46/2000 | |
INHALT | |
Kirche in der Schweiz |
Der konfessionelle Religionsunterricht auf der Oberstufe (OST/RU) ist
ein «Dauerbrenner» in der kirchlichen Bildungslandschaft. Während
der vergangenen 15 Jahre haben sich die Verantwortlichen für Religionsunterricht
und Katechese wiederholt um das scheinbar «unheilbare Kind»
bemüht. Heute gerät der OST/RU im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher
und schulischer Entwicklung vermehrt unter Druck. Andererseits sind heute
die Verantwortlichen im OST/RU angesichts der sich rasant verändernden
Lebenswelten der Jugendlichen besonders gefordert. Welche Gestalt soll ein
kirchlich gebundener OST/RU bekommen ohne kirchlich sozialisierte Jugendliche?
Bereits die Januartagung 1990 in Zürich und die Umfrage der Interdiözesanen
Katechetischen Kommission (IKK) bei Katechetinnen/Katecheten des OST/RU
(1992) haben deutlich gemacht, dass die Problematik des OST/RU ein Spiegelbild
der heutigen allgemeinen Glaubens- und Sinnkrise ist. Die Entkirchlichung
der Gesellschaft bzw. die Entgesellschaftung der Kirche widerspiegelt sich
in den Auseinandersetzungen und Problemen des OST/RU.
1997 beauftragte die IKK das Institut für kirchliche Weiterbildung (IFOK) mit der Bearbeitung dieses Projektes. In der Projektgruppe arbeiteten folgende Personen mit:
Auftrag und Ziel des Projektes waren, die Situation des OST/RU in der
deutschen Schweiz in geeigneter Weise zu reflektieren und Massnahmen bzw.
Konsequenzen für dessen künftige Gestaltung aufzuzeigen.
Mit Einbezug vieler Betroffenen konnte die Projektgruppe eine Vernetzung
zwischen OST/RU und kirchlicher Jugendarbeit einleiten. Die Praxisreflexion
mit OST-Katechetinnen/Katecheten in 14 Regionen der deutschen Schweiz verdeutlichte
die regionalen Unterschiede.<1> Mit der
Fachtagung der IKADS (Interessengemeinschaft der Katechetischen Arbeitsstellen
der deutschsprachigen Schweiz) und dem Denktag des IFOK konnte die vorliegende
Problematik mit je einem Fachpublikum vertieft aufgearbeitet werden.
Die neu gebildete Arbeitsgruppe «Jugendpastoral» wird die erarbeiteten
Postulate und Konsequenzen in geeigneter Weise umsetzen. Es ist zu hoffen,
dass die durch diese Projektarbeit gewachsene Vernetzung zwischen OST/RU
und kirchlicher Jugendarbeit ihren Beitrag zu einer kreativen Entwicklung
dieses wichtigen Anliegens leistet.<2>
1 Siehe auch: Helga Kohler-Spiegel/Adrian Loretan (Hrsg.), Religionsunterricht an der öffentlichen Schule. Orientierungen und Entscheidungshilfen zum Religionsunterricht, Zürich 2000.
2 Der Projektbericht «OST/RU» kann bei der IKK-Arbeitsstelle, Abendweg 1, 6006 Luzern, bezogen werden (Telefon 041-4194825, Fax 041-4194827, E-Mail ikk@kath.ch).
Der Bericht der Projektgruppe «Oberstufen-Religionsunterricht» ist weitgehend handlungsbezogen, geht es ihm doch weniger um eine umfassende Bestandsaufnahme als vielmehr um die Überwindung der aus der Sicht der auf dieser Stufe Unterrichtenden auffälligsten Mängel seiner gegenwärtigen Situation. Diese Situation wurde von der Projektgruppe unter vier Gesichtspunkten näher betrachtet: 1. Die Lebenswelt der Jugendlichen, 2. Die Befindlichkeiten und Bedürfnisse der auf dieser Stufe Unterrichtenden, 3. Ziele, Inhalte und Strukturen des Unterrichts und 4. Fort- und Weiterbildung der Unterrichtenden.
Die Lebenswelt der Jugendlichen und ihr religiöses Suchen erscheinen im Bericht als noch zu erkundigen. Für die 12- bis 16-Jährigen ist die Schule ein zentraler Lebensort. In der Schule begegnet den Jugendlichen der Staat, stellt der Bericht fest, nicht aber die Kirche; der Religionsunterricht steht vielfach dazwischen, weder der öffentlichen Schule noch der Pfarrei klar zugeordnet. So würden weder die unterschiedlichen Zielsetzungen von religiöser Bildung einerseits und kirchlicher Sozialisation anderseits hinreichend umschrieben noch die Schule als Rahmenbedingung für Religionsunterricht genügend reflektiert. In diesem Zusammenhang wird zudem auf ungenutzte Möglichkeiten des ökumenischen Dialogs hingewiesen.
Die Befindlichkeit der auf der Oberstufe unterrichtenden Katecheten und
Katechetinnen ist sehr unterschiedlich, aber nicht grundsätzlich schlecht.
Die Unterrichtenden scheinen sich mit der jeweiligen Situation arrangiert
zu haben, was ihnen um so leichter fallen dürfte, als der Religionsunterricht
als eine kreative Arbeit erfahren wird, die viele Möglichkeiten und
Unterrichtsformen zulässt.
Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit wird mehr in institutioneller Hinsicht
geäussert, auch wenn die Klage über Disziplinschwierigkeiten und
Interesselosigkeit der Eltern bzw. Schüler und Schülerinnen nicht
fehlt. In institutioneller Hinsicht werden widersprüchliche Situationen
erfahren. So gibt es auf der einen Seite die gute Integration des Religionsunterrichts
in die Schulstruktur und den Stundenplan samt einem guten Kontakt und Austausch
mit den anderen Lehrpersonen bzw. einer Integration ins Team der Unterrichtenden.
Und so gibt es auf der andern Seite die Klage über starre Schulstrukturen,
die keine Flexibilität beim Einsatz von Unterrichtsformen zulassen,
und vor allem die Klage über das schlechte Image der Kirche und des
Religionsunterrichts in der Schule, auch in Verbindung mit seiner schlechten
Stellung. So gibt es auf der einen Seite die Integration in das Pfarreiteam
und ein gutes Klima in ihm. Und auf der anderen Seite werden Schwierigkeiten
in der Zusammenarbeit mit Pfarrern und Behörden beklagt.
Als Fazit der Reflexionsarbeit in den Gruppen hält der Bericht fest,
dass die auf der Oberstufe unterrichtenden Katecheten und Katechetinnen
ihre Aufgabe sehr autonom wahrnehmen. Das heisst in Bezug auf die Unterrichtenden,
dass sie die zum Teil schwierigen systemimmanenten Arbeitsbedingungen wenig
reflektieren. Es sei daher zu vermuten, dass die Katecheten und Katechetinnen
auf der Oberstufe dazu neigen, das Gelingen oder Misslingen ihres Unterrichts
in erster Linie an ihrer Person festzumachen und wenig Überlegung über
das Umfeld des Religionsunterrichts einbeziehen, wie zum Beispiel dessen
Situierung innerhalb oder ausserhalb des Schulbetriebes, über die Zielsetzungen
der Kirche gegenüber Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft und
Ähnlichem. So fühle sich die einzelne Lehrperson offenbar selber
für ihre Befindlichkeit verantwortlich.
