19/2000 | |
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Theologie in Luzern |
Soeben ist eine Publikation über den steinigen Weg vom Jesuitenkollegium zur Hochschule Luzern erschienen. Die Historiker Aram Mattioli und Markus Ries zeigen auf, wie sich eine Reihe von vergeblichen Hochschulversuchen wie ein roter Faden durch die Luzerner Geschichte der letzten 400 Jahre zieht.<1> Nun steht das Luzerner Volk am 21. Mai vor der Abstimmung zum neuen Universitätsgesetz. Im Folgenden seien die verschiedenen Etappen der Luzerner Hochschulbestrebungen kurz skizziert.
Die Bildungsanstrengungen der neugläubigen Orte Zürich, Basel,
Bern, Lausanne und Genf führten in diesen Orten zur Gründung von
«Hohen Schulen». Diese reformatorische Bildungsinitiative verdankte
ihren Anstoss einerseits dem humanistischen Impuls, der Universitätsgründungen
auf deutschem Boden seit dem 15. Jahrhundert ausgelöst hatte, anderseits
auch dem Ausbildungsdefizit im Klerus.
Auch die katholischen, erst etwas später erwachten Reformbestrebungen
zielten auf die Mängel in Bildung und Wissenschaft im Klerus. Im Gefolge
des Konzils von Trient (15451563) sondierten die katholischen Orte
beim Mailänder Erzbischof Karl Borromäus. Dieser schlug Luzern
als Standort für eine höhere Schule vor und empfahl die Jesuiten
als Lehrkräfte. 1577 wurde der Vertrag zwischen dem Stand Luzern und
dem Jesuitenorden geschlossen und 1579 begann der Unterricht in vier Klassen.
Im Jahre 1600 wurde eine weiterführende Abteilung errichtet, die drei Jahreskurse für Rhetorik, Dialektik und den Casus conscientiae umfasste. In den Jahren 1640 bis 1649 entstanden weitere sieben Lehrstühle. Dieser Ausbau legte die Erhebung der Lehranstalt in den Rang einer Akademie und die Übertragung der Gradrechte nahe. Der Luzerner Kleine Rat richtete am 3. September 1647 ein entsprechendes Gesuch an den Papst. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Gesellschaft Jesu, die sich der Übertragung des Visitationsrechts an die Luzerner Nuntiatur widersetzte. Damit war der Schritt zu einer eigenen Universität in Luzern ein erstes Mal gescheitert.
Bei der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 hätte vielleicht die Chance bestanden, die Luzerner Hohe Schule nach den Vorstellungen der Aufklärung umzugestalten, wie kurz zuvor der Ratsherr Joseph Anton Felix Balthasar und der Inwiler Pfarrer Bernhard Ludwig Göldlin von Tiefenau gefordert hatten. Insbesondere Göldlin legte ein detailliertes Reformprogramm vor, das eine stärkere Berücksichtigung des Bibelstudiums in der Theologie, die Reduktion des Lateinstudiums und die Schaffung von Schulfächern wie Deutsch, Geschichte, Geographie und Rechnen forderte. Allerdings war der Rat nicht imstande, den Aufbau einer Akademie unter Verantwortung von Laien und nach den Vorstellungen der Zeit zu verwirklichen. Grund waren die fehlenden finanziellen Mittel. Dem Luzerner Rat verblieb einzig die Möglichkeit, mit dem angestammten, nunmehr in den Weltpriesterstand versetzten geistlichen Personal die Schule weiterzuführen. Hier wurde die zweite Möglichkeit zur Errichtung einer eigentlichen Universität verpasst.
Im Gefolge der allgemeinen Bildungsrevolution im frühen 19. Jahrhundert
erwog Eduard Pfyffer 1819 die Verselbständigung der philosophischen
Abteilung an der höhern Lehranstalt und förderte die Wahl von
Laienprofessoren wie Josef Eutych Kopp, dem Pionier der quellenkritischen
Erforschung der eidgenössischen Gründungsgeschichte, Kasimir Pfyffer,
Professor für Rechtswissenschaft, und dem Philosophen Ignaz Paul Vital
Troxler. Damit standen Philosophie, Recht, Philologie und Geschichte erstmals
gleichberechtigt neben der Theologie. Mit Fug und Recht konnte man damals
von einer «kleinen Akademie» (Heidi Bossard-Borner) sprechen.
