37/2001 | |
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Berichte |
Migration, Integration und Asyl gehören zu den meist diskutierten
politischen Themen. Sie wecken Emotionen und lassen sich leicht zum eigenen
Vorteil und Nutzen von Parteien und Organisationen verwenden.» So
beginnt der von Nationaldirektor Urs Köppel verfasste «Jahresbericht
2000» der migratio, der Kommission der Schweizer Bischofskonferenz,
der früheren SKAF.
Urs Köppel erinnerte daran, dass bereits vor einem Vierteljahrhundert
die Schweizer Bischofskonferenz und der Vorstand des Schweizerischen Evangelischen
Kirchenbundes gemeinsam «Die 7 Thesen der Kirchen zur Ausländerpolitik»
veröffentlicht und sie später überarbeitet neu herausgegeben
hatten. Aber: solche kirchliche «Überlegungen und Stellungnahmen
erhalten keine öffentliche Resonanz». Dennoch dürfen die
Verantwortlichen nicht einfach resignieren. Sie versuchen vielmehr, stets
neu ans Problem heranzukommen und aktuelle Teilthemen aufzugreifen, einerseits
im November im Hinblick auf den «Tag der Völker», wie der
frühere Ausländersonntag heute heisst, und im Mai auf Grund der
jeweiligen Hauptversammlung.
An der diesjährigen Hauptversammlung setzte sich Rosita Fibbi, Soziologin
und Forscherin an der Universität Lausanne, für neue Perspektiven
und eine neue Migrationspolitik ein. In ihrem Blick über die Landesgrenzen
hinaus erinnerte sie an die Migrationsentwicklung der letzten Jahre. Während
früher vor allem Leute aus anderen Ländern als Arbeitskräfte
eingewandert waren, sieht sich Europa seit rund zehn Jahren mit dem Flüchtlingsproblem,
namentlich aus dem früheren Jugoslawien, konfrontiert. Italien, Griechenland
und Spanien sind selber zu Einwanderungsländern geworden. Dabei ist
der Anteil der in die Schweiz eingewanderten Frauen auffallend angewachsen.
Vor 20 Jahren traf es auf 100 eingewanderte Männer gut 80 Frauen. In
der jüngsten Vergangenheit jedoch übertraf der Frauenanteil die
Hälfte aller Einwanderer.
Italiener, Spanier, Griechen und auch Portugiesen sind Leute, die einem
von Ferien in ihrer Heimat her bekannt vorkommen. Einwanderer aus dem Balkan
scheinen viel mehr Fremde. Nach Rosita Fibbi führte ihr Auftauchen
zu einer wachsenden Abwehrhaltung, zu grösseren Befürchtungen.
Die Folge war eine ausgesprochene Abschreckungspolitik auf der staatlichen
Ebene. So sind die zahlreichen Gesetzesänderungen der letzten Jahre
zu verstehen.
Gleichsam als Antwort auf diese Politik forderte die Referentin neue Theorien
der Inkorporation, ein verstärktes Engagement der Einwanderer selber.
Die Einwanderungsgesellschaft sei zu einem wichtigen Partner geworden. Dabei
seien über den kulturellen und sprachlichen Faktor hinaus vor allem
strukturelle, wirtschaftliche und soziale Elemente einzubeziehen. Das Mittun
der Einwanderer selber ist nach Rosita Fibbi Voraussetzung, dass die Inkorporationspolitik
Erfolg haben werde.
Der Ausländerbeauftragte der Stadt Basel, Thomas Kessler, zeigte, wie die Stadt Basel, in der heute ausländische Staatsangehörige 27% der Bevölkerung ausmachen, wo es Quartiere gibt, in denen nicht mehr die Hälfte der Einwohner Schweizer sind, mit einem neuen Integrationsleitbild versucht, zukunftsgerichtet und visionär, leistungs- und aufstiegsorientiert die Integration zu fördern. Gelingt die Integration, so profitiert die ganze Gesellschaft. Deshalb ist ein Miteinander unabdingbar. Ausländer müssen gefördert, aber auch selber gefordert werden. Die sachlichen, mit konkreten Beispielen veranschaulichten Ausführungen sind bei den Mitgliedern der migratio auf grosses Interesse gestossen und haben denn auch eine interessante Diskussion ausgelöst. Diese darf aber nicht als beendet betrachtet werden. Vielmehr gilt es, Gehörtes am eigenen Ort in die Praxis umzusetzen. Gerade im Hinblick auf den diesjährigen «Tag der Völker» im November wird man sich ans Basler Leitbild erinnern müssen.
