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Kirche in der Welt |
Im Rahmen einer theologischen Doktorarbeit beschäftige ich mich mit dem Verhältnis der katholischen Kirche zu den Freikirchen, insbesondere zum Baptismus.<1> Zur Vertiefung meiner Studien habe ich mich ein Jahr lang als katholischer Gaststudent an einem baptistischen Seminar in Richmond (Baptist Theological Seminary at Richmond) im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia aufgehalten.
Der Baptismus bildet die grösste protestantische Religionsgemeinschaft
in den USA. Sehr einflussreich ist mit etwa 16 Millionen Mitgliedern der
traditionell konservative südliche Baptistenbund (Southern Baptist
Convention). Im Unterschied zum liberaleren nördlichen Bund (American
Baptist Churches, USA) haben sich die südlichen Baptisten dem Ökumenischen
Rat der Kirchen nicht angeschlossen. Die Teilung des amerikanischen Baptismus
in einen südlichen und einen nördlichen Bund ist auf die Diskussion
der Sklavenfrage im 19. Jahrhundert zurückzuführen. Im Ganzen
gibt es etwa 24 baptistische Organisationen in den USA und unzählbar
viele unabhängige Baptistengemeinden. Grosse Teile der schwarzen Bevölkerungsschicht
sind der baptistischen Religionsgemeinschaft zuzuordnen.
Der Baptismus hat seinen Ursprung in der englischen Reformation des 17.
Jahrhunderts. Die erste Baptistengemeinde wurde 1609 von englischen Glaubensflüchtlingen
in Amsterdam gegründet. Der Baptismus ist eine christliche Gruppierung
mit einer stark protestantischen Identität. Die Baptisten wollen Gemeinden
bilden, der nur gläubige Menschen angehören. Sie lehnen die Säuglingstaufe
ab, weil niemand gegen seinen Willen Mitglied einer Gemeinde werden soll.
Als weitere baptistische Grundsätze gelten die Forderung der Religionsfreiheit
und der Trennung von Kirche und Staat und die Betonung der Selbständigkeit
der Ortsgemeinde. Die meisten Baptisten legen ein starkes Gewicht auf Mission
und Evangelisation. Zur Stärkung der missionarischen Kraft schliessen
sich die Gemeinden zu Bünden zusammen, welche die Selbständigkeit
der lokalen Gemeinschaften jedoch nicht beeinträchtigen sollen. Im
Unterschied zur katholischen Kirche gibt es im Baptismus keinen Unterschied
zwischen Klerikern und Laien. Eine Gemeinde wird demokratisch geleitet und
nach baptistischem Verständnis hat jede Christin und jeder Christ das
Recht, die Bibel selbständig auszulegen.
Trotz der Verwandtschaft in den Glaubensüberzeugungen kann eine direkte
Beeinflussung bei der Gründung des Baptismus durch die kontinentale
Täuferbewegung wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Im Unterschied
zu den Mennoniten und anderen täuferischen Gruppierungen lehnen die
Baptisten im Allgemeinen den Eid und den Militärdienst nicht ab. Wegen
der positiven Einstellung gegenüber den staatlichen Institutionen ist
es dem Baptismus gelungen, in der amerikanischen Gesellschaft eine einflussreiche
Position einzunehmen.
Die Southern Baptist Convention wird seit 1979 von fundamentalistischen
Kreisen kontrolliert. Die moderaten südlichen Baptisten sind seitdem
von allen Führungspositionen ausgeschlossen. Als Reaktion auf die fundamentalistische
Übermacht haben sie begonnen, eigene Institutionen zu gründen,
zu denen das Baptist Theological Seminary at Richmond gehört. Am Seminar
in Richmond lehren viele Professoren, die nach der fundamentalistischen
Machtübernahme ihre Stelle an den offiziellen Seminaren des Bundes
verloren haben. Die Dozenten legen Wert darauf, die Studenten mit anderen
christlichen Traditionen vertraut zu machen. Bis zu seiner Pensionierung
im letzten Jahr hat Prof. E. Glenn Hinson die Seminaristen in die spirituellen
Traditionen der katholischen Kirche eingeführt. Der Baptist Hinson
hat die internationalen und amerikanischen Gespräche zwischen der katholischen
Kirche und dem Baptismus massgeblich geprägt.
