15/2000 | |
INHALT | |
Kirche in der Schweiz |
Am 1. Mai 2000 tritt der Schweizerische Katholische Missionsrat (SKM) in Bern zur letzten Sitzung der Amtsperiode 19972000 zusammen. Am gleichen Tag hält ein neu zusammengesetzter Missionsrat, nun als Gremium von Fachleuten stärker als bisher als ein Beratungsorgan der Schweizer Bischofskonferenz konzipiert, seine erste Sitzung ab. Wir dokumentieren dazu einen geschichtlichen Rückblick und gleichzeitig Rechenschaftsbericht des Vorstandes SKM.
Im Frühling 1961, also während des «Missionsjahres»,
im ersten Jahr des Zweiten Vatikanischen Konzils und ein Jahr vor der Gründung
des Fastenopfers, beschlossen die Päpstlichen Missionswerke (seit 1973
Missio genannt) und die schweizerischen Missionsinstitute und Missionshilfswerke
enger zusammenzuarbeiten. Am 30. April 1963 wurde in Olten der Schweizerische
Katholische Missionsrat (SKM) als Koordinationsorgan der missionarischen
Aktivitäten konstituiert.
1966 wurde sein Zweck erweitert: Neue Statuten definierten den Missionsrat
auch als Arbeitsinstrument (Beratungsorgan) der Schweizer Bischofskonferenz
und ermöglichten die Mitgliedschaft der Bistümer.
In den folgenden Jahren wurde eine lebhafte Tätigkeit entfaltet: Kooperation der Redaktoren der Missionsinstitute, Tagungen zu missionstheologischen Fragen, Vorbereitungskurse für Erstausreisende und Bildungswochen für Urlaubermissionare, Mitarbeit beim Fastenopfer und in der Pastoralplanungskommission. Die ökumenische Zusammenarbeit wurde besonders mit dem Schweizerischen Evangelischen Missionsrat (SEMR) und mit der Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM) gesucht. Das seit 1920 vom Schweizerischen Katholischen Akademischen Missionsbund (SKAMB, 1995 aufgelöst) herausgegebene Missionsjahrbuch der Schweiz wurde ab 1965 vom SKM und ab 1971 von SKM und KEM gemeinsam herausgegeben. Mit Hilfe des SKM entstanden in den Sechzigerjahren die Laienhelferwerke Interteam und Frères sans frontières (heute: É-Changer). 1971 errichtete der SKM zusammen mit dem SEMR die Interkonfessionelle Aktion «Solidarität Dritte Welt» (seit 1994 als Stiftung konstituiert) als Finanzsammelstelle bei Firmen für Projekte der Missionsinstitute und zum Dialog mit Industrie und Handel. Angeregt durch die Interkonfessionelle Konferenz Schweiz Dritte Welt (1970), gründeten der SKM und die KEM gemeinsam die Arbeitsgemeinschaft Brennpunkt Welt, bestehend aus einem Team, das interkulturelle Bildungsarbeit in Schulen, Gemeinden und Organisationen anbietet. Aus der Kooperation der Redaktoren der Missionsinstitute entstand 1973 die Kommission für missionarische Information und Werbung, die 1974 in Arbeitsgruppe Missionarische Information und Bildung (MIB) umbenannt wurde. Der Missionsrat nahm aktiv teil an der seit 1968 von der Bischofskonferenz geförderten Pastoralplanung und leistete seinen Beitrag zur missionarischen Selbstaktivierung der Kirche in der Schweiz. Eine Prospektivgruppe publizierte 1974 drei programmatische Schriften: Dritte Welt im Jahr 2000, Kirche und Dritte Welt im Jahr 2000, Missionarische Kooperation morgen.
Unter dem Titel Weltweites Christsein diskutierten ab 1972 alle diözesanen
Synoden die Verantwortung der Kirche in der Schweiz für Frieden, Entwicklung
und Mission. Die Gesamtschweizerische Synode verabschiedete am 17. Februar
1974 die folgende Empfehlung:
«Dem Schweizerischen Katholischen Missionsrat fällt als besondere
Aufgabe zu, die Missionsinstitute und andere Organisationen zu ernsthafter
Koordination aufzumuntern. Dieser Rat wurde durch die Bischofskonferenz
als ÐBischofskommission für die Missionenð und als ÐArbeitsinstrument
für die Verwirklichung der missionarischen Aufgaben der Katholischen
Kirche in der Schweizð bezeichnet. Daher lädt die Synode die Bischofskonferenz
ein, dem Missionsrat die nötigen rechtlichen, strukturellen und finanziellen
Grundlagen zu geben, damit dieser seine Koordinationsaufgabe wirksam zu
erfüllen vermag. Im Missionsrat soll den sprachlichen Minderheiten
gebührend Rechnung getragen werden.» Ferner wurde festgehalten,
dass die missionarische Verantwortung auf den verschiedenen Ebenen, das
heisst in Pfarrei, Dekanat, Bistum und Kirche Schweiz, wahrgenommen werden
müsse.
Bereits im Dezember 1972 hatte eine Arbeitsgruppe des SKM ein Gesamtkonzept
für den Missionsrat entworfen. Nach Abschluss der Synode 72 wurde dieses
von der Pastoralplanungskommission der SBK weiter bearbeitet. Am 6. Juli
1977 setzte die Bischofskonferenz neue Statuten mit folgender Regelung in
Kraft:
Ferner wurde bestimmt, dass die Kosten für die regionalen Missionskonferenzen
von den Mitgliedern (Bistums- und Kantonalkirchen, Missionsinstitute, Hilfswerke,
Verbände) und jene für den schweizerischen Missionsrat von Missio
übernommen werden.
