48/2000

INHALT

Verstorbene

Martin Galliker, Pfarr-Resignat, St. Urban

In einem eindrücklichen Beerdigungsgottesdienst, zelebriert vom emeritierten Bischof Otto Wüst zusammen mit Prälat Alfred Bölle, Dekan Anton Schelbert sowie mehr als 20 Konzelebranten (früheren Studienkollegen und weiteren Priestern aus dem Bekanntenkreis des Verstorbenen) haben Verwandte, Pfarreiangehörige und Bekannte am 8. November 1999 in der Klosterkirche St. Urban von Pfarr-Resignat Martin Galliker Abschied genommen.
Am 29. März 1924 in Gunzwil geboren, verbrachte Martin Galliker, zusammen mit vier Geschwistern (zwei Brüdern und zwei Schwestern), seine ersten Lebensjahre in Gunzwil. 1931 zog die Familie Galliker nach Pfeffikon (LU) um. Dort besuchte der Verstorbene die Primarschule. Anschliessend ging er zur Mittelschule: vier Jahre in Beromünster und drei Jahre in Altdorf, wo er auch die Matura ablegte.
1944 trat er ins Priesterseminar ein. Zusammen mit mehr als 20 Kollegen absolvierte er vier Ausbildungsjahre in Luzern und eines in Solothurn. Weil er in eher bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist (sein Vater erkrankte früh an Multipler Sklerose, weshalb seine Mutter die Familie mit Selbstversorgung und gewissermassen alleine durchbringen musste), war er gezwungen, Kollekten sammeln zu gehen, wie dies damals für die Finanzierung eines Studiums oft notwendig war.
1949 wurde er von Bischof Franziskus von Streng in der St. Ursenkathedrale von Solothurn zum Priester geweiht. Das 1. Hl. Messopfer feierte er in seiner Heimatgemeinde Pfeffikon. Von 1949­1954 wirkte er als Vikar in Oberwil (BL), von 1954­1961 in Biberist (SO), von 1961­1973 war er Pfarrer in Subingen (SO). Am 26. November 1973 trat Pfarrer Galliker die Pfarreistelle von St. Urban an. In der Folge hat er volle 21 Jahre als treu besorgter, geschätzter und geachteter Seelsorger seine Dienste der Pfarrei zur Verfügung gestellt, also noch einige Jahre über sein Pensionierungsalter hinaus.
Neben der aufwändigen und verantwortungsvollen seelsorgerlichen Betreuung der Pfarreiangehörigen erteilte er während vielen Jahren Katechetikunterricht an der Primarschule St. Urban. Ebenso sind seine Bereitschaft und der Wille zu einer kooperativen Zusammenarbeit mit den verschiedenen Laiengruppen der Pfarrei sehr geschätzt worden. Als Präses der JUBLA und des Frauenvereins nahm er seine Pflichten ebenso wahr, und er wirkte auch als Förderer und Gönner des Kirchenchores. Die Mitwirkung des Männerchors und der Musikgesellschaft bei verschiedenen kirchlichen Anlässen bereitete ihm immer wieder grosse Freude.
Eine unerschöpfliche Quelle zu Fragen der Zeit und sein treuer Lebensbegleiter war ihm die Heilige Schrift, die er ausgezeichnet kannte und sehr gut zu interpretieren wusste. Dies kam unter anderem auch in seinen tiefsinnigen Predigten zum Ausdruck, aber auch in seinen Bibelgesprächen, zu welchen er die Pfarreiangehörigen regelmässig einlud.
Pfarrer Galliker war auch den Ingenbohler Schwestern, die bis in die frühen achtziger Jahre in der Klinik St. Urban gewirkt haben, und den Baldegger Schwestern, die noch bis vor kurzem im Altersheim Murhof ihren Dienst versahen, ein verständiger, geduldiger, kluger und verschwiegener Gesprächspartner.
Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer wirkte er auch als Klinikseelsorger in der Kantonalen Psychiatrischen Klinik St. Urban. Viele psychisch Kranke durften von ihm ein offenes Ohr und damit wirksame Hilfe erfahren, etwas vom Wichtigsten, was Menschen brauchen. Für viele Patientinnen und Patienten war er Berater, Vertrauter und Wegbereiter.
Die Besonderheit von St. Urban brachte es mit sich, dass er zusätzlich zu all diesen Beschäftigungen einer breiten Öffentlichkeit das ehemalige Kloster St. Urban und die Spiritualität der Zisterzienser näher gebracht hat, eine Aufgabe, die er mit sichtlicher Freude und in hervorragender Art und Weise erfüllte. So traf man ihn, den ausgezeichneten Kenner der kulturellen Vergangenheit, denn auch immer wieder als kunsthistorischen Führer. Die Führungen durch die prächtige Barockkirche und die ehemaligen Klosteranlagen sind zahlreichen Besucherinnen und Besuchern aus der ganzen Schweiz und auch aus dem Ausland zu einem eindrücklichen Erlebnis geworden. In seine Wirkenszeit fiel auch die umfangreiche Restaurierung der Klosterkirche und des Pfarrhauses. Ein lang ersehnter Wunsch, das Wiedererstehen von St. Urban in neuem Glanz, ging für ihn damit in Erfüllung.
Eine besondere Ehre waren für ihn sicher auch die Kontakte und Begegnungen mit prominenten kirchlichen Vertretern ­ Bischöfen und Äbten ­, aber auch verschiedenen Ordensgemeinschaften, vor allem Ordensleuten des Zisterzienserordens. Den Verstorbenen freute es auch, als vor einigen Jahren der emeritierte Bischof von Basel, Otto Wüst, und Prälat Alfred Bölle in St. Urban Wohnsitz nahmen. Wie sehr sich Pfarrer Galliker mit der Pfarrei und der Gemeinde Pfaffnau/St. Urban identifizierte, zeigt die Tatsache, dass er 1993 das Gemeindebürgerrecht seiner Wohngemeinde angeboten erhielt und dieses mit Freude annahm.
Nach seinem Rücktritt als Pfarrer verbrachte er seinen Lebensabend im gemeindeeigenen Alters- und Pflegeheim Murhof. Aber auch da war er nicht untätig. Der tägliche Gottesdienst in der Kapelle und die sonntägliche Predigt haben wohl vielen älteren Menschen im Heim Kraft und Trost gebracht. Andererseits hat Pfarrer Galliker durch seine weitere Beschäftigung sicher eine tiefe Befriedigung erlebt, denn der Dienst am Mitmenschen war immer sein eigentlicher Lebenssinn.
Rückblickend ist es erstaunlich, mit welch geringem materiellen und finanziellen Aufwand der Verstorbene seine umfangreiche Aufgabe erfolgreich bewältigt hat. Dies war wohl nur dank seiner hohen und stetigen zeitlichen Präsenz möglich. Pfarrer Galliker war kein Mann, der sich gerne in den Mittelpunkt stellte. Hohe Töne, wie grosse Worte, sind nie seine Sache gewesen. Er ist in Demut und Bescheidenheit den Weg seines Meisters gegangen und hat versucht, auf diese Weise den Menschen zu dienen. So still, diskret und bescheiden er sein Amt ausübte, so still ist er am 3. November 1999 von uns gegangen. Für sein segensreiches Wirken zum Wohle der Kirchgemeinde St. Urban, der Klinik und des Alters- und Pflegeheimes Murhof gehört ihm der beste Dank und die aufrichtige Anerkennung. Möge er in Frieden ruhen!

Urs-Peter Müller


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000