Das Seminar setzt damit eine Tradition fort, die in den sechziger Jahren
begonnen wurde. Im Jahre 1968 wurde in Wake Forest (North Carolina) ein
ökumenisches Institut gegründet. Dank der Arbeit dieses Instituts
und den Bemühungen des Department of Inter-faith Witness des Home Mission
Board haben die südlichen Baptisten vielfältige Kontakte zu anderen
Denominationen hergestellt. Im Jahre 1979 gastierte The Southern Baptist
Theological Seminary in Louisville (Kentucky) eine Konsultation der Kommission
für Glaube und Kirchenverfassung des Weltkirchenrates zwischen Kirchen
mit und ohne Säuglingstaufe. Dabei wurde eine bemerkenswerte gemeinsame
Erklärung erarbeitet (Louisville Statement). In den Jahren nach der
fundamentalistischen Machtübernahme in der Southern Baptist Convention
sind die ökumenisch aufgeschlossenen südlichen Baptisten von allen
führenden Positionen ausgeschlossen worden. Sie vertreten jetzt ihre
Meinung in neu gegründeten Organisationen, zu denen das baptistische
Seminar in Richmond gehört.
Wegen der ökumenischen Grundausrichtung des Seminars wurde meine Anwesenheit
von Seminaristen und Professoren sehr geschätzt. Ich wurde eingeladen,
in Vorlesungen die katholische Position zu vertreten und in baptistischen
Gemeinden Ansprachen zu halten. Ich habe zum Beispiel die baptistischen
Seminaristen in die katholische Mariologie eingeführt. Zusätzlich
habe ich viele Interviews mit baptistischen Führungspersönlichkeiten
geführt, unter anderem mit dem Präsidenten der Southern Baptist
Convention (Paige Patterson) und dem Generalsekretär des Baptistischen
Weltbundes (Denton Lotz). Ich habe viele Gemeinden besucht und die für
einen katholischen Theologen faszinierende Vielfalt des amerikanischen Baptismus
kennen gelernt. Während den Gottesdiensten wurde ich oft spontan eingeladen,
mich vorzustellen. Besonders beeindruckt war ich von den Gottesdiensten
in schwarzen Baptistengemeinden. In Atlanta habe ich die Heimatgemeinde
von Martin Luther King, Jr., kennen gelernt. Dieser Kirche ist es gelungen,
die traditionelle evangelikale Theologie mit dem sozialen Anliegen für
eine gerechtere Gesellschaft zu verbinden. Negativ beeindruckt war ich von
den Gottesdiensten in extrem fundamentalistischen Gemeinden, in denen die
Botschaft vom Antichristen an die Wand gemalt und das baldige Ende der Welt
verkündet wurden. Dabei wurden die Teilnehmer vom Pastor oft so stark
manipuliert, dass sie grössere Geldsummen gespendet haben. Während
meines einjährigen Aufenthalts in Amerika habe ich sowohl den fundamentalistischen
als auch den ökumenischen Teil des Baptismus kennen gelernt.
Es mag erstaunlich klingen, dass sich ein Schweizer Katholik zum Studium
des Baptismus ein Jahr lang in den USA aufhält. Noch heute haben viele
Baptisten Mühe, die Katholiken als Christen zu akzeptieren, und der
Baptismus ist im katholischen Raum oft als Sekte eingestuft worden. Es darf
aber nicht vergessen werden, dass schon bald nach Beendigung des Zweiten
Vatikanischen Konzils (19621965) die katholische Kirche begonnen hat,
ökumenische Kontakte zum Baptismus aufzubauen. Der Baptistische Weltbund
und die Southern Baptist Convention haben die Einladung abgelehnt, offizielle
Beobachter am Konzil teilnehmen zu lassen; inoffiziell waren jedoch baptistische
Gäste anwesend. Viele Baptisten haben wahrgenommen, dass mit dem Zweiten
Vatikanum die katholische Kirche dem Baptismus ähnlicher geworden ist,
vor allem durch die stärkere Besinnung auf die Bibel und die Akzeptanz
der Religionsfreiheit.
Im Jahre 1967 hat die katholische Kirche einen Dialog mit dem nördlichen
Bund der US-amerikanischen Baptisten begonnen. Der erste katholisch-baptistische
Dialog im Raum der Southern Baptist Convention wurde 1969 vom Ecumenical
Institute of Wake Forest University in Zusammenarbeit mit dem Bishops' Committee
for Ecumenical and Interreligious Affairs der amerikanischen Bischofskonferenz
organisiert. Später wurden Gespräche auf der Ebene der Bundesstaaten
durchgeführt und im Jahre 1978 wurde mit einem Dialog zwischen katholischen
und baptistischen Wissenschaftlern begonnen. Die an den drei Dialogetappen
gehaltenen Vorträge wurden in baptistischen Zeitschriften veröffentlicht.
