43/2001 | |
INHALT | |
Berichte |
Vor einem Jahr hat die Zusammenkunft des Deutschschweizer Forums Katholischer
Organisationen (DFKO) sich dazu entschieden, «weiterhin und gezielter
Austausch zwischen Bewegungen, Organisationen und Verbänden»
zu pflegen.<1> Dieser Austausch erfolgte
an der diesjährigen Zusammenkunft unter dem Gesichtspunkt «Miteinander
oder Nebeneinander?!», zu dem Alfred Dubach vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen
Institut (SPI) ein Impulsreferat vortrug, das dann in Gruppen diskutiert
wurde, in denen sich überdies vier Mitgliedsorganisationen des DFKO
vorstellen konnten. Einleitend verschränkte Rita Wick-Egger vom Arbeitsausschuss
(der «Initiativgruppe») des DFKO Nachdenklichkeit mit Zuversicht,
indem sie die Erfahrung, dass «die katholische Welt» bei uns
immer kleiner wird und dass das Katholische wie das Christliche überhaupt
sich immer mehr aus der Öffentlichkeit in den privaten Raum zurückzieht,
mit der Hoffnung verband, gemeinsam Perspektiven entwickeln zu können.
Ausdrücklich erklärte Alfred Dubach als sein Anliegen, dass die
Bewegungen, Organisationen und Verbände stärker im öffentlichen
Diskurs auftreten. Bezug nehmend auf Thomas Kuhns Theorie über das
Paradigma und den Paradigmenwechsel bezeichnete er die gegenwärtige
Situation der Kirche als eine Zwischen- bzw. Übergangsphase, in der
jeder zunächst für sich selber schaue. Dass in der römisch-katholischen
Kirche der Schweiz ein weitreichender Wechsel im Gang ist, wird unmittelbar
klar, wenn man sich an die Bilder von der Kirche als Fels in der Brandung
erinnert. In der heutigen Situation scheint sie dem Religionssoziologen
als im Wesentlichen von zwei Säulen getragen: der kirchenverfassungsmässigen
Gestalt auf der einen und der öffentlich-rechtlichen Struktur auf der
andern Seite; dazwischen sieht Alfred Dubach den Bereich der Selbstorganisation
der Laien mit eben den Bewegungen, Organisationen und Verbänden. In
der institutionell hierarchischen Kirche hätten die Laien in den verschiedenen
Räten die Möglichkeit der Beratung, in der institutionell demokratischen
Kirche die Möglichkeit der demokratischen Mitwirkung. Die Ressource
der hierarchischen Kirche sei die Gefolgschaft, jene der öffentlich-rechtlichen
Kirche das Geld und jene der Selbstorganisation Zeit und Engagement. Weil
der öffentlich-rechtliche Bereich an Bedeutung gewonnen habe, müsste
der Bereich der Selbstorganisation nachziehen; namentlich die neuen Gruppierungen
seien eine kommunitäre Kraft und könnten neue Bevölkerungssegmente
ansprechen. Die im Bereich der Selbstorganisation vorhandene Vielfalt der
Gruppierungen sei typisch für eine Übergangsphase. Um stärker
zu werden, müsse der Weg der Selbstorganisation gegangen werden, müssten
die Laien ihre Stimme erheben, müssten sie sich ein Sprachrohr schaffen.
In den Gruppengesprächen und dann auch noch im abschliessenden Plenum
wurde an diesem Impulsreferat einige Kritik geübt; als beobachtender
Berichterstatter gewann ich den Eindruck, dass manche mit der objektivierenden
sozialwissenschaftlichen Betrachtungsweise Mühe hatten ganz abgesehen
von der knappen zur Verfügung stehenden Zeit, was eine holzschnittartige
Darstellung nahe gelegt hatte. Knapp bemessen war die Zeit auch für
den Informationsaustausch, so dass von einigen Mitgliedsorganisationen und
den Vertretern der Bischofskonferenz wohl über abgeschlossene, laufende
und geplante Projekte informiert werden, ein Austausch hingegen nicht stattfinden
konnte.
Nicht durchgeführt werden konnten die Ergänzungswahlen in den
Arbeitsausschuss (die «Initiativgruppe») und in das Schweizerische
Koordinationskomitee Katholischer Laien (SKKL), in dem neben dem DFKO die
Communauté Romande de l'Apostolat des Laïcs (CRAL), das Tessiner
Laienkomitee und das Ausländerkomitee vertreten sind und das so die
«selbstorganisierten» Laien im Europäischen Forum der Nationalen
Laienkomitees vertritt. Angenommen wurde sodann eine Überarbeitung
der Leitlinien des DFKO; für den Beobachter befremdlich wirkt, dass
die eher gesellschaftsbezogenen Aufgaben beispielsweise die Formulierung
gemeinsamer Anliegen gestrichen wurden.
Abgeschlossen und abgerundet wurde die Zusammenkunft des DFKO von Weihbischof
Denis Theurillat, in der Bischofskonferenz für Fragen des Laienapostolats
verantwortlich, mit Gedanken auf den Weg. Er nimmt in der heutigen Zeit
eine grosse Spannung zwischen der Säkularisierung und der Sehnsucht
nach Spiritualität wahr; ohne Gott zu leben, sei ohne weiteres denkbar,
mit Gott zu leben eröffne dem Leben indes erst seine Tiefendimension.
In den Gesprächen habe er feststellen können, wie grosse Reichtümer
es in den Verbänden gebe und dass grosse Arbeit geleistet werde; dies
zeuge von der Vielfalt in unserer Kirche. Zu fragen bleibe schliesslich,
ob diese Vielfalt als ein Nebeneinander mit Trennungen und Konkurrenz oder
als ein Miteinander gelebt werde; in einem Kloster habe er in einer Homilie
über die Berufung des Mose die Antwort Gottes auf Moses Zögern:
«Ich bin mit dir» auf ein «mit» konzentriert, und
dieses «mit» habe spürbar nachgeklungen. Dieses «mit»
legte Weihbischof Theurillat auch den Delegierten des DFKO ans Herz: «Wie
die Kirche Dienerin Gottes ist, sind wir alle Diener und Dienerinnen
zusammen!»
1 Rolf Weibel, Fraktioniert, in: SKZ 168 (2000) Nr. 37, S. 525f.