Troxler, der ebenso streitbare wie umstrittene Gelehrte, hatte in Luzern
keinen leichten Stand. Bereits 1821 hatte er mit seiner Streitschrift «Fürst
und Volk nach Buchanan's und Milton's Lehre» Aufsehen erregt, die
seine Stellung in Luzern erschütterte. Die Regierung setzte Troxler
unter dem Vorwand, er habe den Tyrannenmord gelehrt, nach nur zweijährigem
Wirken ab. Der Rechtsprofessor Kasimir Pfyffer war mehr an seiner Advokatur
interessiert und zog nur wenige Studierende an. 1824 hob die Regierung den
Lehrstuhl für Rechtswissenschaften wieder auf.
Als Eduard Pfyffer 1827 wieder in den Erziehungsrat zurückkehrte, berief
er den Franziskaner P. Grégoire Girard auf den Philosophielehrstuhl.
Der Nachfolger Troxlers wurde zum unermüdlichen Anwalt eines säkularisierten
Bildungsverständnisses. Auf seinen Vorschlag hin wurde dem Lyzeum ein
weiterer Bildungsgang angegliedert: die Polytechnische Abteilung, an der
technische und naturwissenschaftliche Berufsausbildung vermittelt wurde.
Das Luzerner Lyzeum war hinsichtlich des Fächerangebots nie so sehr
Akademie wie zur Zeit, als die Polytechnische Abteilung existierte. Philipp
Anton von Segesser, der in den 1830er Jahren das Gymnasium und Lyzeum der
Höhern Lehranstalt Luzern besuchte, war noch Jahrzehnte später
voll des Lobes über die «Hohe Schule der katholischen Schweiz».
Dieser Ausbau erfolgte zur gleichen Zeit wie die Universitätsgründungen
von Zürich (1833) und Bern (1834).
Da aber die Zahl der Studierenden gering blieb, beschloss die Regierung
bereits 1835, die Abteilung wieder aufzuheben. Die Akzeptanz in der Bevölkerung
blieb gering. In den kargen Verhältnissen der Innerschweiz war für
die Menschen der Kampf um das tägliche Brot eine derart existentielle
Angelegenheit, dass ihnen höhere Bildung wie ein überflüssiger
Luxus erscheinen musste. Zudem war Eduard Pfyffer bereits 1834 eines frühen
Todes gestorben, und es fehlte an einer visionären und dynamischen
Nachfolgepersönlichkeit. In den agrarisch-vorindustriellen Regionen
der Voralpen und Alpen fehlte damals weitgehend das Verständnis für
die sich herausbildende Industriegesellschaft in den protestantischen Mittellandkantonen.
Die vierziger Jahre sind in Luzern geprägt von einem Aufbäumen
der katholischen Landschaft gegen das freisinnige Regiment. Sie forderte
nicht nur eine Rekatholisierung der Gesellschaft, sondern auch die grundsätzliche
Umgestaltung des höhern Bildungswesens. 1844 berief der Grosse Rat
die Jesuiten an die Theologische Abteilung des Lyzeums. Nach über siebzigjähriger
Abwesenheit kehrten die Jesuiten an den Ort ihrer früheren Wirksamkeit
zurück. Dieser Entscheid ist nur auf dem politischen Hintergrund der
Kirchenpolitik der freisinnig regierten Kantone zu verstehen. Insbesondere
trug der Kanton Aargau mit seiner Klösteraufhebung massgeblich zur
Verschärfung des Klimas bei. Dessen Tagsatzungsabgeordneter Augustin
Keller stellte am 19. August 1844 an der Tagsatzung in Luzern den Antrag,
dem Jesuitenorden von Bundes wegen jede Tätigkeit zu verbieten. In
einer eigentlichen Trotzreaktion beschloss der Luzerner Grosse Rat am 24.
Oktober 1844 mit grosser Mehrheit, sieben Jesuiten an die Theologische Abteilung
zu berufen. Die nachfolgende Eskalation ist schon oft geschildert worden
und soll nur angedeutet werden: Zwei blutige Freischarenzüge gegen
Luzern, die Ermordung Josef Leus und die Bildung des Sonderbundes waren
Etappen einer Verhärtung und Erbitterung, die schliesslich zum Bruderkrieg
führten.
