16-17/2000 | |
INHALT | |
Theologie in Luzern |
Seit mindestens zehn Jahren ist eine anhaltend grosse Anzahl von Buchpublikationen zum Thema Jesus zu beobachten.<1> Im Jahr 1999 hat sich dieser Trend fortgesetzt. Auch wenn unter den Neuerscheinungen kein neues Standardwerk historisch-kritischer Jesusforschung<2> ausgemacht werden kann, ist der «Jahrgang» doch so ertragreich und vielfältig ausgefallen, dass sich ein Überblick lohnt.
Über die Gründe des Interesses an Jesusbüchern, das diesen anhaltenden Trend am Leben erhält, gibt es meines Wissens keine breit abgestützten Untersuchungen. Angesichts der vielfach diagnostizierten Kirchen-, ja Gotteskrise, die nach der Diagnose von Bischof Kurt Koch ihre «radikalste Zuspitzung in einer Krise des Christusglaubens» findet<3>, ist diese vielfältige und ernsthafte Beschäftigung mit der Jesusgestalt doch auffallend und sollte nicht vorschnell als «bloss humanistische Jesulogie» diskreditiert werden<4>.
Auch wenn die entsprechenden Jesusbücher und auch die breite literarische
Rezeption Jesu nicht im traditionellen Bekenntnis zu «Jesus
Sohn Gottes» münden, sondern sich mit diesem Bekenntnis vielfach
kritisch auseinandersetzen, haben faktisch fast alle zumindest unterschwellig
ein christologisches oder soteriologisches Anliegen. Das Verlangen nach
Heilwerden, die Sehnsucht nach einer gerechten und menschlichen Welt, die
Versöhnung zwischen Religionen (besonders zwischen Christentum und
Judentum), aber auch zwischen Mensch und Natur oder zwischen Glaube und
Vernunft all diese Hoffnungen werden mit Jesus in Zusammenhang gebracht.
In Anknüpfung an den fundamental-christologischen Ansatz von Karl-Heinz
Ohlig, der «Christologie» primär soteriologisch als Verknüpfung
der Jesusgestalt mit den äussersten Hoffnungen, tiefsten Sehnsüchten,
stärksten Visionen und grössten Ängsten der Menschen einer
bestimmten Zeit und Kultur versteht<5>,
sollte dieses Interesse an Jesus (bei aller Problematik einzelner Ausprägungen)
durchaus als positives Zeichen der Zeit erkannt und von den Kirchen entsprechend
aufgenommen und aufgearbeitet werden.
Während die Boulevardzeitung «Blick» (in Deutschland mit der «Bild»-Zeitung zu vergleichen) ihrer Leserschaft vor Weihnachten 1998 in einer mehrteiligen Folge «Wer war Jesus?» insgesamt durchaus brauchbare historische Informationen über Jesus anbietet, wird man in Predigten zur Weihnachtszeit vielerorts nach wie vor mit naiven und moralisierenden Darlegungen versorgt, welche die Kindheitserzählungen samt Stern, heiligen drei Königen und Kindermord historisierend darstellen. Damit wird einerseits der Textsinn verfehlt, anderseits werden die kritischen Fragen der Gottesdienstbesucher/Gottesdienstbesucherinnen in keiner Weise ernst genommen. Wenn sich die Interessierteren dann von Rudolf Augstein oder Gerd Lüdemann «aufklären» lassen, statt die «gesunde Lehre» moderater und kirchenamtlich abgestützter Exegese zur Kenntnis zu nehmen, dann hat sich das eine Verkündigung, die längst anerkannte Forschungsergebnisse nicht ernsthaft aufnimmt, selbst zuzuschreiben. Dass dabei auch in Kauf genommen wird, dass viele ernsthaft um ihren Glauben ringende Menschen ständig hin- und hergerissen sind zwischen dem (vermeintlichen) Glaubenmüssen, dass die Bibel doch im wörtlichen Sinn recht hat, und dem Zweifel, wie das mit modernem Denken vereinbar sei, kommt erschwerend hinzu. Neben dem Verlangen nach Heilwerden ist deshalb die Hoffnung auf Klarheit und auf die Versöhnung von Glauben und Denken ein weiterer Grund für die Nachfrage nach Jesusbüchern.
Ein weiteres Motiv kann in der Tendenz zur «Individualisierung»
von Religion und Weltanschauung vermutet werden. In einer Zeit, in der sich
«Jede(r) als Sonderfall» versteht<6>
und Institutionen (nicht nur kirchliche!) an Einfluss und Bindungskraft
verlieren, liegt es nahe, religiöse Lebensorientierung bei einer Einzelgestalt
zu suchen, die ihrerseits ja auch sehr oft als «Sonderfall»
präsentiert wird: Als Mensch, der alle Schemata sprengt, als erster
neuer Mann, als Chaosmeister, als charismatischer Prophet, als religiös
wie gesellschaftlich Unangepasster und wie die modernen Christusbezeichnungen
alle lauten.
Mit dieser Individualisierung geht um einen Ausdruck von Michael Krüggeler
aufzunehmen ein hoher Bedarf an Selbstthematisierung einher. Die eigenen
Fragen, Empfindungen, Erfahrungen usw. sollen im Religiösen vorkommen,
suchen Antwort und Bestätigung, ohne dass damit schon ein Bekenntnis
oder eine verbindliche Zugehörigkeit zu einer Institution oder Gemeinschaft
angestrebt wird. Diesem Phänomen wiederum kommt das Buch als Medium
der Kommunikation sehr entgegen. Lesen kann man von Fall zu Fall
mit hoher Identifikation, aber auch mit kritischer Distanz, wann und wo
man will, ohne jemand Rechenschaft über das Gelesene oder die eigene
Reaktion darauf schuldig zu sein. Lesend kann man ausprobieren, ob und wie
gut man sich das Gelesene aneignen kann.
