5/2000

INHALT

Wortmeldung

Studierendentagung

In der SKZ der vergangenen Woche konnte im amtlichen Teil des Bistums Basel ein Bericht über die Tagung der Theologiestudierenden nachgelesen werden. In diesem Artikel wird Bezug genommen auf eine Diskussion, die sich im Anschluss an das Statement von Bischof Kurt Koch zwischen ihm bzw. der Bistumsleitung und den Studierenden ergeben hat. Meiner Ansicht nach wird diese Diskussion unvollständig und unkorrekt wiedergegeben, insofern nur auf die Problematik des Konkubinates eingegangen wird. Zwar hat dieser Punkt einen relativ grossen Platz in der Diskussion eingenommen. Darüber hinaus wurde im weiteren Verlauf aber ausdrücklich auch die Situation von homosexuellen Seelsorgern und Seelsorgerinnen, Priestern, die sich eine Beziehung wünschen oder in einer leben, sowie geschiedenen Wiederverheirateten im kirchlichen Dienst angesprochen.
Auf meine Frage, wie sich Bischof Kurt Koch diesem Problem gegenüber stelle, antwortete er, er könne nicht von einer grundsätzlichen Problematik sprechen, da er nur von Einzelfällen wisse. Zudem warf er mir vor, mit meiner Behauptung, die angesprochenen Lebensformen beträfen viele kirchliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen, betreibe ich «Rufmord an einer ganzen Berufsgattung».
Diese Diskussion erhielt durch ein weiteres Ereignis eine besondere Brisanz: Im Anschluss an die Tagung habe ich versucht, in einem Artikel zuhanden der Neuen Luzerner Zeitung sowie der KIPA die wichtigsten Aspekte dieser Diskussion zusammenzufassen. Kurz nach dessen Veröffentlichung in der KIPA wurden ­ wie mir von Dritten mitgeteilt worden ist ­ die Redaktionen der Pfarrblätter vom Ordinariat in Solothurn schriftlich aufgefordert, meinen Bericht nicht zu veröffentlichen, sondern denjenigen der Informationsbeauftragten des Bischofs abzuwarten. Es scheint mir nicht vermessen, in diesem Zusammenhang von einem Zensurversuch zu sprechen. Diese harte Reaktion hat mich sehr überrascht, zumal man mich vom Ordinariat bis heute weder darüber informiert, noch mir irgend- eine Begründung zukommen lassen hat.
Vergleicht man die Berichterstattung der Informationsbeauftragten, wie sie auch in der SKZ abgedruckt wurde, mit der Diskussion, wie sie stattgefunden hat und wie ich sie zusammenzufassen versucht habe, so fällt auf, dass die Themen Homosexualität, Priester mit Beziehungen und geschiedene Wiederverheiratete im kirchlichen Dienst durch die Informationsbeauftragte verschwiegen werden. Mag sein, dass ihr diese Themen nicht wichtig genug vorkamen. Zusammen mit dem geschilderten Zensurversuch muss ich aber vermuten, dass verhindert werden soll, dass die Öffentlichkeit davon erfährt, wie in kirchlichen Kreisen über die Vielfalt von Lebensformen und deren Vereinbarkeit mit der römisch-katholischen Lehre diskutiert wird. Was aber ist so falsch daran, wenn das Tabu Lebensformen (endlich) gebrochen wird und so nach echten Lösungen für die Betroffenen gesucht werden kann, nicht nur in Einzelfällen, sondern grundsätzlich?

Lukas Fries

 

Abgesehen davon, dass wir auf exklusive Berichte Wert legen, haben wir den Text von Lukas Fries auch deshalb nicht übernommen, weil er, wie er selber schrieb, «gar nie den Anspruch erheben wollte, über die Tagung der Theologiestudierenden als solche zu berichten». Es ging ihm «einzig darum, über ein an der Tagung heftig diskutiertes Thema zu informieren und dabei die Standpunkte wiederzugeben, wie sie von Studierenden sowie von Bischof Kurt Koch resp. der Bistumsleitung geäussert worden sind».

Redaktion


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