Mitten in diese unruhige Zeit fiel der Entscheid Luzerns, die Akademie des
hl. Karl Borromäus zu gründen. Die Idee zu dieser Gelehrtenakademie
geht auf den Solothurner Theodor Scherer zurück, der als Kabinettssekretär
Siegwart-Müllers in Luzern eine Schlüsselposition einnahm. Scherers
Ziel war es, den katholischen Bildungsrückstand gegenüber den
reformierten Orten aufzuholen und ein Gegengewicht zum «zürcherischen
Athen» zu schaffen. Diese Akademie, die vorwiegend Mitglieder des
katholisch-legitimistischen Europas umfasste, sollte als Vorstufe einer
katholischen Universität in Luzern wirken, die nach einem allfälligen
Sieg im Sonderbundskrieg mit einer Kriegsentschädigung von einer Million
Franken dotiert werden sollte. Die Niederlage im Sonderbundskrieg machte
all diesen Plänen ein rasches Ende.
Der junge Theodor Scherer, der die Idee der Akademie des hl. Karl Borromäus
entwickelt hatte, liess nicht locker. Als er 1857 den Schweizerischen Piusverein
gründete, tauchten schon bald wieder Universitätspläne im
katholischen Raum auf. Der Luzerner Balthasar Estermann brachte sie in den
sechziger Jahren ins Spiel. Der Vorstoss des Piusvereins an die Schweizer
Bischöfe führte zu keinem Resultat. Das Fehlen einer eigenen Universität
zwang die Absolventen katholischer Klosterschulen und Kollegien zu kostspieligen
Auslandstudien, was sich die wenigsten leisten konnten. 1875 versuchte der
Luzerner Erziehungsrat Augustin Ramsperger erneut, den Piusverein einzuspannen
und in Luzern hochschulpolitsch aktiv zu werden. Die Luzerner politische
Situation verunmöglichte jedoch eine Realisierung, so dass sich die
Anstrengungen auf Freiburg konzentrierten, wo im jungen Georges Python ein
Politiker herangewachsen war, der den Stier bei den Hörnern packte
und innert kürzester Zeit mit Hilfe des Bündner Nationalrates
Kaspar Decurtins die Hochschule realisierte. 1889 eröffnete die Universität
in Freiburg ihren Betrieb. Die Überraschung war perfekt.
Diese Gründung, am Ende des Kulturkampfes verwirklicht, entwickelte
sich trotz unvermeidlicher Schwierigkeiten zur heute blühenden Institution
mit über 8000 Studierenden. Der neue Universitätskanton übernahm
eine intellektuelle Zentrumsfunktion, die er bis weit ins 20. Jahrhundert
hinein verteidigte. Alle universitären Bemühungen Luzerns scheiterten,
sei es nach der Jahrhundertwende, als ein Innerschweizer Politikerkreis
um Ständerat Joseph Düring/Luzern, Nationalrat Hans von Matt/Nidwalden
und Ständerat Adalbert Wirz/Obwalden versuchte, die Luzerner Theologische
Lehranstalt zu einer Fakultät auszubauen, sei es nach dem Ersten Weltkrieg,
als ein neuer Anlauf mit der konfessionellen Idee der «Universitas
Benedictina Lucernensis» das bildungspolitische Defizit Luzerns beseitigen
wollte. Immer stiess man auf den erbitterten Widerstand Freiburgs.
Es brauchte die nach dem Zweiten Weltkrieg ausbrechende Hochkonjunktur
mit den sich abzeichnenden hohen Studentenzahlen, als in Luzern der Gedanke
einer Hochschule erneut auftauchte. Die kurz zuvor realisierte Gründung
des Zentralschweizerischen Technikums (1957) beflügelte die Gedanken
der Politiker und Intellektuellen. Immer deutlicher erkannte man, dass überall
ein Umdenken einsetzte. Das Zweite Vatikanische Konzil markierte eine Öffnung
im Katholizismus. 1962 reichte Grossrat Felix Wili als Hitzkirch im Luzerner
Grossen Rat eine Motion ein, worin die Regierung eingeladen wurde, zu prüfen,
ob nicht «zur Krönung aller schulischen Werke unseres Kantons»
eine Universität Luzern ins Leben gerufen werden sollte. Am 6. März
1963 erklärte der Grosse Rat die Motion Wili für erheblich und
überwies sie der Regierung. In sechsjähriger Arbeit erstellte
die beauftragte Studienkommission einen Bericht, der das Bedürfnis
nach einer Universität bejahte und beantragte, eine Hochschule zu gründen.
