2/2000

INHALT

Kirche in der Welt

Als Schweizer Katholik unter amerikanischen Baptisten

von Damian Brot

 

Im Rahmen einer theologischen Doktorarbeit beschäftige ich mich mit dem Verhältnis der katholischen Kirche zu den Freikirchen, insbesondere zum Baptismus.<1> Zur Vertiefung meiner Studien habe ich mich ein Jahr lang als katholischer Gaststudent an einem baptistischen Seminar in Richmond (Baptist Theological Seminary at Richmond) im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia aufgehalten.

Der amerikanische Baptismus

Der Baptismus bildet die grösste protestantische Religionsgemeinschaft in den USA. Sehr einflussreich ist mit etwa 16 Millionen Mitgliedern der traditionell konservative südliche Baptistenbund (Southern Baptist Convention). Im Unterschied zum liberaleren nördlichen Bund (American Baptist Churches, USA) haben sich die südlichen Baptisten dem Ökumenischen Rat der Kirchen nicht angeschlossen. Die Teilung des amerikanischen Baptismus in einen südlichen und einen nördlichen Bund ist auf die Diskussion der Sklavenfrage im 19. Jahrhundert zurückzuführen. Im Ganzen gibt es etwa 24 baptistische Organisationen in den USA und unzählbar viele unabhängige Baptistengemeinden. Grosse Teile der schwarzen Bevölkerungsschicht sind der baptistischen Religionsgemeinschaft zuzuordnen.
Der Baptismus hat seinen Ursprung in der englischen Reformation des 17. Jahrhunderts. Die erste Baptistengemeinde wurde 1609 von englischen Glaubensflüchtlingen in Amsterdam gegründet. Der Baptismus ist eine christliche Gruppierung mit einer stark protestantischen Identität. Die Baptisten wollen Gemeinden bilden, der nur gläubige Menschen angehören. Sie lehnen die Säuglingstaufe ab, weil niemand gegen seinen Willen Mitglied einer Gemeinde werden soll. Als weitere baptistische Grundsätze gelten die Forderung der Religionsfreiheit und der Trennung von Kirche und Staat und die Betonung der Selbständigkeit der Ortsgemeinde. Die meisten Baptisten legen ein starkes Gewicht auf Mission und Evangelisation. Zur Stärkung der missionarischen Kraft schliessen sich die Gemeinden zu Bünden zusammen, welche die Selbständigkeit der lokalen Gemeinschaften jedoch nicht beeinträchtigen sollen. Im Unterschied zur katholischen Kirche gibt es im Baptismus keinen Unterschied zwischen Klerikern und Laien. Eine Gemeinde wird demokratisch geleitet und nach baptistischem Verständnis hat jede Christin und jeder Christ das Recht, die Bibel selbständig auszulegen.
Trotz der Verwandtschaft in den Glaubensüberzeugungen kann eine direkte Beeinflussung bei der Gründung des Baptismus durch die kontinentale Täuferbewegung wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Im Unterschied zu den Mennoniten und anderen täuferischen Gruppierungen lehnen die Baptisten im Allgemeinen den Eid und den Militärdienst nicht ab. Wegen der positiven Einstellung gegenüber den staatlichen Institutionen ist es dem Baptismus gelungen, in der amerikanischen Gesellschaft eine einflussreiche Position einzunehmen.

