10/2001 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Josef Spörlein (Hrsg.), Das letzte Wort hat das Leben. Neue
Ideen und Gottesdienste in der Fastenzeit und zu Ostern, Herder Verlag,
Freiburg i.Br. 2001, 143 S.
Elmar Gruber, In Deinem Licht geborgen. Neue Bussgottesdienste für
Liturgie und Gruppenarbeit, zusammengestellt und herausgegeben von Marianne
Strasser, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 2001, 124 S.
Der Nürnberger Pfarrer Josef Spörlein hat schon einige Praxisbücher
für die Pastoral herausgegeben. Für diesen Band zu Fastenzeit
und Ostern hat er ein gutes Dutzend «Lieferanten» von Liturgiekonzepten
gefunden. Jeder bringt seinen eigenen Stil ein, aber alle sind seriöse
Praktiker. Die Fastensonntage, Karwoche und Ostersonntag/-montag sind mit
Einführung, Kyrie-Bitten, Tagesgebet, Predigt und Fürbitten versehen.
Es gibt vereinzelte Kindergottesdienste und eine Eucharistiefeier mit Krankensalbung.
Auch ein allerdings sehr origineller Kreuzweg kommt darin vor.
Die Einleitung für jede Station ist eine fingierte Radio- oder Zeitungsreportage.
Der Band schliesst mit einigen Musterleitartikeln für Ostern aus der
Presse nachvollziehbar im lokalen Blatt.
Elmar Grubers Band bietet nicht fixfertige Bussgottesdienste, sondern Elemente
und Modelle zum Thema Busse und Umkehr. Die «Bausteine» zeichnen
sich aus durch gepflegte Sprache und pointierte Aussagen.
Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Vierte, völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Hans Dieter Betz, Don S. Browning, Bernd Janowski, Eberhard Jüngel, Band 3, FH, Verlag J.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 2000.
Etwas, was man nicht von allen Lexika sagen kann, muss man dem 4RGG zugestehen:
Die einzelnen Bände folgen sich in rascher Folge; innert Jahresfrist
sind drei Bände herausgekommen. Ein weiteres Lob, das hier bereits
bei der Besprechung der zwei ersten ausgesprochen wurde, soll hier wiederholt
werden: Die Beiträge sind bedeutend leserfreundlicher als die meisten
des LThK, die nur so strotzen von teilweise mühsam zu entziffernden
Abkürzungen. Die rasche Abfolge der Veröffentlichung mag dazu
beigetragen haben, dass das Lektorat offensichtlich einige Korrekturen übersehen
hat. Sonst könnte es zum Beispiel im Beitrag über «Häresie»
nicht vorkommen, dass die gleiche Persönlichkeit bald als Epiphanius,
bald als Epiphanes vorkommt. Das ist zwar kein Unglück, aber bei einem
wissenschaftlichen Nachschlagewerk sicher auch kein Ruhmesblatt.
Dieser Band enthält einige Beiträge, die schon durch ihre Länge
hervorstechen, so jener über «Geist» (536590), «Geschichte»
(775803), «Glaube» (940988), «Gott» (10981173),
«Gottesdienst» (11731211), um nur einige zu nennen. Es
fällt auf, dass über-all der Beitrag der verschiedenen christlichen
Konfessionen sowie die Stellung in anderen Religionen (Judentum, Islam)
ausführlich dargelegt werden.
Um zu zeigen, von welcher kritischen Offenheit etwa die biographischen Beiträge
geprägt sind, hier einige Beispiele: Von Geoffrey Francis Fisher, Erzbischof
von Canterbury und zwischen 1945 und 1961 Oberhaupt der Anglikanischen Kirche
wird gesagt: «Seine Fähigkeiten waren eher organisatorischer
als theologischer Art.
Er hat die Anglikaner aus den Erschütterungen des Krieges herausgeführt,
sie aber nicht auf die theologischen Spannungen der 60er Jahre vorbereitet».
Charles-Eugène Vicomte de Foucauld sei «eine äusserst
facettenreiche, wegen seines pro-kolonialen Engagements nicht unumstrittene
Gestalt» gewesen. Der Jesuitenhistoriker Hartmann Grisar (18451935)
war ein «emphatischer Vertreter des Primatsanspruches». «Grisars
pathologische Ableitung der Theologie Luthers ist von der katholischen Lutherdeutung
zwar nicht übernommen, aber in das Motiv eines Ðvon der Wurzel
her subjektivistisch angelegt(en)ð Charakter(s) Luthers (J. Lortz) transformiert
worden». Dag Hammarskjölds «protestantische Mystik in der
Nachfolge Jesu fand vor allem in der katholischen Frömmigkeit Beachtung».
