3/2001 | |
INHALT | |
Berichte |
Fünfzig Studierende des Bistums Basel nahmen an verschiedenen Ateliers der zweitägigen jährlich stattfindenden Studierendentagung zum Thema «Glaube, der seinen Ausdruck sucht» teil. Ein Vortrag von Bischof Kurt Koch und ein Podiumsgespräch zu den «Visionen der Zukunft in der Kirche» bildeten den Abschluss des Treffens. Die gesamte Tagung wurde von Studierenden der Universitäten Freiburg und Luzern vorbereitet.
Den Schwerpunkt der Tagung bildeten Ateliers mit Einblick in die verschiedensten
Arten von Glaubensausdrücken.
P. Armin Russi OSB gab eine Einführung in die Gregorianik, indem er
anhand von Theorie und praktischen Beispielen zeigte, wie in verschiedenen
Epochen und Regionen der Glaube singend und betend zum Ausdruck gebracht
wurde.
Mit den grossen Umwälzungen, die das Zweite Vatikanische Konzil mit
sich brachte, musste auch die Gestaltung des Kirchenraumes verändert
werden. Mit Architekt Gabriel Wey aus Sursee wurde eine Gruppe mit Formen
der Altarraumgestaltung vertraut gemacht und genoss Einblick in das Atelier
des Künstlers Kurt Sigrist in Sarnen.
Eine andere Gruppe suchte unter der Leitung von Prof. Markus Ries Spuren
der Frömmigkeit in der Stadt Luzern, die noch für viele unbekannt
waren.
Fromme und unfromme Gebete als Ausdruck des Glaubens wurden von Prof. Dietrich
Wiederkehr den Studierenden näher gebracht.
Ein letztes Atelier wurde von den beiden Künstlerinnen Sr. Luzia und
Sr. Ruth aus der Zisterzienserinnen-Abtei Eschenbach geleitet. Im Malen
brachten die Teilnehmenden selbst ihren Glauben zum Ausdruck.
Die gesamte Tagung bot den Studierenden Gelegenheit, mit der Bistumsleitung
ins Gespräch zu kommen und Fragen, Freuden und Sorgen, die sie mit
der Kirche haben, zu besprechen.
In einem kurzen Vortrag stellte Bischof Kurt Koch seine Visionen der Kirche
vor. Die Staatskirchen sind von einem Mitgliederschwund gekennzeichnet und
«das Christentum wird Diasporakirche werden und sein», prognostizierte
der Bischof für die Zukunft. Eine «Mund-zu-Mund-Beatmung»
das engagierte Weitergeben des Evangeliums von Mensch zu Mensch
und ein Glauben, der als ein Handeln gelebt wird, bilden die grosse Chance
der Zukunft. Dazu müssen neue katechumenale Wege zum Christsein gesucht
werden.
Anschliessend wurde ein Podium unter der Leitung von Hans-Peter Karrer, Leiter der Akademie für Erwachsenenbildung, gehalten. Daran nahmen neben dem Bischof je zwei Studierende aus Freiburg und Luzern, Weihbischof Denis Theurillat sowie eine Vertreterin des Ausbildungsteams von Luzern teil. Im Podiumsgespräch wurden ebenfalls, wie bereits schon im Vortrag vom Bischof, verschiedene Visionen für die Zukunft der Kirche vorgetragen. In der Diskussion zeigte sich, dass alle trotz verschiedenen Vorstellungen gewillt sind, an der einen Kirche zu bauen.
Unter dem Druck immer rasanterer Veränderungen der Berufs- und Arbeitswelt
ist die Bildungslandschaft in Bewegung geraten. Die einmal erworbenen Kenntnisse
und Fähigkeiten haben immer kürzere Halbwertszeiten. Im Sinne
des lebenslangen Lernens müssen die Erstausbildungen heute durch kontinuierliche
berufliche Weiterbildung ständig ergänzt und à jour gehalten
werden.
Ausbildung im Baukastensystem heisst daher das neue Zauberwort. An die Stelle
lang andauernder, relativ starrer Ausbildungseinheiten treten modulare Teilqualifikationen.