Das Medium Buch und die Wahlfreiheiten des Buchmarktes geben das Gefühl,
als Individuum ernst genommen zu sein, und setzen die Leserinnen und Leser
keinem Bekenntniszwang, ja nicht einmal dem Druck aus, ausdrücklich
Stellung zu nehmen. Ob ich ein Jesusbuch zur blossen Information, ja vielleicht
gar zum Beispiel einen Jesusroman zur Unterhaltung lese, ob
ich es mit der Absicht kritischer Auseinandersetzung oder ob ich es mit
dem Wunsch nach persönlicher und/oder spiritueller Bereicherung lese,
bleibt mir überlassen. Und wenn es mich nicht anspricht, kann ich es
folgenlos beiseite legen.
Neue Jesusbücher benötigen aber nicht nur einen «Markt»
und eine «Nachfrage» auch vonseiten der Autorinnen und
Autoren muss Interesse daran bestehen, sie zu schreiben. Von diesem Interesse
kann sinnvoll nur noch im Plural die Rede sein, denn die Vielfalt der Zugänge
verunmöglicht die Reduktion auf ein Jesusbild definitiv.
Neben den Jesusbüchern, die ein unmittelbar gegenwartsbezogenes Interesse
haben (Lebens- und Glaubensorientierung, kirchenkritische Aufklärung,
Verknüpfung aktueller Anliegen mit der Jesusgestalt), erscheint im
bibelwissenschaftlichen Bereich vorrangig historisch orientierte Literatur.
In diesem Feld setzt sich mehr und mehr die Überzeugung durch, dass
die Jesusforschung etwa seit den 80er-Jahren in eine neue Phase getreten
ist. Als Merkmale dieses bezeichnenderweise amerikanisch als «third
quest» bezeichneten neuen Ansatzes werden genannt: Stärker profangeschichtliches
Interesse an Jesus, sozialgeschichtliche Fragestellungen, vermehrte Einbindung
Jesu ins Judentum sowie intensivere Berücksichtigung der ausserbiblischen
Quellen<7>.
In diesem Zusammenhang ist im Blick auf 1999 bemerkenswert, dass zur Aufarbeitung
des theologischen, speziell des neutestamentlichen Antijudaismus wichtige
Beiträge erschienen sind. Diese sind zwar nicht unmittelbar der Jesusliteratur
zuzurechnen, aber doch vielfältig mit ihr verknüpft, zumal es
in einer Jesusdarstellung nach Auschwitz unmöglich geworden ist, die
fürchterlichen Auswirkungen der oft «im Namen Jesu» legitimierten
Judenfeindschaft auszublenden und zu übersehen, dass bis in die jüngste
Zeit hinein mit dem Kontrast des strahlend hellen, gesetzeskritischen oder
frauenfeindlichen Jesus vor düsterem, gerichtsbetontem und patriarchalem
jüdischen Hintergrund gearbeitet wurde<8>.
Zu Recht hält David Flusser fest, «dass viel jüdisches Blut
unvergossen geblieben wäre (nicht nur unter der braunen Welle), wenn
die Christen die Jüdischkeit Jesu gesehen hätten»<9>. Tendenzen, den Antijudaismus im Neuen Testament
als «innerjüdische Zwistigkeiten» schönzureden, erteilt
Flusser eine klare Absage und bezeichnet sie als «apologetische Versuchung»
(44f).
Auch zur Methode und zu den Ergebnissen sozialgeschichtlicher Bibellektüre
erschienen 1999 hilfreiche Gesamtdarstellungen und Sammelbände, die
dokumentieren, wie stark dieser Ansatz mittlerweile verbreitet und verankert
ist<10>.
Nach diesem längeren «Anmarschweg», der die Zusammenhänge
des aktuellen Interesses an Jesus etwas zu erhellen suchte, ist nun auf
den Ertrag der Produktion einzugehen. Umfangmässig nehmen die beiden
dicken Bücher von Rudolf Augstein und Gerd Lüdemann den meisten
Platz ein<11>.
Im Zentrum stehen die Fragen: «Was tat und sagte er wirklich?»
und «Was hat er uns heute noch zu sagen?», die beide Autoren
schon lange umtreiben. Rudolf Augstein, lange Zeit Chefredaktor des Magazins
«DER SPIEGEL», hat schon 1972 ein Buch mit dem gleichen Titel
«Jesus Menschensohn» vorgelegt. Es hat damals viel Staub aufgewirbelt
und liegt nun wesentlich erweitert und umfassend überarbeitet vor.
Das Thema «Jesus und wie die Kirche ihn missbraucht hat» bzw.
das Verhältnis von Glaube und Vernunft haben Augstein offenbar nicht
losgelassen. Auch Gerd Lüdemann, Theologieprofessor in Göttingen,
schreibt seit Jahren gegen den «grossen Betrug» an<12>.
Er erklärt am Ende seines dicken Buches, er lege Jesus hiermit «zu
den Akten» (886).
Wer sich die Mühe macht, die beiden Bücher zu lesen, stellt zunächst
grosse Unterschiede fest. Lüdemann geht unterstützt von
zwei Mitautoren/Mitautorinnen sämtliche Evangelien des NT sowie
das Thomasevangelium und apokryphe, das heisst nicht in der Bibel enthaltene,
Jesusworte Abschnitt für Abschnitt durch und stellt immer die gleiche
Schlussfrage nach dem «Historischen»: Was ist tatsächlich
geschehen? Dementsprechend beschliesst er sein Buch mit einem «Leben
Jesu in Kurzfassung» und einem «Register aller echten Worte
und Taten Jesu», das auf anderthalb Seiten Platz findet (888f.). Augstein
geht die Frage viel grundsätzlicher an, zitiert immer wieder ausführlich
Theologinnen und Philosophen, diskutiert Grundsatzfragen und grosse Themen
wie «Gott und das Leid» oder «Jesus und die jüdischen
Bewegungen seiner Zeit».
