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23-24/2000
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Ein seltsames Interview
So ganz ohne Kommentar und Reaktion möchte ich das seltsame Interview
mit dem «Befreiungstheologen» Weihbischof Dr. Karl Josef Romer
in der SKZ 20/2000 nicht stehen lassen. Es wäre immerhin daran zu erinnern,
dass er in der SKZ 36/1991 eine zweiseitige Philippika gegen Karl Schuler
und zugunsten von Bischof Wolfgang Haas geschrieben hat. Darin betont er,
dass Bischof Haas sehr ausdrücklich versucht, aus dem Geist des Konzils
zu handeln. Ausserdem handle Bischof Haas auch im Geist der Schweizer Bischofskonferenz
nach ihrem Rombesuch. Und gegenüber falschen Fixierungen im Vergangenen
habe er eine Verantwortung wahrzunehmen im Hinblick auf die moderne Glaubensnot.
In einer folgenden Nummer (38/1991) hat dann Josef Trütsch dem «Befreiungstheologen»
aus dem fernen Rio eine Korrektur seiner blauäugigen Sicht vorgehalten
und dabei auf die zwei Modelle nach Thomas auch für Inhaber eines Bischofsamtes
hingewiesen: Auf den principatus despoticus und den principatus politicus.
Die jüngste Geschichte des Bistums Chur hat gezeigt, welche Richtung
der Hirte einzuschlagen gewillt war. Auch Arnold Stampfli hat in einem deutlichen
Leserbrief (SKZ 39/1991) die Grenzen der Einmischung von Weihbischof Romer
aufgezeigt, der nach 27 Jahren Landesabwesenheit die Schweizer Verhältnisse
wohl nicht mehr so klar beurteilen könne. Ausserdem wehre er, Weihbischof
Romer, sich auch gegen die kritische Beurteilung eines kirchlichen Radioprojektes
in Brasilien, für das er damals gesammelt hat. Er bewerte es als eine
Einmischung, man könne die Lage aus der Ferne gar nicht beurteilen.
Ein weiterer Punkt, der mich befremdet: Während Weihbischof Romer den
Generälen spirituelle Vorträge gehalten hat, haben wir in der
Zeit der Militärdiktatur als Mitarbeiter der KAB und als amnesty-Mitglieder
für verschleppte Familienväter und Gewerkschafter Briefe geschrieben,
Briefe gegen organisierten Menschenraub, gegen Unterdrückung der Menschenrechte,
gegen Folter und politische Morde. Wie immun ist man gegenüber Militärdiktatoren,
wenn man mit ihnen am gleichen Tisch sitzt?
Markus Zweifel
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000