7/2001 | |
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Berichte |
Biblischer Glaube als erfahrbare Deutung des Alltags hat in der Vielfalt der Lebensdeutungen unserer Zeit eine Chance. Das ist die Überzeugung nicht nur der Verantwortlichen der Arbeitsstelle und des Vereins Information Kirchliche Berufe (IKB), sondern in letzter Konsequenz aller Christinnen und Christen. Um dies aber gerade in der heutigen Zeit auch im öffentlichen Bewusstsein zu halten wenn nicht gar wieder neu zu erschliessen braucht es Menschen, die zu ihrem Glauben stehen, davon Zeugnis geben und so Aufmerksamkeit schaffen. Ganz im Sinn der Apostel («Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben», Apg 4,20) fand am 29. und 30. September die Jahrestagung der Arbeitsstelle und des Vereins IKB im Schweizer Jugend- und Bildungszentrum in Einsiedeln statt.
Die Zeit für kirchliche Berufe sei, gelinde gesagt, nicht sehr günstig. So eröffnete Gastreferent Franz Annen, Rektor der Theologischen Hochschule Chur, seine Ausführungen zum Thema der IKB-Jahrestagung unter dem Motto «Glaube, der bewegt». Doch die Verantwortlichen für die Berufungspastoral aus Bistümern, Regionen und Orden waren nicht gekommen, um sich gegenseitig über den schweren Stand ihrer Aufgabe zu trösten. Vielmehr wurden, ganz entsprechend dem zweiten Teil des Jahresmottos für 2001, «glauben ver-rückt die Welt», die seit längerer Zeit eingeschlagenen Wege in der Berufungspastoral konkretisiert: Weg vom Erfolgsrechnungsdenken über Neueintritte in Klöster, Weihen von Priestern oder Anstellungen in kirchlichen Berufen, hin zu einer Gemeindepastoral, die die Berufung aus dem eigenen Glauben jedes einzelnen Menschen ernst nimmt und fördern will. Dies geschah zuerst einmal mit einer Rückschau auf Erfahrungen von Gottesnähe aus biblischer Sicht durch den Exegeten Franz Annen. Die Rückbesinnung auf die biblischen Grundlagen des Glaubens, hier am Beispiel von Berufungsgeschichten, mache gerade in Krisenzeiten Sinn, erklärte Franz Annen. Wenn auch die Bibel keine pfannenfertigen Rezepte liefere, so stecke in ihr doch die immer wieder neu gefragte Kraft der Erneuerung.
Oswald Krienbühl, Leiter der IKB-Arbeitsstelle in Zürich, wies
darauf hin, dass es angesichts der aktuellen Herausforderungen in Kirche
und Gesellschaft eine grosse Aufgabe sei, die Lebens- und Glaubenswege heutiger
Menschen zu erkunden, um in diese Situation hinein Anregungen zur Mitgestaltung
des Lebens auf der Grundlage des christlichen Glaubens zu geben. «Ich
glaube an Gott», das sage sich immer noch sehr leicht. Doch um Glaubenserfahrungen
weitergeben zu können, brauche es konkretere Aussagen und Lebensentwürfe,
die auch von aussen sichtbar als aus dem Glauben heraus gestaltet verstanden
werden können.
Damit christlicher Glaube als Möglichkeit zur Deutung und Gestaltung
des Alltags aber überhaupt in Betracht gezogen werden kann, sei es
zuerst einmal nötig, diesen überhaupt wieder sicht- und erfahrbar
zu machen. Dass dies mit kirchlichen Instruktionen wie neuestens «Dominus
Iesus» nur mässig gelinge oder sogar gegenteilige Wirkung erzielt,
wurde gerade auch an dieser Tagung verschiedentlich festgestellt. Vielmehr
gelte es, hör- und sichtbare Wegmarken eines christlichen Glaubens
zu setzen. Dies forderte die zweite Referentin, die frühere Provinzoberin
der Ingenbohler Schwestern, Christiane Jungo, in ihren Ausführungen
sehr pointiert. Sie, die von der Gegenwart als einer «nachchristlichen
Gesellschaft» sprach, sieht den Weg im gelebten Zeugnis von Christinnen
und Christen. Und dies an ganz verschiedenen Orten, nämlich dort, wo
sich jeder und jede dazu in der Lage sieht, die Erfahrung des eigenen Glaubens
einzubringen und mitzuteilen. Dies beginne beim Sprechen über den Glauben
im Alltag und im bedingungslosen Eintreten für Grundwerte des christlichen
Glaubens, beispielsweise sich für die Sprachlosen einzusetzen oder
den Menschen auch in wirtschaftlichen Debatten zuallererst in den Mittelpunkt
zu stellen.
Überhaupt wünschte sich die Referentin ein kompromissloseres
Auftreten von Christinnen und Christen: Statt sich zurückzuziehen gelte
es, hinauszutreten und Präsenz zu markieren. Aus dem Leidensdruck,
den der gesellschaftliche Stellenwert der Kirche schafft, gelte es kreativ
nach neuen Formen des Ausdrucks und sich Mitteilens zu suchen. Gerade für
Klöster, Orden und Gemeinschaften sieht Schwester Christiane Jungo
hier neue Möglichkeiten, wie beispielsweise das Öffnen von Räumen,
in denen Menschen bedingungslos da sein dürfen. Dies aber erfordere
auch eine genaue Analyse der Situation, um für die nach wie vor bedeutenden
Werte und die eigene Botschaft eine Sprache zu finden, die gehört und
auch verstanden werden könne. Dies verlange zunächst einmal Kompetenz:
Wer sich in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen zu Wort meldet, der
muss selber auch informiert sein.