Im Namen der Schweizer Bischofskonferenz liess Norbert Brunner, Bischof
von Sitten, den Dank für allen Einsatz ausrichten. Der persönlich
anwesende neue Generalsekretär der Konferenz, Pfarrer Agnell Rickenmann,
schloss sich dem an. Auch Bischof Brunner betonte, dass es in der neuen
Situation mit bereits früher Eingewanderten und der neuen Wanderungsbewegung
der ersten Generation ein Umdenken und einen Akt der Solidarität braucht,
damit gültige Lösungen angeboten und verwirklicht werden können.
Auch der neue Präsident von migratio, Fulvio Caccia, Bellinzona, stellte
sich hinter die neuen Forderungen und dankte allen Mitarbeitenden, zumal
jenen in den vier Kommissionen bzw. Arbeitsgruppen von migratio, für
das stete und unablässige Bemühen im Umgang mit den eingewanderten
Mitchristen und in der Aufklärungsarbeit bei der einheimischen Bevölkerung,
wo mehr denn je Verständnis und Offenheit nötig sind.
Alle fünf Jahre treffen sich Ministrantinnen und Ministranten (Minis)
aus ganz Europa in Rom auf Einladung des CIM (Coetus Internationalis Ministrantium/Europäische
Zusam-menarbeit in der Ministrantenpastoral). So kamen vom 28. Juli bis
4. August 2001 wieder gegen 22000 eher ältere Ministranten in Rom zusammen:
etwa 16000 aus Deutschland, 1600 aus Ungarn, 1000 aus Österreich und
Italien, 350 aus der Schweiz sowie weitere Gruppen aus Polen, Slowakei,
Rumänien, Niederlande, Malta, Tschechien und Jugoslawien. Alle Minis
trugen das gleiche Wallfahrtshalstuch, das (als Projekt der Entwicklungshilfe)
in Indien mit dem Emblem «CIM Roma 2001» bestickt wurde. Jede
Nation hatte das Halstuch in einer eigenen Farbe: Rot die Schweizer, Blau
die Deutschen, Orange die Österreicher, Gelb die Ungarn usw. Überall
war zu spüren, dass die Minis über ihren eigenen Kirchturm hinaus
andere Kollegen und Kolleginnen treffen wollten, auch aus andern Ländern.
Welcher Ort wäre für ein solches internationales Treffen geeigneter
als Rom? So kam es zu unzähligen internationalen Kontakten. Bald wurden
die farbigen Halstücher so eifrig ausgetauscht, dass wir uns oft in
einer falschen Sprache anredeten!
Was hat die vielen Ministrantinnen und Ministranten motiviert, ausgerechnet
in der grössten Sommerhitze nach Rom zu kommen? Viele antworteten mir:
«Hier bin ich nicht allein, sondern mit so vielen andern fröhlichen
Jugendlichen aus andern Ländern zusammen!» Offenbar werden immer
mehr Ministranten und Ministrantinnen von ihren Kollegen und Kolleginnen
in Frage gestellt, weil sie sich in der Kirche engagieren. Da brauchen sie
solche Zusammenkünfte, in denen sie spüren können: Ich bin
nicht allein, ich bin nicht abnormal, es gibt noch so viele andere aufgestellte
Jugendliche mit dem gleichen Ideal.
Fasziniert wurden die Jugendlichen von den vielen Sehenswürdigkeiten
in Rom, die sie eifrig besuchten: die antiken Ruinen, das Kolosseum, die
Katakomben, das Pantheon, die vielen grossartigen Kirchen, die schönen
Plätze, aber auch das Meer in Ostia, Tivoli und anderes mehr. Die Schweizer
Minis besuchten natürlich auch die Schweizergarde in ihrem Quartier
und die deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan.