In seinem Beitrag über Franziskus von Assisi bemerkt Oktavian Schmucki
(Luzern): «es ist nicht zu leugnen, dass gewisse heutige Aktualisierungsversuche
von Franziskus' Charisma die Gefahr in sich bergen, seine geschichtliche
Figur mit beliebig auf ihn projizierten Utopien zu verfremden». Zwei
Charakterisierungen von Manfred Weitlauff, dem früheren Professor an
der Theologischen Fakultät Luzern (jetzt München), sollen diese
Beispiele abschliessen. Von Kardinal August Hlond, von 1926 bis 1948 Erzbischof
von Gnesen und Posen (seit 1946 auch Warschau) und Primas von Polen, wird
gesagt, er habe «als Verfechter einer rigorosen Polonisierung der
durch das Potsdamer Abkommen Polen unterstellten deutschen Ostseegebiete
(in Überschreitung der ihm erteilten päpstlichen Vollmachten)
die dortigen deutschen Oberhirten zur Resignation gedrängt und ernannte
an ihrer Stelle am 15. August 1945 fünf polnische Administratoren».
Clemens Maria Hofbauer wird gekennzeichnet als «Seelsorger mit starkem
sozial-karitativen Engagement und (nicht zuletzt wegen seiner rustikalen
Art) anziehender Prediger» sowie als «Mittelpunkt eines Romantikerkreises».
Es wird aber auch nicht verschwiegen, dass er «beim Wiener Nuntius
als inquisitorischer Wächter der ÐRechtgläubigkeitð, Informant
und Gutachter hoch im Kurs stand, was etwa der Prager Priestergelehrte Bernard
Bolzano und Johann Michael Sailer hart erfahren mussten».
Diese wahllos ausgewählten Beispiele mögen erweisen, dass auch
ein «Handwörterbuch», richtig gebraucht, eine spannende
Lektüre sein kann. Dass das 4RGG fortan neben TRE und LThK
ein wichtiges Hilfsmittel für Studium und Forschung sein wird, kann
aber heute schon, nach Erscheinen der ersten drei Bände, als sicher
angenommen werden.
Groupe des Dombes, Maria. In Gottes Heilsplan und in der Gemeinschaft der Heiligen. Aus dem Französischen von Gabriele Nolte, Verlag Otto Lembeck/Bonifatius Verlag, Frankfurt am Main, Paderborn 1999, 160 Seiten.
Die Groupe des Dombes ist eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft von
römisch-katholischen und evangelischen Theologen des französischen
Sprachraumes. Dombes, ein Kloster in der Nähe von Lyon, ist der Ort
ihrer jährlichen Zusammenkünfte. Diese ökumenische Theologengruppe
gehört zu den Pionieren der Einigungsbewegung in Frankreich. Anlässlich
ihres sechzigsten Jubiläums (1997) ging die inzwischen gereifte Gruppe
an das Thema «Maria in Gottes Heilsplan und in der Gemeinschaft der
Heiligen» heran. Es ist die siebte Publikation der Groupe des Dombes
und die erste in deutscher Übersetzung.
Obwohl an sich nicht Ursache und Grund der durch die Reformation entstandenen
Spaltung, haben sich an der Person der Mutter Jesu fast alle reformatorischen
Streitfragen kristallisiert, Fragen wie die nach dem Verhältnis Schrift
und Tradition, der Rechtfertigung durch den Glauben, Unbefleckter Empfängnis,
Aufnahme in den Himmel, Gemeinschaft der Heiligen und Anrufung Mariens und
der Heiligen.
Die vorliegende Untersuchung führt hinsichtlich dieser Fragen zu einer
unvorhergesehenen Einigung, die dem reformatorischen Anliegen völlig
Genüge tut und zugleich das katholische Erbe aufrecht erhält und
somit, bei aller geduldeten Verschiedenheit, eine wohlbegründete Einheit
im Glauben erlaubt.
Marcel Farine, Eine bessere Welt ist möglich. Die Probleme dieser Zeit im Licht des Evangeliums. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. August Berz, Parvis Verlag, Hauteville Schweiz 1999, 190 S.
Marcel Farine (1924) kann auf eine erfolgreiche Berufslaufbahn zurückblicken.
Er war Beamter für technische Zusammenarbeit des Weltpostvereins und
Präsident grosser nationaler und internationaler Organistationen im
Dienste der Not Leidenden und Aussätzigen. Er hat zahlreiche Aufsätze
und Bücher über die Entwicklungshilfe, die Probleme der Ausgegrenzten
und über religiöse Fragen verfasst. Sein neuestes Buch urteilt
streng und nüchtern über die Profitgier unserer Gesellschaft.
Drastisch schildert er die möglichen schlimmen Folgen. Das Buch ist
ein eindringlicher Appell an die Christen aller Gesellschaftsstufen, sich
mutig und tolerant einzusetzen für eine ethische Reform unserer Gesellschaft
in Politik und Wirtschaft.
Doch das Buch klagt nicht nur an, es weist Wege aus der Dekadenz. Sie liegen
auf dem Terrain der christlichen Soziallehre. Auf dieser Basis wächst
die Hoffnung, die Menschen wieder zu vermenschlichen in Wahrheit, Liebe
und Barmherzigkeit.