Trotz der unterschiedlichen Zugangswege gibt es erstaunliche Gemeinsamkeiten
im Ergebnis: Beide Bücher wirken auf sehr unterschiedliche Art hochwissenschaftlich
und erwecken den Anschein, gegenüber den Kirchen und der Zunft der
Theologen, die stets um den heissen Brei herumreden, endlich die reine Wahrheit
unverblümt zu sagen. Zu den gemeinsamen Grundauffassungen gehört,
dass das historisch gesicherte Wissen über Jesus wesentlich schmaler
ist, als oft behauptet wird. Und beide kritisieren mit scharfen Worten,
dass die Kirchen aus Jesus etwas gemacht haben, was er nie war und nie sein
wollte. Augstein schreibt im Schlusskapitel: «Jesus-Jeschua, ein Sohn
zweier Menschen, ist als Kultgestalt nur noch ein Abziehbild; dem Mann unserer
Phantasie haben wir nachgedacht» (446). Bei Lüdemann heisst es,
Jesus sei in der Kirchengeschichte «bis heute interpretiert und für
die Zwecke der jeweiligen Menschen missbraucht» worden. Es gelte nun,
die «kirchliche Verbrämung als Maskerade» zu entlarven
(886). Mit einem Wort: «Verdrängen ist gut, Bewusstmachen ist
besser. Rationale Aufarbeitung hat mir gut getan und tut der Gesellschaft
not» (Augstein, 446).
Die Ergebnisse dieser beiden Bücher sind bedeutend weniger sensationell
und neu, als es die Verlagswerbung behauptet. Und von der übrigen Jesusliteratur
unterscheiden sie sich vor allem durch rhetorische oder journalistische
Zuspitzung, die gelegentlich aber in die Irre führt. Wenn Lüdemann
zum Beispiel in der bereits erwähnten Tabelle zu «echten Worten
und Taten Jesu» unter dem Stichwort Johannesevangelium nur schreibt:
«entfällt», erweckt er den falschen Eindruck, von Jesus
habe das Johannesevangelium gar keine echten Spuren aufgenommen
Trotz ihres grossen aufklärerischen und kirchenkritischen Pathos hinterlassen
die beiden Bücher einen zwiespältigen Eindruck: Zwar ist die Sehnsucht
gross, die Spannung zwischen kritischem Denken und der Suche nach Sinn zu
überwinden und einen Schlussstrich zu ziehen unter das vergangene Leben
Jesu. Aber die Frage nach seiner bleibenden Bedeutung für das eigene
Leben und die Gegenwart beschäftigt und beunruhigt die beiden skeptisch-kritischen
Autoren auch nach 2000 Jahren.
Umfangmässig wie thematisch breit angelegt ist auch das Werk des
bekannten Theologen und Literaturwissenschaftlers Karl-Josef Kuschel über
Jesus im Spiegel der Weltliteratur<13>,
das inhaltlich an frühere Arbeiten anknüpft<14>.
Anhand von gegen 30 Texten christlicher, islamischer, jüdischer und
atheistischer, religiöser und religionskritischer Autorinnen und Autoren
aus verschiedenen Kontinenten dokumentiert Kuschel die Faszination der Jesusgestalt.
So wird deutlich, dass Jesus keiner Kirche und schon gar nicht den Theologen
allein gehört. Die prägende Kraft von Jesu Botschaft wird ebenso
spürbar wie die skandalöse Tatsache, dass in seinem Namen Unmenschliches
geschah und dies erst noch mit der Aura des Heiligen umgeben wurde. Auf
der Suche nach einer Sprache, die Jesus weder verkitscht noch verkirchlicht
und die Fremdheit Jesu ebenso aushält wie die bohrenden Fragen der
Menschen, ist dieses Buch eine wertvolle Hilfe.
Dass die Spannung zwischen skeptischer Distanz und Identifikation schon
an der Schwelle des 20. Jahrhunderts bestand, belegen die einleitenden Zitate
von Anatole France (1891): «Jesus?... Jesus von Nazareth? Ich erinnere
mich nicht mehr!», und von Oscar Wilde (1897): «Christi Platz
ist bei den Dichtern» (11). Sie ist im Blick auf das Ende des 20.
Jahrhunderts zu ergänzen durch die von Georg Langenhorst, einem Schüler
Kuschels, aufgezeigte neu erwachte «Sehnsucht nach dem ÐJesus
cognitoð» bzw. der «Wiederbelebung der Jesus-Romane»
in Ergänzung zum «Jesus incognito». Während die literarische
Bearbeitung der geschichtlichen Jesusgestalt lange Zeit im Verdacht des
«Kitsches» stand, ist das Bedürfnis nach neuer, nach-kritischer
Nähe in der historischen Forschung, aber ebenso in Film und Literatur
neu erwacht.<15>
Reich bebildert und sorgfältig aufgemacht ist der grossformatige
Band «Jesus 2000 Jahre Glaubens- und Kulturgeschichte»
mit Artikeln prominenter Autorinnen und Autoren wie David Flusser, Kardinal
Carlo Maria Martini, Hans Küng, Adel Theodor Khoury, Bischöfin
Maria Jepsen, Gustavo Gutierrez<16>. Der
Bildteil dokumentiert zahlreiche Themen und Epochen, die Artikel beleuchten
die Gestalt historisch, kulturgeschichtlich, befreiungstheologisch, aus
der Sicht von Frauen, im Verhältnis zum Islam und zu den Weltreligionen
sowie theologisch. Etliche Texte sind neu oder werden hier zum ersten Mal
auf Deutsch publiziert.