Dennoch wurde erkennbar, dass sich der Bruch zwischen den Ansprüchen
der Kirchenleitung und den Erwartungen der Kirchenbasis auch deutlich auf
das Berufsbild und die Person des Katecheten und der Katechetin auswirkt,
indem er zu Identifikationsproblemen führt. Die Problematik, sich mit
der Kirche zu identifizieren, führe zu einer «individualisierten
Religion» und zu einem Religionsunterricht, der sozusagen als private
Mission angesehen werde; der Bericht bezeichnet ihn unter dieser Rücksicht
denn auch als ein «subversives Fach».
Die autonome Wahrnehmung ihrer Aufgabe führt die Unterrichtenden
zum andern dazu, die Zielsetzungen des Unterrichts weitgehend selber zu
formulieren, so dass Lehr- und Rahmenpläne eine unbedeutende Rolle
spielen. Die vorhandenen Pläne werden denn auch weder bemängelt
noch werden Verbesserungsvorschläge gemacht; bezeichnend scheint, dass
bereits eine Sichtung der bestehenden Lehrpläne als ein Postulat formuliert
werden konnte.
Ungeklärt scheinen hingegen die grundsätzlichen bzw. grundlegenden
Fragen der religiösen Bildung und Begleitung von Jugendlichen und als
dessen Kehrseite die Frage nach der Rolle der Katecheten und Katechetinnen.
Der Bericht hält fest: Die Situation des Oberstufen-Religionsunterrichts
ist komplex und wenig geklärt, wie jene der Katechetin und des Katecheten
auf dieser Stufe komplex und wenig geklärt ist. Der Bericht trifft
denn auch keine Feststellungen sondern stellt grundsätzliche Fragen
wie:
Was ist der Oberstufen-Religionsunterricht und wo soll er stattfinden? Ist
er religiöse Grundbildung im Sinne von Vermittlung von Kulturgut, dann
ist der Lernort die Schule und der Katechet bzw. die Katechetin Lehrer bzw.
Lehrerin. Ist er religiöse Erziehung, Glaubensbildung zur religiösen
Entwicklung, dann ist der Lernort die Pfarrei und der Katechet bzw. die
Katechetin «Gemeindekatechet» bzw. «Gemeindekatechetin».
Ist er religiöse (Lebens-)Begleitung, dann kommt die Schulpastoral
(Schulseelsorge) zwischen Schule und Pfarrei in den Blick und dann ist der
Katechet bzw. die Katechetin Begleiter und Seelsorger bzw. Begleiterin und
Seelsorgerin. Ist er Teil der kirchlichen Jugendarbeit, dann ist der Katechet
bzw. die Katechetin Jugendarbeiter bzw. Jugendarbeiterin.
Diese offenen Fragen und ungeklärten Definitionen haben eine ungenügende
oder fehlende Berufsidentität zur Folge; diese Rollenunsicherheit wird
durch das Fehlen der gesellschaftlichen Anerkennung des Berufes zusätzlich
verstärkt, und das alles wirkt sich auf die Motivation und schliesslich
die Qualität des Unterrichts aus.
Als dringend werden denn auch Angebote für Praxisberatung und Supervision
postuliert.
Der erheblichen Individualisierung des Religionsunterrichts auf der Oberstufe
entspricht das Bedürfnis der Unterrichtenden nach Solidarität
oder Vernetzung, die offenbar sehr zu wünschen übrig lassen. So
ist es kein Zufall, dass der Bericht seine Empfehlungen zur Vernetzung des
Oberstufen-Religionsunterrichts mit der Jugendpastoral und der Gesamtpastoral
besonders gewichtet.
Entsprechende Wünsche werden zudem in Bezug auf die Fort- und Weiterbildung
geäussert. Wie aus dem Anhang des Berichtes ersichtlich, werden neben
einer Verstärkung der bisherigen Angebote namentlich der Zugang zur
Lehrerfortbildung sowie kompetenzübergreifende Angebote im Sinne von
fächerübergreifendem Unterricht gewünscht (beispielsweise
in Verbindung mit den Inhalten von «Mensch und Umwelt» oder
Lebenskunde).
Überblickt man so die Aussagen des Berichtes zur Situation des Oberstufen-Religionsunterrichts
in der deutschsprachigen Schweiz und auf römisch-katholischer
Seite , ist nicht eine umfassende Bestandsaufnahme, die unter den gegebenen
komplexen Verhältnissen entsprechend komplex ausfallen müsste,
erkennbar, sondern vielmehr ein begründeter Handlungsbedarf. Im Unterschied
zu anderen Berichten stellt sich am Schluss nicht die Frage: Was bedeutet
das alles für die Praxis? Es stellt sich nur mehr die Frage: Wird auch
an die Hand genommen, was an die Hand genommen werden müsste, und wird
es auch vernetzt an die Hand genommen?
Jugendpastoral ist im Umbruch. Das vorhin eingehend beschriebene Oberstufenprojekt hat einmal mehr gezeigt: So kann es nicht weitergehen. Es braucht neue Wege, damit wir als Kirche weiterhin zur Sinnfindung und religiösen Orientierung junger Menschen beitragen können. Eine Neuorientierung wird nicht dadurch ermöglicht, dass vergangene Zeiten herbeigewünscht werden, in denen der Religionsunterricht an eine familiäre kirchliche Sozialisation anknüpfen konnte. Es hilft auch nicht weiter, den gesellschaftlichen Wandel zu bedauern, der die Kirchen um das Monopol im Hinblick auf die religiöse Prägung der Menschen beraubt hat. Die am Oberstufen-Projekt Beteiligten sind überzeugt, dass die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen religiöse Bildung und Begleitung heute stattfindet, einbezogen werden müssen und zwar nicht als Negativfolie, sondern als unsere heute zu gestaltende Lebenswelt. Die Wirkung des Oberstufen-Projektes besteht nicht allein darin, dass es einen Bericht hervorgebracht hat, der zweifelsohne wichtige Fragen aufwirft. Das Projekt hat darüber hinaus wertvolle Vernetzungsprozesse begründet. Neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Fachleuten aus dem Bereich der Katechese und der kirchlichen Jugendarbeit sind zustande gekommen, die für die Entwicklung der Jugendpastoral von grosser Bedeutung sein werden. Die Grenzen des Althergebrachten haben ermöglicht, Synergien zu nutzen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Zwei interdisziplinäre Projekte setzen hier an und führen weiter, was mit dem Oberstufenprojekt begonnen hat.