Fundamentalists versus Moderates

Die Southern Baptist Convention wird seit 1979 von fundamentalistischen Kreisen kontrolliert. Die moderaten südlichen Baptisten sind seitdem von allen Führungspositionen ausgeschlossen. Als Reaktion auf die fundamentalistische Übermacht haben sie begonnen, eigene Institutionen zu gründen, zu denen das Baptist Theological Seminary at Richmond gehört. Am Seminar in Richmond lehren viele Professoren, die nach der fundamentalistischen Machtübernahme ihre Stelle an den offiziellen Seminaren des Bundes verloren haben. Die Dozenten legen Wert darauf, die Studenten mit anderen christlichen Traditionen vertraut zu machen. Bis zu seiner Pensionierung im letzten Jahr hat Prof. E. Glenn Hinson die Seminaristen in die spirituellen Traditionen der katholischen Kirche eingeführt. Der Baptist Hinson hat die internationalen und amerikanischen Gespräche zwischen der katholischen Kirche und dem Baptismus massgeblich geprägt.
Das Seminar setzt damit eine Tradition fort, die in den sechziger Jahren begonnen wurde. Im Jahre 1968 wurde in Wake Forest (North Carolina) ein ökumenisches Institut gegründet. Dank der Arbeit dieses Instituts und den Bemühungen des Department of Inter-faith Witness des Home Mission Board haben die südlichen Baptisten vielfältige Kontakte zu anderen Denominationen hergestellt. Im Jahre 1979 gastierte The Southern Baptist Theological Seminary in Louisville (Kentucky) eine Konsultation der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des Weltkirchenrates zwischen Kirchen mit und ohne Säuglingstaufe. Dabei wurde eine bemerkenswerte gemeinsame Erklärung erarbeitet (Louisville Statement). In den Jahren nach der fundamentalistischen Machtübernahme in der Southern Baptist Convention sind die ökumenisch aufgeschlossenen südlichen Baptisten von allen führenden Positionen ausgeschlossen worden. Sie vertreten jetzt ihre Meinung in neu gegründeten Organisationen, zu denen das baptistische Seminar in Richmond gehört.
Wegen der ökumenischen Grundausrichtung des Seminars wurde meine Anwesenheit von Seminaristen und Professoren sehr geschätzt. Ich wurde eingeladen, in Vorlesungen die katholische Position zu vertreten und in baptistischen Gemeinden Ansprachen zu halten. Ich habe zum Beispiel die baptistischen Seminaristen in die katholische Mariologie eingeführt. Zusätzlich habe ich viele Interviews mit baptistischen Führungspersönlichkeiten geführt, unter anderem mit dem Präsidenten der Southern Baptist Convention (Paige Patterson) und dem Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes (Denton Lotz). Ich habe viele Gemeinden besucht und die für einen katholischen Theologen faszinierende Vielfalt des amerikanischen Baptismus kennen gelernt. Während den Gottesdiensten wurde ich oft spontan eingeladen, mich vorzustellen. Besonders beeindruckt war ich von den Gottesdiensten in schwarzen Baptistengemeinden. In Atlanta habe ich die Heimatgemeinde von Martin Luther King, Jr., kennen gelernt. Dieser Kirche ist es gelungen, die traditionelle evangelikale Theologie mit dem sozialen Anliegen für eine gerechtere Gesellschaft zu verbinden. Negativ beeindruckt war ich von den Gottesdiensten in extrem fundamentalistischen Gemeinden, in denen die Botschaft vom Antichristen an die Wand gemalt und das baldige Ende der Welt verkündet wurden. Dabei wurden die Teilnehmer vom Pastor oft so stark manipuliert, dass sie grössere Geldsummen gespendet haben. Während meines einjährigen Aufenthalts in Amerika habe ich sowohl den fundamentalistischen als auch den ökumenischen Teil des Baptismus kennen gelernt.