Auf die Gefahr hin, andere Beiträge nicht genügend zu würdigen,
sei besonders auf den Text von Carlo Maria Martini<17>,
Kardinal von Mailand, hingewiesen. Er ist deshalb eindrücklich und
lesenswert, weil hier ein hoher kirchlicher Würdenträger im Rückblick
auf 70 Lebensjahre seine persönliche Geschichte mit der Jesusgestalt
erzählt und dabei auch die «Zeit der Prüfung» (54ff.)
nicht ausspart. Seine Arbeit als junger Bibelforscher «war wie die
ständige Suche nach dem Gleichgewicht, und zwar auf einem Boden, der
einem Erdbeben ausgesetzt war» (60). Zudem bekennt sich Martini, der
vor allem als Meister der «lectio divina», also einer spirituellen
Lektüre der Bibel bekannt ist, ohne Wenn und Aber zur historisch-kritischen
Forschung. Er dankt den «Meistern des Argwohnes», weil es gelte,
«keine ernst zu nehmende Schwierigkeit» zu ersparen (59f.).
Auch nach der «wissenschaftlichen, systematischen Reduktion»
bleiben genügend Gegebenheiten, «um die Gestalt Jesu in einer
Art und Weise zu skizzieren, dass sie uns in der Tiefe unseres Bewusstseins
herausfordert» (61). «Es ist die Gestalt einer starken, aber
auch offenen Persönlichkeit, umgänglich und präzise, bescheiden
und mit unerhörten Ansprüchen, unbedeutend nach dem menschlichen
Massstab von Geschichte und Politik und zugleich fähig, den Herrschenden
Angst einzujagen. ... Er scheint neue und packende Dinge zu sagen, und doch
siedelt er sich ganz im tradierten Rahmen seines Volkes an» (65).
Der letzte Abschnitt von Martinis Text trägt den Titel «Die Zeit
des Kampfes oder die Zeit des leisen, sanften Säuselns» (70ff.).
Er vergleicht die Begegnung mit der Jesusgestalt mit einem Kampf, der «uns
zwar anstrengt, aber auch auf den Beinen hält ... Genau in einem solchen
Kampf, auf einer solchen Reise in Etappen, die immer auch Fragen umfassen,
werden wir Männer und Frauen zu authentischen Menschen ... Diese geheimnisvolle
und faszinierende Reise wünsche ich jedem Mann und jeder Frau auf der
Erde» (73).
Zur Lektüre empfohlen sei der Beitrag der lutherischen Bischöfin
Maria Jespsen «Jesus und die Frauen»<18>.
Er greift wichtige Ergebnisse und Anliegen feministischer Bibellektüre
und Christologie auf und verknüpft sie mit aktuellen Fragen. Der Artikel
schliesst mit den mahnenden Worten: «Es bleibt von entscheidender
Bedeutung, wie die Kirchen sich diesen alt-neuen Fragen stellen. Ob sie
bereit sind, von Frauen zu lernen und sich von der Feministischen Theologie
verändern zu lassen ...» (195).
Im Hinblick auf das Jahr 2000 hat der bekannte jüdische Forscher
David Flusser seinen «Jesus» überarbeitet<19>.
Beim Wiederlesen des 1968 erstmals veröffentlichten Buches, das unter
die Kategorie «klein aber fein» einzuordnen ist, fällt
auf, wie wenige Anpassungen an neuere Forschungsergebnisse nach über
30 Jahren nötig waren und wie aktuell das Buch noch immer ist. Mit
der Einbettung Jesu in seine jüdische Welt hat Flusser schon vor einer
Generation eine der wichtigsten Entwicklungen der neuesten Forschung vorweggenommen.
Zugleich fällt auf, dass die durchaus vorhandenen spezifischen Eigenheiten
Jesu keineswegs eingeebnet werden, um aus Jesus einen «guten Juden»
zu machen (was auch immer das wäre...). So nimmt Flusser bei gleichzeitiger
Betonung seiner Toratreue einen «revolutionären Ansatz»
(68) Jesu im Umgang mit dem Gesetz wahr und anerkennt, dass Jesus «der
einzige uns bekannte antike Jude ist, der nicht nur verkündet hat,
dass man am Rand der Endzeit steht, sondern gleichzeitig, dass die neue
Zeit des Heils schon begonnen hat» (96).
Wer das geschichtliche, und das heisst immer auch das jüdische, «Urgestein»
wahrnehmen will, auf das sich alle literarischen, kulturellen und theologischen
Deutungen der Jesusgestalt in Anknüpfung und Widerspruch immer beziehen
müssen, wird dieses «sanft renovierte» Jesusbuch mit Gewinn
lesen oder wiederlesen.
Ebenfalls zu nennen sind in diesem Zusammenhang zwei Artikelsammlungen renommierter
Exegeten: Klaus Wengst und Franz Mussner, die Jesus als Juden ebenso ernst
nehmen wie als Bezugsgestalt des Christentums und daraus sehr wichtige und
bedenkenswerte Einsichten für das christliche Selbstverständnis,
aber auch für eine christliche Theologie des Judentums und den Dialog
zwischen Christentum und Judentum gewinnen<20>.
Ähnlich wie beim Wiederlesen von Flussers Jesusbuch fällt auch
bei der Wiederbegegnung mit Mussners methodologischen Überlegungen
zur Rückfrage nach Jesus aus den 70er-Jahren auf, dass gerne als «neu»
oder als «Paradigmenwechsel» deklarierte Ansätze schon
damals erkennbar waren. Schon 1971 erhob Mussner die Forderung, das christologische
Bekenntnis zum «wahren Menschen» durch ein «vere homo
judaeus» zu präzisieren.