Am Samstag wurde die Tagung mit verschiedenen Workshops weitergeführt,
in denen Impulse zu Jugend- und Gemeindepastoral oder Liturgie als zeitgemässe
Glaubens-Erfahrungsorte gegeben wurden. Darunter fanden sich das St. Galler
Bistumsprojekt «He, was glaubst Du?» (Bischofsvikar Markus Büchel),
Impulse aus der Pfarreierneuerung «Kommt und seht» (Diakon Urban
Camenzind), das österreichische Projekt «Hauskirche» (Domherr
Christoph Casetti), Impulse zu «Jugend und Glaube» (Martin Gadient,
Beauftragter für die Berufungspastoral), «Gesang und neue Worte
in der Verkündigung» (Sr. Ingrid Grave und P. Franz Müller)
und der «Alltag als Gotteserfahrung» (Seelsorgehelferin Amanda
Ehrler).
Die Tagung wurde mit den konkreten Arbeitsberichten aus den Bistümern,
Orden und dem IKB-Verein abgeschlossen.
Martin Spilker ist journalistischer Mitarbeiter der IKB-Arbeitsstelle.
So wie Hammer und Nägel wichtige Instrumente für den Aufbau
einer Missionsstation sind, so ist das Marketing ein wichtiges Instrument
geworden für jede Nonprofit-Organisation.» Mit diesem Satz eröffnete
der neue Direktor der Inländischen Mission mit Sitz in Zug, Adrian
Aellig, sein Referat am Ende der ordentlichen Vereinsversammlung, die üblicherweise
kurz vor Weihnachten stattfindet. Zum ersten Mal hatte die Versammlung unter
dem Vorsitz von Hans Danioth, Altdorf, gestanden.
Aellig meinte, auch das Evangelium sage etwas zum Thema Marketing, wenn
es betone, dass wir als «Salz der Erde» und «Licht der
Welt» in Gott lebendige Wesen sein sollen. Für den neuen Geschäftsführer
der Inländischen Mission steht als wichtigstes Element eine weiterhin
gute Betreuung der Spender im Vordergrund. «Unsere eigentlichen Wiederverkäufer
sind die Seelsorger.» Daher gebühre ihnen die besondere Aufmerksamkeit.
Sie möchten Hand bieten, dass Kollekten nicht nur innerhalb der Kirchenmauern,
bei Gottesdiensten, der Inländischen Mission zugute kommen sollen.
Es gelte, neue Formen zu finden bei Pfarrei- und anderen Anlässen.
So können vielleicht neue Spender gefunden werden, die am Sonntag,
da die Sammlung für die Inländische Mission bestimmt ist
früher war es überall der Eidgenössische Bettag mit dem in
der Regel guten Gottesdienstbesuch gerade nicht im Gottesdienst sind.
Ganz allgemein gilt heute die Feststellung, dass die Aufgaben, welche die
Inländische Mission als Werk der kirchlichen Solidarität im Auftrag
der Bischöfe zu erfüllen hat, viel zu wenig bekannt sind. Wichtig
ist für Aellig, dass die Gelder «für präzise, transparente,
plausible und dringende Projekte verwendet werden, womit wieder attraktive
Werbung und Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden kann», die auch
bei der jüngeren Generation Beachtung findet.
Für Adrian Aellig ist das Jahr 2001 der richtige Augenblick, um sich
Gedanken zu machen über die Erneuerung der Inländischen Mission,
über die Erneuerung der pastoralen Anstrengungen überhaupt.
Aelligs Überlegungen entsprangen den Erfahrungen, die er kraft seiner Ausbildung als Betriebsökonom mit theologischen und sozialwissenschaftlichen Ergänzungen bisher gemacht hat. In der Diskussion unter den Vereinsmitgliedern blieb die Meinung unbestritten, dass ein so bedeutsames Werk, aus der Situation von 1863 heraus entstanden, sich der Entwicklung anzupassen habe. Auch wenn im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer wieder einzelne Schritte getan worden sind, so besteht heute Handlungsbedarf. Dabei, so betonte Aellig zum Schluss, habe die pastorale Förderung der katholischen Kirche oberstes Ziel zu bleiben. Es muss nämlich vermehrt zukunftsorientiert gearbeitet werden. Es gilt, die Menschen dort abzuholen, wo sie in ihrem Umfeld leben.
Die von Hansruedi Z'Graggen geführte Rechnung, abgeschlossen per 31. März 2000, ergab erfreulicherweise einen kleinen Mehrertrag von 3637 Franken, darauf zurückzuführen, dass die Kollekte am Bettag 1999 und übrige Zuwendungen gegenüber dem Vorjahr um rund 12000 Franken zugenommen hatten. Auch bei den Legaten und Vergabungen durfte ein Plus von 86000 Franken verzeichnet werden, sodass an Spenden insgesamt 1,73 Mio. Franken verbucht werden konnten. So war es der Inländischen Mission möglich, für ergänzende Pfarrbesoldungen in Diaspora- und Bergpfarreien 1,19 Mio. Franken und für Bauhilfen 500000 Franken weiterzuleiten. Je ein Viertel der Gelder flossen in Pfarreien im Tessin, in Graubünden und im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg. Der Rest kam Pfarreien im Kanton Jura und einzelnen Diasporapfarreien in diversen Kantonen zugut.
Dem anwesenden früheren Präsidenten, Walter Gut, Hildisrieden (LU), wurde nochmals Dank und Anerkennung für seine Präsidialtätigkeit in Worten und mit Applaus zuteil. Endgültig verabschiedet wurde sodann Direktor Anton Röösli, Oberrieden, der altershalber im Herbst seinen Rücktritt genommen und vorher während 15 Jahren dieses katholische Hilfswerk geistig mitgeprägt und menschlich gefördert hatte. Sein Jahresbericht ist von der Versammlung einhellig genehmigt worden.