Die 22000 Minis wohnten an verschiedenen Orten: in Pensionen, Hotels, religiösen
Schulen und Häusern. Auf verschiedenen Wegen sind sie mit Bahn und
Bus nach Rom gekommen. Doch alle trafen sich am Dienstag, den 31. Juli bei
der Wallfahrt zum Grab des heiligen Petrus im Petersdom. Danach folgte um
19.30 Uhr auf dem Petersplatz ein mehrsprachiger Wortgottesdienst, bei dem
der CIM-Präsident, Weihbischof Martin Gächter, auf die überragende
Bedeutung von Jesus Christus hinwies, dem die Minis in der Eucharistie dienen.
Heute sind ja die meisten Menschen religiös, auch wenn sie oft die
Kirche meiden. Dadurch können sie aber Christus verpassen, der zugleich
Mensch und Gottes Sohn ist und uns zeigt, dass wir uns umso mehr als Menschen
entfalten können, wenn wir auf Gottes Wort hören und uns mit Gott
verbinden. Beim eindrücklichen Gottesdienst wurde in allen Sprachen
(auch in «Schwyzerdütsch») gebetet und auch an die Abwesenden,
darunter 45 Ukrainer, die kein Visum erhielten, gedacht. Dabei wurde auch
das grösste Rauchfass der Welt angezündet. Ministranten aus Augsburg
haben es konstruiert und mitgebracht: Mit 3 m Höhe und 180 kg Gewicht
ist es noch grösser als das berühmte Rauchfass von Santiago de
Compostela. Die Augsburger Minis hatten nämlich vor drei Jahren gemerkt,
dass ihre grossen und interessanten Treffen von 1000 Ministranten zu wenig
Interesse in der Öffentlichkeit und in den Medien fanden. Doch als
sie das grösste Rauchfass fürs Guinnessbuch der Rekorde schufen,
kamen die Medien und die grossen TV-Stationen, um dann nicht nur über
das Rauchfass, sondern auch über die vielen interessanten Ministranten
zu berichten. So geschah es auch in Rom. Das Jumbo-Rauchfass liess eine
riesige Rauchsäule über den Petersplatz aufsteigen, die der deutsche
Jugendbischof Franz-Josef Bode mit der Wolkensäule verglich, in der
Gott das jüdische Volk aus Ägypten herausführte.
Nach dem Gottesdienst folgte auf dem Petersplatz ein frohes Fest, bei dem
zwei Ministranten-Bands musizierten und packende geistliche Gesänge
vortrugen. Die Schweizer spielten unter dem Baldachin vor der Fassade des
Petersdoms eine lustige Alphorn-Parodie, die einen Riesenapplaus erntete.
Eine prächtige Blaskapelle der Paderborner-Minis, eine Darbietung mit
brennenden Keulen und viele andere Beiträge aus den verschiedenen Nationen
erfreuten die Anwesenden, bevor sie um 22 Uhr in vorbildlicher Ordnung den
Petersplatz verliessen, denn die Vatikan-Angestellten mussten den Platz
reinigen und alle 22000 Stühle für die Papstaudienz am folgenden
Morgen ordnen. Die Ministranten schätzen diese Grosszügigkeit
des Vatikans, der den prächtigen Petersplatz für ein festliches
Treffen bis in die Nacht hinein zur Verfügung gestellt hat.
Am Mittwochmorgen kamen die 22000 Minis wieder auf den Petersplatz zur
Papstaudienz. Als erste die Polen, welche die vordersten Plätze besetzen
wollten. Hinter ihnen waren die Limburger zu erkennen an einem grossen Transparent
«We love Bishop Kamphaus», mit dem sie an die Problematik der
deutschen Schwangerschafts-Konfliktberatung erinnern.
