15-16/2001 | |
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Berichte |
An der Thomas-Akademie der Theologischen Schule des Klosters Einsiedeln
sprach Dr. Reinhold Stecher, emeritierter Bischof von Innsbruck, über
«Bischof sein heute». Die Erlebnisse der Kriegsjahre und vor
allem die Jahre, da ihm als Jugendseelsorger die studierende Jugend anvertraut
war, prägten Reinhold Stecher. Von 1981 bis 1997 Bischof von Innsbruck,
bestimmte der Grundsatz «Vertrauen ist der Föhn kirchlichen Lebens
Misstrauen erzeugt Eiswind» seine Amtsführung.
Vier Wesenszüge, neben einer guten theologischen Bildung und seelsorgerlichen
Erfahrung, sollte ein Bischof in sein Amt mitbringen, meinte Dr. Reinhold
Stecher in seinem Referat «Heute Bischof sein». Ein Bischof
muss vor allem ein intaktes pastorales Urvertrauen in sein Amt mitbringen.
Er muss sich dieses persönlichen Urvertrauens immer wieder versichern,
sich im Gebet und bewusst gesuchter Stille in dieses Urvertrauen, letztlich
in den dreifaltigen Gott, versenken. Nur so kann er den vielen suchenden
Menschen Vertrauen schenken.
Ein Bischof muss geprägt sein vom biblischen Urbild des Hirten. Mehr
denn je ist es notwendig, geschichtlich gewordene Engführungen und
Verdunklungen des Bischofsamtes zu durchbrechen: weniger Landesfürst
oder Provinz-Statthalter, mehr und bewusster Hirte. Die Bischofsweihe darf
nicht zum Beginn einer Beamten- oder Verwalterlaufbahn werden.
Der Bischof muss sich deshalb ständig bemühen, ein positives Klima
des Vertrauens zu schaffen, wie es uns Paulus im Galaterbrief vorzeichnet:
Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut
(Gal 5,22). Auch heute wirkt Gottes Geist in vielen und durch viele in der
Kirche. Vertrauen ist der Föhn des kirchlichen Lebens Misstrauen
wirkt wie ein Eiswind.
Als vierten Wesenszug schliesslich skizzierte Bischof Stecher die Vertrauen
schaffende Beziehung des Bischofs zur modernen Gesellschaft, zu den Kreisen
der Politik, der Finanzen, der Forschung, der Industrie. Es gilt, die Chance
des Gespräches wahrzunehmen, nicht um die moderne Gesellschaft einfach
zu verchristlichen, vielmehr um auf die tiefer liegenden Werte hinzuweisen.
Bischof Stecher betonte die Wichtigkeit einer positiven Haltung den vielen
gegenüber, die zwar selten oder kaum zur Kirche gehen, aber religiös
interessiert sind und auf einen orientierenden Hinweis der Kirche warten.
Gefragt, was ein Bischof vor allem in sein Amt mitbringen sollte, meinte
alt Bischof Stecher: ein grosses Vertrauen ins Petrusamt der Kirche, ein
ungebrochenes Vertrauen in seine ihm anvertraute Herde.