25/2000

INHALT

Kirche in der Schweiz

Als Getaufte leben

von Rolf Weibel

 

Am Dreifaltigkeitssonntag haben Delegierte von Pfarreien und kirchlichen Gemeinschaften des Bistums Basel in Solothurn miteinander Gottesdienst gefeiert und Tischgemeinschaft gepflegt; alle Pfarreien, Fremdsprachigen Missionen, Ordensgemeinschaften und kirchlichen Gruppierungen waren eingeladen, in ihrer Gemeinschaft ein gleiches Fest zu feiern. Das Bischofswort zu diesem Fest stand unter dem Leitwort «Getauft auf den Namen des Dreifaltigen Gottes» und erschloss wie die Predigt im Festgottesdienst den Sinn des Kreuzzeichens als «das grundlegende Glaubensbekenntnis von uns Christen und Christinnen», als «das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott» und als «eine lebendige Erinnerung an unsere Taufe». Mit dem Bistumsfest wurde zugleich das Bistumsprojekt «Aufbruch des Bistums Basel ins 3. Jahrtausend» mit dem Thema «Als Getaufte leben» eröffnet.<1>

Aufbruch im Zeichen der Taufe

Das Bistumsfest wolle zum einen das Bewusstsein für das Bistum stärken und zum andern mit dem Bistumsprojekt nachhaltig wirken, erklärte an der Pressekonferenz Sr. Annelis Kurmann, die als Bischöfliche Kanzlerin für die Organisation verantwortlich war. Bischof Kurt Koch selber stellte bei dieser Gelegenheit die grundlegende Bedeutung der Taufe für das Christ- und Christin-Sein heraus, insofern die Taufe als rituelle Feier der Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft Anteil am Heilsgeschehen von Tod und Auferstehung Jesu Christi gibt. Die Taufe ist für Bischof Kurt Koch wie schon für Augustinus das alle Gläubigen Verbindende gemäss seinem Wort: «Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof.»
Nach vollzogener Taufe gelte es, die Konsequenzen der Taufe zu leben: «Wer mit dem Wasser der Taufe gewaschen wurde, kann nicht so leben, als wäre er mit allen Wassern gewaschen.» In unserer Zeit nimmt Bischof Kurt Koch hierbei eine neue Herausforderung wahr; mit dem grundlegenden Wandel der Stellung der Kirche in der Gesellschaft, mit dem Ende der konstantinischen Verhältnisse, dem Entfallen gesellschaftlicher Stützen des Christentums, komme auch das Nachwuchschristentum an sein Ende. Um so wichtiger werde das Taufbewusstsein. Das Bistumsfest und das Bistumsprojekt wollen deshalb die Freude am Getauft-Sein stärken.

Personalsorgen

Im Anschluss an die Pressekonferenz zum Bistumsfest, wenn auch ohne Zusammenhang mit ihm, war noch ein Pressegespräch «aus gegebenem Anlass» anberaumt worden. Der Anlass war die einige Zeit vorher bekannt gewordene Demission von Hans Erni als Pfarrer von Bruder Klaus, Biel, sowie sein Austritt aus der Missionsgesellschaft Bethlehem.
So gab bereits die erste Frage Bischof Kurt Koch Gelegenheit, sich grundsätzlich zu äussern. Zunächst betonte er die Notwendigkeit, zwischen dem Ideal einer Lebensform und seiner Realisierung zu unterscheiden. In der Lebensgeschichte eines Menschen könne es Brüche geben, ob er als Lebensform die Ehelosigkeit oder die Ehe gewählt habe. Nur gehe es nicht an, das Ideal der einen Lebensform der Realität der anderen gegenüber zu stellen. Ferner sei zu unterscheiden zwischen der Ehelosigkeit in einem kommunitären Leben und der Verpflichtung eines Diözesanpriesters, ehelos zu leben. Das Scheitern in einer Lebensform, sei es die Ehe, sei es die Ehelosigkeit, könne indes nicht Anlass sein, die betreffende Lebensform als solche in Frage zu stellen.
Der Sinn der Verpflichtung des Priesters zur Ehelosigkeit sei, den Priesterberuf als Berufung, das heisst aus dem Glauben heraus zu leben. Die Zölibatsverpflichtung sei eine Hürde, mit der sich die Kirche Gewissheit verschaffe, dass der Priester seinen Dienst aus dem Glauben heraus tue. Die Zölibatsverpflichtung einfach fallen zu lassen, gehe deshalb nicht an. Wohl könnte es andere Hürden geben, die zu einer entsprechenden Gewissheit führen könnten. Für Bischof Kurt Koch gehört der zölibatäre Priester unverzichtbar zur Gestalt der Kirche, weil schon Jesus ehelos gelebt habe. Daneben könne es auch den verheirateten Priester geben; die Einführung dieser Möglichkeit (in der Lateinischen Kirche) setzte indes eine neue Wertschätzung der Ehelosigkeit voraus.
Als Vertreter der Missionsgesellschaft Bethlehem wies der Regionalobere Edwin Gwerder auf die praktische Bedeutung der Ehelosigkeit in missionarischen Einsätzen hin. Wohl seien zwei Drittel der von der Missionsgesellschaft Eingesetzten ehelos, ein Drittel verheiratet; in gewissen schwierigen Situationen könnten indes nur Ehelose eingesetzt werden, die keine Rücksicht auf Frau und Kinder nehmen müssten.
Nachdrücklich forderte Bischof Kurt Koch, ernsthaft nach den Ursachen des Priestermangels in Westeuropa zu fragen. Als eine wichtige Ursache machte er selber den gesellschaftlichen Wandel namhaft, namentlich den grossen Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl. Für den Priesterberuf sei es erheblich, ob er vom Umfeld gefördert werde oder nicht. Bei einer kleinen Kinderzahl sei eine Förderung durch die Familie weniger wahrscheinlich als bei einer grossen Kinderzahl. Dazu komme die allgemeine Glaubenssituation, die einen Zusammenhang zwischen der Krise des Ordenslebens, der Krise der Ehe und der In-Fragestellung des Zölibats annehmen lasse. Er traue dem Heiligen Geist viel zu, versicherte Bischof Kurt Koch, aber trotzdem glaube er nicht, dass der Heilige Geist auf dem Asphalt Blumen wachsen lassen könne.
Für Auskünfte zur schwierigen Personalsituation im Bistum Basel stand Bischofsvikar Arno Stadelmann zur Verfügung. Wohl erhält auch das Bistum Basel regelmässig neue Priester, aber auf einem zahlenmässig tiefen Niveau. Jährlich treten 20 bis 30 Männer und Frauen neu in den kirchlichen Dienst, davon 3 bis 7 als Priester. Die grosse Herausforderung bestehe demnach darin, eine gute Kooperation von Priestern und Nichtpriestern zu erreichen; das Bistum Basel habe sich entschlossen, diesen Weg zu gehen. Dazu wurden Konzepte entwickelt, die wohl vorläufig seien, aber ihren guten Sinn hätten. Vorläufig seien sie, weil bei den damit möglichen Lösungen zuweilen die Schmerzgrenze in Bezug auf die Sakramentalität der Kirche deutlich werde.


Anmerkung

1 Vgl. dazu die Vorschau «Ein Taufbewusstsein bilden und fördern», in: SKZ 168 (2000) Nr. 14, S.225­227.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000