Das gemeinsame Wallfahrtsthema «Unterwegs in eine neue Welt»
wurde vor der Papstaudienz aufgenommen in einem gemeinsamen Bekenntnis für
eine neue Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden zwischen den Menschen verschiedener
Nationen, Geschlechter und Kontinente herrschen; eine neue Welt, in der
Versöhnung gelebt wird und nicht Rache, in der die Einzigartigkeit
und Würde eines jeden Menschen mit seinen unterschiedlichen Begabungen
beachtet wird. Die Ministranten und Ministrantinnen wollen sich einsetzen
für eine neue Welt, in der aus Fremden Freunde werden, in der alle
Menschen Freude und das zum Leben Notwendige haben, eine neue Welt, in der
Gottes Wille mehr zählt als Macht, Besitz und Konsum. Dieses in mehreren
Sprachen vorgetragene Bekenntnis für eine neue Welt wurde mit dem gemeinsam
gesungenen Amen mehrfach bekräftigt.
Von Castelgandolfo kam Papst Johannes Paul II. auf den Petersplatz zur 1000.
Generalaudienz seines Pontifikates am Mittwoch, den 1. August 2001. Er wurde
vom CIM-Präsidenten Weihbischof Martin Gächter im Namen der 22000
Ministranten begrüsst und erhielt das eben ausgesprochene Bekenntnis
«Unterwegs in eine neue Welt» und das Wallfahrtstuch «CIM
Roma 2001», natürlich als Spezialanfertigung in der päpstlichen
weissen Farbe.
Der Papst zeigte seine grosse Freude an den vielen Ministranten und widmete
ihnen eine eindrückliche Ansprache, die er vorwiegend auf Deutsch hielt.
Er erinnerte daran, dass das Ministrantenkleid auf Christus hinweist, den
wir in der Taufe «angezogen» haben. Auch wenn sie einmal aus
dem Ministrantenkleid hinauswachsen, bleiben die Ministranten und Ministrantinnen
im Dienst an Christus und der Kirche. In ihrem Dienst sollen sie immer mehr
Freunde Christi werden und diese Freundschaft allen Menschen bringen. Besonders
schön zeigt sich diese Freundschaft mit Christus, wenn sich junge Männer
aus der Reihe der Ministranten zum Priestertum entscheiden können.
«Jesus braucht dringend junge Menschen, die sich ihm grossmütig
und vorbehaltlos zur Verfügung stellen. Könnte es sein, dass der
Herr auch das eine oder andere Mädchen von euch ruft, um ein gottgeweihtes
Leben zu führen und so der Kirche und den Menschen zu dienen? Auch
für jene, die sich einmal in der Ehe binden werden, kann das Ministrieren
eine gute Schule dafür sein, dass eine gelingende Partnerschaft stets
die Bereitschaft zum gegenseitigen Dienen aus freien Stücken einschliessen
muss.»
Die Worte des Papstes an die Ministranten und Ministrantinnen beeindruckten
alle sehr. Nachdem er seine Gedanken in vielen Sprachen zusammengefasst
hat und für alle Gottes Segen erbat, liess es sich der greise Papst
nicht nehmen, mit kleinen Schritten zum grössten Rauchfass der Welt
zu gehen, um selber Weihrauch einzulegen und mit seinem Stock ans Rauchfass
zu klopfen.
Als er schon ins Auto gestiegen war, winkte er mir, um mir nochmals zu danken
für meinen Einsatz für die Ministranten. Diesen Dank des Papstes
muss ich unbedingt allen weitergeben, die sich für die Ministrantinnen
und Ministranten einsetzen in den Pfarreien, Diözesen und Ländern.
Besonderen Dank gehört dem CIM (Coetus Internationalis Ministrantium)
für seine mühsame und komplizierte internationale Zusammenarbeit,
die ja nicht von Rom, sondern mühsam «von unten» aus den
verschiedenen Ländern Europas heraus erfolgt. Dank gehört auch
der «Deutschschweizerischen Arbeitsgruppe für MinistrantInnenpastoral»
(damp), die dank ihres neuen halbzeitlichen Sekretariates in Zürich
überhaupt erst fähig war, zum ersten Mal die Minis aus der Schweiz
in einer grösseren Zahl zu dieser Romwallfahrt einzuladen und zu begleiten
(vgl. ihren Bericht und Bilder auf www.minis.ch).