Von 1984 bis 1988<2> wurden mit der Unterstützung
des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und
des Baptistischen Weltbundes internationale baptistisch-katholische Gespräche
durchgeführt. Der abschliessende Bericht dieses Dialogs trägt
den Titel «Christliches Zeugnis in der Welt von heute».
Nach der fundamentalistischen Machtübernahme im südlichen Baptistenbund
schien die Weiterführung der amerikanischen Gespräche nicht gesichert
zu sein. Im Jahre 1994 veröffentlichten konservative Katholiken und
konservative Evangelikale das Statement Evangelicals and Catholics Together
(ECT). Darin wird festgestellt, dass evangelikale und katholische Christen
in Debatten um politische und soziale Fragen (z.B. Abtreibung) oft auf der
gleichen Seite stehen. Sie sollten sich ihrer gemeinsamen Mission bewusst
sein und ihre Energie nicht darin verschwenden, einander Mitglieder abzuwerben.
ECT wurde von einem Southern Baptist mitverfasst (Charles Colson) und von
zwei Theologen, die im Bund eine offizielle Position innehaben, unterstützt
(Richard Land und Larry Lewis). Auf der Jahresversammlung der Southern Baptist
Convention wurde das Dokument jedoch offiziell abgelehnt. Auf der gleichen
Sitzung wurde zusätzlich beschlossen, die bilateralen Gespräche
mit der katholischen Kirche weiterzuführen. Ziel der gegenwärtigen
Gespräche ist es, sich besser kennen zu lernen. Nach Abschluss der
ersten Phase des Dialogs wurde am 23. September 1999 eine gemeinsame Erklärung
zum Bibelverständnis veröffentlicht. Darin wird festgestellt,
dass sich die beiden Gesprächspartner trotz bestehender Gemeinsamkeiten
in ihrem Schriftverständnis in wesentlichen Punkten unterscheiden.
Ich habe meine Zweifel, ob die gegenwärtige Leitung der Southern Baptist
Convention die Katholiken überhaupt als christliche Gesprächspartner
akzeptiert. Auf die Frage, ob es möglich sei, gleichzeitig ein loyaler
Katholik und ein wahrer Christ zu sein, hat mir Paige Patterson, Präsident
des südlichen Bundes, folgende Antwort gegeben: «Wer in seinem
Glauben konsequent ist, würde damit nicht zufrieden sein. Wenn jedoch
ein Mensch in einem traditionell katholischen Land aufwächst und nie
die Möglichkeit hat, in einer evangelikalen Kirche zu sein, jemand
(z.B. im Radio) ihm erzählt, wie er gerettet wird und er sein Vertrauen
in den Herrn setzt, dann kann er weiterhin in eine katholische Kirche gehen
und dort die Rituale mitmachen. Was ihn rettet sind jedoch nicht die Rituale,
sondern Jesus Christus.» Nach dieser Meinung kann jemand in der katholischen
Kirche nur ein echter Christ sein, wenn er sich irgendwie von der Kirche
innerlich loslöst.
Pattersons Aussage zeigt, warum es gegenwärtig schwierig ist, mit der
Leitung der Southern Baptist Convention zwischenkirchliche Gespräche
zu führen. Viel einfacher wäre es, ökumenische Dialoge mit
dem so genannten moderaten Teil der südlichen Baptisten zu organisieren.
Zahlreiche moderate Southern Baptists betonen, dass die Baptisten von der
Tradition der katholischen Kirche lernen könnten. Ich habe Stan Hastey,
Direktor der Alliance of Baptists, nach seiner Meinung zur Präsenz
baptistischer Missionare in traditionell katholischen Ländern gefragt.
Er hat mir folgende Antwort gegeben: «Ich sehe immer weniger Sinn
darin. Ich bin in einem Missionshaus in Mexiko aufgewachsen. Ich war ein
Teenager während dem Zweiten Vatikanum und als ein Seminarist habe
ich die Konzilsdokumente sorgfältig studiert. Dies bestätigte
meine Vermutung, dass die Baptisten zu viel Gewicht auf die Bekehrung von
Katholiken gelegt haben. Viele, aber nicht annähernd genügend
Baptisten fanden heraus, dass Katholiken nicht evangelisiert werden müssen
und dass die Baptisten von vielen Vorurteilen und lächerlichen Bemerkungen
betreffend die Missionierung von Katholiken befreit werden müssen.
