27-28/2001

INHALT

Neue Bücher

Zugänge zu exegetischen Fortschritten

Josef Imbach, Lust auf die Bibel. Praxisorientierte Zugänge zur Heiligen Schrift, Echter Verlag, Würzburg 2000, 284 Seiten.

Heute stellt man auf dem Gebiet der Bibelwissenschaft eine grosse Offenheit und auch bedeutende Fortschritte der Exegese mit neuen und vertieften Erkenntnissen fest. Dagegen steht aber die Erfahrung, dass die Basis der Gläubigen und auch viele mit der Glaubensverkündigung Beauftragte diesen Forschungsergebnissen hilflos und auch zurückhaltend bis abwehrend gegenüberstehen. Man lässt sie gar nicht an sich herankommen. Auch vom kirchlichen Lehramt längst sanktionierte Einsichten haben den Weg an die Basis nicht gefunden.
Der Schweizer Franziskaner Josef Imbach, Professor für Fundamentaltheologie und Grenzfragen zwischen Literatur und Theologie in Rom, stellt in diesem Buch eine Reihe neuerer exegetischer Erkenntnisse und Verstehenshilfen vor. Der Autor schreibt aber kein Lehrbuch als Einführung in die neuere Bibelexegese. Er interpretiert bekannte Bibeltexte, für deren Verständnis neue Einsichten in die Forschung aufschlussreich sind. Exemplarisch und paradigmatisch dringt der Leser zu neuen Erkenntnissen vor, die für ihn weitgehend eine befreiende Wirkung haben. Der Autor wählt vor allem Themen, die in der aktuellen kirchlichen Diskussion stehen: Befreiungstheologie, feministische Exegese, fundamentalistische Abwehr von Neuerungen, tiefenpsychologische Bibelinterpretation mit Eugen Drewermann. Diese praxisorientierten Zugänge zur Heiligen Schrift helfen, Hindernisse und Barrieren zum Verständnis der heiligen Texte zu überwinden; sie machen den Weg frei zu einem geläuterten und freudvollen Umgang mit dem Wort Gottes.

Leo Ettlin


Henri J.M. Nouwen

Henri J.M. Nouwen, Das letzte Tagebuch. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Franz und Reny Johna, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2000, 351 Seiten.

Henri J.M. Nouwen ist am 21. September 1996 im Alter von 64 Jahren einem Herzschlag erlegen. Die letzten zehn Jahre seines rastlosen Lebens hat der berühmte Pastoraltheologe und Psychologe der Universitäten Yale und Harvard in einer Arche-Gemeinschaft Jean Vaniers verbracht und sich dort für die Ärmsten voll eingesetzt. Doch immer neue Buchentwürfe, Vortragsreisen und ein grosser Freundeskreis, für den er keine Mühe scheute, hatten ihn an die Grenzen seiner Belastungsmöglichkeit gebracht. Darum gab ihm die Arche-Gemeinschaft von Daybreak bei Toronto in Kanada für ein Jahr frei. Nouwen hatte sich auf dieses Sabbatjahr gefreut; es zu nutzen hat er aber nicht richtig verstanden. Auch dieses Ruhejahr wurde ein Jahr der Unruhe in gehetzter Rastlosigkeit. Wohl gesinnte Freunde absorbierten ihn mit Einladungen. Auch Nouwen konnte sich von der Unrast nicht mehr lösen; er heckte Pläne aus für neue Bücher und Vortragsreisen. Musse und Sorgfalt verwendete er aber für sein Tagebuch, und dieses Tagebuch ist ein wertvolles und für das geistliche Leben anregendes Geschenk. Nouwen schreibt über seine Erlebnisse und seine neuen Erfahrungen unmittelbar und unbefangen. In einem Nachwort schildert der Leiter der Arche-Gemeinschaft Daybreak die letzten Tage des Mentors der Gemeinschaft.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001