Baptistisch-Katholische Gespräche

Es mag erstaunlich klingen, dass sich ein Schweizer Katholik zum Studium des Baptismus ein Jahr lang in den USA aufhält. Noch heute haben viele Baptisten Mühe, die Katholiken als Christen zu akzeptieren, und der Baptismus ist im katholischen Raum oft als Sekte eingestuft worden. Es darf aber nicht vergessen werden, dass schon bald nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962­1965) die katholische Kirche begonnen hat, ökumenische Kontakte zum Baptismus aufzubauen. Der Baptistische Weltbund und die Southern Baptist Convention haben die Einladung abgelehnt, offizielle Beobachter am Konzil teilnehmen zu lassen; inoffiziell waren jedoch baptistische Gäste anwesend. Viele Baptisten haben wahrgenommen, dass mit dem Zweiten Vatikanum die katholische Kirche dem Baptismus ähnlicher geworden ist, vor allem durch die stärkere Besinnung auf die Bibel und die Akzeptanz der Religionsfreiheit.
Im Jahre 1967 hat die katholische Kirche einen Dialog mit dem nördlichen Bund der US-amerikanischen Baptisten begonnen. Der erste katholisch-baptistische Dialog im Raum der Southern Baptist Convention wurde 1969 vom Ecumenical Institute of Wake Forest University in Zusammenarbeit mit dem Bishops' Committee for Ecumenical and Interreligious Affairs der amerikanischen Bischofskonferenz organisiert. Später wurden Gespräche auf der Ebene der Bundesstaaten durchgeführt und im Jahre 1978 wurde mit einem Dialog zwischen katholischen und baptistischen Wissenschaftlern begonnen. Die an den drei Dialogetappen gehaltenen Vorträge wurden in baptistischen Zeitschriften veröffentlicht.
Von 1984 bis 1988<2> wurden mit der Unterstützung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Baptistischen Weltbundes internationale baptistisch-katholische Gespräche durchgeführt. Der abschliessende Bericht dieses Dialogs trägt den Titel «Christliches Zeugnis in der Welt von heute».
Nach der fundamentalistischen Machtübernahme im südlichen Baptistenbund schien die Weiterführung der amerikanischen Gespräche nicht gesichert zu sein. Im Jahre 1994 veröffentlichten konservative Katholiken und konservative Evangelikale das Statement Evangelicals and Catholics Together (ECT). Darin wird festgestellt, dass evangelikale und katholische Christen in Debatten um politische und soziale Fragen (z.B. Abtreibung) oft auf der gleichen Seite stehen. Sie sollten sich ihrer gemeinsamen Mission bewusst sein und ihre Energie nicht darin verschwenden, einander Mitglieder abzuwerben. ECT wurde von einem Southern Baptist mitverfasst (Charles Colson) und von zwei Theologen, die im Bund eine offizielle Position innehaben, unterstützt (Richard Land und Larry Lewis). Auf der Jahresversammlung der Southern Baptist Convention wurde das Dokument jedoch offiziell abgelehnt. Auf der gleichen Sitzung wurde zusätzlich beschlossen, die bilateralen Gespräche mit der katholischen Kirche weiterzuführen. Ziel der gegenwärtigen Gespräche ist es, sich besser kennen zu lernen. Nach Abschluss der ersten Phase des Dialogs wurde am 23. September 1999 eine gemeinsame Erklärung zum Bibelverständnis veröffentlicht. Darin wird festgestellt, dass sich die beiden Gesprächspartner trotz bestehender Gemeinsamkeiten in ihrem Schriftverständnis in wesentlichen Punkten unterscheiden.
Ich habe meine Zweifel, ob die gegenwärtige Leitung der Southern Baptist Convention die Katholiken überhaupt als christliche Gesprächspartner akzeptiert. Auf die Frage, ob es möglich sei, gleichzeitig ein loyaler Katholik und ein wahrer Christ zu sein, hat mir Paige Patterson, Präsident des südlichen Bundes, folgende Antwort gegeben: «Wer in seinem Glauben konsequent ist, würde damit nicht zufrieden sein. Wenn jedoch ein Mensch in einem traditionell katholischen Land aufwächst und nie die Möglichkeit hat, in einer evangelikalen Kirche zu sein, jemand (z.B. im Radio) ihm erzählt, wie er gerettet wird und er sein Vertrauen in den Herrn setzt, dann kann er weiterhin in eine katholische Kirche gehen und dort die Rituale mitmachen. Was ihn rettet sind jedoch nicht die Rituale, sondern Jesus Christus.» Nach dieser Meinung kann jemand in der katholischen Kirche nur ein echter Christ sein, wenn er sich irgendwie von der Kirche innerlich loslöst.
Pattersons Aussage zeigt, warum es gegenwärtig schwierig ist, mit der Leitung der Southern Baptist Convention zwischenkirchliche Gespräche zu führen. Viel einfacher wäre es, ökumenische Dialoge mit dem so genannten moderaten Teil der südlichen Baptisten zu organisieren. Zahlreiche moderate Southern Baptists betonen, dass die Baptisten von der Tradition der katholischen Kirche lernen könnten. Ich habe Stan Hastey, Direktor der Alliance of Baptists, nach seiner Meinung zur Präsenz baptistischer Missionare in traditionell katholischen Ländern gefragt. Er hat mir folgende Antwort gegeben: «Ich sehe immer weniger Sinn darin. Ich bin in einem Missionshaus in Mexiko aufgewachsen. Ich war ein Teenager während dem Zweiten Vatikanum und als ein Seminarist habe ich die Konzilsdokumente sorgfältig studiert. Dies bestätigte meine Vermutung, dass die Baptisten zu viel Gewicht auf die Bekehrung von Katholiken gelegt haben. Viele, aber nicht annähernd genügend Baptisten fanden heraus, dass Katholiken nicht evangelisiert werden müssen und dass die Baptisten von vielen Vorurteilen und lächerlichen Bemerkungen betreffend die Missionierung von Katholiken befreit werden müssen. Zum Glück sind heute viele Baptisten bereit, sich von Katholiken belehren zu lassen. Die Evangeliserung von Katholiken ist aber immer noch ein Thema im Baptismus, sogar unter moderaten Baptisten. Wir müssen noch einen weiten Weg gehen.» Leider sind die moderaten Southern Baptists von allen Führungspositionen ausgeschlossen und deshalb in die offiziellen katholisch-baptistischen Gespräche nicht eingebunden.