Zum Glück sind heute viele Baptisten bereit, sich von Katholiken belehren
zu lassen. Die Evangeliserung von Katholiken ist aber immer noch ein Thema
im Baptismus, sogar unter moderaten Baptisten. Wir müssen noch einen
weiten Weg gehen.» Leider sind die moderaten Southern Baptists von
allen Führungspositionen ausgeschlossen und deshalb in die offiziellen
katholisch-baptistischen Gespräche nicht eingebunden.
Weil die offiziellen Gespräche gegenwärtig von fundamentalistischen
Kreisen kontrolliert werden, ist es wichtig, die alten Dialoge mit den moderaten
Southern Baptists auf der lokalen Ebene weiterzuführen. Als katholischer
Gaststudent am baptistischen Seminar in Richmond ist es mir gelungen, eine
ökumenische Gesprächsgruppe zu etablieren.
Wir haben die Gespräche mit einem ökumenischen Gottesdienst in
einer katholischen Kirche begonnen. Eine baptistische Professorin hat gepredigt.
E. Glenn Hinson hat die Gruppe in die Geschichte des katholisch-baptistischen
Verhältnisses eingeführt. In einer baptistischen Gemeinde hat
ein katholischer Priester einen Vortrag über das katholische Sakramentenverständnis
gehalten. Am nächsten Treffen haben der katholische Bischof von Richmond
und E. Glenn Hinson je eine Ansprache gehalten. Eine Vorbereitungsgruppe
aus baptistischen und katholischen Pastoren, Seminaristen und Laien hat
sich regelmässig zum Abendessen getroffen. Wir hoffen, einen Weg zu
finden, die gehaltenen Vorträge zu publizieren. An der Gestaltung der
Programme hat sich Isam Ballenger, ehemaliger Präsident des Internationalen
Baptistischen Seminars in Rüschlikon, massgeblich beteiligt.
Als Teil der ökumenischen Bemühungen in Richmond habe ich eine
Reise in die Schweiz organisiert. Im Januar 2000 werde ich versuchen, in
einem zweiwöchigen Programm eine Gruppe zukünftiger baptistischer
Pastorinnen und Pastoren aus den USA mit der kirchlichen Landschaft in der
Schweiz vertraut zu machen. Das Reiseprogramm sieht folgendermassen aus:
Besichtigung der Reformationsstädte Zürich und Genf, Besuch der
Baptistengemeinden in Zürich und Bern, Begegnung mit Vertretern der
Reformierten Landeskirche in Zürich und Professoren der dortigen Theologischen
Fakultät, Besuch der katholischen Pfarrei in Wädenswil, Mithilfe
im Englischunterricht an der Klosterschule in Disentis, Besuch des Ökumenischen
Instituts der Theologischen Fakultät in Freiburg i.Ü., Ökumenisches
Gespräch zum Thema Mission/Evangelisation mit P. Damian Weber (Missio)
und Prof. Mariano Delgado, Einführung in die Struktur und gegenwärtige
Situation der katholischen Kirche durch P. Dr. Roland-B. Trauffer, Führung
durch die Gebäude des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf und
Gespräch mit dem Generalsekretär der Konferenz Europäischer
Kirchen.
Wegen der vorhandenen Unterschiede kann eine vollständige Einheit
zwischen der katholischen Kirche und dem Baptismus in naher Zukunft nicht
erwartet werden. Ökumenische Gespräche vor allem auf Ortsebene
sollten aber geführt werden, um voneinander zu lernen. Die Katholiken
könnten von den Baptisten lernen, dass ein Christ ein Mensch ist, der
eine persönliche Christusbeziehung hat und nicht nur äusserlich
einer Kirche angeschlossen ist. Als Freikirche legen die Baptisten ein starkes
Gewicht auf die Einbindung aller Gläubigen in die Gestaltung der Gemeinde,
die demokratische Organisation der Gemeinde und die missionarische Beauftragung
der Kirche. In all diesen Bereichen könnten die Katholiken von den
Baptisten lernen. Es ist ausserdem auffallend, dass viele freikirchliche
Ideen besonders durch die charismatische Bewegung im katholischen Raum immer
mehr Verbreitung finden. Die Baptisten machen ebenfalls deutlich, dass in
der heutigen Zeit ein christliches Leben vor allem in kleinen und überschaubaren
Glaubensgemeinschaften gelebt werden kann.
