herausgegeben von Paul Hugger und Christian Schweizer, mit Beiträgen von Hans Brunner, Limmat Verlag, Zürich, und Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Basel, 1999, 430 S.
Der Kapuziner Matthäus Keust hat mit seinen Tagebuchaufzeichnungen sicher unbeabsichtigt einen wichtigen volkskundlichen Beitrag zum Leben in den Kapuzinerklöstern geleistet und damit die verschiedenen Aufgaben in der Seelsorge und in der klösterlichen Gemeinschaft skizziert. Aus kleinen Mosaiksteinchen zusammengesetzt, zeigt sein Erinnerungsbild Spiritualität, Bildungsstand und individuelle Frömmigkeitsformen der Kapuzinerkonvente im 19. Jahrhundert. Dieser idyllische Kapuzineralltag mit seinen kleinen und grossen Sorgen und Freuden gehört der Vergangenheit an. Bisweilen tauchen im Hintergrund dunkle Wolken auf, etwa der Kulturkampf. Doch Keust geben sie kaum Anlass zu grüblerischen Überlegungen. Die Tagebücher behandeln auch die Kinder- und Jugendzeit die liebe, gute alte Zeit, in der es so viele grosse und kleine Freuden und Leiden gab. In einem kurzen Beitrag «Die Kapuziner in der Schweiz ein Blick auf die Ordensgeschichte» gibt der Mitherausgeber Christian Schweizer dem uneingeweihten Leser wichtige Informationen. Hans Brunner kommentiert in seinem Beitrag den schweizerischen Kulturkampf und die Betroffenheit Keusts als Kapuziner in Olten.