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35/2000
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Hermann Fischli, Pfarrer
«Trauert nicht, weil ich gestorben bin. Ich durfte heim zu meinem
himmlischen Vater!» Dieser tröstliche Satz aus dem geistlichen
Testament des Heimgegangenen prägte die Abschiedsgottesdienste in Immensee,
Küssnacht und Merlischachen, die eine ansehnliche Schar von Gläubigen
und konzelebrierenden Mitbrüdern mitfeierte.
Pfarrer Hermann Fischli stammt aus einer Grossfamilie in Näfels.
Mit seinem Glarner-Dialekt hat er seine Herkunft nie verleugnet. Am 22.
November 1925 ist er seinen Eltern Matthias und Maria Magdalena Fischli-Landolt
als 10. Kind geschenkt worden. Als Jüngsten der Grossfamilie braucht
man ihn bei der Arbeit auf dem Bauernbetrieb nicht so dringend. Um so mehr
gefragt ist seine Mithilfe im Haushalt die beste Vorbereitung für
das spätere Führen des eigenen Haushaltes und für die Sorge
um seine Schwester Marie. Weil er sich für das Theologiestudium interessiert,
besucht er nach der Primarschule in Näfels für drei Jahre die
Klosterschule Maria Berg und findet in dieser Zeit Unterschlupf bei seiner
Tante Karolina und später immer wieder bei der Familie Nann-Feldmann.
Das Mittelschulstudium absolviert er bei den Kapuzinern im Kollegium Appenzell.
Mit dem Maturazeugnis in der Hand und mit der Begeisterung für Theologie
und Priestertum im Herz geht er nach Chur ins Priesterseminar, wo er am
1. Juli 1951 durch Bischof Christianus Caminada zum Priester geweiht wird.
Eine Woche später feiert er mit seiner Heimatpfarrei Näfels Primiz.
Das Holzkreuz beim Obersee in Näfels erinnert an den denkwürdigen
Tag.
Seine erste Seelsorgsstelle übernimmt der junge Vikar in Arosa. Nach
einem Jahr bereits kommt er in den Bezirk Küssnacht am Rigi. Hier findet
er für 32 Jahre seinen Hauptwirkungsort unter-brochen mit zehn
Jahren Pfarrer-tätigkeit in Tuggen. Schon im ersten Jahr übernimmt
er neben anderen Seelsorgsaufgaben das Präsesamt beim Gesellenverein;
innert einem Jahr steigt die Zahl der Mitglieder auf rund 100. Wegen seines
fröhlichen Wesens und seiner aufgeschlossenen Art werden die Monatsversammlungen
eifrig mitgemacht. Nach der Versammlung trifft man sich zu einem Umtrunk
im Restaurant, wo der junge Präses mit seinen Studentenliedern die
neueste Hit-Parade zum Besten gibt.
Pfarrer Kessler und Vikar Fischli verstehen sich sehr gut. Als treuer Diener
seines Herrn erlebt Hermann Fischli noch einmal eine personelle Mutation,
die gleich vor Ort vorgenommen wird: Zum Erstaunen vieler befördert
Pfarrer Kessler seinen Lieblingsvikar direkt zum Pfarrhelfer. Beim Umbau
und Vergrössern der Küssnachter Kirche von 1963 bis 1965 wirkt
Pfarrhelfer Fischli in der Kommission mit. Ihm verdanken wir, dass unsere
Beichtstühle schon damals mit Türen ausgestattet wurden. Für
das Freilichtspiel «Pilger zum Weltgericht» zum Abschluss der
Kirchenrenovation ist Pfarrhelfer Fischli die treibende Kraft. Auf seine
Initiative zurück gehen die Eherunden und der Zusammen-schluss aller
Jugendvereine zum Jugendforum Küssnacht. Während seiner ganzen
Küssnachter Zeit ist er vor allem Jugendseelsorger. Als talentierter
Sänger im Gottesdienst und bei weltlichen Anlässen bleibt er den
Küssnachtern in bester Erinnerung. Während fünf Jahren hat
er im Kirchenchor mitgesungen. Viele Episoden gäbe es zu erzählen
von seinen Reisen.
Von Küssnacht geht der Weg von Hermann Fischli in die Ausserschwyz,
nach Tuggen, wo er zehn Jahre als beliebter Seelsorger segensreich wirkt.
Nebst der Pfarrkirche liegt ihm die Lindtbord-Kapelle speziell am Herzen;
die Geschichte vom Lindtbord-Anneli kennen alle, die bei ihm im Religionsunterricht
waren. Im Jahre 1980 kommt er zurück in den Bezirk Küssnacht und
wird Pfarrrektor von Merlischachen. Da freut er sich speziell an der Renovation
der schmucken Jakobskirche. Auch in diesen Jahren bleibt er mit der Kolpingfamilie
Küssnacht in engem Kontakt und übernimmt mit Freude das Amt als
Fahnen-Götti.
Weil in den letzten Jahren seine Schwester Marie mehr und mehr pflegebedürftig
wird, sorgt er für sie vorbildlich; und sie nimmt seine Dienste so
sehr in Anspruch, dass er früher als vorgesehen die Pfarrei
Merlischachen aufgibt und in den Sunnehof Immensee zügelt. Auch von
dort aus leistet er Aushilfen, wo er nur kann speziell in Merlischachen
und Immensee. Auf dem Weg zur Abendmesse in seiner früheren Pfarrei
kommt es auf der Stiege zur Kirche hinauf zum fatalen Sturz; von der starken
Hirnerschütterung hat er sich nicht mehr erholt dazu kommt die
Diagnose seines Krebsleidens. So verbringt er die letzten Wochen in der
Pflegeabteilung im Sunnehof, wo er am 28. Mai 1999 von seinem Leiden erlöst
wurde.
Franz Bircher
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000