Viele fragten, wann wird die nächste Europäische Ministranten-Romwallfahrt
stattfinden? Im Jahre 2005? Hoffentlich, aber es ist noch ungewiss, weil
sie vom CIM wieder «von unten», das heisst mit Hilfe vieler
Freiwilliger aus den verschiedenen Ländern Europas organisiert werden
muss. Werden sie sich in den kommenden Jahren wieder finden?
Weihbischof Martin Gächter ist Präsident des CIM (Coetus Internationalis Ministrantium/Europäische Zusammenarbeit in der Ministrantenpastoral).
Die Frage eines Mitglieds der Kinderhilfe Bethlehem (KHB), ob sich die
Ärzte des Kinderspitals, des Caritas Baby Hospital, auch in Kriegsmedizin
weiterbilden würden, war für die diesjährige Generalversammlung
des Vereins KHB bezeichnend. Die KHB-Präsidentin Margrit Zemp hatte
schon ihren schriftlichen Jahresbericht gleichsam leitmotivisch unter den
Gedanken des «ganz anders» gestellt, womit sie nicht zuletzt
die Veränderungen im Gefolge der Al-Aqsa-Intifada ansprach. Bei seiner
mündlichen Erörterung betonte sie vor allem die psychologische
Seite der gegenwärtigen Situation: Dieser schleichende Krieg lähme,
er lähme Kinder wie Eltern, und das Caritas Baby Hospital könne
jetzt auch als Arbeitgeber mit rund 180 Arbeitsplätzen für
palästinensische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mit gerechten
Löhnen Unterstützung leisten.
Der kriegsähnliche Zustand erschwere allerdings den Spitalbetrieb,
berichtete die langjährige Laborleiterin des Kinderspitals, Irmgard
Schmid, als Ehrenbürgerin von Bethlehem in Bethlehem lebend. Die häufige
und unregelmässige Abriegelung der Grenzen zu Israel habe eine Unregelmässigkeit
der Arbeits- und mithin Verdienstmöglichkeiten zur Folge, so dass mit
zunehmender Armut auch die Bedeutung der Sozialstation des Spitals zugenommen
habe. (Von der Abriegelung der Grenze seien natürlich auch Christen
und Juden betroffen.)
Das Personal selber leide unter der kriegsähnlichen Situation, sei
wegen nächtlichen Kämpfen unausgeruht oder tagsüber in Sorge
wegen der Kinder zu Hause. Weil zudem die drei Zonen der palästinensischen
Gebiete gegeneinander abgeriegelt werden, sei auch der Zugang zum Spital
erschwert. Suchten vor der Intifada täglich 50 bis 80 Mütter die
Poliklinik auf, seien es heute nur mehr 20 bis 40. Dass das Personal trotz
aller Belastung Beschäftigungslücken für gezielte Fort- und
Weiterbildung genutzt hat, wurde von der Generalversammlung mit Respekt
vermerkt.
Langfristig von noch grösserer Bedeutung sei die Auswanderung
ein Exodus habe begonnen, brachte Irmgard Schmid diese Kriegsfolge auf den
Punkt. Bethlehem sei zu 80% vom Tourismus abhängig und dieser sei gegenwärtig
praktisch zum Erliegen gekommen. In dieser schlimmen wirtschaftlichen Situation
würden viele an die Auswanderung denken oder sich schon darauf vorbereiten.
Um so wichtiger sei, betonte der medizinische Berater der KHB, Prof. Gregor
Schubiger, dass sich das Caritas Baby Hospital unentwegt für jene einsetze,
die an der politischen Situation am wenigsten schuld sind, nämlich
die Kinder und ihre Mütter. Auch die Diagnosenstatistik widerspiegle
die sozio-ökonomische Situation. Dass Krankheiten der Atmungsorgane
sowie infektiöse und parasitäre Krankheiten an der Spitze ständen,
sei ein klassisches Symptom für Entwicklungsländer, ein «klassisches
Versagen der Prävention». Das Caritas Baby Hospital sei so eine
Insel mitten in der israelischen Spitzenmedizin, in Palästina selber
aber vorbildlich, auch mit seinen Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten.
So entwickelte sich die Pflegerinnenschule des Kinderspitals zu einem von
den palästinensischen Behörden anerkannten Community-College weiter.