Das Projekt Jugendpastoral ist das direkte Anschlussprojekt an das Oberstufen-Projekt
mit dem Ziel, die dort formulierten Empfehlungen zu vertiefen, zu konkretisieren
und umzusetzen. Aus diesem Grund sind darin Organisationen vertreten, die
Wesentliches zu einer Umsetzung beitragen können. Dazu gehören
das Katechetische Institut und das IFOK Weiterbildung kirchliche Berufe,
die kantonalen Arbeitsstellen für kirchliche Jugendarbeit und Katechese
und die deutschschweizerischen Fachstellen für die beiden Bereiche.
Das neue Projekt heisst auch nicht mehr Oberstufen-Projekt, sondern «Projekt
Jugendpastoral» aufgrund der Erkenntnis, dass die Zuordnung und Zusammenarbeit
von Katechese und kirchlicher Jugendarbeit grundsätzlich zu überdenken
ist. Eine zentrale Aufgabe der neuen Projektgruppe wird sein, die Zielsetzungen
der unterschiedlichen religiösen Lernorte zu klären. Weil in unserer
Gesellschaft das Ziel religiöser und christlicher Sozialisation kaum
mehr durch religiöse Bildung im Rahmen von Schule möglich ist,
stellt sich die Frage, wie und wo diese Aufgabe geleistet werden kann. Gemeindekatechese,
Jugendarbeit, Schulpastoral können Lernorte sein, denen Aufgaben zuwachsen
und die in einer neuen Art und Weise zusammenarbeiten werden. Neue Aufgaben
ziehen neue Berufsbilder nach sich und neue Berufsbilder erfordern neue
Ausbildungsmodelle. Für all diese Fragen sucht das «Projekt Jugendpastoral»
Antworten und Konkretisierungen.
Das Projekt Jugendpastoral ist ein gemeinsames Projekt der IKK-Arbeitsstelle
und der Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit im Auftrag
der IKK und der Fachstellenkommission. Während die beiden Fachstellen
beim Oberstufen-Projekt und beim Projekt Spiritualität, das im Folgenden
beschrieben wird, jeweils in der Projektgruppe mitgearbeitet haben und die
IKK bzw. die Fachstellen-Kommmission Auftraggeberin des Projektes war, ist
hier eine neue Struktur entstanden, welche die in den vergangenen Jahren
gewachsene Zusammenarbeit von Katechese und kirchlicher Jugendarbeit zum
Ausdruck zu bringen vermag.
Das Projekt Spiritualität ist ein Projekt der Fachstelle für
kirchliche Kinder- und Jugendarbeit der deutschsprachigen Schweiz. Dessen
Aufgabe besteht darin, die Bedingungen und Möglichkeiten der religiösen
Bildung und Begleitung Jugendlicher zu untersuchen, davon ausgehend die
Thematisierbarkeit von Religion und Glaube mit Jugendlichen zu beleuchten.
Das Projekt Spiritualität sucht Antworten auf Fragen wie: Was macht
die Spiritualität kirchlicher Arbeit mit Jugendlichen aus? Wie suchen
Jugendliche nach Religion und wie können sie dabei unterstützt
werden? Wo treffen wir sie bei ihrer Sinnsuche an? Und was wollen und können
wir überhaupt als Kirche anstreben oder erreichen?
Auch im Projekt Spiritualität arbeiten Vertreterinnen/Vertreter aus
unterschiedlichen Arbeitsbereichen der kirchlichen Jugendarbeit und der
Katechese mit. Die IKK ist durch deren Arbeitsstellenleiter Nick Sieber
in den Prozess eingebunden, der in der Gruppe auch das IFOK vertritt. Das
Projekt Spiritualität hat in einer ersten Arbeitsphase eine Situationsanalyse
hervorgebracht, wie sie der Oberstufenbericht fordert. In einer Fragebogenuntersuchung
unter 1031 Jugendlichen wurde ihre religiöse Lebenswelt in Erfahrung
gebracht. In einer begleitenden Befragung von Jugendseelsorgerinnen/Jugendseelsorgern
konnte Einblick in deren Erfahrungen mit der Spiritualität Jugendlicher,
aber auch mit ihrer eigenen Spiritualität gewonnen werden. Einige Ergebnisse
aus der Situationsanalyse sind im Kasten zusammengestellt.
In einem zweiten Schritt geht es nun darum zu benennen, welche Zielsetzungen
die Jugendpastoral verfolgen soll und welche Grundsätze dabei leitend
sind. Dieser Schritt ist im Hinblick auf die Situationsanalyse zu tun, die
wichtige Anhaltspunkte liefert, damit aber keine bestimmten Entscheide erzwingt.
Die Entscheide über Grundsätze einer künftigen Jugendpastoral
werden auch aufgrund von theologischen und pädagogischen Prämissen
gefällt werden müssen, die zu erarbeiten eine inhaltliche Auseinandersetzung
erfordert, an der verbandliche oder nichtverbandliche Jugendverantwortliche,
Katechetinnen/Katecheten oder Mitglieder der DOK unterschiedlicher Meinung
sein können.
Im Anschluss an diese Entscheidungs- oder Urteilsphase werden dann unterschiedliche
Arbeitsgruppen Konkretisierungen für bestimmte Praxisfelder ausarbeiten
wie Firmung ab 17, offene und verbandliche Jugendarbeit oder die Arbeit
mit jungen Erwachsenen. Auch die Konkretisierungen des Projektes Jugendpastoral
werden in die Dokumentation des Projektes Spiritualität mit einfliessen,
so dass keine eigene Arbeitsgruppe für den Bereich Oberstufenkatechese
arbeiten wird. Im kommenden Sommer wird dann ein Arbeitsinstrument «Spiritualität»
für Jugendverantwortliche in der Praxis vorliegen.
Dominik Schenker, lic. sc. rel., ist Assistent am Lehrstuhl für praktische Theologie und am Departement Erziehungswissenschaften der Universität Freiburg Schweiz.
Die Entwicklung der Fortbildung im Bistum Basel stand in den siebziger und achtziger Jahren im Zeichen des Wachstums.<1> Der Boden dazu wurde im Konzept gelegt, das die 1970 eingesetzte «Subkommission des Priesterrats der Diözese Basel für Fragen der Weiterbildung kirchlicher Amtsträger» unter dem Präsidium von Otto Moosbrugger (vgl. den Beitrag von Paul Schwaller in der SKZ 45/2000, S. 667669) erarbeitet hatte.