Die erste Hochschulvorlage, das «Projekt 73», sah die Schaffung
einer auf die Luzerner Verhältnisse zugeschnittenen Reformuniversität
vor, wobei man bis 1980 von rund 1000 Studenten ausging. Am 22. Oktober
1974 stimmte der Grosse Rat der Universitätsgründung mit 74 gegen
25 Stimmen zu. Allerdings entstand der eigenartige Effekt, dass die Erben
des Liberalismus, deren Vertreter im 19. Jahrhundert zu den Vorkämpfern
der Schweizer Universitäten gehört hatten, mehrheitlich gegen
eine Universitätsgründung votierten.
Mit der Ölkrise von 1973 und dem durch sie ausgelösten Rezessionseinbruch
verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für die Hochschulgründung.
Der Regierungsrat beantragte daraufhin dem Grossen Rat, die in erster Lesung
bereits beschlossene Vorlage zurückzuziehen. Vor allem aus finanziellen
Gründen, aber nicht nur deswegen erfolgte der grossrätliche Rückzieher.
Die Studentenrevolte von 1968 wirkte immer noch nach.
Das Universitätsprojekt hatte 1975 wohl einen massiven Dämpfer erhalten, aber es war lediglich auf Eis gelegt worden. Inzwischen stellte die schweizerische Hochschulkonferenz am 22. Oktober 1976 fest, eine Universität in der Zentralschweiz habe «an Aktualität nicht nur nicht verloren, sondern gewonnen». Es waren vor allem Kapazitätsprobleme mit dem drohenden Numerus clausus, der die schweizerische Hochschulkonferenz aktiv werden liess. Die Universitätskantone wollten die Nichthochschulkantone stärker zur Kasse bitten. Ein Abgeltungssystem wurde vorgesehen, das für universitäre Zentrumsleistungen hohe Entschädigungen für ausserkantonale Studierende vorsah. Für den Kanton Luzern waren Zahlungen in zweistelliger Millionenhöhe zu erwarten. Ende 1976 beschloss der Regierungsrat neue Planungsrichtlinien. Es sollte nun eine klassische Universität für Natur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie für Theologie vorgesehen werden, die etwa 2000 bis 3000 Studierende umfassen sollte. Gemäss Universitätskonkordat vom 25. Mai 1977 sollte sie als «Zentralschweizerische Universität Luzern» konzipiert werden. Als Standort für die neue Universität sah man das hinter dem Bahnhof gelegene Tribschengelände vor.
Das Parlament verabschiedete am 7. März 1978 die neue Vorlage in
zweiter Lesung ohne grössere Änderungen mit 116 gegen 38 Stimmen.
Die Volksabstimmung wurde auf den 9. Juli angesetzt. In einem der heftigsten
Abstimmungskämpfe der letzten Jahrzehnte rangen Befürworter und
Gegner um die Entscheidung. Interessant war festzustellen, dass die Gegner
sich wenig persönlich zu Worte meldeten, sondern es vorzogen, anonym
zu argumentieren. Mit Schlagworten wie «Studentenflut», «Akademikerproletariat»,
Universitäten als «linke Soziologenbrutstätten» usw.
versuchten sie Stimmung gegen das Universitätsprojekt zu machen.
Sechs Wochen vor dem Luzerner Urnengang verwarfen Schweizer und Schweizerinnen
in einer eidgenössischen Abstimmung das revidierte Hochschulförderungsgesetz
im Verhältnis von 43,3 zu 56,7 Prozent, wobei auch der Kanton Luzern
zu den verwerfenden Ständen gehörte. Die Hauptprobe war gründlich
misslungen und ein schlechtes Omen für die entscheidende Ausmarchung.
Nach einem intensiven Abstimmungskampf, in dem sich Befürworter und
Gegner nichts schenkten, verwarfen die Luzerner mit 61312 Nein gegen 40093
Ja die Vorlage. In einem ähnlichen Verhältnis wurde das Zentralschweizer
Hochschulkonkordat abgelehnt.
Der negative Volksentscheid rief weitherum Bedauern und Unverständnis
hervor. Er konnte nicht mit dem bisherigen Parteienantagonismus erklärt
werden, auch nicht mit dem Links-Rechts-Schema oder dem Gegensatz StadtLand.