Ökumenische Gruppe in Richmond

Weil die offiziellen Gespräche gegenwärtig von fundamentalistischen Kreisen kontrolliert werden, ist es wichtig, die alten Dialoge mit den moderaten Southern Baptists auf der lokalen Ebene weiterzuführen. Als katholischer Gaststudent am baptistischen Seminar in Richmond ist es mir gelungen, eine ökumenische Gesprächsgruppe zu etablieren.
Wir haben die Gespräche mit einem ökumenischen Gottesdienst in einer katholischen Kirche begonnen. Eine baptistische Professorin hat gepredigt. E. Glenn Hinson hat die Gruppe in die Geschichte des katholisch-baptistischen Verhältnisses eingeführt. In einer baptistischen Gemeinde hat ein katholischer Priester einen Vortrag über das katholische Sakramentenverständnis gehalten. Am nächsten Treffen haben der katholische Bischof von Richmond und E. Glenn Hinson je eine Ansprache gehalten. Eine Vorbereitungsgruppe aus baptistischen und katholischen Pastoren, Seminaristen und Laien hat sich regelmässig zum Abendessen getroffen. Wir hoffen, einen Weg zu finden, die gehaltenen Vorträge zu publizieren. An der Gestaltung der Programme hat sich Isam Ballenger, ehemaliger Präsident des Internationalen Baptistischen Seminars in Rüschlikon, massgeblich beteiligt.
Als Teil der ökumenischen Bemühungen in Richmond habe ich eine Reise in die Schweiz organisiert. Im Januar 2000 werde ich versuchen, in einem zweiwöchigen Programm eine Gruppe zukünftiger baptistischer Pastorinnen und Pastoren aus den USA mit der kirchlichen Landschaft in der Schweiz vertraut zu machen. Das Reiseprogramm sieht folgendermassen aus: Besichtigung der Reformationsstädte Zürich und Genf, Besuch der Baptistengemeinden in Zürich und Bern, Begegnung mit Vertretern der Reformierten Landeskirche in Zürich und Professoren der dortigen Theologischen Fakultät, Besuch der katholischen Pfarrei in Wädenswil, Mithilfe im Englischunterricht an der Klosterschule in Disentis, Besuch des Ökumenischen Instituts der Theologischen Fakultät in Freiburg i.Ü., Ökumenisches Gespräch zum Thema Mission/Evangelisation mit P. Damian Weber (Missio) und Prof. Mariano Delgado, Einführung in die Struktur und gegenwärtige Situation der katholischen Kirche durch P. Dr. Roland-B. Trauffer, Führung durch die Gebäude des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf und Gespräch mit dem Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen.

Was können Katholiken und Baptisten voneinander lernen?