Mit dem Begriff «Amtsträger» wollte man der sich abzeichnenden Differenzierung kirchlich-seelsorgerlicher Berufe gerecht werden. So war vorgesehen, dass zukünftig alle diese Berufe in einer zukünftigen Fortbildungskommission vertreten seien werden (Priester, Diakone, Laientheologinnen und Laientheologen, Katechetinnen, Katecheten). Damit hatte man im Unterschied zu Deutschland Abschied genommen von einer reinen Priesterfortbildung. Dem Konzept, das von Bischof Anton Hänggi 1973 genehmigt worden ist, lag die Vision einer grundsätzlich gemeinsamen theologisch-pastoralen Fortbildung aller in der Seelsorge tätigen Berufe zugrunde. Für die Katechetinnen und Katecheten traf dies allerdings nur bezüglich der Fortbildung nach Dekanaten zu. Diese Berufsgruppe hatte daneben auch eine berufsspezifische Fortbildung, welche interdiözesan von den Berufsverbänden und vom Institut für Fort- und Weiterbildung der Katechetinnen und Katecheten (IFOK) angeboten worden war.
Das Basler Konzept von 1973 nennt in seinem Modell «Wege der Fortbildung»
die Kapitelstagungen, und geht von 610 Einzeltagen im Jahr aus. Ihr
Ziel sei die Recollectio und die Information über aktuelle Fragen.
Daneben stellt das Konzept neu die «Offiziellen Dekanatstagungen»,
zweimal 3 Tage pro Jahr, mit dem Ziel des «Aggiornamento in Pastoralfragen».
Dabei war vorgesehen, dass der eine Kurs des Jahres vom Bistum gestaltet
wird, während der andere Kurs bei freier Themenwahl in der vollen Verantwortung
der Dekanate selber stehen sollte.
Die diözesanen Dekanatskurse (bis heute durchschnittlich 18 Kurse im
Jahr), erfreuten sich von Anfang an bis heute einer grossen Beliebtheit
und verdrängten, wie im 1. Teil beschrieben (5.3.), allmählich
die interdiözesan geplanten und dezentral durchgeführten Fünftagekurse.
In allen Dekanaten wird, analog der Liturgischen Kommission des Bistums,
ein Verantwortlicher/eine Verantwortliche für die Fortbildung ernannt.
Diese gestalten zusammen mit einer kleinen Kurskommission ad hoc und der
diözesanen Kursleitung das jeweilige Kursprogramm. Die Themenwahl für
die Kurse erfolgt aufgrund eines Dreier- oder Vierer-Vorschlags der Fortbildungskommission
durch den Priesterrat. Zweimal hat der Priesterrat ein Thema gewählt,
welches von der Fortbildungskommission nicht vorgeschlagen war. Das vom
Priesterrat gewählte Thema wird vom Bischof genehmigt. Dieser hat aber
auch schon mal ein Thema festgelegt, welches vom Priesterrat nicht vorgeschlagen
worden war.
Man versuchte ein breites Spektrum von Themen abzudecken. Es sollten sich
abwechseln Themen mit pastoraler, kirchenpolitischer, gesellschaftspolitischer
oder sozialethischer Aktualität, Themen von besonderer theologischer
Brisanz und Dringlichkeit und Themen mit berufsbezogener Problematik. (Vgl.
die Themenliste der diözesanen Dekanatsfortbildungskurse von 19692000
am Schluss dieses Beitrags).
Die jurassischen Dekanate folgten in Themenwahl und Zielsetzung den Fortbildungskonzepten
der Westschweizer und angrenzenden französischen Diözesen.
Methodisch widerspiegeln diese Kurse die Entwicklung der Erwachsenenbildung
dieser Zeit. Die neu entstandenen Bildungshäuser boten für die
methodische Entwicklung die notwendige Infrastruktur. Das Prinzip «Zwei
Vorträge pro Tag» (siehe 5.1.) hielt sich nicht lange. Jüngere
Seelsorger/Seelsorgerinnen verlangten nach prozesshaften Formen der Lernens.
Anfangs der achtziger Jahre musste sich die Fortbildungskommission immer
wieder mit dem «Methodenstreit in der diözesanen Fortbildung»
befassen. 1973 heisst es in einem Protokoll der Fortbildungskommission:
«Persönliche Probleme müssen angesprochen werden können.»
Gegen entsprechende Methoden gab es aber auch den Widerstand eines Teils
der älteren Generation. Eine Zeit lang fand man den Kompromiss darin,
dass an vielen Dekanatskursen für die Arbeit an demselben Thema zwei
parallele Arbeitsgänge zur Wahl gestellt wurden: einer mit Vorträgen
von auswärtigen Referenten, einer mit prozesshaft-personenorientierter
Arbeit.
Von Anfang an sah sich die diözesane Fortbildung ausserstande, für alle Dekanate auch den zweiten dreitägigen Jahreskurs zu organisieren. Eine Grundsatzdiskussion zu diesem Problem fand in der diözesanen Fortbildungskommission im Jahre 1976 statt. In der Folge wurden die zweiten Kurse in die Verantwortung der Dekanate gelegt. Sie entwickelten sich indessen unterschiedlich. Einzelne Dekanate halten bis heute an dem zweiten Jahreskurs fest, andere haben ihn schlicht aufgegeben, wieder andere haben anstelle eines eigenen Dekanatskurses den diözesanen Kurs um zwei oder drei Tage verlängert.
Die Zeit von 1975 bis 1985 ist in der diözesanen Fortbildung von einer zunehmenden Ausdifferenzierung der Angebote auf bestimmte Weihe- und Dienstjahre und auf Berufsgruppen in der Seelsorge charakterisiert. Die Ausfächerung betrifft allerdings nur die Zielgruppe der Seelsorger/Seelsorgerinnen mit theologischem Diplom, also Priester, Diakone, Laientheologinnen und Laientheologen. Dabei blieb man dem Prinzip treu, die genannten Berufsgruppen gemeinsam zur Fortbildung aufzubieten.
Von der Idee her, dass das ganze Berufsleben einem kontinuierlichen Aus-
und Weiterbildungsprozess unterzogen werden soll, hatte sich in der kirchlichen
Fortbildung ein Drei-Phasen-Modell eingebürgert: Phase der Grundausbildung
zweite Bildungsphase (während der ersten 45 Berufsjahre)
Fortbildungsphase (bis zur Pensionierung). Die zweite Bildungsphase
begann mit dem so genannten Pastoralkurs (früher: Weihekurs), der 1970
von Solothurn nach Luzern verlegt wurde. Nach diesem Einführungsjahr
in die Seelsorgspraxis sollten die jungen Seelsorgerinnen und Seelsorger
aber in ihren ersten Jahren der Berufsausübung eine besondere Fortbildung
und Begleitung erhalten. Die Triennal- und Pfarrexamen waren inzwischen
abgeschafft. 1975 lag ein Konzept vor. Sein Autor war Otto Moosbrugger.
Er hat für diese Phase drei Forderungen gestellt: fachliche Praxisbegleitung;
spirituelle Begleitung; personalpolitische Begleitung. Moosbrugger orientierte
sich an entsprechenden Konzepten der deutschen Diözesen und der evangelisch-reformierten
Kirchen der Schweiz.
Man sah es für zweckmässig an, die ersten zwei Dienstjahre nach
dem Pastoralkurs in der Verantwortung der Leitung des Priesterseminars in
Luzern zu belassen, während die Verantwortung für das dritte und
vierte Dienstjahr in die Verantwortung des Personalamts in Solothurn überging.
