18/2000

INHALT

Kirche in der Schweiz

Weihbischof Denis Theurillat

von Rolf Weibel

 

Das Amt des Weihbischofs zu übernehmen habe er zugesagt, erklärte Denis Theurillat in Solothurn vor den Medien,<1> weil er als Bischofsvikar für den französischsprachigen Teil des Bistums Basel das Leben des Bistums, seine Grösse und Weite kennen gelernt und weil Bischof Kurt Koch ihn darum gebeten habe. Er werde den Diözesanbischof mit allen seinen Kräften und Möglichkeiten und von Herzen unterstützen, in bischöflicher Brüderlichkeit wie in den Mühen des Alltags. Er habe zugesagt, weil er die Kirche liebe, «die Kirche unseres Bistums» mit seinem deutsch- wie französischsprachigen Teil. Er wolle das Evangelium mitten im Bistum und folglich mit allen Bistumsangehörigen leben.
Das Evangelium leben ist denn auch das Motiv des Leitwortes von Weihbischof Theurillat: «Au risque de l'Evangile ­ Das Evangelium wagen». In den Exerzitien vor der Übernahme seines Amtes als Bischofsvikar war Denis Theurillat dem marianischen Motiv «Notre-Dame du risque ­ Unsere Liebe Frau vom Wagnis» begegnet, was ihn sehr berührt hatte, und als Mitglied der Fraternität Jesus­Caritas von Charles de Foucauld ist ihm der Gedanke «Wegen Jesus und dem Evangelium» so wichtig, dass er beide Motive in seinem Leitwort gebündelt hat. Das Evangelium durch Wort und Leben verkünden, es leben und verkünden ­ das ist auch ein Risiko, weil das Evangelium in seinen Forderungen unbescheiden ist. Die Bedingung, das Evangelium zu leben, ist, gemeinsam an der Kirche zu bauen; das heisst sich zusammen zu setzen, die Arbeit gemeinsam zu verrichten, die Kräfte zu sammeln. Darum möchte Weihbischof Theurillat für die Einheit der verschiedenen Dienste in der Kirche wie für ihre jeweilige Identität aufmerksam sein und also für die Einheit der Dienste in ihrer komplementären Verschiedenheit. Die Kirche gemeinsam bauen heisse denn auch, die Kirche entdecken.
Nachdrücklich dankte Weihbischof Denis Theurillat seinem Diözesanbischof, dass er ihn auf dem langen Weg des Wartens begleitet hat; er freue sich, mit ihm nun auch in der Zusammenarbeit einen gemeinsamen Weg gehen zu können. Auf die Länge dieses Weges angesprochen, erklärte Bischof Kurt Koch, in einer ersten Phase habe er mit möglichen Kandidaten Gespräche geführt, und das habe lange gedauert. Als Mitglied des Bischofskollegiums bedürfe der von ihm bestimmte Weihbischof der päpstlichen Bestätigung. Auch dieser Vorgang habe Zeit gebraucht. Denn zum einen seien Fragen hinsichtlich der Interpretation der rechtlichen Vorgaben, nämlich des Konkordates, zu klären gewesen. Im Konkordat sei nämlich von nur einem Weihbischof die Rede, den der Diözesanbischof ernennen könne («que l'évêque nommera»). Mit dem vom Papst ernannten Martin Gächter habe das Bistum indes bereits einen Weihbischof, so dass die Ausgangslage für den diesmal zu ernennenden Weihbischof erstmalig und deshalb interpretationsbedürftig gewesen sei. Dabei gebe es eine römische und eine schweizerische Lesart, und er selber sei von der schweizerischen ausgegangen. Der Apostolische Stuhl habe sein Vorgehen gebilligt, ohne damit die hängigen Interpretationsfragen endgültig gelöst zu haben. Mit dieser Billigung habe Rom erfreulicherweise den pastoralen Gesichtspunkten den Vorrang vor den konkordatspolitischen gegeben.
Zum andern gehe einer päpstlichen Bestätigung eine vom Apostolischen Nuntius durchgeführte Umfrage, ein kanonischer Informativprozess voraus; dieser habe Zeit gebraucht, weil die Antworten der Angefragten auf sich hätten warten lassen. Die Bestätigung sei dann aber rasch erfolgt; vor Ostern habe er sie jedenfalls nicht erwartet.
Im anschliessenden Gespräch mit der SKZ ging es um den Beitrag eines frankophonen Weihbischofs und insbesondere seine Erfahrungen mit Pastoralequipen im mehrheitlich deutschsprachigen Bistum; denn Bischofsvikar Theurillat hatte in seinem Beitrag für die Festschrift für Bischof Kurt Koch erklärt, die Jurassier fühlten sich dem Bistum und dem Bischof sehr zugehörig, würden ihren Blick indes hauptsächlich auf die Westschweiz und das benachbarte Frankreich richten.,<2> Weihbischof Theurillat bezeichnet die Sensibilitäten der beiden Sprach- und Kulturgruppen wohl als unterschiedlich, gemeinsam sei ihnen indes die Notwendigkeit der Suche nach der Identität der verschiedenen kirchlichen Dienste. Diese Dienste seien in beiden Sprachgebieten die selben und beide könnten einander verstehen helfen, wie jeder Dienst gelebt werden könnte. Die Verhältnisse im Jura seien kleinräumig, Ballungszentren gebe es keine, so dass in beiden Bistumsregionen von verschiedenen Voraussetzungen auszugehen sei; voneinander lernen könnten indes beide.


Anmerkungen

1 Vgl. den Kurzbericht in: SKZ 16­17/2000, S. 269f.

2 Roger Liggenstorfer, Brigitte Muth-Oelschner (Hrsg.), Anleitungen und Rezepte für eine Kirche der Hoffnung. Festschrift zum 50. Geburtstag von Bischof Dr. Kurt Koch. (K)Ein Koch-Buch, Kanisius Verlag, Freiburg Schweiz 2000 (S. 440f.: Denis Theurillat, Le sourire plein de reconnaissance du Jura pastoral).


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000