41/2001 | |
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Berichte |
Am vergangenen Dienstag erstatteten drei Mitglieder der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) und eine neunköpfige Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) Bericht über ihren zehntägigen Besuch in Südafrika. Im Zentrum stand die Situation im «Post-Appartheid-Südafrika». Jetzt verlangen die Kirchen die Offenlegung der Beziehungen zum ehemaligen Regime.
Am Dienstagabend, dem Tag der Rückreise, war lange unklar, ob die
Delegationen mit der Swissair heimfliegen können. Zu vieles lag im
Ungewissen. Doch am Mittwoch landete der SR-Kurs 283 pünktlich kurz
nach 8 Uhr in Zürich-Kloten.
Auf der zehntägigen Reise besuchten sie die Townships von Soweto, Alexandra
(Johannesburg), Guguletho (Kapstadt) und Mdantsane (East London). Damit
versuchten sie mehr zu erfahren über die seit der Aufhebung der Apartheid
erfolgten Veränderungen in Kirchen und Gesellschaft. Die Delegationen
haben sich auch mit der Wahrheitskommission getroffen. Bei diesem Treffen
haben sie mit dem Kirchenrat Südafrikas über die Entschuldung
gesprochen.
Thomas Wipf, Präsident des Rates des SEK, hat auf der Reise «Zeichen der Hoffnung» entdeckt. Am 30. September wurde in Johannesburg die «Magnus Malan Strasse» auf den Namen «Beyer Naudés Strasse umbenannt. Beyer Naudés hatte sich offen für die Benachteiligten im Apartheid-Regime eingesetzt. Von Slum-Bewohnern habe er erfahren, dass Geld allein die Not nicht lindere. Vielmehr wollen diese im Entwicklungsprozess als Partner wahrgenommen werden. Deshalb werde sich das Heks für die Würde dieser Ärmsten weiter einsetzen, erklärte Wipf. Als Folge der Armut grassierten HIV-Aids (20 Prozent) und Arbeitslosigkeit (60 Prozent). Gerade bei der Aids-Thematik seien die Kirchen bis zum Äussersten gefordert. Der Südafrikanische Kirchenrat setze sich dazu sehr für die Enttabuisierung der Benutzung von Kondomen ein, damit immer weniger Frauen Opfer von Gewalt werden.
Die Rassentrennung sei noch lange nicht überwunden, betonte Wipf. Sie sei zwar offiziell abgeschafft, habe jedoch «in vielen Köpfen und Herzen überlebt.» Während der Reise habe er weitgehend im Einverständnis mit der SBK-Delegation folgende Erkenntnisse gewonnen und Konsequenzen gezogen: «Wir bedauern, dass wir als Kirchen zu wenig für die Opfer der Apartheid eingestanden sind. Es sei deshalb nötig, sich mit den Beziehungen in der Zeit der Apartheid zu befassen und die Geschichte des Kirchenbundes, seiner Mitglieder und Werke aufzuarbeiten.» Deshalb unterstütze der SEK die Untersuchungen der politischen und militärischen Beziehungen der Schweiz zu Südafrika zur Zeit der Apartheid. Wipf verlangt auch von den Banken und Unternehmen, dass sie ihre Archive für diese Arbeiten öffnen, und einen Schuldenerlass.
Anders als der SEK werde die Schweizerische Bischofskonferenz die Konsequenzen
erst später, das heisst nachdem sie die Erkenntnisse vertieft und das
Plenum die Entscheide beschlossen hat, der Öffentlichkeit vorstellen,
erklärte der St. Galler Bischof Ivo Fürer. Soviel war von ihm
zu erfahren: «Die Stossrichtung ist die gleiche wie beim SEK.»
Die Beziehungen der SBK zu Südafrika beschränken sich auf die
Einsätze von Fastenopfer und Caritas. Nach Walter Ulmi (Fastenopfer)
helfe seine Organisation beim Aufbau der Demokratie und der Realisierung
der Menschenrechte. Seit 1994 würden Anwälte für die Durchsetzung
der Menschenrechte unterstützt. Gleichzeitig informiere das Hilfswerk
die Bevölkerung über ihre in der Verfassung garantierten Rechte,
erklärte Ulmi. Pro Jahr etwa fliessen 1,3 Millionen Franken nach Südafrika.
Caritas ist in Friedensprojekten tätig und fördert ebenfalls die
Demokratisierung des Landes. Niederlassungen mit Schweizern und Schweizerinnen
unterhalten auch das Kloster Menzingen und die Mariannhiller Missionare.
Im Gespräch mit den Mitgliedern der SBK wies Walter Ulmi auf die «versteckte
Armut» hin. Touristen würde der Eindruck vermittelt, dass es
in Südafrika keine Armut mehr gebe. Die Slums würden geradezu
versteckt. Aber auch die Vermögenden bezeichnete er als «unfrei»:
Sie leben in Gefängnissen von Luxus, geschützt durch modernste
Technik. Zudem würden die Mächtigen ihre Macht schamlos missbrauchen.
Er erwarte deshalb bald auch soziale Unruhen. Weihbischof Paul Vollmar betonte,
er habe «genau hingehört, ohne zu urteilen». Vielmehr versuche
die SBK begleitend zu helfen.
Die Bischöfe Ivo Fürer und Paul Vollmar sowie Jo-seph Roduit, Abt von St. Maurice waren im Auftrag der SBK in Südafrika. Mitgereist waren Martin Bernet vom Schweizerischen katholischen Missionsrat sowie die beiden Mitglieder des Fastenopfers, Direktor Antonio Hautle und Walter Ulmi, Projektverant-wortlicher für Südafrika. Der Kontakt der SBK besteht seit Jahren und war während der Zeit der Apartheid besonders wichtig.