3/2001

INHALT

Amtlicher Teil

 

Alle Bistümer

 

Stellungnahme zum Weihnachtsbeitrag in der SKZ Nr. 51­52 vom 21.12.2000

Im Weihnachtsbeitrag «Ankunft» interpretiert Frau Christa Peikert-Flaspöhler in der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ) Nr. 51­52 vom 21. Dezember 2000 ein eigenes weihnachtliches Gedicht mit ihren persönlichen Worten. Diese Gedanken sind zu respektieren als Zeugnis einer einzelnen Person, auch wenn der darin geäusserte Inhalt nicht mit der Lehre der Kirche übereinstimmt.
Steht dieses Zeugnis aber als Weihnachtsbeitrag in der Fachzeitschrift und dem amtlichen Organ der katholischen Kirche in der Deutschschweiz, wird ein solches Zeugnis in der Tat schwierig und ungeeignet, das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi geistlich und theologisch zu betrachten. Da es hier nicht um eine Nebensächlichkeit unseres christlichen Glaubens geht, sondern um das ganz zentrale Geheimnis, um das Ur-Kerygma der christlichen Botschaft, dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, Sohn Gottes im eigentlichen Sinn, kann das Präsidium der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) diesen Beitrag nicht unwidersprochen lassen.
Es sind vor allem vier Punkte, die offen im Widerspruch zur christlichen und katholischen Überzeugung der Menschwerdung Christi und damit des Inhaltes des Weihnachtsfestes stehen:

1. Der Glaube an Jesus Christus in seiner Wirklichkeit, der göttlichen Natur nach, ist nicht das Ergebnis eines raffiniert zusammengestellten nachösterlichen Denkens, das die Letztbegründung für die Geschichten der Evangelisten darstellt. Da Gottes Wirklichkeit bei der Menschwerdung Christi in unsere Welt einbricht und damit Himmel und Erde zusammenfügt, ist es unverantwortlich zu sagen, dass wir den Auferstandenen «sicherheitshalber als erhöhten Herrn weit fort in einen nicht bestimmbaren Himmel versetzt haben», denn in seiner Auferstehung hat Christus unsere Wirklichkeit in die Welt Gottes mithineingenommen.

2. Es stimmt, dass der Heilige Geist (rûah), wirksam werden kann in jedem Menschen, insofern er Geschöpf Gottes ist und besonders wenn er durch die Taufe in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wird.
Es gibt dabei aber einen wesensmässigen Unterschied zwischen dem, dass wir Menschen alle Söhne oder Töchter Gottes sind, und jener göttlichen Wirklichkeit, die im Geheimnis der Person Jesu Christi als eigentlich göttliche Natur, als Ausdruck des innergöttlichen Heilswillens der Welt gegenüber ihren Niederschlag gefunden hat.
Es ist richtig anzumerken, dass Christus tausendmal in Bethlehem geboren werden kann, und dass dies nichts nützt, wenn er nicht auch in unseren Herzen geboren wird. Trotzdem besteht zwischen der Gottesgeburt im Herzen des Menschen und der eigentlichen Geburt des Sohnes Gottes durch Maria ein wesensmässiger Unterschied, weil der Sohn Gottes einen menschlichen Leib annimmt.

3. Dieser wesensmässige Unterschied kommt auch in der Person Marias zum Ausdruck. Die Evangelisten sprechen mit grossem Respekt von der Mutter Jesu, die ganz und voll Mensch ist, und verstehen ihr Jungfrau-Sein ganz im Zusammenhang des geheimnisvollen Wirkens des Geistes, aus dem allein heraus das Wunder der Jungfräulichkeit zu verstehen ist. Es handelt sich hier also nicht um einen Ehrentitel, sondern um einen Wesenstitel.
Dass sich die theologische Diskussion nicht in gynäkologische Details zu verlieren braucht, ist unbestritten. Trotzdem nimmt man als gläubiger Katholik und gläubige Katholikin das Geheimnis der Jungfräulichkeit der Gottesmutter im Glauben an und erblickt darin, wie es das Konzil von Ephesus bestätigt hat, das volle Ja Gottes zu Maria, die wirklich Gottesgebärerin ist.