Gewissermassen das Gegengewicht zur möglichst präzisen Einwurzelung Jesu in seiner jüdischen Welt bildet die Frage nach seinem Verhältnis zu den Weltreligionen. Diese für den «christlichen Glauben in multireligiöser Gesellschaft» sehr wichtige Thematik hat weit reichende christologische Implikationen, weil sie eng mit dem Absolutheitsanspruch des Christentums verknüpft ist<21>. Aber das Thema ist angesichts des grossen Interesses insbesondere am Buddhismus und an Glaubens- bzw. Lebensweisheiten, die grossen Religionen gemeinsam sind, auch für eine breitere Leserschaft bedeutsam. Diese hat unter anderem das schön gestaltete Buch von Marcus Borg im Auge. «Jesus und Buddha. Worte, die unser Herz erleuchten. Parallele Aussagen der zwei grossen Weisheitslehrer» besticht hauptsächlich durch thematisch geordnete Worte, die Jesus bzw. Buddha zugeschrieben werden. So steht um nur ein Beispiel zu erwähnen, neben «Selig seid ihr Arme, denn euch gehört das Reich Gottes» das Wort: «Lasst uns glücklich leben und nichts besitzen. Lasst Freude unsere Nahrung sein, wie bei den strahlenden Göttern» (86f.). Die Einführung macht auf verblüffende Ähnlichkeiten aufmerksam, nennt aber auch einen «Hauptunterschied»: «Es gibt bei Jesus eine soziale und politische Leidenschaft, die wir beim Buddha nicht finden. ... Dieser Unterschied ... mag auch aus ihrer unterschiedlichen Klassenzugehörigkeit rühren» (20f.). Die persönliche Beschäftigung mit den Worten und Gleichnissen der beiden grossen Weisheitslehrer ist «ein Pfad der Befreiung von unserem ängstlichen Verhaftetsein, ein Pfad der Auferstehung zu einer neuen Seinsweise und der Transformation hin zu einem Leben des Mitgefühls» (28f.). Für kritisch nachfragende Leserinnen und Leser hat das Buch allerdings den Nachteil, dass es zur historischen Echtheit der zitierten Worte nichts sagt. So werden zum Beispiel zahlreiche Worte aus dem Johannesevangelium zitiert, die kaum auf Jesus zurückgehen. Wie es um den Quellenwert der Buddha-Worte steht, bleibt ebenfalls völlig offen. Ohne diese schon zu leisten, regt das Buch eine historisch, theologisch und spirituell sorgfältige Aufarbeitung des Themas «Jesus und Buddha» für ein breiteres Publikum an. Ein beeindruckendes Zeugnis eines interreligiösen Gesprächs zu diesem Thema ist das bereits 1997 erschienene Buch «Das Herz aller Religionen ist eins. Die Lehre Jesu aus buddhistischer Sicht»<22>.
Ein aktuelles Anliegen steht im Mittelpunkt des jüngsten Jesusbuches
von Franz Alt: Die ökologische Krise<23>.
Unter dem Titel «Jesus und seine spirituelle Ökologie»
liefert er «eine erste ethische Begründung für die Solarenergie,
die vielleicht überraschend deutlich macht, dass es sehr wohl einen
ökologischen Jesus gibt, wenn wir genauer hinschauen, als es die Theologen
bisher getan haben. Jesus erklärt in der Bergpredigt zur Begründung
der Feindesliebe: ÐIch aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für
die, die euch verfolgen. So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im
Himmel. Denn er lässt die Sonne scheinen auf böse wie auf gute
Menschenð (Matthäus 5,45). Das heisst: Solarenergie ist die Energie
des Volkes und die Energie des Friedens. Sie gehörte allen und ihre
Nutzung ist am Beginn des 21. Jahrhunderts die Voraussetzung für den
Weltfrieden.» Dieser Argumentation wird zwar nachgeschoben «das
Wort Solarzelle kommt so bei Jesus nicht vor», aber trotzdem ist klar:
«Ähnlich wie Buddha zeigt Jesus den Weg des ökologischen
Erwachens, des ökologischen Bewusstseins und des ökologischen
Tuns.» Allen Einwänden zum Trotz<24>
bleibt Jesus für Franz Alt übrigens der «Ðerste neue
Mannð, weil er der erste bekannte Mann ist, der die Männerfixierung
seiner Zeit aufgedeckt und in Frage gestellt hat. Inmitten einer frauenfeindlichen
und ausschliesslich männerorientierten Zeit zeigte Jesus eine völlig
neue, eine eindeutig partnerschaftliche Haltung gegenüber Frauen»<25>.
Gewiss muss man aus verschiedensten Gründen klar festhalten, dass es
so nicht geht: Eine derartige Vereinnahmung Jesu und einzelner seiner Worte
ist unsachgemäss. Gleiches gilt für die schwarz-weisse Abgrenzung
von der jüdischen Umwelt. Anderseits ist bemerkenswert, wie Jesus in
diesem Buch durchaus im Sinn der Christologie zum Katalysator
für einen anderen Umgang mit dem Leben und mit der Schöpfung wird.
Weder bleibt er eine blosse Gestalt der Vergangenheit, noch wird er zur
blassen Chiffre oder zur rein innerkirchlichen Bezugsgrösse, sondern
wird verknüpft mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen nach Lebenssinn
und Lebensstil.
Abschliessend sei auf Bücher mit Jahrgang 1999 hingewiesen, die nicht den «ganzen Jesus» in den Blick nehmen, sondern je historische Brennpunkte bearbeiten, die kaum zufällig dort liegen, wo Historisches und Theologisches aufs Engste miteinander verflochten sind: Am Anfang und am Ende des Lebens Jesu.
Willibald Bösen, der ähnliche Sachbücher schon zu Galiläa und zum Prozess Jesu vorgelegt hat, behandelt die Kindheitsgeschichten der Evangelien<26> und legt dabei wie er zur Geschichte der Weisen aus dem Morgenland treffend formuliert «ein komplexes Neben- und Ineinander von Historie, Theologie, Mythologie und Volksglauben ... offen. Eine exakte Grenzziehung ist nicht mehr möglich, letztlich auch nicht entscheidend, will der Evangelist seine Leser doch nicht in erster Linie informieren, sondern zum Glauben an Jesus führen. Seine theologisch-christologische Botschaft bleibt von der historischen Frage unberührt.» Die zahlreichen grafischen Darstellungen und die materialreiche Auslegung der Texte sind eine Fundgrube für Erwachsenenbildung und Religionsunterricht mit älteren Schülerinnen und Schülern. Aber auch für Predigt und Besinnung bietet das Buch wichtige Anstösse, weil es historische Kritik der biblischen Botschaft nicht als Zerstörung, sondern als Verständnishilfe betreibt. Ein ähnliches theologisches Anliegen ist auch im schmalen Band von Morna D. Hooker erkennbar, das dazu anleitet, alle vier Evangelienanfänge als «Ouvertüren» zu lesen<27>.