Die diözesane Fortbildungskommission und die Leitung der Fortbildung
hatten sich daher nie direkt mit der zweiten Bildungsphase zu befassen,
obwohl diese während einigen Jahren in ihr Jahresbudget integriert
blieb. Schon seit 1977 versuchte man die Pfarrer, die Erststellen-Seelsorger/Seelsorgerinnen
bekamen, auf deren Betreuung besser vorzubereiten. Ferner wurde ihnen Supervision
in regionalen Gruppen angeboten. Daneben fanden regelmässig Fortbildungstage,
gelegentlich auch länger dauernde Kurse statt. Das diözesane Konzept
sieht 12 Tage im 1. und 2. Dienstjahr und 8 Tage im 3.5. Dienstjahr
(von Anfang an auf 3. bis 4. Dienstjahr reduziert) vor.
Die Umsetzung des Konzepts blieb aber auf halbem Wege stecken. Einerseits
war es schwierig, die jungen Seelsorger/Seelsorgerinnen zu dieser speziellen
Fortbildung zu motivieren es blieb bei einer mehr oder weniger fakultativen
Beteiligung und andererseits änderten sich die Rahmenbedingungen
mit der Einführung der zweijährigen Berufseinführung (BE),
die im Jahre 1993 an die Stelle des früheren einjährigen Pastoralkurses
trat. Der Pastoralkurs und die spätere zweijährige Berufseinführung
liegen übrigens von Anfang an in der gemeinsamen Verantwortung der
Theologischen Fakultät und des Seminars St. Beat Luzern.
Das Bistum Basel hat den interdiözesanen Vierwochenkurs für
das 10. und 20. Dienstjahr als obligatorisch und für das 30. Dienstjahr
als faktultativ erklärt. Dem Obligatorium wurde in der Folge alljährlich
mit einiger Konsequenz und mit Erfolg Nachdruck verliehen, sodass das Bistum
Basel meist den grössten Teilnehmer/Teilnehmerinnen-Anteil stellte,
besonders in den Jahren, da Bischof Wolfgang Haas von Chur diesen Kurs für
seine Seelsorger/Seelsorgerinnen als fakultativ erklärt hatte.
Nachdem die interdiözesanen Fünftagekurse den wachsenden diözesanen
Anstrengungen nicht gewachsen waren, entschied man im Bistum Basel, solche
Kurse für die eigenen Leute im 15. und 25. Dienstjahr anzubieten. Solche
Wochenkurse erlaubten es im Unterschied zu den Dekanatskursen
theologische und ethische Themen gründlicher zu bearbeiten. Doch erreichten
diese Kurse, was die Teilnahme betrifft, nie den hohen Stellenwert des Vierwochenkurses.
Während die früheren «Weihekurse» vom gemeinsamen
Studium und vom Pastoralkurs her noch einen emotionalen Zusammenhalt kannten,
war dieser Zusammenhalt bei den späteren Studienabgängern schwächer
geworden. Vereinzelt mussten ihre Wochenkurse wegen mangelnder Beteiligung
abgesagt werden. Immerhin hielten sie sich bis heute, unter anderem auch
dank der Tatsache, dass man sich von der diözesanen Fortbildung flexibel
zeigte, und dann und wann mit einer «Studienreise» oder einem
besonders attraktiven Kursort (z.B. im Ausland) lockte.
Wie bei so manchem Fortbildungsprojekt kam der Impuls, für die Seelsorger/Seelsorgerinnen vom 60. Altersjahr an regelmässig einen mehrtägigen Kurs zur Planung der Pensionierung anzubieten, von der reformierten Pfarrerfortbildung. Solche Kurse finden seit dem Beginn der achtziger Jahre in einem zwei- bis dreijährigen Rhythmus statt. Naturgemäss war an der Konzeption und der Durchführung auch das Personalamt stets massgeblich beteiligt.
1979 wurde der erste Kurs für Priester älterer Weihejahrgänge (etwa ab dem 70. Altersjahr) unter dem Titel: «Priester im Ruhestand: eine Aufgabe», angeboten. Dieser alljährliche und fakultative Wochenkurs erfreute sich auf Anhieb einer grossen Beliebtheit, sodass gelegentlich die vorhandene Kapazität der Bildungshäuser an Einzelzimmern nicht mehr ausreichte. Der «Seniorenkurs», wie er später genannt wird, sollte der Begegnung mit dem Bischof oder mit dessen Stellvertretern, der Arbeit an aktuellen theologischen und pastoralen Themen, der Auseinandersetzung mit psychologischen und medizinischen Problemen des Alters und der Pflege der Spiritualität dienen. Der Erfolg dieser Bildungswochen für Senioren ist bestimmt auch in dem Umstand begründet, dass hier die vielen älteren Priester (Nichtpriester kamen erst in den neunziger Jahren vereinzelt dazu) die Gemeinschaft unter ihresgleichen pflegen können, nachdem sie in den andern Fortbildungskursen mehr und mehr zur Minderheit werden.
Die Dekane des Bistums Basel haben sehr früh erkannt, dass ihre
Aufgabe unter anderem von einer Führungskompetenz abhängt, die
man zum Teil auch lernen und einüben kann. So beantragte die neu strukturierte
Dekanenkonferenz 1974 bei der Bistumsleitung entsprechende Massnahmen. Bischof
Anton Hänggi übertrug diese der diözesanen Fortbildung. Im
September wurde ein erster Kurs von zweieinhalb Tagen unter dem Titel: «Starthilfe
für Dekane» in Bad Schönbrunn durchgeführt. Es standen
die folgenden Themen auf der Programm: Pflege des geistlichen Lebens im
Dekanat, Konfliktbewältigung im Dekanat, dynamische Arbeitstechnik,
Aussprache mit dem Bischof. Für die Themen «Konfliktbewältigung»
und «dynamische Arbeitstechnik» wurden nichtkirchliche Expertenteams
(so genannte Gruppendynamiker) engagiert. 1975 stand der Kurs unter den
Themen «Die seelsorgerliche Teamarbeit in Pfarrei und Dekanat»
und «Mitarbeiterführung». 1976 fand keine Arbeitstagung
der Dekane statt und ab 1977 übernahm das Pastoralamt die Regie für
die Dekanenkurse. Die diözesane Fortbildung war später nie mehr
damit beauftragt. Erwähnenswert ist, dass an diesen Kursen auch die
jurassischen Dekane teilgenommen haben.
Neuerdings (1998/99) wurde die diözesane Fortbildung vom Generalvikar
mit der Konzeption und der Durchführung des Einführungskurses
für neue Dekane beauftragt. Die Gesamtleitung lag beim Generalvikar,
die Moderation bei den Verantwortlichen für die Fortbildung.
