5/2000 | |
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Theologie in Luzern |
Am 27. Oktober 1998 hat der Regierungsrat des Kantons Luzern an der Fakultät
I für Römisch-katholische Theologie der Universitären Hochschule
Luzern beschlossen, ein 2-jähriges Nachdiplomstudium Berufseinführung
(NDS BE) in gemeinsamer Trägerschaft des Kantons Luzern mit dem Bistum
Basel durchzuführen. Mit dem Beschluss war die Absicht verbunden, den
Absolventinnen und Absolventen des NDS Berufseinführung, auch jenen,
die später eine nicht kirchliche Tätigkeit antreten möchten,
aufgrund eines staatlichen Zertifikats bessere Berufschancen einzuräumen.
Die Fakultät I für Römisch-katholische Theologie stellt dabei
im Rahmen des NDS BE mit der Erteilung der entsprechenden Lehraufträge,
die Vertreterinnen und Vertreter des Bistums Basel mit der Kompetenz in
Fragen des kirchlichen Dienstes ihre fachlichen Kapazitäten zur Verfügung.
Die Leitung des NDS Berufseinführung obliegt dem Regens des Bistums
Basel.
In der Folge wurde eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Regierungsrat
des Kantons Luzern und dem Bischof von Basel am 6. November 1998 abgeschlossen.
Damit besitzt die Theologische Fakultät ihr erstes Nachdiplomstudium
(NDS BE).
Bis 1993 kannte das Bistum Basel den so genannten Pastoralkurs. Es handelte
sich um ein Zwischenjahr zwischen dem Studienabschluss und dem Beginn der
beruflichen Tätigkeit. Die Studierenden waren im Winter- und Sommersemester
an der Theologischen Fakultät immatrikuliert und erhielten von Fachpersonen
eine Einführung in die berufliche Praxis der Pfarrarbeit. Von Advent
bis Ostern absolvierten die Studierenden ein 5-monatiges Praktikum.
Im Jahre 1993 löste der 2-jährige Kurs Berufseinführung den
bisherigen Ausbildungsweg ab. Die an einer Theologischen Fakultät oder
am Seminar Dritter Bildungsweg ausgebildeten Pastoralassistentinnen oder
Pastoralassistenten oder Priesteramtskandidaten werden nach dem Studienabschluss
fest an einer Pfarrei angestellt. Die Berufseinführung begleitet den
Übergang vom Studium in das Berufsleben, von der Theorie in die Praxis
durch 2-wöchige Kursblöcke und Supervision. In den Kurswochen
reflektieren die Teilnehmenden ihre Praxis anhand von Themen wie: Religionsunterricht,
Jugendarbeit, Gruppen leiten, Seelsorgegespräche führen, Arbeitsorganisation,
Liturgie, Öffentlichkeitsarbeit. Der Frage der Motivation zum kirchlichen
Dienst, der unterschiedlichen Rollen und der persönlichen Spiritualität
wird in eigenen Kurseinheiten nachgegangen. Die konkrete Einführung
in die praktische Arbeit in der Pfarrei begleitet eine Bezugsperson vor
Ort (Pfarrer, Gemeindeleiterin oder Gemeindeleiter).
In diesen zwei Jahren sollen die fachlichen, sozialen und persönlichen
Kompetenzen der neuen Seelsorgerinnen und Seelsorger vertieft und erweitert
werden. Grundlage für den Abschluss der Berufseinführung bilden
daher zwei ausführliche Praxisberichte, in denen die Teilnehmenden
ihre Lernschritte und Erfahrungen darstellen.
Die Erfahrungen mit dem neuen Modell der Berufseinführung haben sich
in den vergangenen sechs Jahren bewährt. Deshalb wurde das bisherige
BE-Modell im Grossen und Ganzen im neuen Ausbildungskonzept für das
NDS BE aufgenommen. Der Erziehungsrat des Kantons Luzern hat am 4. Februar
1999 das Reglement und das Ausbildungskonzept erlassen und der Bischof von
Basel hat am 25. Februar 1999 beides genehmigt.
Wer nach abgeschlossenem Theologiestudium an der Hochschule in den kirchlichen Dienst des Bistums Basel treten will, hat in den ersten zwei Jahren des kirchlichen Dienstes das Nachdiplomstudium Berufseinführung (NDS BE) zu absolvieren. Die Ausbildung beruht auf fünf Elementen:
Das NDS BE absolvieren die Pastoralassistentinnen und -assistenten und die Priesteramtskandidaten gemeinsam. Am Beginn des zweiten Jahres werden letztere zu Diakonen geweiht; am Ende des NDS BE stehen die Priesterweihe und die Beauftragung der Pastoralassistentinnen und -assistenten durch den Bischof. Die letzten Kurse zählten jeweils etwa 1820 Pastoralassistentinnen und -assistenten und 34 Priesteramtskandidaten.
