9/2001 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Karl Schmucki, Peter Ochsenbein, Cornel Dora (Hrsg.), Cimelia Sangallensia. Hundert Kostbarkeiten aus der Stiftsbibliothek St. Gallen, Verlag am Klosterhof (Auslieferung durch die Stiftsbibliothek St. Gallen), St. Gallen 1998, 228 S.
Der Band präsentiert in Faksimiledrucken von herausragender Qualität Kostbarkeiten aus der Stiftsbibliothek St. Gallen. Er ist in seiner ganzen repräsentativen Aufmachung selber eine Zimelie eine Kostbarkeit. Die hundert reproduzierten Kostbarkeiten sind aber nur ein kleiner Teil der Stiftsbibliothek St. Gallen, die von der UNESCO als Kulturerbe der Menschheit in den Katalog der Weltkulturgüter aufgenommen wurde. Die zeitliche Streuung der dargestellten Objekte erstreckt sich von 719 bis 1805, also vom ersten Benediktinerabt, dem heiligen Otmar, bis zum Ende der Fürstabtei St. Gallen. Ist es schon ein Genuss, diese Vorstellung von Unikaten zu betrachten, so bilden die begleitenden, informativen Texte, die die gelehrten Herausgeber unter sich aufgeteilt haben, einen hoch qualifizierten Bildungsschatz. Einen solchen Band wird man nicht gerne weglegen und noch lange in der Nähe halten.
Bernard McGinn, Die Mystik im Abendland. Band 3. Die Blüte. Männer und Frauen der neuen Mystik (12001350). Aus dem Englischen übersetzt von Bernardin Schellenberger, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 589 Seiten.
Der neue, dritte Band der «Geschichte der Mystik im Abendland»
hat den Untertitel «Blüte (12001350)». Diese «Blüte»
hat der Autor selber erst im Verlaufe seiner Studien so richtig erfahren,
und das hatte zur Folge, dass das ursprünglich geplante Konzept umgelagert
wurde. Der Band über die «Blüte im Mittelalter» umfasst
nur einen Zeitraum von 150 Jahren und betont damit die neue Ausrichtung
der Mystik um 1200. Sie versucht, Mystik und apostolisches Leben in Einklang
zu bringen. Die monastische Mystik benediktinischer und zisterziensischer
Provenienz entfaltete sich in der Zeit vor 1200. Ihr Standort war die monastische
Klausur und das Kloster in der Weltabgeschiedenheit. Es war ein geschlossenes
Umfeld, in dem die Mönche und Nonnen sich gegenseitig in ihrer Gottsuche
förderten.
Franziskus von Assisi bringt nun völlig neue Aspekte. Sein Umfeld ist
die Stadt des Mittelalters. Die Einflussreichen und Initiativen ziehen von
ihren feudalen Landsitzen in die Stadt, und ihre Burgen beginnen zu verfallen.
Der Fernhandel bietet ihnen bessere Chancen und weitet zugleich den Horizont.
Das ruft nach einer Bildung, die den neuen Verhältnissen des Erwerbslebens
entspricht. An den Universitäten der Städte emanzipiert sich die
Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden zu einer eigenen juristischen Person.
Doch die soziale Polarisierung von Reichen und Armen wird verschärft.
Die feudale Kirche, Hoher Klerus und Abteien werden der reichen Oberschicht
zugezählt.
Das ist das Umfeld für die Entstehung der Armutsbewegungen. Viele von
ihnen verirrten sich im dualistischen Abseits und im Aufstehen gegen die
offizielle Kirche der Reichen. Es war eine Sternstunde der Kirchengeschichte,
dass Innozenz III. die Gefahren und Chancen der franziskanischen Minderbrüder
erkannte und ihnen die Möglichkeit zu einem neu konzipierten Ordensleben
gab, einem Ordensleben in Besitzlosigkeit als Bettler des täglichen
Bedarfs. Diese Minderbrüder entwickelten besonders durch Bonaventura,
den Mitbruder und Magister der Theologie, nach der ersten Sturm- und Drangzeit
eine neuartige Mystik.
Das Vorbild des Franziskus, seine Armut und seine Passionsfrömmigkeit,
setzten neue Akzente. Diese führten zur franziskanischen Leidensmystik.
Die Ursprünge dieser zukunftsweisenden Mystik bringen ein Miteinander
von Männern und Frauen (Franziskus und Klara).
Damit werden der Frauenmystik neue Wege gebahnt, die zur Beghinen- und Reklusenbewegung
führen. Diese neue Frömmigkeit entfacht auch in den älteren
Orden, besonders in ihren Frauenklöstern, eine neue Blüte. Am
ausgeprägtesten sind hier die Dominikanerinnen. Einige ihrer Klöster
rekrutieren sich aus ehemaligen Beghinengemeinschaften. Hier entfaltet sich
eine neue Blüte der Mystik. Sie wird von Dominikanertheologen wie Heinrich
Seuse (Kloster Töss) gepflegt.
Bernard McGinn legt in diesem Band «Blüte der Mystik»
eine Arbeit vor, die zu den theologischen Klassikern gerechnet werden
muss. Dieser Glanz fällt zurück auf die beiden ersten Bände.
«Die Mystik des Abendlandes» wird ein Schlüsselwerk der
abendländischen Geistesgeschichte bleiben.
Monika Hauf, Der Mythos der Rosenkreuzer, Kreuz Verlag, Stuttgart 2000, 218 Seiten.
Monika Hauf hat sich dem Studium geheimnisvoller Phänomene verschrieben, wie etwa dem Gral, den Templern usw. Auf der Suche nach solchen exotischen Verhältnissen mussten sich die Rosenkreuzer direkt aufdrängen. Über sie gibt es viel zu erzählen, aber niemand weiss etwas Bestimmtes. Angefangen hat es mit geheimnisvollen Schriften um 1614. Diese Traktate gingen als «Fama», «Confessio» und «Chymische Hochzeit» in die Literaturgeschichte ein. Von ihren Autoren hiess es, sie seien Mitglieder einer geheimen Bruderschaft. Diese mysteriöse Bruderschaft, der man ungeheure Macht zuschrieb, soll auf einen gewissen Christian Rosencreutz aus dem 15. Jahrhundert zurückgehen. Ob er wirklich gelebt hat, weiss niemand. Aber «Rosenkreuzer» ist die Marke vieler Geheimgesellschaften bis heute geworden. Diese Rosenkreuz-Gruppen es sollen rund tausend sein werden in Beziehung zu den Texten der «Chymischen Hochzeit» stehen. Auch Freimaurerlogen werden in diesem Kontext genannt und der Orden der Sonnentempler (Massenselbstmorde 1994) soll Gedankengut der Rosenkreuzer propagieren. Es ist schwierig, ja direkt unmöglich, auf den wahren Kern zu stossen. Diesen Wunsch kann auch das mit grossem Aufwand an Kraft und Zeit geschriebene Buch nicht erfüllen. Das Verdienst der Autorin, den geheimnisvollen Stoff zusammengetragen und geordnet zu haben, bleibt unbestritten.