21/2001

INHALT

Neue Bücher

Der Blick aufs Ganze

Anton Rotzetter, Die Welt erglänzt in Gottes Farben. Visionen von der Ganzheit der Schöpfung, Paulusverlag, Freiburg/Schweiz 2000, 256 Seiten.

Die Einsicht «So kann es nicht weitergehen» beschäftigt viele. Darauf kommt die schwierige Frage «Wie soll es denn weitergehen?». Der «Blick aufs Ganze» tut Not; nur er kann den verunsicherten Menschen wieder Perspektiven geben. Es geht um den inneren Zusammenhang von Schöpfung und Gott. Diese Rückbesinnung ist angesichts der brennenden Probleme notwendig geworden. P. Anton Rotzetter zeigt auf, wie in den Visionen christlicher Mystiker und Mystikerinnen der Blick aufs Ganze offenkundig wird.
Angela von Foligno (Ý 1409) ist die erste Frau Italiens, die ganz bewusst als theologische Lehrerin auftritt. Sie ist bekannt als «Magistra Theologorum». Angela von Foligno ist aber nicht eine zurückgezogene Schreibstuben-Theologin. Ihr Blick aufs Ganze wird auch konkret im säkularen Bereich. Die Armen, Kranken und Aussätzigen sind für sie Inkarnationen Gottes.
Berühmt ist Hildegard von Bingen, die aber in vielem verkannt wird und heute für alles Mögliche und Unmögliche herhalten muss. Die «New-Age-Mystikerin» gehört heute zu den am meisten missverstandenen Frauen. Ihre Visionen und Lehren sind aufs ganzheitliche Denken hin orientiert. Das Weltall wird als Hinweis Gottes gesehen, und überall kann der Mensch Gott entdecken.
Zur Thematik, die Anton Rotzetter in diesem Buch vorlegt, passen auch einige Visionen des Mystikers Bruder Klaus. Bruder Klaus spricht aber nicht nur durch seine visionären Schauungen, sein ganzes Leben ist vom Blick aufs Ganze geprägt, auch sein Meditationsbild mit dem Rad/Strahlen-Motiv.
Die flämische Mystikerin Hadewijch war Mitglied einer städtischen Beginengemeinschaft in Brüssel oder Antwerpen. Sie ist tief durchdrungen vom Gedankengut des heiligen Bernhard von Clairvaux. Sie wird zu den Höhepunkten abendländischer Brautmystik gezählt.
Katharina von Siena zählt heute wohl zu den bekanntesten Frauengestalten des Mittelalters. Sie zeigt in ihren Schriften eindrücklich den Zusammenhang von Spiritualität und Politik. Ihre mystische Erfahrung strömt in das Weltganze hinein.
Wladimir Soloviev hatte für das russische Geistesleben des 19. Jahrhunderts grosse Bedeutung. Seine grundlegenden mystischen Erfahrungen sind in der Sophienlehre enthalten. Soloviev hat einiges zu sagen zur Ökumene, aber auch für ethische und politische Fragen, die Spiritualität und die Mystik.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001