Nicht mit den Anfängen, sondern mit dem Ende des Lebens Jesu beschäftigt sich das Buch des amerikanischen Jesusforschers John Dominik Crossan<28>. Auslöser für die Hinrichtung Jesu waren seine symbolisch destruktiven Taten und Worte gegen den Tempel. «Denn dieses heilige Bauwerk verkörperte alles, was er mit seiner Vision und seinem Programm unter den Bauern Niedergaliläas bekämpft hatte.» Als älteste Quelle für die Passionserzählungen wird das «Kreuzesevangelium» beurteilt, das in die vierziger Jahre datiert wird und der Darstellung des apokryphen Petrusevangeliums zu Grunde liegt. Wie ein roter Faden zieht sich ferner die These durch das Buch, es handle sich in den Passionserzählungen hauptsächlich nicht um erinnerte und im Licht des Alten Testaments gedeutete Geschichte, sondern um «historisierte Prophetie» und somit zu weitesten Teilen um eine Geschichtsschöpfung unter «Mitwirkung von Apologetik und Polemik». Den Autoren ging es dabei um «Propaganda» zur schriftgelehrten Rechtfertigung des eigenen Glaubens und um Polemik gegen die jüdische Obrigkeit. Diese Polemik war «ursprünglich und anfänglich ziemlich unschuldig ... Doch als dann das römische Reich christlich wurde, wurde die Fabel mörderisch.» Viele Thesen von Crossan sind überzogen. Trotzdem ist das Buch ein anregender Diskussionsbeitrag. Es wirft wichtige Grundsatzfragen auf: Gehen wir nicht allzu selbstverständlich einseitig von den Darstellungen der kanonischen Evangelien aus und vernachlässigen zum Beispiel die apokryphen Traditionen? Ist die Exegese bezüglich der Geschichtlichkeit der Evangelien nach einer überkritischen Phase wieder auf dem Weg zu einer zu grossen Zuversicht, die vernachlässigt, wie schmal die Basis für gesicherte Aussagen bleibt? Bringen wir die Redlichkeit und auch den Mut auf, bezüglich der Judenfeindlichkeit nicht nur die Wirkungsgeschichte des Neuen Testaments kritisch aufzuarbeiten, sondern auch zu bedenken, dass schon in den Evangelien selbst eine Polemik und eine propagandistische Geschichtsschreibung im Dienst der eigenen Interessen greifbar ist, die später schreckliche Folgen haben sollte?
Ein gerade in den letzten Jahren wieder heftig diskutiertes «heisses
Eisen» der historischen Jesusforschung greift das nach dem Tod des
Autors veröffentlichte Büchlein von Anton Vögtle auf: Die
Entstehung des Osterglaubens<29>. So sorgfältig
wie scharfsinnig werden die biblischen Texte selbst, aber auch moderne Theorien
(zum Beispiel jene von G. Lüdemann) befragt. Dabei wird das «leere
Grab» klar und nüchtern als «Konsequenz aus dem Auferweckungsglauben»
erwiesen (4251), und zu den Erzählungen von Erscheinungen des
Auferstandenen heisst es: «Bis zum Überdruss mussten wir uns
aber eingestehen, dass jene Erscheinungserzählungen allesamt Ergebnisse
späterer Osterpredigt und Apologetik sind, somit als ursprüngliche
Information über die Begründung des Osterglaubens entfallen»
(99). Aber auch zur vieldiskutierten und schlagzeilen-trächtigen These
von Gerd Lüdemann, Jesus sei in seinem Grab verwest, wird kritisch
angemerkt, man könne das «annehmen, jedoch nicht beweisen»
(104). Ebenso werden tiefenpsychologische Konstruktionen, die «es
bei einer rein natürlichen, seelischen Erfahrung ... belassen, die
am Totsein Jesu nicht das geringste ändert» (108). Es sei «sicher
als urgemeindlicher Glaube ... bezeugt, ... dass dieser Glaube durch ein
nicht menschlicher Initiative verankertes Offenbarungsgeschehen ausgelöst
wurde» (102).
In der einleitenden Würdigung des 1996 verstorbenen Pioniers der katholischen
Exegese stellt Rudolf Hoppe überzeugend dar, dass das konsequent historisch-kritische
«Denken für den Osterglauben öffnen (will), ohne dem Leser
oder Hörer die glaubende Entscheidung zu ersparen» (28). Dieser
Weg erfordert eine erhebliche Anstrengung im Denken und in der Arbeit am
biblischen Text, aber auch die Bereitschaft, von traditionellen Erklärungsmustern
wie von eigenen Lieblingsideen Abschied zu nehmen. Aber diesen Weg echter,
selbst- und kirchenkritischer intellektueller Redlichkeit können sich
kirchliche Verkündigung und Theologie nicht ersparen, wenn sie sich
und andern «ehr' und redlich» die «Rechenschaft über
die Hoffnung ablegen wollen, die uns erfüllt» (1 Petr 3,15).
Dieses Anliegen einer «widerstandsfähigen Hoffnung» (10)
und die Suche nach einer «Sprache, die dem Tod standhält»
(12), treiben auch Ingo Baldermann um, der in seinem schmalen, aber ausserordentlich
dichten Buch «Auferstehung sehen lernen»<30>
will. Sein Zugang ist nicht primär historisch und auch nicht auf die
Auferweckung Jesu allein focussiert, sondern stärker existenziell und
gesamtbiblisch orientiert. Gerade dadurch gelingt es ihm (in starker Anknüpfung
an Dietrich Bonhoeffer) deutlich zu machen, dass «das Wunder der Auferstehung
und des neuen Lebens mitten in die Todeswelt hineinleuchtet» (117).