Die Spezialseelsorger (Spitalseelsorger, Gefängnisseelsorger, Behindertenseelsorger, Tourismusseelsorger usw.) nehmen ihre Aus- und Fortbildungsbedürfnisse im Rahmen ihrer Berufsorganisationen selber wahr. Die interdiözesane und die diözesane Fortbildung dienten lediglich als Verbindungs- und Koordinationsstellen für ökumenische Weiterbildungsprojekte, wie beispielsweise für die Aus- und Fortbildung von Seelsorgern an den Strafanstalten und Erziehungsheimen im Kanton Bern, welche dank dieser Vermittlungstätigkeit konfessionsübergreifend angeboten werden konnte. Heute wird diese Ausbildung auf deutschschweizerischer Ebene ökumenisch organisiert. Für die Spitalseelsorge gewannen die so genannten CPT-Kurse, die vor allem von der reformierten Zürcher Kirche mitgetragen wurden, mehr und mehr an Bedeutung. Die Interdiözesane Kommission für die Fortbildung der Seelsorger (IKFS) war jahrelang in einer entsprechenden Kommission der reformierten Zürcher Kirche vertreten.
Wiederum dank der Anregung aus Deutschland und aus der reformierten Pfarrerfortbildung
der Schweiz beschloss die Basler Fortbildungskommission (BFK) am 18. Juni
1980 einen «praxisberatenden Kurs» für die Priester, welche
in diesem Jahr zum ersten Mal als Pfarrer die Leitung einer Pfarrei übernahmen.
Der erste Kurs fand 1981 unter der Leitung des Beauftragten für die
Fortbildung statt. Es wurden fünf Einzeltage zu den folgenden Themen
angeboten: Pfarradministration, Ehepastoral (rechtliche, administrative
und pastorale Aspekte), Prioritäten in der Pfarreiseelsorge, Hausbesuch,
Arbeit mit dem Pfarreirat. Für die einzelnen Tage wurden auswärtige
Experten aus der Praxis eingeladen. Der ursprüngliche Plan, im Anschluss
an den Kurs Supervision in Gruppen anzubieten, scheiterte am Mangel an katholischen
Supervisoren.
Der Neu-Pfarrer-Kurs etablierte sich zusehends und musste bald zum «Neu-Pfarrer-
und Gemeindeleiter/Gemeindeleiterinnen-Kurs» umbenannt werden. In
den achtziger Jahren nahmen regelmässig Gäste aus den Bistümern
St. Gallen und Chur teil. Wegen der weiten Anfahrtswege und der grossen
Teilnehmerzahl wurden die Kurse daher eine Zeit lang parallel in Solothurn
und in Zürich durchgeführt, bis diese Diözesen ab 1989 eigene
entsprechende Kurse anboten. Von da an wurde die Begegnung mit der Bistumsleitung
in Solothurn zu einem festen Bestandteil des Kurses. Aber auch das früher
schon geplante Angebot von Supervision in regionalen Gruppen konnte jetzt
realisiert werden. Es stiess allerdings nur auf geringes Interesse. Ab 1987
traten hingegen immer deutlicher die Probleme der Führung und der Leitung
im Pfarramt und vor allem der Teamarbeit in den Vordergrund, sodass 1991
nun neben die 23 Einzeltage in Solothurn neu ein kompaktes Seminar
zum Thema «Führen und Leiten im Pfarramt», zunächst
zu 3, dann erweitert zu 5 Tagen, trat. In dieser Form wurde der Kurs unter
der Leitung von Paul Zemp und einer auswärtigen Organisationsberaterin
1991 bis 1998 achtmal durchgeführt. Ab 1999 begann ein neues Kurskonzept
zu greifen.
Gemäss Fortbildungskonzept gehören die Pfarreisekretäre/Pfarreisekretärinnen
nicht zur Zielgruppe der diözesanen Fortbildung. 1982 traten aber Aargauer
Pfarreisekretäre/Pfarreisekretärinnen an den Leiter der Fortbildung,
Paul Zemp, heran mit der Bitte, ihnen bei der Entwicklung einer eigenen
Fortbildung zu helfen. Die diözesane Fortbildungskommission erkannte
die Bedeutung dieses neuen kirchlichen Berufszweiges und beschloss 1983,
dass eine entsprechende Initiative «von der diözesanen Fortbildung
mitgetragen» werde (Prot. BFK vom 20.4.83). Die Kurse stiessen auf
ein grosses Echo. Der erste Kurs von 21/2 Tagen fand unter dem Thema «Das
Sekretariat in der Pfarrei» 1983 in Wislikofen mit 50 Teilnehmern/Teilnehmerinnen
statt. Angemeldet hatten sich 100, sodass eine Wiederholung im Frühjahr
1984 notwendig war. Ab 1986 verzweigte sich das Angebot in einen Einführungskurs
für Anfänger/Anfängerinnen und in einzelne Fortbildungstage
zu berufsspezifischen Problemen für Fortgeschrittene, die wegen des
grossen Interesses jährlich zweimal angeboten werden mussten. Die Kurse
wurden vom Leiter der Fortbildung zusammen mit einer Kurskommission von
Sekretären/Sekretärinnen konzipiert und geleitet.<2>
Später ging man dazu über, für die Fortgeschrittenen im Rhythmus
von zwei Jahren abwechselnd je zwei einzelne so genannte «Info-Tage»
und je zwei eigentliche Fortbildungskurse von 21/2 Tagen anzubieten. Letztere
waren als Trainings gestaltet zu Themen wie: Das seelsorgerliche Gesprächsverhalten,
Bettler an der Pfarrhaustüre, Umgang mit Konflikten, Wenn ich nur den
Mut hätte...
Die Einführungskurse wurden bald auf 4 Tage erweitert und mussten bei
durchschnittlich 25 Teilnehmern/Teilnehmerinnen in den neunziger Jahren
meist doppelt durchgeführt werden.
Die diözesane Fortbildung hat durch diese Kurse einen bedeutenden Beitrag
zur Entwicklung des Berufsbildes dieser Gruppe geleistet. Die damalige Sekretärin
für die Fortbildung am Ordinariat, Heidy Gassmann, die 14 Jahre lang
das Sekretariat einer Pfarrei geleitet hatte, hat durch ihr besonderes Engagement
viel zur kraftvollen Entwicklung dieses Fortbildungszweiges beigetragen.
Aus ihrer Mitarbeit an diesen Kursen entstanden 1990 die zweite Auflage
der Broschüre «Gemeindeleitung Führung einer Pfarrei
und fremdsprachigen Mission. Handreichung zu rechtlichen und administrativen
Fragen» und der in den Pfarreisekretariaten beliebte Bundesordner
mit den vielen Hilfen für das Pfarreisekretariat. Dieser Bundesordner
wurde auch allen Neu-Pfarrern und Gemeindeleitern/Gemeindeleiterinnen abgegeben.
