27-28/2000

INHALT

Wortmeldung

Zum Firmalter

Wenn im Artikel zum Firmalter von Wilhelm Stolz (SKZ 23­24/2000) steht, dass Eucharistie und Firmsakrament aus der Taufe genommen wurden, habe ich Mühe, das zu verstehen. Nach meiner Meinung (nicht unfehlbar) wird die Grundlage des Firmsakramentes durch die Chrisamsalbung gelegt. Die Firmung, wie sie heute praktiziert wird, ist eine Entfaltung wie etwa früher die Taufgelübdeerneuerung bei der Erstkommunion. Doch da man erkannt hat, dass die Kinder dabei überfordert sind, wird sie an den meisten Orten nur noch in der Osternacht abgehalten. Das kann man auch von einer Firmung in frühem Alter sagen. Deshalb finde ich es vernünftig, dass man an einigen Orten das Firmalter erhöht hat. Auf das Wirken des Heiligen Geistes müssen ja auch Nichtgefirmte nicht verzichten. In der Taufe sind wir alle, gleich welchen Alters, geisterfüllte Menschen geworden. Wir müssen nur das Fenster offen halten. So gesehen ist Firmspendung, wie sie im Auftrag des Bischofs vollzogen wird, nicht ein neues Sakrament, sondern ein bewusster Auftrag zum christlichen Leben. Dazu werden aber nicht alle, die als Kind getauft wurden, ein Ja sagen können und müssen.

Walter Gut


Dienst aus dem Glauben

Im Artikel «Als Getaufte leben» wird Bischof Kurt Koch aus Anlass zur Demission des Bieler Pfarrers Hans Erni in SKZ 25/2000 zitiert. Die zölibatäre Lebensform der Priester damit zu begründen, dass auch Jesus ehelos gelebt habe, werte ich als einen hilflosen Versuch, die Absetzung des Bieler Pfarrers zu rechtfertigen. War es doch gerade dieser Jesus selber, der verheiratete Männer und auch Frauen in seinen Dienst berufen hat.
Die zweite Aussage, «die Zölibatsverpflichtung sei eine Hürde, mit der sich die Kirche Gewissheit verschaffe, dass der Priester seinen Dienst aus dem Glauben heraus tue», wiegt schwerer. Bei aller Achtung für zölibatär lebende Menschen muss festgehalten werden, dass nicht der Umstand allein, dass jemand zölibatär lebt ­ leben muss, um den Priesterberuf ausüben zu dürfen ­, bereits schon ein Leben aus dem Glauben garantiert. Sonst könnte leicht abgeleitet werden, dass all jene Frauen und Männer im kirchlichen Dienst, die keine Priesterweihe empfangen konnten, ihren Dienst eben nicht aus dem Glauben tun würden.
Zudem gibt es viele arbeitende Menschen, die ihren Alltag ­ im heutigen Arbeitstempo und angesichts der Deregulierungs- und Profitmaximierungseuphorie ­ wirklich nur aus einem festen Glauben heraus zu bewältigen vermögen. Dann gibt es auch noch die vielen Kranken und Leidenden, die ihr Kreuz nur dank einem unerschütterlichen Glauben tragen können. Sie alle tun einen grossen Dienst, ebenfalls aus dem Glauben heraus. In welcher Form immer auch: Glaube ist Geschenk Gottes.
Zum Leben aus dem Glauben gehört mehr als eine Zölibatsverpflichtung. Dazu gehören die Hoffnung und die Liebe. Und da die Liebe unter ihnen die Grösste ist, darf sie Menschen, die nicht mehr zölibatär leben können, nicht ausgrenzen, nicht arbeitslos machen, nicht fallen lassen.

Hanspeter Köhle


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000