4. Es ist daher eine ungeheure Verkennung des christlichen Glaubens, sowohl das tiefe und ergreifende Geheimnis des «Jesus Christus ­ wahrer Mensch und wahrer Gott» als auch den Wesenstitel «Jungfrau Maria» mit dem Wort «Glaubenshindernis» zu bezeichnen, das den Christen und Christinnen in den Weg gelegt werde.
Vielmehr muss mit dem Konzil von Chalzedon am Bemühen festgehalten werden, das Mysterium der wirklichen Menschwerdung Gottes in kurze und verständliche Worte zu fassen, auch wenn sie das Eigentliche des Geheimnisses lediglich umreissen können.

Das Präsidium der SBK gibt zu bedenken, dass die Dimension des Festes nicht nur von Jesu Leben mit den Menschen zu begreifen ist, sondern dass das Fest, und besonders das Weihnachtsfest, erst dann seinen eigentlichen und tiefsten Sinn bekommt, wenn der Mensch die Einladung zum Fest des Lebens von Gott her annimmt. Dieses Fest des Lebens spiegelt sich in der Menschwerdung, dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi, im allertiefsten und eigentlichsten Sinn. Erst in der Dimension des Göttlichen erhält das menschliche Fest seinen gültigen Sinn.
Mit diesen Klarstellungen distanziert sich das Präsidium der SBK unmissverständlich vom Inhalt der Betrachtungen von Frau Christa Peikert-Flaspöhler zu den Festtagen von Weihnachten. Es möchte mit diesen Anmerkungen zum Ausdruck geben, dass die Bischöfe zusammen mit den Gläubigen Hüter des Geheimnisses sind, das wir alle in zerbrechlichen, irdenen Gefässen tragen. Tragen wir also Sorge zu diesem Schatz, den wir in verwundbaren, menschlichen Herzen tragen.

Freiburg, 12. Januar 2001
Das Präsidium der
Schweizer Bischofskonferenz


Bistümer der deutschsprachigen Schweiz

 

Dulliker Tagung mit Pierre Stutz

Zum Thema «Spirituelle Aufbrüche ­ Neue Wege» gestaltet der bekannte spirituelle Begleiter und Bücherautor Pierre Stutz (Priester des Bistums Basel in Neuchâtel) die nächste Dulliker Tagung für Theologie und Seelsorge am Montag, den 29. Januar 2001, von 9.30­16.30 Uhr: Zwei Vorträge «Auf der Suche nach einer Alltagsspiritualität» und «Menschen entdecken wieder die Kraft der Rituale», Aussprache und Beantwortung von Fragen, Eucharistiefeier mit Homilie und gemeinsames Mittagessen (Kosten Fr. 50.­).
Anmeldungen im Franziskushaus Dulliken (Telefon 062-2952021) sind erbeten bis zum 24. Januar.

Weihbischof Martin Gächter


Bistum Basel

 

Ernennung

Hugo Sidler-Kammermann als Gemeindeleiter für die Pfarrei Kleinwangen (LU) per 15. Januar 2001.


Aussergewöhnliche Ernennungen

Die Hörerinnen und Hörer von Radio Pilatus ernannten Ernst Heller, Pfarrer St. Gallus Kriens und Zirkus-, Marktfahrer- und Schausteller-Seelsorger, zum «Rüüdige Lozärner 2000».
Sepp Riedener, Theologe, Leiter der Stelle «Pastoral an kirchlichen und gesellschaftlichen Randgruppen Luzern», erzielte bei der Wahl zum «Rüüdige Lozärner 2000» das zweitbeste Resultat.


Im Herrn verschieden

Joseph Schilliger, emeritierter Pfarrer
Am 8. Januar 2001 starb in Auw der emeritierte Pfarrer Joseph Schilliger. Am 3. November 1918 geboren, empfing der Verstorbene 1947 die Priesterweihe. Er wirkte als Vikar in Ebikon (1947­1958) und in Amriswil (1958­1959). Danach wirkte er als Seelsorger in der Schweizermission in Paris von 1959 bis 2000. Er wurde am 12. Januar 2001 in Auw beerdigt.