Der beschriebene Zeitraum von 19741999 war für die Fortbildung des Bistums Basel eine Phase des Auf- und des Ausbaus. Sie wurde strukturell, inhaltlich und methodisch geprägt von den gesellschaftlich-kulturellen und kirchlichen Entwicklungen dieser Zeit.
Die diözesane Fortbildung hat sich in diesem Zeitraum im Bistumsleben
einen festen Platz erarbeitet. Im Vergleich zu den Diözesen Deutschlands
musste sie mit einer geringen Infrastruktur auskommen. Nur das Bistum Basel
hatte zunächst eine 50%-Stelle, ab 1981 eine 100%-Stelle für die
Fortbildungsleitung und ein teilzeitlich, ab 1978 vollzeitlich dotiertes
Sekretariat zur Verfügung. Aber sie hat diese Strukturen effizient
genutzt. Seit 1999 umfasst die Fortbildungsleitung übrigens nur noch
ein Pensum von 60%. Die restlichen 40% werden für die neu geschaffene
«Arbeitsstelle PersonalamtPastoralamtDiözesane Fortbildung»
(PPF) verwendet. Dies machte den vermehrten Einsatz von auswärtigen
teilzeitlichen Kursleitern/Kursleiterinnen notwendig.
Der bescheidene personelle und strukturelle Aufwand und die nicht professionelle
Besetzung der Stellen (die für die Leitung berufenen Personen waren
in allen Deutschschweizer Diözesen als Erwachsenenbildner Amateure),
hielten das innovative Potenzial in Grenzen. Man liess sich von Entwicklungen
der Fortbildung in den Diözesen Deutschlands und in den evangelisch-reformierten
Kirchen der Schweiz anregen. Die Fortbildung im Bistum Basel hatte dabei
für die übrigen Diözesen der deutschen Schweiz eine gewisse
Vorreiterrolle.
Wie die Vorbilder in Deutschland und in den evangelisch-reformierten Kirchen
der Schweiz, beschränkte sich die Basler Fortbildung stets auf das
hauptamtliche seelsorgerliche Personal als ihre Zielgruppe. Im Gegensatz
dazu ging die Fortbildung in den Westschweizer Diözesen vermehrt dazu
über, zusammen mit den hauptamtlichen auch ehrenamtliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen
in den Pfarreien (équipes pastorales) in die Fortbildungsangebote
einzubeziehen.
Anders als in Deutschland, behielten in unseren Diözesen die Dekanatsfortbildungskurse
durchwegs ihren hohen Stellenwert. Dies ist der pragmatischen Entscheidung
zu verdanken, an diese Kurse alle seelsorgerlichen Berufsgruppen einzuladen.
In einzelnen Dekanaten sind dies neben den Priestern, Diakonen, Laientheologen/Laientheologinnen,
hauptamtlichen Katecheten/Katechetinnen auch Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen,
Jugendarbeiter/Jugendarbeiterinnen, zum Teil auch nebenamtliche Katecheten/Katechetinnen;
ferner im Kanton Thurgau auch die so genannten Bezugspersonen.
Bei allen andern, länger dauernden Kursen blieb unsere Fortbildung
dem Grundsatz treu, zusammen mit den Priestern auch die Diakone und die
Laientheologen/Laientheologinnen einzuladen. Wer zusammen arbeitet, soll
auch zusammen fortgebildet werden.
Die Fortbildung hat sich bei uns von einer ursprünglichen Vision gesamtschweizerischer
zentraler Steuerung (Theologisch-pastorales Institut Zürich) zu einer
stärkeren Regionalisierung hin entwickelt (Sprachregionen, Diözesen).
Dies und der enge institutionelle Rahmen schafften Raum für zusätzliche
freie Fortbildungsangebote an die Zielgruppe Seelsorger/Seelsorgerinnen
von Seiten der Bildungshäuser, Institute (wie z.B IFOK) und Verbände.
Ein bedeutendes Merkmal der diözesanen Fortbildung im Bistum Basel
darf darin gesehen werden, dass sie ihre Angebote partizipativ zu gestalten
wusste. Bei allen Kursen konnte die jeweilige Zielgruppe bei der Themenfindung
und bei der Konzeption mitbestimmen. Manche Initiative, wie die Sekretäre/Sekretärinnen-Kurse,
kam von unten. Die Bistumsleitung hat ihre Fortbildungskurse nicht dazu
benutzt, schon zum Voraus gefasste pastorale Entscheidungen an die Seelsorger
heranzutragen. Sie bevorzugte den umgekehrten Weg, indem sie entsprechende
Entscheidungen erst aufgrund der Kursergebnisse traf. Auf diese Weise, und
nicht «top down», nahm die Bistumsleitung ihre Fortbildungskurse
auch als bedeutendes Führungsinstrument ernst.
Es wurde bereits erwähnt, dass die ersten Jahre der diözesanen
Fortbildung schwerpunktmässig der Umsetzung der konziliaren Reform
und der Synode 72 diente. In den achtziger und neunziger Jahren verlagerte
sich der Akzent immer mehr zu Themen: Pastoral der Gemeinde, Gemeindeentwicklung,
religöse Suchbewegung unserer Zeit. Klassische theologisch-systematische
Themen traten in den Hintergrund.
Insgesamt kann die Fortbildung im Bistum Basel in unserem Zeitraum mit einem
Knüpfteppich aus Wolle oder Seide verglichen werden: Jeder Kurs ein
Knüpfpunkt; erst Hunderte von Kursen zusammen lassen im Verlauf der
30 Jahre jenes Muster im Teppich sichtbar werden, um das es den Verantwortlichen
inhaltlich letztlich ging: das nachkonziliare Aggiornamento.
Die ersten Fortbildungskurse hatten sich am Ende der sechziger Jahre
aus den Exerzitien und aus den Kapitelsversammlungen heraus entwickelt.
Das Expertenwissen und dessen Vermittlung durch den Vortrag dominierten.
Die Verantwortlichen bemühten sich aber von Anfang an, die Vermittlung
mit Methoden der Visualisierung und der Verwendung neuer technischer Hilfsmittel
lebendiger zu machen. Ferner wurde die Verarbeitung der dargebotenen Inhalte
in Gruppen eingeführt, was bei den älteren Teilnehmern nicht selten
auf Widerstand stiess. Inzwischen führten die neu entwickelte Gruppendynamik
und das prozessorientierte Arbeiten in der Erwachsenenbildung zu neuen Formen
des Lernens. Die diözesane und interdiözesane Fortbildung griff
diese Entwicklung in jenen Fortbildungskursen auf, welche sich wegen der
längeren Kursdauer für entsprechende Methoden eigneten (Wochenkurse,
Vierwochenkurs; Neupfarrerkurs, Dekanenkurs).
Die Dekanatskurse folgen wegen ihrer kurzen Dauer (212 bis 312 Tage) in
der beschriebenen Periode bei wenigen Ausnahmen vorwiegend dem
ursprünglichen Modell der Vermittlung von Expertenwissen und dessen
Verarbeitung. In den achtziger und neunziger Jahren verband man dieses Kursmodell
mit der Strategie, die Teilnehmer/Teilnehmerinnen mit bedeutenden Professoren
und Autoren des deutschen Sprachraumes in Kontakt zu bringen.
