45/2001 | |
INHALT | |
Berichte |
In einer Urabstimmung haben die Mitglieder des Vereins Katholischer Lehrerinnen
der Schweiz mit 117 gegen eine Stimme die Auflösung beschlossen; am
Vorabend des Eidgenössischen Bettages vollzog die letzte Mitgliederversammlung
im Rathaus in Rapperswil den Beschluss. Die letzte Präsidentin, Marlina
Blum, Hochdorf, stellte fest, dass an dieser Schlussversammlung genau gleich
viele Mitglieder anwesend waren wie bei der Gründungsversammlung am
26. September 1892 in Heiligkreuz bei Cham.
An der ersten Generalversammlung hatten 26 Mitglieder teilgenommen, 13 aus
dem Kanton Aargau, 9 aus der Innerschweiz und 4 aus der Ostschweiz. Sechs
Sektionen sind gegründet worden; später sind noch einige hinzugekommen.
Zwei von ihnen, Gallus in der Ostschweiz und Ticino, wollen überleben
und sind fortan als selbständige Vereine aktiv. Im Rückblick der
Präsidentin wurde unter anderem daran erinnert, dass bis zum Jahre
1933 106 Ehrenmitglieder aufgenommen worden waren, unter ihnen 67 Männer,
fast alles Priester, wie die Präsidentin humorvoll beifügte. Die
weiblichen Ehrenmitglieder waren zur Hauptsache Nonnen.
Der seit einiger Zeit vom Vorstand vorbereitete Auflösungsbeschluss
wurde unter anderem damit begründet, dass seit langem keine Eintritte
mehr erfolgt sind. So konnte sich der Verein nicht mehr erneuern und hat
keine Zukunft mehr. «Die Zeit für eine religiöse Berufsorganisation
ist zu Ende; der Verein hat seinen Zweck und seine Aufgaben, die in der
Vergangenheit zweckmässig und notwendig waren, erfüllt.»
So der Text im Antrag des Vorstandes.
Der Verein Katholischer Lehrerinnen wurde vor 109 Jahren ins Leben gerufen,
um Kontakte unter den katholischen Lehrerinnen der Schweiz zu schaffen,
deren ideelle Interessen zu wahren und sie in der Erziehungsaufgabe im christlichen
Sinn zu unterstützen. Der Verein wollte die religiöse Haltung
der Mitglieder fördern, die Schwesterlichkeit pflegen, die Stimme der
pädagogisch tätigen Frau in der Gesellschaft verstärken und
in Not geratene Mitglieder unterstützen. Zudem leistete der Verein
von Anfang an materielle Hilfe an katholische Sozialwerke und in Armutsgebieten
der weiten Welt.
Ohne Zweifel ist diesen Idealen in den letzten Jahrzehnten immer mehr der
Boden entzogen worden. Die Fortbildung wird heute von mehreren anderen Institutionen
betrieben und auch an religiösen Weiterbildungsmöglichkeiten fehlt
es heute kaum. So hat der Verein seine Konsequenzen zu ziehen beschlossen.
In den ursprünglichen Statuten war festgehalten worden, das bei einer
allfälligen Auflösung des Vereins verbleibende Vermögen falle
dem Bischof von Basel zur freien Verfügung zu. Dies ist vor einiger
Zeit geändert worden. So erhalten heute die verbleibenden Sektionen
Gallus und Ticino 20 Prozent. Einige Gelder werden wohl noch für die
Durchführung der Auflösung benötigt. Zudem wird die gemeinsam
mit dem CLEVS (Christlicher Lehrer- und Erzieherverein der Schweiz) geführte
Hilfskasse nicht leer ausgehen; wie die Präsidentin feststellte, ist
dies immer noch nötig. Das restliche Vermögen wird aktuellen Missionsprojekten
zugeführt.
Constantin Gyr, Sarnen, erinnerte als Vorsitzender der männlichen Parallelorganisation
an die zahlreichen Berührungspunkte und die früher viel intensiver
gepflegte Zusammenarbeit. Mit Bewunderung betrachte er das Werk, das die
Lehrerinnen zustande gebracht haben. In der Tat habe der Verein grosse Verdienste.
Man denke an die Frauenförderung, an die vielen Bildungsangebote für
Frauen und Mädchen, ans Einstehen für menschliche und christliche
Werte. Viele Ziele seien erreicht worden, was einen heute mit Genugtuung
erfülle. Constantin Gyr dankte allen für ihr grosses Engagement.
Ein allerletztes Bildungsangebot machte an der Schlussversammlung die frühere
st. gallische Erziehungsrätin Fides Oswald, indem sie den Lehrerinnen
einen Einblick in die Schönheiten der Dreirosenstadt Rapperswil gewährte.