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31-32/2000
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Alphons Reichlin, Sachseln/Schwyz
Am 28. November 1999 starb in Schwyz Pfarr-Resignat Dr. Alphons Reichlin,
wenige Monate vor der Erfüllung des 90. Lebensjahres. Die Gläubigen
der Bruder-Klausen-Pfarrei Sachseln kannten ihn von 1952 bis 1978 als volksverbundenen
Seelsorger ihrer Gemeinde und als gastfreundlichen Empfänger vieler
Wallfahrer, die zum Grab des hl. Bruder Klaus nach Sachseln und ins Flüeli
kamen. Die Schwyzer kannten ihn in den Jahren seines Alters als hilfsbereiten
Aushelfer bei Gottesdiensten in der Pfarrkirche und als Zelebranten der
heiligen Messe in verschiedenen Bergkapellen. Von 1978 war er daheim in
seinem Vaterhaus und in seiner Heimatpfarrei Schwyz. Wir kannten ihn, wie
er strammen Schrittes den Weg zur Kirche von St. Martin machte oder zum
Mittagsmahl und zum Jass mit dem Mittagsclub sich einfand, oder wie er noch
aufrecht, tapfer seine Spaziergänge durch Kaltbach und gegen das Ried
hinauf «gesundheitshalber» machte. Bis ein unglücklicher
Unfall vor drei Jahren seine Rüstigkeit zerbrach und er seither als
leidender Gottesknecht die Beschwerden des hohen Alters tragen musste. Mit
Hilfe seiner Angehörigen und seinen Haushälterinnen, Frau Wettstein
und Schwester Franca Gullotti, durfte er seinen letzten Lebensabschnitt
zu Hause verbringen und auch dort wohl vorbereitet sterben.
Schwyz Rom Zürich Sachseln Schwyz. Das sind
die grossen Orte des Lebens und Wirkens von Alphons Reichlin. Von allen
diesen Orten, deren Kirchen und Menschen sprach er viel und überall
hatte er Freunde. Er träumte auch viel von den Jahren, die er da oder
dort lebte und schaffte.
Er war ein Schwyzer. Hier erblickte er am 26. November 1910 das Licht der
Welt. Seine Eltern, Alois und Anna Reichlin-Betschart, ein Bruder und zwei
Schwestern, waren seine ersten Lebensbegleiter. Im grossen Haus und Hof,
umgeben von knorrigen Bäumen, an der Schlagstrasse, etwas ausserhalb
des Dorfes, waren seine ersten Lebensräume. Später einmal ein
Priester werden, lag damals bei vielen Schwyzern in der Luft, aber bei Alphons
Reichlin lag es in der Familie: zwei Onkel waren Benediktiner: P. Pius in
Engelberg und P. Gregor in Disentis. So war die Berufswahl wohl keine Qual.
Er zog nach Abschluss der Schwyzer Primarschulen ans Gymnasium in Feldkirch
im Vorarlberg, wo er 1930 die Matura bestand. Dann zog es ihn, wie vor ihm
und nach ihm mehrere junge Schwyzer, nach Rom. Am Priesterseminar Germanicum
und an der Universität Gregoriana machte er die philosophischen und
theologischen Studien. Keine leichte Zeit, zumal die Studenten damals viele
Jahre nie nach Hause durften. Er schloss die Studien ab: 1933 als Lic. phil.
und 1938 als Dr. theol. Doch grösserer Höhepunkt war die Priesterweihe
am 25. Oktober 1936 und seine Primiz in der Kapelle der Schweizer Garde
in Rom. Pfarrer Reichlin blieb zeitlebens ein Römer: Rom, Papst, Kurie
usw. waren für ihn Autoritäten, an denen nicht zu rütteln
war. So tat er recht schwer mit manchen Neuerungen und kirchlichen Ereignissen
der letzten Jahrzehnte. Aber er freute sich herzlich, als wir ihm zu seinem
diamantenen Priesterjubiläum 1996 in Schwyz zwei ehemalige Gardisten
zum Einzug und als Ehrenwächter am Altar organisierten.
Zürich. Nach den Studien kam Reichlin in sein Bistum Chur, um hier
als Seelsorger zu wirken.
St. Peter und Paul, die Mutterpfarrei der Stadt Zürich (Katholisch
Zürich) war seine erste Liebe. Man darf das so sagen, er erzählte
später viel von dieser Zeit, es scheint eine gute Zeit für ihn
gewesen zu sein. Es war damals eine Grosspfarrrei mit 5 bis 6 Vikaren mit
einem Pfarrer als Chef. Von 1938 bis 1949 wirkte er dort. Bis ins Alter
hatte er dort Freunde. 1949 wurde er Pfarrer in Adliswil im Dekanat Albis,
eher eine Übergangszeit bis 1952.
1952 wurde er nach Sachseln berufen, um in Pfarrei und Wallfahrt zu wirken.
26 Jahre versah er diesen Dienst, unterstützt von vielen treuen Helfern
in Seelsorge und Wallfahrt. Neben der Seelsorge waren ihm auch die Erhaltung
der heiligen Stätten von Bruder Klaus und die Förderung der Wallfahrt
ernsthafte Anliegen. Rom, Zürich, Sachseln, das gab Pfarrer Reichlin
viele Möglichkeiten zu weltweiten Verbindungen mit Priestern und Bischöfen,
die in Rom mit ihm studiert hatten oder ans Grab von Bruder Klaus pilgerten.
Jedes Jahr am Fest des hl. Bruder Klaus folgten sie gerne seiner Einladung:
Bischöfe und Kardinäle. Viele von ihnen durfte er auch besuchen,
um von weither gute Bilder und Informationen über die Lage unserer
Kirche zu bekommen. Er war ein recht guter Fotograf. In vielen Runden und
Vereinen hat er so gute Vorträge gehalten. Aber nicht nur die weite
Welt, auch die Heimat bedeutete ihm viel. So war die Aelggi-Alp mit ihrer
Kapelle und den Alphütten mit Sennen und Älplern ein lieber Ferienort
für Pfarrer Reichlin. Auch als Mitglied des SAC stieg er auf viele
Berge.
1978 kehrte er nach Schwyz zurück. Die Sachsler dankten ihm für
seine Dienste mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes. Gute 20 Jahre
durfte er nun sein «otium cum dignitate» in seiner Heimatpfarrei
verbringen.
Nun ist er heimgekehrt in Gottes gute Welt. Im Schatten der Sachsler Pfarrkirche
haben wir ihn auf dem Priesterfriedhof bestattet. Möge er nun bei seinen
ihm einst anvertrauten Seelsorgskindern in gutem Andenken weiterleben.
Franz von Holzen
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000