Können die Baptisten auch etwas von der katholischen Kirche lernen?
Meine baptistischen Freunde in den USA haben sich vor allem für die
Liturgie und die spirituellen Traditionen der katholischen Kirche interessiert.
Ich habe Baptistengemeinden kennen gelernt, die beispielsweise die Tradition
übernommen haben, am Aschermittwoch Asche auf die Stirn zu streuen.
Im Baptismus wird die Selbständigkeit der Ortsgemeinde oft so stark
betont, dass das Bewusstsein der Universalität der Kirche verloren
zu gehen droht. Dies ist ein Grund, warum viele Baptisten die ökumenische
Bewegung nicht unterstützen. Hier könnte der Baptismus von der
katholischen Kirche lernen.
Es ist besonders erfreulich, dass in der Taufdiskussion eine Annäherung
festgestellt werden kann. Mit der Einführung eines mehrstufigen Katechumenats
für Erwachsene nach dem Zweiten Vatikanum hat die Erwachsenentaufe
in der katholischen Kirche an Bedeutung gewonnen. In den Richtlinien zur
Eingliederung Erwachsener in die Kirche wird betont, dass die Taufe durch
Untertauchen besser geeignet ist, die Teilnahme am Tod und der Auferstehung
Christi auszudrücken. Entspannend auf die ökumenische Diskussion
wirkt sich aus, dass heute zahlreiche Baptistengemeinden darauf verzichten,
bei der Aufnahme von bereits als Säuglingen getauften Menschen die
nochmalige Taufe zu verlangen.
Damian Brot, Lizentiat der Theologie, 19951998 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Ökumenische Studien an der Universität Freiburg, 1998/99 Studienaufenthalt an einem baptistischen Seminar in Richmond, US-Bundesstaat Virginia, im Rahmen einer Doktorarbeit zum Verhältnis der katholischen Kirche zu den Freikirchen, insbesondere zum Baptismus.
Die erste Baptistengemeinde in der Schweiz wurde 1849 in Zürich
gegründet. Die gegenwärtig 15 Gemeinden in der deutschsprachigen
Schweiz gehören zum Bund der Baptistengemeinden in der Schweiz (1400
Mitglieder). Die 8 welschen Gemeinden mit insgesamt 500 Mitgliedern haben
sich einer französisch-belgischen Baptistenvereinigung angeschlossen.
Der Bund der Baptistengemeinden in der Schweiz ist Mitglied im Verband evangelischer
Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz und pflegt freundschaftliche Beziehungen
zur Schweizerischen Evangelischen Allianz. Bis vor wenigen Jahren war Rüschlikon
(ZH) der Sitz eines internationalen Baptistischen Seminars. Nach der politischen
Wende im Osten wurde die theologische Ausbildungsstätte nach Prag verlegt.
Das Seminar in Rüschlikon kam in die Schlagzeilen als die Southern
Baptists nach der fundamentalistischen Machtübernahme die finanzielle
Unterstützung einstellten.
In der Schweiz arbeiten Baptisten und Katholiken zusammen in der Arbeitsgemeinschaft
Christlicher Kirchen, in der alle wichtigen Kirchen vertreten sind.
Zu den Zahlen zum schweizerischen Baptismus vgl.: Oswald Eggenberger, Die
Kirchen, Sondergruppen und religiösen Vereinigungen. Ein Handbuch,
Zürich 6 1994, 6061.
1 Literaturhinweise: Günter Balders (Hrsg.), Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland 18341984 (Festschrift im Auftrag des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland), Wuppertal/Kassel 1984, 17168. Leon McBeth, The Baptist Heritage. Four Centuries of Baptist Witness, Nashville (Tennessee) 1987.
2 Aufforderung zum Christuszeugnis in der heutigen Welt. Bericht über die internationalen baptistisch/römisch-katholischen Gespräche 19841988, in: Dokumente wachsender Übereinstimmung. Sämtliche Berichte und Konsenstexte interkonfessioneller Gespräche auf Weltebene. Band II: 19821990. Herausgegeben und eingeleitet von Harding Meyer, Damaskinos Papandreou, Hans Jörg Urban, Lukas Vischer, Paderborn und Frankfurt am Main 1992 374391.