Teilabschlüsse also, die berufsbegleitend über mehrere flexibel
kombinierbare, in sich abgeschlossene Lerneinheiten erworben werden können.
Miteinander verknüpft ergeben sie ein Bündel unterschiedlicher
beruflicher Kompetenzen, die in den Herausforderungen neuer Situationen
besser standhalten. Gerade Frauen mit ihren oft mehrteiligen Berufsbiographien
haben für die Entwicklung des Modularisierungsgedankens und die Anerkennung
nichtzertifizierten Erfahrungslernens eine entscheidende Rolle gespielt.
Jetzt hat das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) ein
gesamtschweizerisches Baukastensystem für die Berufsbildung Erwachsener
entwickelt, das sich in alle Aus- und Weiterbildungsbereiche der Schweiz
hinein auswirken wird.
Die Bildungsverantwortlichen in der Kirche müssen sich mit dieser Entwicklung
auseinandersetzen und die Chancen dieses in weiten Bereichen der beruflichen
Weiterbildung kaum mehr aufzuhaltenden Systemwechsels nutzen. Unter dieser
Fragestellung lud das IFOK Institut für kirchliche Weiterbildung an
der Theologischen Fakultät der Universität Luzern in Zusammenarbeit
mit der Schweizerischen Modulzentrale und der Arbeitsstelle für Bildung
der Schweizer Katholiken am 4. Dezember Bildungsverantwortliche vor allem
aus dem katechetisch-pastoralen Bereich zu einem Denktag ein. Was ergibt
sich aus diesem Umbau der Aus- und Weiterbildung für den Berufsweg
zur Katechetin, zum Jugendarbeiter, Pastoralassistenten oder zur Erwachsenenbildnerin?
Müssen nicht die kirchlichen Berufsbilder neu überdacht, die Ausbildungsgänge
im katechetischen und pastoralen Bereich neu koordiniert werden? Welche
beruflichen Kernkompetenzen braucht überhaupt die Kirche von morgen?
Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher katechetischer Arbeitsstellen,
der Jugend- und Bibelpastoral, von Theologie für Laien, verschiedener
kirchlicher Bildungshäuser sowie des Katechetischen Instituts Luzern
waren sich einig, dass es neben gründlicher Information vor allem der
Vernetzung und Koordination aller Aus- und Weiterbildungsanbieter bedarf,
um bestehende und neu zu konzipierende Kursangebote aufeinander abzustimmen
und gegenseitig anzuerkennen. Weithin war denn auch erfreulich grosse Bereitschaft
festzustellen, an der Modularisierung der beruflichen Weiterbildung in der
Kirche weiterzudenken und daran womöglich mitzuarbeiten. Bestehe doch
bei allen Schwierigkeiten die grosse Chance, eine zeitgemässe Strukturierung
der kirchlichen Berufsfelder auf den Weg zu bringen, dabei hohe Qualitätstandards
zu setzen und darüber hinaus die Öffnung von Laufbahnen in andere
Bereiche zu ermöglichen.
Ebenso klar war den beim IFOK-Denktag anwesenden Bildungsverantwortlichen
jedoch auch, dass die Überführung der vielfältigen Weiterbildungsangebote
im Raum der Kirche Schweiz in ein Baukastensystem aufeinander abgestimmter
Module nur dann gelingen wird, wenn die Leitung und Steuerung des Gesamtbaukastens
breit abgestützt ist und über die grösstmögliche Akzeptanz
unter den betroffenen Aus- und Weiterbildungsträgern verfügt.
Nur so wird es tatsächlich gelingen, Synergien und Ressourcen zu nutzen,
höhere Flexibilität, grössere Durchlässigkeit zwischen
den einzelnen Bildungsgängen und nicht zuletzt die bessere Vereinbarkeit
der Weiterbildung mit Berufstätigkeit und Familie zu erreichen, wie
sie die Modularisierung möglich macht.
Christoph Gellner ist promovierter Theologe und Leiter des IFOK Institut für kirchliche Weiterbildung an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Weitere Informationen im Internet unter www.ifok.ch