Die Jahresrechnung der KHB widerspiegelt den Abschluss der Renovation und
baulichen Sanierung des Kinderspitals. Die Sanierung von Labor und Wäscherei
steht noch bevor, und die Erneuerung der Wasseraufbereitung konnte wegen
der politischen Situation noch nicht abgeschlossen werden. Der finanzielle
Rahmen ist nicht angespannt, erläuterte der KHB-Geschäftsführer
Klaus Röllin, doch er verlangt ein kostenbewusstes Wirtschaften und
grosse Anstrengungen, um immer wieder jene Mittel zu erhalten, die die Kinderhilfe
braucht, um ihre Aufgaben im bisherigen Umfang erfüllen zu können.
Bei einem Haushalt in der Höhe von gut Fr. 8,6 Mio. für das laufende
Jahr muss mit Spenden in der Höhe von gut Fr. 7,4 Mio. gerechnet werden
können. Dabei gibt es viel nicht Vorhersehbares. Währungsbedingt
verdoppelte sich zum Beispiel so der letztjährige Kostenschub von gegen
15% auf rund 30%.
Der langjährige und verdiente KHB-Präsident Pfarrer Robert Füglister
sollte an der diesjährigen Generalversammlung geehrt werden. Er wurde
auch mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet, konnte diese Ehrung aber
nicht persönlich entgegennehmen, weil er es vorzog, eine Verpflichtung
in seiner Pfarrei wahrzunehmen. Sich ehren zu lassen liebt er offensichtlich
weniger; den Dank hat er aber verdient.
Vor geraumer Zeit zurückgetreten ist Pfarrer Robert Füglister
auch als Präsident des Fördervereins zugunsten der Universität
Bethlehem (Association for Bethlehem University/Association en faveur de
la Bethelehem University [ABU]); diese Aufgabe konnte er Prof. Heinrich
Koller weitergeben.
Eine Tagung im Haus der Stille in Kappel a.A. befasste sich am letzten
Wochenende im August mit neuen Problemen des Kirchenbaus. In der Diskussion
zwischen Architekten und Theologen wurde deutlich, dass die Komplexität
der heutigen religiösen Situation sich auch im Bereich des kirchlichen
Bauens spiegelt.
Speziell an der Tagung «Der Raum der Kirche» veranstaltet
von der Schweizerischen St. Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche
war ihr interdisziplinärer Charakter. Gleich zu Beginn wurde
festgehalten, dass die Zeiten fruchtbarer Zusamenarbeit zwischen Theologen
und Architekten im Bereich des Kirchenbaus vorbei sind. Die Folgen dieses
Defizits spüren vor allem jene, die konkret mit dem Kirchenbau konfrontiert
sind, die Gemeinden. Die Tagung wurde denn auch von einer Reihe von Vertretern
aus Kirchgemeinden besucht, die Bauprojekte in Arbeit haben.
Aus den Vorträgen wurde deutlich, dass sich in den vergangen Jahrzehnten
die Probleme verschoben haben. Heute geht es weniger um Neubauten, dafür
umso mehr um Umbauten und Renovationen, also um die Frage einer sinnvollen
Balance zwischen Tradition und Neuem. Gerade in grossen Städten mit
ihren oftmals zu grossen Kirchen muss man sich auch mit dem Gedanken der
Umnutzung von kirchlichen Bauten befassen.
In einer von Pluralismus und Mobilität geprägten religiösen
Landschaft gibt es zudem auch neue Bauaufgaben: Es entstehen religiöse
Räume in Spitälern, Bahnhöfen, Flugplätzen, an Autobahnen
usw. Diese sind oftmals nicht mehr exklusiv christliche Räume, sondern
inter- bzw. multireligiöse oder «Räume der Stille».
Einfache Lösungen konnte die Tagung nicht liefern. Vielmehr war die
Einsicht wichtig, dass die komplexe religiöse Situation der Gegenwart
auch vor dem Kirchenbau nicht Halt macht. Als Konsens unter den Diskutierenden
ergab sich, dass bei kirchlichen Bauprojekten eine enge Zusammenarbeit zwischen
Architekten, Theologen und Kirchgemeinden unerlässlich ist.