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38/2000
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Josef Eberli, Pfarrer, Sachseln
Am Todestag von Bruder Klaus, am 21. März 2000, ist auf dem Priesterfriedhof
in Sachseln der ehemalige Pfarrer Josef Eberli beerdigt worden. Sein Leben
war in vielfacher Weise vom Ranftheiligen geprägt. Dem wohl grössten
Landsmann fühlte sich der am 15. Oktober 1929 in Giswil geborene Obwaldner
besonders verbunden. 1947 teilte er als Gymnasiast die grosse Freude über
die Heiligsprechung von Bruder Klaus. Am 11. Juli 1954 empfing er nach dem
Abschluss seiner Studien in Chur aus der Hand von Bischof Christianus Caminada
in Sachseln mit vier Mitbrüdern die Priesterweihe. Damals ahnte er
wohl noch kaum, wie stark das Wort des ersten Bruder-Klausen-Kaplans Werner
Durrer auf ihn persönlich zutreffen würde: «Wen Bruder Klaus
einmal erfasst hat, den lässt er nicht mehr los.»
Der Weg als Seelsorger führte Josef Eberli zuerst von 1955 bis 1965
als Kaplan nach Stans, wo er sich vor allem für die Jugend einsetzte.
Als Präses des Gesellenvereins kam er in Kontakt zum Kolpingwerk, dem
er von 1965 bis 1977 seine Kraft als vollamtlicher Zentralpräses widmete.
Unter seiner Führung erhielt der «Schweizerische Katholische
Gesellenverein» im «Schweizer Kolpingwerk» ein neues Gesicht
und die Grundlage, um als familienhafte Gemeinschaft auch im veränderten
gesellschaftlichen und kirchlichen Umfeld zu bestehen. Im Generalrat hat
Josef Eberli die verstärkte Ausbreitung des Internationalen Kolpingwerkes
und dessen weltweite Entwicklungszusammenarbeit mit angestossen.
Am 5. März 1978 wurde Josef Eberli in seine neue Aufgabe als Pfarrer
von Sachseln eingesetzt. Als solcher war er bis zum Herbst 1996 auch der
erste Verantwortliche für die Wallfahrt zu Bruder Klaus. Unter seiner
Leitung hat die Bruder-Klausen-Stiftung den Übergang in die Neuzeit
von Wallfahrt und Bruder-Klausen-Verehrung vollzogen. Sie hat zusammen mit
den politischen und kirchlichen Behörden den Papstbesuch 1984, das
Gedenkjahr 500 Jahre Stanser Verkommnis 1981, das 500. Todesjahr von Bruder
Klaus 1987 und das Jubiläumsjahr 700 Jahre Eidgenossenschaft 1991 mitgestaltet
und neue Angebote geschaffen (zum Beispiel Pilgerwege, die Jugendunterkunft
im Flüeli, zahlreiche Schriften und Medien). Mit seinem Werk hat Pfarrer
Eberli die Verbreitung der Botschaft von Bruder Klaus und dessen Frau Dorothea
entscheidend gestärkt.
In der Kirche Schweiz wirkte Josef Eberli während vielen Jahren im
Schweizerischen Priesterverein Providentia im Vorstand mit und leitete als
Präsident dessen Überführung in die Priesterstiftung Providentia
im Jahr 1998 in die Wege. Er dachte und wirkte auch weit über die Landesgrenzen
hinaus. So pflegte er unter den schwierigen Bedingungen der kommunistischen
Herrschaft für das Kolpingwerk jahrelang die Kontakte zu Ungarn und
ermutigte die Menschen zum Durchhalten. Daraus ist nach der politischen
Öffnung die Hilfe für den kirchlichen und sozialen Wiederaufbau
in Ungarn, Rumänien und zuletzt in Sibirien entstanden. Unermüdlich
hat Pfarrer Josef Eberli bis auf das Krankenbett materielle Unterstützung
für die Bruder-Klausen-Kirche und das Kranken- und Pflegeheim der Franziskanischen
Krankenpflegeschwestern in Pecs-Kozarmisleny zusammengetragen. Und noch
drei Tage vor seinem Tod am 16. März konnten ihm die Schwestern aus
Ungarn am Spitalbett in Sarnen über die neusten Baufortschritte berichten.
Josef Eberli war für den Ruhestand in seiner Heimatgemeinde Giswil
voller Pläne. Da wurde er im vergangenen Frühling unvermittelt
von der harten Diagnose der schweren Krebserkrankung getroffen. So ist vieles
unvollendet geblieben. In Erinnerung bleiben 46 Jahre einer reichen Seelsorgetätigkeit,
wofür ihm viele Menschen immer dankbar bleiben werden.
Remo Rainoni
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000