Bistum St.Gallen

 

Freiwilligenarbeit ­ eine Herausforderung unserer Zeit

Brief des Bischofs von St. Gallen an die Gläubigen

Liebe Schwestern und Brüder
Aus aktuellem Anlass wende ich mich an euch. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2001 zum Jahr der Freiwilligenarbeit erklärt. Oft beachten wir Freiwilligenarbeit gar nicht. Viele Frauen und Männer setzen sich freiwillig und unentgeltlich ein in Vereinen, in der politischen und kulturellen Arbeit, in sozialen und karitativen Organisationen, nicht zuletzt auch in der Kirche, in unseren Pfarreien. Die Katholische Kirche im Kanton Zürich wollte es genau wissen. Sie hat für ein einziges Jahr mehr als 860000 Stunden freiwilliger Mitarbeit von Frauen und Männern errechnet; das kommt der Arbeitsleistung von mehr als 400 voll angestellten Mitarbeitern gleich. Es ginge unserer Kirche schlecht und die Gesellschaft verkümmerte, gäbe es nicht Menschen, die einfach da sind und ohne Entgelt die verschiedensten Aufgaben wahrnehmen.

«Was nichts kostet, ist nichts wert»

Wer von uns hat diesen Satz noch nie gehört? Aber, wie wird unsere Zukunft aussehen, wenn immer mehr Menschen sagen: «Ich setze mich nur dann ein, wenn ich dafür bezahlt werde!» oder: «Ich bin doch nicht dumm, dass ich mich ohne Bezahlung für andere einsetze!»? Solche Aussagen sind Warnsignale, sie zeigen uns, in welch gefährliche Richtung unsere Gesellschaft sich entwickeln könnte.
Tatsächlich müssen wir feststellen, dass manche Mitmenschen so sehr auf Beruf und Privatleben setzen, dass für freiwillige Arbeit im Dienst der Gemeinschaft keine Zeit mehr bleibt. Sind da die Akzente richtig gesetzt? Müssten sie sich nicht die Frage stellen: Könnte ich meine freien Kapazitäten nicht vermehrt einsetzen für das Wohl der Allgemeinheit? Und: Würde mir der Einsatz in der Freiwilligenarbeit nicht einen Zuwachs an Lebensqualität bringen? Wir Menschen sind mehr wert als die Leistungen, für die man uns bezahlen kann. Weil dies gerne übersehen wird, leiden behinderte Menschen und Arbeitslose oft am Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Frauen und Männer, die in Pension gehen, erfahren nicht selten, dass sie auf einmal niemand mehr sind. Reiche Leute erleben manchmal, dass sie um ihres Geldes willen, nicht aber als Menschen ernst genommen werden. Weniger Begüterte und Arme werden leicht übergangen, weil sie materiell wenig zu bieten haben. Und andere, die jede Minute ihres Lebens gewinnbringend anlegen müssen oder wollen, fühlen sich schliesslich leer und ausgebrannt. Was man am Menschen mit Geld bezahlen kann, ist nur ein kleiner Teil dessen, was der Mensch als einmalige Person tatsächlich wert ist.

Gottes Herausforderung an uns

Liebe Schwestern und Brüder, wo finden wir die wahren Werte? In der Lesung des heutigen Sonntags nimmt uns der Apostel gleichsam bei der Hand und führt uns in die Gemeinde der ersten Christen von Korinth. Wir sehen vor uns einfache Frauen und Männer, jede und jeder ein Mensch mit eigener Prägung. Der eine kann dies, die andere jenes. Und zusammen bilden sie eine Kirche, die getragen ist von Freiwilligen; vollberufliche Christen gab es noch nicht. Die Gemeinden lebten vom Einsatz aller. Und nun erklärt uns Paulus: «Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besonderen Fähigkeiten zu, wie er will.» Es ist also Gott selber, der die Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausrüstet. Er teilt jedem Menschen zu, was er braucht, aber nicht damit ein jeder es für sich behält, sondern damit wir es zum Wohl aller einsetzen. Paulus erklärt es mit dem folgenden Bild: Wir alle sind wie Glieder an einem Leib. Das Haupt ist Christus. Die Glieder haben verschiedene Aufgaben, die einen sind auffälliger, andere kaum beachtet. Aber sie alle sind lebensnotwendig. Christus selber hat uns vorgelebt, was dies bedeutet. Als Sohn des ewigen Gottes hat er sich für uns Menschen eingesetzt, alles gegeben für uns, ohne zu zählen. Und aus freiem Willen hat er sein Leben gegeben. Jetzt ist er auferstanden, lebt als Auferstandener unsichtbar mitten unter uns und drängt uns, dass auch wir füreinander leben.

