3/2001

INHALT

Berichte

"Glaube, der seinen Ausdruck sucht"

von Thomas Lang

 

Fünfzig Studierende des Bistums Basel nahmen an verschiedenen Ateliers der zweitägigen jährlich stattfindenden Studierendentagung zum Thema «Glaube, der seinen Ausdruck sucht» teil. Ein Vortrag von Bischof Kurt Koch und ein Podiumsgespräch zu den «Visionen der Zukunft in der Kirche» bildeten den Abschluss des Treffens. Die gesamte Tagung wurde von Studierenden der Universitäten Freiburg und Luzern vorbereitet.

Gregorianik oder Malen?

Den Schwerpunkt der Tagung bildeten Ateliers mit Einblick in die verschiedensten Arten von Glaubensausdrücken.
P. Armin Russi OSB gab eine Einführung in die Gregorianik, indem er anhand von Theorie und praktischen Beispielen zeigte, wie in verschiedenen Epochen und Regionen der Glaube singend und betend zum Ausdruck gebracht wurde.
Mit den grossen Umwälzungen, die das Zweite Vatikanische Konzil mit sich brachte, musste auch die Gestaltung des Kirchenraumes verändert werden. Mit Architekt Gabriel Wey aus Sursee wurde eine Gruppe mit Formen der Altarraumgestaltung vertraut gemacht und genoss Einblick in das Atelier des Künstlers Kurt Sigrist in Sarnen.
Eine andere Gruppe suchte unter der Leitung von Prof. Markus Ries Spuren der Frömmigkeit in der Stadt Luzern, die noch für viele unbekannt waren.
Fromme und unfromme Gebete als Ausdruck des Glaubens wurden von Prof. Dietrich Wiederkehr den Studierenden näher gebracht.
Ein letztes Atelier wurde von den beiden Künstlerinnen Sr. Luzia und Sr. Ruth aus der Zisterzienserinnen-Abtei Eschenbach geleitet. Im Malen brachten die Teilnehmenden selbst ihren Glauben zum Ausdruck.

«Mund-zu-Mund-Beatmung»

Die gesamte Tagung bot den Studierenden Gelegenheit, mit der Bistumsleitung ins Gespräch zu kommen und Fragen, Freuden und Sorgen, die sie mit der Kirche haben, zu besprechen.
In einem kurzen Vortrag stellte Bischof Kurt Koch seine Visionen der Kirche vor. Die Staatskirchen sind von einem Mitgliederschwund gekennzeichnet und «das Christentum wird Diasporakirche werden und sein», prognostizierte der Bischof für die Zukunft. Eine «Mund-zu-Mund-Beatmung» ­ das engagierte Weitergeben des Evangeliums von Mensch zu Mensch ­ und ein Glauben, der als ein Handeln gelebt wird, bilden die grosse Chance der Zukunft. Dazu müssen neue katechumenale Wege zum Christsein gesucht werden.

Podiumsgespräch

Anschliessend wurde ein Podium unter der Leitung von Hans-Peter Karrer, Leiter der Akademie für Erwachsenenbildung, gehalten. Daran nahmen neben dem Bischof je zwei Studierende aus Freiburg und Luzern, Weihbischof Denis Theurillat sowie eine Vertreterin des Ausbildungsteams von Luzern teil. Im Podiumsgespräch wurden ebenfalls, wie bereits schon im Vortrag vom Bischof, verschiedene Visionen für die Zukunft der Kirche vorgetragen. In der Diskussion zeigte sich, dass alle trotz verschiedenen Vorstellungen gewillt sind, an der einen Kirche zu bauen.