Die Arbeitsplätze der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des NDS BE
sind nicht Praktikumsstellen, wie sie der frühere Pastoralkurs kannte,
sondern «Erststellen», die durch das Personalamt der Diözese
vermittelt werden. Diese Seelsorgestellen werden im Normalfall von den Berufseinsteigerinnen
und -einsteigern für 36 Jahre besetzt (d.h. über das NDS
BE hinaus), bis der erste Stellenwechsel ansteht.
Solche erste Seelsorgestellen sind ordentliche Stellen mit einem durch die
betreffende Kirchgemeinde definierten Pflichtenheft. Die Berufseinsteigerinnen
und -einsteiger nehmen also Arbeitsstellen ein, die durch Wechsel der vorherigen
Stelleninhaber frei geworden oder als Neustellen errichtet worden sind.
Damit werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits beim Berufseinstieg
mit «hohen» Erwartungen konfrontiert, die von Seelsorgerinnen
und Seelsorgern mit etlicher Berufserfahrung und mit gegebenenfalls hart
erarbeiteter Akzeptanz in der Gemeinde abgeleitet sind.
Im Gegensatz zum einjährigen Pastoralkurs stehen dem NDS BE einerseits
nicht mehr «bewährte und geschützte Einstiegsstellen»
mit erfahrenen Praktikumsleiterinnen und -leitern zur Verfügung, die
im Idealfall über Jahre hinweg qualitativ auf- und ausgebaut werden
konnten. Andererseits müssen Behörden, Vorgesetzte und Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter für jede «Berufseinstiegsstelle» durch
das Personalamt neu motiviert werden.
Es werden also an die Bezugspersonen vor Ort hohe Erwartungen gestellt,
die die Seelsorgerinnen und Seelsorger im Berufseinstieg begleiten und deren
seelsorgerlichen Fähigkeiten beurteilen. Die bisherigen Erfahrungen
zeigen, dass eine gewissenhafte Begleitung durch die Bezugspersonen nicht
immer möglich ist.
Bei dieser Begleitung können folgende Schwierigkeiten auftreten:
Angesichts der vielseitigen und aufwendigen Aufgaben der Bezugspersonen
sieht sich die NDS BE-Studienleitung verpflichtet, die Bezugspersonen sorgfältig
in ihre anspruchsvolle Arbeit einzuführen, ihnen die entsprechenden
Hilfen anzubieten und sie zu begleiten.
An drei Tagungen während des 2-jährigen NDS BE erhalten die Bezugspersonen
von der Studien- und Kursleitung Hilfen und die nötige Unterstützung.
Die Studienleitung des NDS BE wird sich die Frage stellen müssen, welche
zusätzlichen Angebote für angehende Bezugspersonen in Zukunft
zur Verfügung gestellt werden müssten. Zu überlegen wäre
auch, ob nicht in enger Zusammenarbeit zwischen den kirchlichen Ausbildungsverantwortlichen
und der Hochschule entsprechende Kurse angeboten werden könnten. Auf
evangelischer Seite ist bereits vor einem Jahr an der Universität Bern
im Rahmen der Förderungsmassnahmen des Bundes für universitäre
Weiterbildung ein NDS für Ausbildungspfarrerinnen und -pfarrer
abgeschlossen worden.
Die Spiritualität hat innerhalb des NDS BE einen wichtigen Stellenwert.
Deshalb wurde bereits im Jahre 1993 eine Spiritualin zu 50% angestellt.
Innerhalb des Programmes des NDS BE sind Zeiten für die Spiritualität
und Besinnung freigehalten. An den Halbtagen in den Kursblöcken kommen
wichtige Themen zur Sprache, zum Beispiel meine Berufung zur Seelsorge;
die Quellen, aus denen Seelsorgerinnen und Seelsorger schöpfen können;
wie sprechen wir von Gott, von Jesus Christus; welchen Umgang pflegen wir
mit der Bibel.
Die Besinnungswochen am Ende der beiden Kursjahre eröffnen den Raum
für Stille, Meditation, Gebet und persönliche Gottesbegegnung.
Es ist ein Anliegen der Kursleitung, dass die Kursteilnehmenden mit ihren
unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnissen sich zu einer gemeinsamen
Form durchringen können. Denn eine gemeinsame Arbeit im kirchlichen
Dienst setzt zumindest die Offenheit dafür voraus, sich miteinander
auf einen spirituellen Weg zu begeben und gemeinsame Formen zum Beispiel
des Gebetes zu pflegen.
Die Konkretisierung des neuen Projekts des zweijährigen Nachdiplomstudiums sowie die Umsetzung und die Erprobung waren für uns eine Herausforderung, der wir uns mit unserer Erfahrung, mit unserem Können und mit unseren Fähigkeiten gerne gestellt haben. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, das zweijährige Nachdiplomstudium Berufseinführung zu etablieren und ihm gute Akzeptanz und Ansehen zu verschaffen. Wir freuen uns, dass es mit dem Engagement aller an der BE Beteiligten gelungen ist, die Berufseinführung in das Nachdiplomstudium BE hinüberzuführen.
Dr. theol. Walter Bühlmann war während der Einführung des Nachdiplomstudiums und bis Ende August 1999 Regens des Priesterseminars St. Beat und Studienleiter.