Unter Theologinnen und Theologen wird oftmals die Klage laut, die theologische
Landschaft sei öde, die Exegese steril, der Buchmarkt zwar von Titeln
überschwemmt, aber letztlich uninteressant. Der Blick auf die Neuerscheinungen
im Umfeld der Jesusthematik in nur einem Kalenderjahr relativiert diese
Pauschalurteile erheblich. Es gibt sowohl im Bereich der Weiterentwicklung
schon beinahe «klassischer» Ansätze als auch im Bereich
verschiedener Versuche, das Alte neu zu sagen, Lesens- und Bedenkenswertes.
In seinem bereits erwähnten Beitrag zur «Kirche an der Schwelle
zum Dritten Jahrtausend» sagt Bischof Kurt Koch, es stelle sich «in
der heutigen Gesellschaft, die sich durchgehend durch Multikulturalität
und damit auch Multireligiosität auszeichnet, ... mit besonderem Ernst
die Frage, wie der Christusglaube der Kirche angesichts des vielfältigen
Religionsangebotes von heute redlich verantwortet werden kann».<31> Ein erster wichtiger Schritt auf dem
Weg zu einer tragfähigen Antwort besteht darin, die Beiträge zum
Verständnis Jesu Christi, die von Freundinnen und Gegnern, Frommen
und Ketzerinnen, Grenzgängerinnen und Insidern, von Glaubensstarken
und Unsicheren geleistet werden, ebenso hellhörig wie kritisch wahrzunehmen.
Bei diesem Bemühen stelle ich immer wieder zum eigenen Erstaunen fest,
dass selbst unter den schärfsten Kritikern mehr Glauben anzutreffen
ist, als es die gegenwärtig beliebte Rede vom Verdunsten des Glaubens
und von seinem «Wegschmelzen wie der letzte Schnee vor der erstarkenden
Frühjahressonne»<32> vermuten
lässt.
Eine ernsthafte, ebenso geschichtsbezogene wie gegenwartssensible, Beschäftigung
mit der Gestalt Jesu ist gewiss nicht die ganze Antwort auf die beklagte
«pastorale Ratlosigkeit», aber zweifellos ein Beitrag zur geforderten
Erneuerung, die weder von oben noch von unten, sondern «allein von
innen» kommen kann<33>. In seiner
Vielfalt, aber auch in der Qualität vieler (nicht aller!) Erträge
bietet der Jahrgang 1999 der Jesusliteratur mancherlei Anstösse für
die bleibend notwendige Besinnung auf die alt-neue Frage: «Wer ist
denn dieser?».
Der im Fach Exegese des Neuen Testaments promovierte Theologe Daniel Kosch leitet die Bibelpastorale Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks in Zürich.
1 Literaturüberblicke bieten: C. Breytenbach, Jesusforschung: 19901995. Neuere Gesamtdarstellungen in deutscher Sprache, in: Berliner theologische Zeitschrift 12 (1995) 226249; F. Hahn, «Umstrittenes Jesusbild?», in: MThZ 44 (1993) 95107; D. Kosch, Jesus: Neue Bücher, neue Bilder, neue Fragen, in: FZPhTh 40 (1993) 428457; Ders., Neue Jesusliteratur. Eine Umschau, in: BiKi 48 (1993) 4045; Ders., Neues Interesse an Jesus, in: Diakonia 26 (1995) 353357; Ders., Jesusliteratur 19931997. Eine Umschau, in: BiKi 53 (1998) 213219; Ders., Neuere Jesusliteratur, in: SKZ 166 (1998) 230239; P. Müller, Neue Trends in der Jesusforschung, in: ZNT 1 (1998) 216; H. Moxnes, The Historical Jesus: From Master Narrative to Cultural Context, in: BTB 28 (1998) 135149; A. v. Scheliha, Kyniker, Prophet, Revolutionär oder Sohn Gottes? Die «dritte Runde» der Frage nach dem historischen Jesus und ihre christologische Bedeutung, in: ZNT4 (2/1999) 2231.
2 Die wichtigsten «grossen», auf Deutsch zugänglichen Jesusbücher der letzten Jahre sind: J. Becker, Jesus von Nazaret, Berlin 1996; J.D. Crossan, Der historische Jesus, München 1994; J. Gnilka, Jesus von Nazaret. Botschaft und Geschichte, Freiburg 1990; E.P. Sanders, Der Sohn Gottes. Eine historische Biographie Jesu, Stuttgart 1996; G. Theissen/A. Merz, Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 1996. Bahnbrechende und für die historische Forschung vor allem in hermeneutischer Hinsicht unverzichtbare Beiträge aus feministischer und befreiungstheologischer Sicht sind: E. Schüssler Fiorenza, Jesus Mirjams Kind, Sophias Prophet. Kritische Anfragen feministischer Christologie, Gütersloh 1997; J. Sobrino, Christologie der Befreiung I, Mainz 1998.
3 K. Koch, Kirchen an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, in: SKZ 167 (1999) 702709. 722725, hier 704, mit Berufung auf J. Kardinal Ratzinger.
4 Koch, ebd.
5 K.-H. Ohlig, Fundamentalchristologie. Im Spannungsfeld von Christentum und Kultur, München 1986; vgl. die Kurzfassung in: Ders., Zum Verständnis der Christologie. Die Rezeption Jesu auf der Basis der Sinnfrage, in: Diak 26 (1995) 294304.
6 Vgl. dazu nur A. Dubach/R.J. Campiche, (Hrsg.), Jede(r) ein Sonderfall? Religion in der Schweiz, Zürich 21993; speziell zur Jesus-Thematik s. M. Krüggeler, Der verschwindende und sich wandelnde Jesus. Eine soziologische Miniatur zur Empirie des heutigen Jesusbildes, in: Diak 22 (1991) 365372.