Modulare Aus- und Weiterbildung

von Christoph Gellner

 

Unter dem Druck immer rasanterer Veränderungen der Berufs- und Arbeitswelt ist die Bildungslandschaft in Bewegung geraten. Die einmal erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten haben immer kürzere Halbwertszeiten. Im Sinne des lebenslangen Lernens müssen die Erstausbildungen heute durch kontinuierliche berufliche Weiterbildung ständig ergänzt und à jour gehalten werden.
Ausbildung im Baukastensystem heisst daher das neue Zauberwort. An die Stelle lang andauernder, relativ starrer Ausbildungseinheiten treten modulare Teilqualifikationen. Teilabschlüsse also, die berufsbegleitend über mehrere flexibel kombinierbare, in sich abgeschlossene Lerneinheiten erworben werden können. Miteinander verknüpft ergeben sie ein Bündel unterschiedlicher beruflicher Kompetenzen, die in den Herausforderungen neuer Situationen besser standhalten. Gerade Frauen mit ihren oft mehrteiligen Berufsbiographien haben für die Entwicklung des Modularisierungsgedankens und die Anerkennung nichtzertifizierten Erfahrungslernens eine entscheidende Rolle gespielt. Jetzt hat das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) ein gesamtschweizerisches Baukastensystem für die Berufsbildung Erwachsener entwickelt, das sich in alle Aus- und Weiterbildungsbereiche der Schweiz hinein auswirken wird.
Die Bildungsverantwortlichen in der Kirche müssen sich mit dieser Entwicklung auseinandersetzen und die Chancen dieses in weiten Bereichen der beruflichen Weiterbildung kaum mehr aufzuhaltenden Systemwechsels nutzen. Unter dieser Fragestellung lud das IFOK Institut für kirchliche Weiterbildung an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Modulzentrale und der Arbeitsstelle für Bildung der Schweizer Katholiken am 4. Dezember Bildungsverantwortliche vor allem aus dem katechetisch-pastoralen Bereich zu einem Denktag ein. Was ergibt sich aus diesem Umbau der Aus- und Weiterbildung für den Berufsweg zur Katechetin, zum Jugendarbeiter, Pastoralassistenten oder zur Erwachsenenbildnerin? Müssen nicht die kirchlichen Berufsbilder neu überdacht, die Ausbildungsgänge im katechetischen und pastoralen Bereich neu koordiniert werden? Welche beruflichen Kernkompetenzen braucht überhaupt die Kirche von morgen?
Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher katechetischer Arbeitsstellen, der Jugend- und Bibelpastoral, von Theologie für Laien, verschiedener kirchlicher Bildungshäuser sowie des Katechetischen Instituts Luzern waren sich einig, dass es neben gründlicher Information vor allem der Vernetzung und Koordination aller Aus- und Weiterbildungsanbieter bedarf, um bestehende und neu zu konzipierende Kursangebote aufeinander abzustimmen und gegenseitig anzuerkennen. Weithin war denn auch erfreulich grosse Bereitschaft festzustellen, an der Modularisierung der beruflichen Weiterbildung in der Kirche weiterzudenken und daran womöglich mitzuarbeiten. Bestehe doch bei allen Schwierigkeiten die grosse Chance, eine zeitgemässe Strukturierung der kirchlichen Berufsfelder auf den Weg zu bringen, dabei hohe Qualitätstandards zu setzen und darüber hinaus die Öffnung von Laufbahnen in andere Bereiche zu ermöglichen.
Ebenso klar war den beim IFOK-Denktag anwesenden Bildungsverantwortlichen jedoch auch, dass die Überführung der vielfältigen Weiterbildungsangebote im Raum der Kirche Schweiz in ein Baukastensystem aufeinander abgestimmter Module nur dann gelingen wird, wenn die Leitung und Steuerung des Gesamtbaukastens breit abgestützt ist und über die grösstmögliche Akzeptanz unter den betroffenen Aus- und Weiterbildungsträgern verfügt. Nur so wird es tatsächlich gelingen, Synergien und Ressourcen zu nutzen, höhere Flexibilität, grössere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungsgängen und nicht zuletzt die bessere Vereinbarkeit der Weiterbildung mit Berufstätigkeit und Familie zu erreichen, wie sie die Modularisierung möglich macht.

 

Christoph Gellner ist promovierter Theologe und Leiter des IFOK Institut für kirchliche Weiterbildung an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Weitere Informationen im Internet unter www.ifok.ch


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001