33-34/2000

INHALT

Verstorbene

Konrad Schmid, Spiritual, Eichenwies-Oberriet

Für viele unerwartet ist am 9. Juli 2000 in einem Kuraufenthalt nach kurzer Krankheit der frühere Pfarrer von Diepoldsau, Konrad Schmid, gestorben. Am 13. Juli ist er in Diepoldsau zur letzten Ruhe bestattet worden.
Für Konrad Schmid selber ist der Tod kaum unerwartet gekommen, auch wenn dieser mitten in einem Gespräch erfolgt ist. Die Todesanzeige war nämlich begleitet von einem persönlichen Brief, in welchem nur noch das Datum eingetragen werden musste. Darin dankte Konrad Schmid allen, die ihm im Leben Gutes getan haben, seinen Eltern und Geschwistern, all den vielen, denen er während seines Lebens begegnen durfte, von der Schule bis zu «den mitbetenden Ordensschwestern» im Franziskusheim Eichenwies in Oberriet, mit besonderer Inbrunst Bischof Josephus Meile, der ihm am 6. April 1946 die Hände auflegte und ihn zum Priester weihte. Sogar etwas wie Vorfreude schimmert in diesem Brief durch, heisst es doch darin, dass er «das vergängliche Kleid des Irdischen ablegen durfte, um einzugehen in die Auferstehung, in das ewige Leben mit Christus».
Der in Goldach im Kreis von mehreren Geschwistern aufgewachsene Konrad Schmid hatte in Appenzell und Stans das Gymnasium besucht. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war er präzis zwanzig Jahre alt. So musste er während des Theologiestudiums oft und für längere Perioden in den Militärdienst, wo er einerseits Trompeter, anderseits Sanitäter war. Nach der Weihe im Frühjahr 1946 wurde Konrad Schmid Kaplan und Vikar in Teufen, in St. Gallen-St. Otmar und in Herisau. 1957 wurde er zum Pfarrer von Walenstadt gewählt, zehn Jahre später zum Stadtpfarrer von Rapperswil. Im Dekanat Uznach waltete er zudem über mehrere Perioden als Dekan.
Im Alter von 64 Jahren wollte Konrad Schmid nochmals eine neue Aufgabe übernehmen. So liess er sich als Seelsorger nach Diepoldsau wählen, wo er nochmals während elf Jahren voll im Einsatz stand. Als er 75 geworden war, zog er sich nach Eichenwies-Oberriet zurück, wo er den Missionsschwestern im Franziskusheim als Spiritual zur Verfügung stand ­ bis zu seinem Lebensende.
An allen Orten seines seelsorgerlichen Wirkens setzte er sich für einen ermutigenden und frohen Dienst ein, offen für die Bedürfnisse seiner jeweiligen Gemeinde und darin jedes Einzelnen. Auch wenn es Ernüchterungen gab, resignierte Konrad Schmid nicht. Die von Gott verkündete Verheissung gab ihm immer wieder Kraft, vorwärts zu schauen, ob er nun jungen Menschen begegnete, Ältere zu trösten hatte oder als Feldprediger Wehrmänner vor sich hatte.
Ein besonderes Anliegen war ihm stets auch das materielle Wohl der ihm anvertrauten Gläubigen. So initiierte er 1973 im Katholischen Kollegium, in das er als Vertreter der Kirchgemeinden Walenstadt, Rapperswil und später Diepoldsau delegiert wurde, die Schaffung einer diözesanen Caritasstelle. Sie ist die älteste Institution, die im Bistum St. Gallen als Frucht von Konzil und Synode 72 geschaffen worden ist.
Über 80 irdische Lebensjahre hat Konra Schmid erlebt. Es sind erfüllte Jahre gewesen, fruchtbare, segensreiche. Er selber sah es auch so, beendete er doch seinen der Todesanzeige beigefügten persönlichen Brief mit der Aussage, dass er mit seinem priesterlichen Dienst «Freude bringen, Mut wecken und trösten» durfte und so sein eigenes Leben zu erfüllen vermochte. Freilich bat er auch um das «fürbittende Gebet, dass bei der grossen Verantwortung, die ich tragen durfte und musste, das Erbarmen Gottes über mir walte». Das sei ihm gerne gewährt als bescheidener Dank für so vieles Gute, das über und von ihm empfangen werden durfte.

Arnold B. Stampfli


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000