7 G.S. Theissen/D. Winter, Die Kriterienfrage in der Jesusforschung (NTOA 34), Freiburg Schweiz 1997, 145148, sowie den in Anm. 1 genannten Artikel von A. Scheliha.
8 W. Dietrich/M. George/U. Luz (Hrsg.), Antijudaismus christliche Erblast, Stuttgart 1999; P. Fiedler/G. Dautzenberg (Hrsg.), Studien zu einer neutestamentlichen Hermeneutik nach Auschwitz (SBAB 27), Stuttgart 1999; R. Kampling (Hrsg.), «Nun steht aber diese Sache im Evangelium...». Zur Frage nach den Anfängen des christlichen Antijudaismus, Paderborn 1999. Weitere wichtige, ebenfalls neue Publikationen: D. Henze u.a. (Hrsg.), Anitjudaismus im Neuen Testament? Grundlagen für die Arbeit mit biblischen Texten (KT 149), Gütersloh 1997; H. Frankemölle, Jüdische Wurzeln christlicher Theologie (BBB 116), Bodenheim 1998; L. Schottroff/M.-Th. Wacker, Von der Wurzel getragen. Christlich-feministische Exegese in Auseinandersetzung mit Antijudaismus (BIS 17), Leiden 1996.
9 D. Flusser, Der Jude Jesus, in: I.F. Görres u.a., Jesus. 2000 Jahre Glaubens- und Kulturgeschichte, Freiburg 1999, 3248, hier 32.
10 E.S. Gerstenberger/U. Schoenborn, Hermeneutik sozialgeschichtlich (exuz 1), Münster 1999; R. Hochschild, Sozialgeschichtliche Exegese. Entwicklung, Geschichte und Methodik einer neutestamentlichen Forschungsrichtung (NTOA 42), Freiburg Schweiz 1999; C. Janssen/B. Wehn (Hrsg.), Wie Freiheit entsteht. Sozialgeschichtliche Bibelauslegungen, Gütersloh 1999. Der Ertrag vieler (eigener) sozialgeschichtlicher Arbeiten für die Jesusforschung ist eingeflossen in das Buch von G. Theissen und A. Merz (s.o. Anm. 2).
11 R. Augstein, Jesus Menschensohn, Hamburg 1999; G. Lüdemann, Jesus nach 2000 Jahren. Was er wirklich sagte und tat. Mit Beiträgen von Frank Schleritt und Martina Janssen, Lüneburg 2000.
12 So der Titel seines kleinen, in der Grundaussage praktisch deckungsgleichen Buches: G. Lüdemann, Der grosse Betrug. Und was Jesus wirklich sagte und tat, Lüneburg 1998.
13 K.-J. Kuschel, Jesus im Spiegel der Weltliteratur. Eine Jahrhundertbilanz in Texten und Einführungen, Düsseldorf 1999.
14 Bes. K.-J. Kuschel, Im Spiegel der Dichter. Mensch, Gott und Jesus in der Literatur des 20. Jahrhunderts, Düsseldorf 1997, 297458.
15 Vgl. dazu G. Langenhorst, Jesus ging nach Hollywood. Die Wiederentdeckung Jesu in Literatur und Film der Gegenwart, Düsseldorf 1998; Ders., Sehnsucht nach dem «Jesus cognito». Zur Rückbesinnung heutiger Schriftsteller auf den Jesus der Geschichte, in: Ders. (Hrsg.), Auf dem Weg zu einer theologischen Ästhetik, Münster 1998, 7390.
16 I.F. Görres u.a., Jesus. 2000 Jahre Glaubens- und Kulturgeschichte, Freiburg 1999.
17 C.M. Martini, Die Gestalt Jesu, aaO., 5073.
18 AaO., 174195.
19 D. Flusser, Jesus (rororo-Monographie), Reinbek bei Hamburg 1999; vgl. auch seinen in Anm. 9 erwähnten Beitrag mit leicht abweichenden Akzenten.
20 K. Wengst, Jesus zwischen Juden und Christen, Stuttgart 1999; F. Mussner, Jesus von Nazareth im Umfeld Israels und der Urkirche (WUNT 111), Tübingen 1999, Zitat: 97.
21 Vgl. dazu u.a. M.v. Brück/J. Werbick (Hrsg.), Der einzige Weg zum Heil? (QD 143), Freiburg 1993; A. Peter (Hrsg.), Christlicher Glaube in multireligiöser Gesellschaft, Immensee 1996; R. Schwager, (Hrsg.), Christus allein? (QD 160), Freiburg 1996; R. Schwager, Relativierung der Wahrheit? Kontextuelle Christologie auf dem Prüfstand (QD 170), Freiburg 1998.
22 Dalai Lama, Das Herz aller Religionen ist eins. Die Lehre Jesu aus buddhistischer Sicht, Hamburg 1997.
23 F. Alt (mit B. Alt), Der ökologische Jesus. Vertrauen in die Schöpfung, o.O. 1999, Zitat: 48f.
24 Auf F. Alt, Jesus der erste neue Mann, München 1989, hat insbesondere M. Brumlik, Der Anti-Alt. Wider die furchtbare Friedfertigkeit, Frankfurt 1991, scharf reagiert.
25 AaO., 48f. 54.
26 W. Bösen, In Betlehem geboren. Die Kindheitsgeschichten der Evangelien, Freiburg 1999, Zitat: 63.
27 M.D. Hooker, Biblische Ouvertüren, Würzburg 1999.
28 J.D. Crossan, Wer tötete Jesus? Die Ursprünge des christlichen Antisemitismus in den Evangelien, München 1999, Zitate: 89.189.
29 A. Vögtle, Biblischer Osterglaube. Hintergründe Deutungen Herausforderungen, Neukirchen-Vluyn 1999.
30 I. Baldermann, Auferstehung sehen lernen. Entdeckendes Lernen an biblischen Hoffnungstexten (WdL 10), Neukirchen-Vluyn 1999.
31 AaO. 704.
32 AaO. 707 mit W. Kasper.
33 AaO. 707f.