Wegen der vorhandenen Unterschiede kann eine vollständige Einheit zwischen der katholischen Kirche und dem Baptismus in naher Zukunft nicht erwartet werden. Ökumenische Gespräche vor allem auf Ortsebene sollten aber geführt werden, um voneinander zu lernen. Die Katholiken könnten von den Baptisten lernen, dass ein Christ ein Mensch ist, der eine persönliche Christusbeziehung hat und nicht nur äusserlich einer Kirche angeschlossen ist. Als Freikirche legen die Baptisten ein starkes Gewicht auf die Einbindung aller Gläubigen in die Gestaltung der Gemeinde, die demokratische Organisation der Gemeinde und die missionarische Beauftragung der Kirche. In all diesen Bereichen könnten die Katholiken von den Baptisten lernen. Es ist ausserdem auffallend, dass viele freikirchliche Ideen besonders durch die charismatische Bewegung im katholischen Raum immer mehr Verbreitung finden. Die Baptisten machen ebenfalls deutlich, dass in der heutigen Zeit ein christliches Leben vor allem in kleinen und überschaubaren Glaubensgemeinschaften gelebt werden kann.
Können die Baptisten auch etwas von der katholischen Kirche lernen? Meine baptistischen Freunde in den USA haben sich vor allem für die Liturgie und die spirituellen Traditionen der katholischen Kirche interessiert. Ich habe Baptistengemeinden kennen gelernt, die beispielsweise die Tradition übernommen haben, am Aschermittwoch Asche auf die Stirn zu streuen. Im Baptismus wird die Selbständigkeit der Ortsgemeinde oft so stark betont, dass das Bewusstsein der Universalität der Kirche verloren zu gehen droht. Dies ist ein Grund, warum viele Baptisten die ökumenische Bewegung nicht unterstützen. Hier könnte der Baptismus von der katholischen Kirche lernen.
Es ist besonders erfreulich, dass in der Taufdiskussion eine Annäherung festgestellt werden kann. Mit der Einführung eines mehrstufigen Katechumenats für Erwachsene nach dem Zweiten Vatikanum hat die Erwachsenentaufe in der katholischen Kirche an Bedeutung gewonnen. In den Richtlinien zur Eingliederung Erwachsener in die Kirche wird betont, dass die Taufe durch Untertauchen besser geeignet ist, die Teilnahme am Tod und der Auferstehung Christi auszudrücken. Entspannend auf die ökumenische Diskussion wirkt sich aus, dass heute zahlreiche Baptistengemeinden darauf verzichten, bei der Aufnahme von bereits als Säuglingen getauften Menschen die nochmalige Taufe zu verlangen.

 

Damian Brot, Lizentiat der Theologie, 1995­1998 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Ökumenische Studien an der Universität Freiburg, 1998/99 Studienaufenthalt an einem baptistischen Seminar in Richmond, US-Bundesstaat Virginia, im Rahmen einer Doktorarbeit zum Verhältnis der katholischen Kirche zu den Freikirchen, insbesondere zum Baptismus.


Der Baptismus in der Schweiz

Die erste Baptistengemeinde in der Schweiz wurde 1849 in Zürich gegründet. Die gegenwärtig 15 Gemeinden in der deutschsprachigen Schweiz gehören zum Bund der Baptistengemeinden in der Schweiz (1400 Mitglieder). Die 8 welschen Gemeinden mit insgesamt 500 Mitgliedern haben sich einer französisch-belgischen Baptistenvereinigung angeschlossen.
Der Bund der Baptistengemeinden in der Schweiz ist Mitglied im Verband evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz und pflegt freundschaftliche Beziehungen zur Schweizerischen Evangelischen Allianz. Bis vor wenigen Jahren war Rüschlikon (ZH) der Sitz eines internationalen Baptistischen Seminars. Nach der politischen Wende im Osten wurde die theologische Ausbildungsstätte nach Prag verlegt. Das Seminar in Rüschlikon kam in die Schlagzeilen als die Southern Baptists nach der fundamentalistischen Machtübernahme die finanzielle Unterstützung einstellten.
In der Schweiz arbeiten Baptisten und Katholiken zusammen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, in der alle wichtigen Kirchen vertreten sind.
Zu den Zahlen zum schweizerischen Baptismus vgl.: Oswald Eggenberger, Die Kirchen, Sondergruppen und religiösen Vereinigungen. Ein Handbuch, Zürich 6 1994, 60­61.


Anmerkungen

1 Literaturhinweise: Günter Balders (Hrsg.), Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland 1834­1984 (Festschrift im Auftrag des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland), Wuppertal/Kassel 1984, 17­168. Leon McBeth, The Baptist Heritage. Four Centuries of Baptist Witness, Nashville (Tennessee) 1987.

2 Aufforderung zum Christuszeugnis in der heutigen Welt. Bericht über die internationalen baptistisch/römisch-katholischen Gespräche 1984­1988, in: Dokumente wachsender Übereinstimmung. Sämtliche Berichte und Konsenstexte interkonfessioneller Gespräche auf Weltebene. Band II: 1982­1990. Herausgegeben und eingeleitet von Harding Meyer, Damaskinos Papandreou, Hans Jörg Urban, Lukas Vischer, Paderborn und Frankfurt am Main 1992 374­391.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000