Seit dem Ende der siebziger Jahre tritt bei allen Fortbildungskursen
der Diözese ein methodisches Element seinen Siegeszug an, welches ein
stärker prozessorientiertes Lernen sehr gefördert hat: der Dreischritt
von «Sehen Urteilen Handeln». Er hat dem induktiven
Weg der Lösungsfindung für theologische und pastorale Probleme
in der Fortbildung zum Durchbruch verholfen und hat allgemein der Analyse
und Diagnose der Problemsituation den ihnen gebührenden Stellenwert
gegeben. Diese Arbeitsweise wurde 1993 durch die Publikation des «Arbeitsinstruments
für pastorales Handeln im Bistum Basel» nachhaltig vertieft,
verfeinert und gefestigt. Die diözesane Fortbildung wurde auf dieses
Arbeitsinstrument verpflichtet.
Eine Schwachstelle des methodischen Dreischritts ist dennoch bis heute in
den diözesanen Kursen das «Handeln» das heisst die
Umsetzung gewonnener Erkenntnisse in die Praxis geblieben. Sobald
es um konkrete Entwicklung und Veränderung geht, zeigt sich der Widerstand.
Um mit diesem umzugehen, verfügen die neuen Lernformen der Organisationsentwicklung
und der Supervision wohl über die wirksameren Instrumente als die Fortbildung.
Paul Zemp ist Priester der Diözese Basel und vollzeitlich als Supervisor und Gemeindeberater tätig. In den Jahren 19741988 war er Leiter der Fortbildung im Bistum Basel und als solcher auch Mitglied und Sekretär der Basler Fortbildungskommission (BFK). Nach seinem Ausscheiden aus der Leitung der Fortbildung blieb er bis 1999 Mitglied der Fortbildungskommission.
1 Leitung, Sekretariat und Präsidium der diözesanen
Fortbildung im Bistum Basel: Leitung: Paul Zemp (19741987); Hildegar
Höfliger (19811987 zusammen mit Zemp, die sich die neu auf 100%
erweiterte Stelle je im Halbamt teilten); Arno Stadelmann (19871990),
Adrian Ackermann (19911995); Gabriele und Fabian Berz-Albert (ab 1997).
Sekretariat: Hildegard Meier (19741978 im Rahmen einer Teilzeitstelle
neben ihrer Arbeit als Sekretärin des Priesterseminars Luzern); Heidy
Gassmann (19781999 im Rahmen einer Vollzeitstelle, welche 1978 an das
Ordinariat in Solothurn verlegt worden ist); Sabine Stalder (19992000).
Präsidium der Fortbildungskommission: Guido Schüepp (19731975);
Josef Grüter (19751984); Rita Bausch (19851990); Andreas
Imhasly (19901995); Gaby Zimmermann (19961999); Luisa Heislbetz
(ab 1999).
2 Künftig wird sich der Verein der Pfarreisekretärinnen des Bistum Basel darum kümmern. Am 20. September 2000 wurde nämlich im Bischöflichen Ordinariat in Solothurn dieser Verein, der auch Männern offen steht und der die Wahrung aller Interessen der Mitglieder und die Erhaltung und Förderung der Berufskenntnisse bezweckt, gegründet. Der Vorstand wird für die Weiterbildung (Info-Tag, 3-tägige Weiterbildung) der Pfarreisekretärinnen sowie die regelmässige Information über Aktuelles aus Pfarreien und dem Bistum, über Neuerungen in der Arbeit im Sekretariat und vieles mehr besorgt sein; Präsidentin ist Greti Bader (Pfarrei Heiliggeist, Thiersteinerallee 51, 4053 Basel, Telefon 061-331 80 88, Fax 061-331 80 34, E-Mail heiliggeist@pfarramt.ch (Anmerkung der Redaktion).
1969 Das Sakrament der Taufe.
1970 Fragen der Katechese.
1971 Synode 72 Demokratisierung der Kirche?
1972 Das gesellschaftliche Engagement der Kirche.
1973 Sterben und Tod.
1974 Busse und Beichte. Schuld und Sünde, Umkehr und Busse in psychologischer,
bibeltheologischer und pastoraler Schau.
1975 Die Predigt. Pastoraltheologische Reflexion und methodische Übungen
zur Predigtarbeit.
1976 Beruf: Priester. Theologisches Verständnis und priesterliche Existenz
heute.
1977 Jugend und Kirche. Was macht die Kirche mit der schulentlassenen Jugend?
1978 Kirche und Staat. Theologisch-pastorale Besinnung auf unser Kirchesein
in heutiger Gesellschaft.
1979 «Herr, lehre uns beten.» Die Feier des Stundengebetes im
Leben der Seelsorger und der Gemeinden.
1980 Die Gottesfrage heute. Gott erfahren von Gott sprechen.
1981 Die Eucharistie leben.
1982 Ehe- und Familienpastoral. Die Familie in der Pfarrei die Pfarrei
in der Familie.
1983 Kirche für alle? Gemeindepastoral mit so vielen Kirchenfernen.
1984 Bebauen und Bewahren. Die Sorge um die Schöpfung als Herausforderung
für die Christen und für die christliche Gemeinde.
1985 Neue Religiosität und Spiritualität. Neue Bewegungen inner-
und ausserhalb der Kirche: Eine Anfrage an unsere christlichen Gemeinden
und an uns Seelsorger.
1986 Hoffnung auf Vollendung. Der Glaube an die Auferstehung der Toten und
an das ewige Leben in der Auseinandersetzung mit der Idee der Reinkarnation.
1987 Sittliches Handeln vom christlichen Glauben geprägt. Gibt
es heute spezifisch christliche sittliche Handlungsnormen?
1988 Den Glauben heute leben und weitergeben.
1989 Frauen und Männer in der Kirche.
1990 Schuld und Versöhnung. Zur Buss- und Beichtpraxis.
1991 Wohlstand und Armut in der Kirche.
1992 Als Kirche Zeichen sein.
1993 Von der biblischen Botschaft zur christlichen Praxis.
1994 «In Bedrängnis». Unsere Verantwortung als Christen
im Umbruch Europas.
1995 Lebensalltag als Seelsorgerin und Seelsorger. Ein Blick auf unsere
Lebenswirklichkeit angesichts der Verheissung eines wahren, heilen und erfüllten
Lebens für alle.
1996 In einer offenen Gesellschaft verloren?
1997 Miteinander Gottesdienst feiern. Eine Herausforderung am Ende des 20.
Jahrhunderts.
1998 Gnadenlos leisten? Gottes Gnade geht der Leistung des Menschen voran.
1999 «Sich (k)ein Bildnis machen».
2000 Alter Wein in neuen Schläuchen. Verkündigung bei wachsender
Kirchendistanz.