6/2001 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Hermann-Josef Venetz, Der Evangelist des Alltags. Streifzüge durch das Lukasevangelium, Paulusverlag, Freiburg Schweiz 2000, 198 Seiten.
«Über das Lukasevangelium sollte man keine Bücher schreiben,
man sollte es ganz einfach lesen.» Mit diesem Satz beginnt das neueste
Buch des für seine spannenden und gut lesbaren Veröffentlichungen
bekannten Autors. Glücklicherweise hat er sich nicht an diese Devise
gehalten und doch ein Buch geschrieben.
Ein instruktives Vorwort macht mit einem kleinen Portät des Evangelisten
auf das literarische Geschick seines Erzählwerkes und auf die Farbigkeit,
den Realitätssinn und die Menschlichkeit seiner Botschaft aufmerksam.
«Die Bilder, die er malt, haben trotz der Entschiedenheit ihrer Aussage
etwas Leichtes, Pastellfarbenes, ja fast Heiteres. ... Trotz dem tiefen
Ernst, der uns aus dem Evangelium entgegenweht, ist das Spielerische bis
Schalkhafte nie ganz abwesend. Die Erzählungen selbst und der damit
verbundene freundliche Umgang mit seiner Leserschaft verraten einen hellen
Geist und einen weiten Horizont » Mit diesen Sätzen ist nicht
nur die Eigenart des Lukasevangeliums, sondern auch die des Buches von Hermann-Josef
Venetz sehr gut getroffen.
Die zwölf Kapitel kommentieren grössere Passagen des Evangeliums,
zum Beispiel die Kindheitsgeschichten, das Nazaret-Manifest (Lk 4), Gespräche
rund um das Gastmahl (Lk 14) oder den Tod des Gerechten (Lk 23). Geschickt
werden dabei übergreifende Themen (z.B. Armut/Reichtum, Frauen um Jesus)
und Leitmotive (Freude/Betonung des «heute») einbezogen. Leserinnen
und Leser werden sorgfältig auf die Eigenarten und Schönheiten
der Texte aufmerksam gemacht, aber auch auf sozialgeschichtliche Zusammenhänge,
zum Beispiel mit der so genannten Pax Romana, die auch ihre düsteren
Kehrseiten hatte, sowie auf das soziale Engagement des Evangelisten. Auch
hier gilt für das Buch, was der Autor von Lukas sagt:: «Die ausgestreckte
Hand passt zu ihm besser als der erhobene Zeigefinger. Dogmatisch ist er
nicht, auch nicht moralisierend.»
Selbstverständlich gibt es auch Anlass zu kritischen Rückfragen:
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Hermann-Josef Venetz sich eher zu
stark mit dem Autor des Evangeliums solidarisiert. Enthält dieses nicht
auch polemische Texte gegen jüdische Gruppierungen, die eine düstere
antijüdische Wirkungsgeschichte haben? Müsste nicht kritischer
darauf aufmerksam gemacht werden, dass er die Frauen als Jüngerinnen
Jesu zwar an prominenter Stelle einführt (Lk 8,13), aber dann
über weite Strecken bloss «mitmeint» bzw. ausblendet? Müssten
neben dem literarisch geschickten Autor nicht all jene Frauen und Männer
sowie die Gemeinden stärker gewürdigt werden, denen er die Erzähltraditionen
verdankt? Hat seine Verkündigung angesichts der römischen Unterdrückungssituation
und der sozialen Konflikte seiner Zeit nicht etwas zu stark Harmonisierendes
und Angepasstes? Solche kritischen Fragen wären mit der spürbaren
Sympathie des Autors mit Lukas keineswegs unvereinbar und könnten heutige
Leserinnen und Leser auf ihren eigenen Streifzügen durch das Lukasevangelium
vor möglichen Stolpersteinen und Abwegen warnen.
Als Einführung zum Lukasevangelium ist das Buch hervorragend geeignet:
Für die Predigtvorbereitung (gerade im aktuellen Lesejahr C), für
Bibelarbeit und für die persönliche Lektüre. «Theologie
muss nicht satzhaft-langweilig, sie kann auch erzählerisch-bezaubernd
sein.»
Zum heiteren Ernst des Buches tragen die ebenso sorgfältigen wie anschaulichen
Überschriften bei. So wird das Kapitel zum Gleichnis vom ungerechten
Haushalter überschrieben mit: «Heiter und ernst, farbig und schlau
und auch ein bisschen unverschämt».
Klaus Kühlwein, Chaosmeister Jesus. Die Bergpredigt, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1999, 158 Seiten.