Ein ganzes Bündel von Faktoren führte zu diesem Nein. Sie genau
zu entschlüsseln, dürfte nicht ganz leicht sein. Zum einen handelte
es sich um eine Weltpremiere, indem das Volk über eine Hochschulgründung
entschied. Zum andern dürften die 1968er Studentenunruhen nachhaltig
auf die Stimmbürger gewirkt haben. Eine gewisse Akademikerverdrossenheit
lässt sich wohl nicht ganz abstreiten. Merkwürdigerweise stellten
sich viele Lehrer gegen die projektierte Neugründung, und zahlreiche
Freunde der Universität Freiburg fürchteten eine ruinöse
Konkurrenz durch die Luzerner Gründung. Teilweise war auch die Befürchtung
einer angeblichen CVP-Universität nicht wegzuleugnen.
Nach der Anerkennung der Gradrechte von 1970 nahm die Theologische Fakultät
einen ungeahnten Aufschwung. Mehrere ihrer Professoren wurden an deutsche
Universitäten berufen. Der Rektor geniesst seit 1991 ständigen
Gaststatus in der schweizerischen Hochschulkonferenz. Trotzdem litt die
Fakultät unter ihrer isolierten Existenz. Es fehlte das geisteswissenschaftliche
Umfeld. 1981 schuf deshalb die Regierung das Institut für Sozialethik
und das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung, die sich schon
bald einen Ruf über die Grenzen Luzerns hinaus erwarben. Mit dem Institut
für Jüdisch-Christliche Forschung, das sich intensiv um den Dialog
zwischen Christen und Juden bemühte, beschritt man in der schweizerischen
Hochschullandschaft neue Wege. 1984/85 nahm auch das Institut für Philosophie
den Betrieb auf. Dadurch war es in Luzern erstmals möglich, in Verbindung
mit bestimmten theologischen Fächern auch akademische Abschlüsse
philosophischer Richtung zu erwerben. 1989 wurde der Lehrstuhl für
Allgemeine und Schweizer Geschichte dem Philosophischen Lehrstuhl angegliedert,
dem 1997 der Lehrstuhl für Allgemeine und Schweizerische Geschichte
der Neuesten Zeit angefügt wurde.
In den neunziger Jahren erfolgte der gezielte Ausbau der verschiedenen Schulen
des tertiären Sektors zur Fachhochschule Zentralschweiz. Neue Vorstösse
der Parteien belebten die Idee, die Hochschule etappenweise auszubauen.
Im Rahmen dieser Vorstösse wurde die Idee der Drei-Fakultäten-Hochschule
für Theologie, Geistes- und Rechtswissenschaften lanciert. Alle diese
Initiativen führten schliesslich zum Beschluss des Grossen Rates vom
14. September 1993 zur Errichtung einer Fakultät II für Geisteswissenschaften.
Auf den 1. Dezember 1993 kam Luzern doch noch zu einer kleinen Hochschule,
nachdem das Referendum eines überparteilichen Komitees nicht zustande
gekommen war, innerhalb der gesetzlichen Frist die notwendige Zahl von 3000
gültigen Unterschriften beizubringen.
Es war ein langer und mühseliger Weg durch die Jahrhunderte, die Hochschulbildung in Luzern einzuführen und durchzuziehen. Am 21. Mai 2000 stimmt das Luzerner Volk über das neue Universitätsgesetz ab, das die Voraussetzung für den Ausbau von zwei auf drei Fakultäten schafft. Wenn ein zustimmendes Resultat an der Urne zustande kommt, kann endlich auf einem sicheren Fundament gebaut und die Region Zentralschweiz in die schweizerische Hochschullandschaft integriert werden. Wenn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger jedoch der Vorlage die Zustimmung verweigern, dann werden die beiden bisherigen Fakultäten wohl definitiv geschlossen und der Universitätsgedanke ein für alle Mal ad acta gelegt. Ein historischer Tag steht uns also bevor, an dem die Weichenstellung für die Zukunft der ganzen Region vorgenommen wird.
1 Aram Mattioli, Markus Ries, «Eine höhere Bildung thut in unserem Vaterlande Noth». Steinige Wege vom Jesuitenkollegium zur Hochschule Luzern, (Clio Lucernensis 7; Veröffentlichungen des Historischen Seminars der Universitären Hochschule Luzern), Chronos Verlag, Zürich 2000, 168 S.