17/2001

INHALT

Neue Bücher

Aus dem Ostergeheimnis leben

Die Zeit von Aschermittwoch bis Pfingsten ist eine intensive Spanne im Leben einer Pfarrei. Franz-Rudolf Weinert ist promovierter Pastoralliturgiker. Seit 1991 steht er der Pfarrei St. Ignaz in Mainz vor. Mit seinem eben erschienenen Buch<1> schildert er in ebenso präziser wie leicht verständlicher Art den Weg von der Quadragesima, über die Heilige Woche hin zu Ostern, zur Pentekoste und zu den nachösterlichen Hochfesten. Dabei leiten ihn die drei Schwerpunkte «Liturgie», «Theologie» und «Spiritualität». Wer als Gottesdienstvorsteher, Mitarbeiter in einer Pfarrei oder einfach als liturgisch Interessierter zum liturgietheologischen Hintergrund dieser Wochen vorstossen möchte, greife zu dieser Neuerscheinung, die als wertvoll bezeichnet werden darf.
Liturgische Sprache schleift sich ab. Das Reden in der Verkündigung kann in Floskeln erstarren und darum die Menschen nicht mehr berühren. Diese Erfahrung machen alle Beteiligten in unterschiedlichen Graden der Intensität. Ganz stark hat das der deutsche Priester Stefan Scholz mit Jahrgang 1964 wahrgenommen und auch kompetent zur Sprache gebracht. Seit November 2000 wirkt er am Frankfurter Dom. Seine Texte<2> sind als schöpferischer Beitrag und Wortmeldung zu verstehen. Sie bilden Gedankenanstösse, nicht fertige Rezepte. Stefan Scholz schreibt im Vorwort: «Die vorliegenden Texte wurden geschrieben, um sie zu Gehör zu bringen. Ursprünglich sind es Predigten. Geboren wurden sie aus der Not. Verkündigungssprache erstarrt leicht zu Stereotypen. Durch häufigen Gebrauch werden diese schnell verschlissen. Prediger und Hörer bewegen sich im Bekannten und meinen, schon alles zu kennen, wenn über Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi die Rede geführt wird.» Stefan Scholz nimmt die Aufgbe, die er sich selber gegeben hat, sehr verantwortungsbewusst wahr. Die Aussagen sind durch die biblischen Berichte gedeckt. Weil sie jedoch feststehende Sachverhalte in heutiger Sprache darstellen, können sie provozieren. Das zeigt der Anfang des Textes «Am Kreuz»:

Er starb nicht,
er verreckte am Kreuz.
In Todesangst
schrie er sich die Seele
  aus dem Leib.
Stundenlang rang er nach Atem.
Er verstand seinen Gott
  nicht mehr.
Er verendete
mit einem entsetzten Warum
  auf den Lippen.

Jakob Bernet


Anmerkungen

1 Franz-Rudolf Weinert, Den Osterfestkreis verstehen und feiern, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2001, 152 Seiten.

2 Stefan Scholz, Auf Leben und Tod. Texte zur Fasten- und Osterzeit, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2001, 124 Seiten.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001