Unsere Antwort an Gott und an die Menschen

Liebe Schwestern und Brüder, wenn unsere Fähigkeiten uns gegeben sind, damit wir sie zum Wohl der Menschen einsetzen, dann hat diese Glaubenseinsicht auch Konsequenzen: Zunächst einmal werden wir Gott dankbar sein für alle Fähigkeiten, die er uns geschenkt hat, und es ist uns ein Anliegen, diese Fähigkeiten zu entwickeln und zu fördern. Wir leisten damit uns selber einen wertvollen Dienst und dienen zugleich unseren Mitmenschen. Männer und Frauen im erwerbstätigen Alter müssen einen grossen Teil ihrer Kräfte in der beruflichen Tätigkeit einsetzen. Für diesen Einsatz erhalten sie Lohn, und wir alle wollen das Unsere tun, dass jede Arbeit gerecht entlöhnt wird. Es sind vor allem aber die Frauen, die in einem wichtigen Lebensabschnitt sich für die Erziehung der Kinder einsetzen. Zum Wohl ihrer Kinder verzichten sie ganz oder teilweise auf die Befriedigung und Erfüllung, welche die Lohnarbeit für gewöhnlich mit sich bringt. Ich bin mir bewusst, dass unsere Gesellschaft den Einsatz für die Erziehung der Kinder nur wenig honoriert. Da sind wir als Christen aufgerufen, Gegensteuer zu geben.
Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen über ihren Einsatz in Beruf und Familie hinaus noch freie Kapazitäten haben, um sich in der Freiwilligenarbeit einzusetzen. Manche sind durch die normalen Anforderungen des Lebens so beansprucht, dass sie keine zusätzliche Arbeit leisten können. Sie brauchen deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben. Aber vielleicht könnten sich doch mehr Frauen und Männer an der Freiwilligenarbeit beteiligen. Im Gleichnis von den Talenten, das wir soeben als Tagesevangelium gehört haben, erinnert uns Jesus daran, dass Gott mehr von denen erwartet, denen er mehr Talente und Fähigkeiten geschenkt hat. Unbezahlter Einsatz ist besonders wertvoll. Deshalb gilt: «Was nichts kostet, ist viel wert.» Nicht umsonst sprechen wir von Ehrenamt.
Es stimmt mich als Bischof zuversichtlich, wenn ich bei meinen Besuchen in den Pfarreien immer wieder feststelle, wie viele Frauen und Männer sich auf freiwilliger Basis in unseren Pfarreien engagieren. Zusammen mit denen, die beruflich in der Kirche arbeiten, tragen sie wesentlich zum Aufbau der Kirche bei. Wir möchten sie nicht missen. Es gibt mir allerdings zu denken, dass die Last der Freiwilligenarbeit in der Kirche vor allem auf den Schultern der Frauen ruht. Anderseits leiden manche darunter, dass ihnen der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nach der Kinderphase erschwert wird. Müssen wir als christliche Gemeinde nicht versuchen, die Lasten gleichmässig zu verteilen? Der Seelsorgerat des Bistums, der Katholische Frauenbund und die Caritas haben sich in letzter Zeit intensiv mit der Frage der Freiwilligenarbeit auseinandergesetzt. Sie machen gezielte Vorschläge zur Verbesserung der Freiwilligenarbeit in den Pfarreien. Ich bitte alle Verantwortlichen zu prüfen, welche Vorschläge in der eigenen Pfarrei verwirklicht werden könnten.

Ein Wort des Dankes

Liebe Schwestern und Brüder! Was wäre unsere Bistumskirche ohne den Einsatz so vieler Frauen und Männer, die sich freiwillig in der Kirche engagieren. Ich weiss nicht, ob es mir gelingt, alle aufzuzählen, die sich an prominenter Stelle oder auch ganz diskret einsetzen. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank: dem Seelsorgerat, den Pfarreiräten und den Kirchenverwaltungen; allen Mitgliedern kirchlicher Kommissionen und Arbeitsgruppen; den Ministranten, Lektoren und Lektorinnen; den Kirchenmusikern und den Mitgliedern der Kirchenchöre; allen, die Kranke, Betagte und Neuzugezogene besuchen; den Leiterinnen und Leitern der Kinder- und Jugendarbeit; den Mitgliedern und Vorständen von Vereinen; allen, die Behinderte und fremde Menschen begleiten; den Helferinnen und Helfern bei Pfarreianlässen, und setzen Sie doch die Liste fort, liebe Schwestern und Brüder. Sie wissen viel besser als ich, wer in Ihrer Pfarrei sich einsetzt und engagiert. Danken wir alle dem Herrn der Kirche, dass wir miteinander lebendige Kirche sein dürfen.

+ Ivo Fürer, Bischof


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001