Der theologische Erwachsenenbildner aus Freiburg i.Br. verfügt,
wie es schon der Titel «Chaosmeister Jesus» andeutet, über
eine anschauliche und einprägsame Sprache. Der Titel kommt aus dem
Umfeld der Chaosforschung, einem neuen Reisser auf dem Markt der Wissenschaft.
Diese neue wissenschaftliche Errungenschaft lehrt, dass in der Unordnung
eigendynamisches Leben steckt: Neues wächst auf den Trümmern.
Klaus Kühlwein sieht im Jesus der Bergpredigt einen genialen Chaotiker,
einen kreativen Erneuerer, der gesellschaftliche und moralische Tabus seiner
jüdisch-pharisäischen Umwelt beseitigt. Auf diesen Trümmern
wächst nun das neue Ideal der Liebe, das in den Acht Seligkeiten gipfelt.
Die Lektüre dieses Buches ist ein Genuss. Kühlwein verfügt
über eine bilderreiche Sprache und originelle Ideen voll Überraschungen.
Aber er ist trotz der sprudelnden Überraschungen nie banal oder oberflächlich.
Dietrich Koller, Trinitarisch glauben, beten, denken. Die Dreieinigkeit als Liebessymbol, Münsterschwarzacher Kleinschriften 121, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 1999, 72 Seiten.
Dietrich Koller ist evangelisch-lutherischer Theologe und wirkte an der Tagungs- und Bildungsstätte der Communität Casteller Ring auf dem Schwanberg. In diesem Bändchen führt er von verschiedenen Seiten zum christlichen Trinitätsgeheimnis hin: ikonographisch, biblisch, meditativ, theologisch. Dietrich Koller deutet die bekannten christlichen Formeln der Trinitätstheologie (Trinitas, Essentia, Persona, Filioque usw.) und umschreitet dieses unverzichtbare Feld der Formeln und Begriffe methodisch geschickt ohne Konzessionen an banale Plausibilität. Bemerkenswert sind trinitarische Bilddeutungen des Autors, zum Beispiel die berühmte Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubliow. Dietrich Koller, der theologische Erwachsenenbildner, erörtert eingehend die Problematik des trinitarischen Denkens in der gegenwärtigen Zeit mit ihren Zweifeln und Anfechtungen.
Alois Schifferle (Hrsg.), Pfarrei in der Postmoderne? Gemeindebildung in nachchristlicher Zeit. Für Leo Karrer, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1997, 446 Seiten.
Leo Karrer, der Pastoraltheologe von Freiburg, erhielt zum 60. Geburtstag eine reichhaltige Festschrift, die sein Kollege von der Theologischen Hochschule Chur, Alois Schifferle, organisiert und redigiert hat. Der initiative Alois Schifferle zeigte sein Organisationstalent schon mit den Festschriften von Bischof Anton Hänggi (1992) und Mario von Galli (1994). Besonderes Lob verdient Alois Schifferle für die in jeder Hinsicht aktuelle Thematik, die einen pastoralen Fragekomplex umfasst. Dass das Konzept im Grossen und Ganzen durchgezogen werden konnte, gibt dem Band eine thematische Geschlossenheit, die man bei Festschriften selten antrifft. Wir haben einen Band vor uns, den man nicht übersehen sollte, weil seine Thematik brennend aktuell ist.
Angelika Daiker (Hrsg.), Selig sind die Trauernden. Trauer- und Gedenkgottesdienste, Schwabenverlag, Ostfildern 1998, 216 Seiten.
Bestattungsgottesdienste sind nicht immer leicht zu gestalten. Der Seelsorger
ist gerade in heiklen Situationen gefordert, die Botschaft vom gnädigen
und tröstenden Gott zu verkünden, vom Gott, der auch im Tod ein
Gott des Lebens ist.
Die Anregungen der vorliegenden 47 Trauer- und Gedenkgottesdienste sind
in drei grossen Abschnitten geordnet. In einem ersten Kapitel gehen die
Autoren von besonderen Lebensumständen der Verstorbenen aus (junge
Mutter, müder Greis, Unfallopfer). Der zweite Teil visiert bestimmte
Anlässe (Urnenbeisetzung, Jahrzeitgedächtnis, Allerseelen). Der
dritte Teil holt die Gestaltungselemente aus bestimmten Zeiten des Kirchenjahres
(Advent, Fasten, Ostern u.a).
Die Gottesdienste gliedern sich in Schriftlesung, Ansprache, Gebet. Oft
wird noch ein besonderes Gestaltungselement angefügt (Spielzeug bei
Kindern, Osterkerze, Blindenstock, Fotos und passende Gedichte oder Prosatexte).