Dieser Reorganisation stellte die Bischofskonferenz in einer Erklärung
zum missionarischen Auftrag der Kirche in der Schweiz zwei theologische
Leitgedanken voran:
Daraus ergab sich organisatorisch eine enge Verflechtung der missionarisch
Aktiven, ein einsichtiges, oft aber als kompliziert empfundenes Organigramm:
Idealerweise hat jede Pfarrei eine Missionsgruppe, die über das Dekanat
in der Missionskommission des Bistums vertreten ist; deren Delegierte bilden
zusammen mit Vertretern/Vertreterinnen der Missionsinstitute, Missionswerke
und theologischen Hochschulen die regionale Missionskonferenz; nationales
Koordinationsorgan und Beratungsorgan der Bischöfe ist der schweizerische
Missionsrat. Wer sich also in einer pfarreilichen Missionsgruppe engagiert,
kann durchaus über Dekanat und Bistum in das regionale und schliesslich
in das schweizerische Gremium «aufsteigen» und mithelfen, die
Bischöfe in missionarischen Fragen zu beraten.
Die Stärke dieser Struktur liegt in ihrer synodalen Verfassung: Laien,
Priester, Ordensleute und Bischöfe arbeiten nach demokratischen und
gleichzeitig hierarchischen Regeln eng zusammen. Als Schwäche wird
die Gefahr der Überlastung empfunden: Einzelne Mitglieder einer diözesanen
Missionskommission müssen gleichzeitig in der regionalen Missionskonferenz
und im schweizerischen Missionsrat mitarbeiten, werden aber auch von ihrer
Pfarrei als missionarische Experten in Anspruch genommen.
Den regionalen Missionskonferenzen wurde durch die Erklärung der SBK von 1977 aufgetragen, die Zusammenarbeit zu fördern und zu lenken, aber auch eigene animatorische Tätigkeit zu entfalten.
Die Missionskonferenz der deutschen und rätoromanischen Schweiz
und des Fürstentums Liechtenstein MK DRL eröffnete zur effizienten
und geordneten Abwicklung ihrer Aufgaben ein Sekretariat mit Sitz in Immensee.
Die beiden Aktionsgruppen Missionarische Information und Bildung MIB
und Brennpunkt Welt BW wurden der MK DRL zugeordnet. Die jährlich
zwei Mitgliederversammlungen griffen unter dem Aspekt Mission gesellschaftliche
und kirchliche Fragen missionarischer Spiritualität auf. Als eine Frucht
missionarisch-interkultureller Zusammenarbeit und eines interreligiösen
Dialogs gaben MK DRL und KEM im 1991 die Arbeitsmappe «Ein Regenbogen
von Kulturen und Religionen Begegnungen in der Schweiz wagen»
heraus. Die Unterstützung und Mitgestaltung der Fastenaktion und der
Missio-Kampagne zum Monat der Weltmission und allgemein missionarische Information
und Bildung (z.B. Dekanatsweiterbildung) wurden regelmässig an die
Hand genommen.
1991/1992 wurde in der MK DRL eine Reorganisation angegangen. Die Beschlüsse
vom Mai 1992 zur Weiterentwicklung der MK DRL wurden im Dokument Den weltkirchlichen
Austausch fördern festgehalten. Sie brachte
Die MK DRL nahm seit ihrem Bestehen die Zeichen der Zeit wahr. Dies führte
zum Beispiel 1999 zu einer Neukonzipierung der Arbeitsgruppe MIB. Die neue
Bezeichnung Impulsstelle MIB weist auf das Wesentliche des Auftrages hin:
Impulse an die Basis zu vermitteln. Mit der Festanstellung einer Person
für die Leitung (50 Stellenprozente) kann die Chance projektorientierter
Arbeit wahrgenommen werden. Die Basiskirche kann so verstärkt miteinbezogen
und für missionarische Anliegen mobilisiert werden.
Die MK DRL nahm ihren Auftrag, Vermittlerin zwischen Basis und übergeordneten
Gremien und umgekehrt zu sein, ernst. In besonderem Masse bemühte sie
sich, die Aufgaben von Missio wahrzunehmen.
Der Groupe de coopération missionnaire en Suisse romande
GCMSR widmete sich hauptsächlich der Koordination der Tätigkeit
seiner Mitglieder: Bistümer, kantonale Délégués
à la mission, Laïcat missionnaire, missionarische Ordensinstitute
(die den Groupe romand des instituts missionnaires GRIM bilden) und
Werke (Action de carême, Centre international de reportage et d'information
CIRIC, Centre romand des vocations CRV, Frères sans frontières
[heute: É-Changer], Missio, MIVA). Das Sekretariat wird ehrenamtlich
wahrgenommen.
Für die missionarische Bildungsarbeit wurde der Groupe interinstituts
d'animation missionnaire gegründet, der zuerst aus Ordensleuten verschiedener
Kongregationen bestand, seit 1993 auch Laien aufnimmt und sich deshalb Groupe
interinstitutions d'animateurs missionnaires GIAM nennt. Neben der
Animation von Missionsanlässen in Pfarreien entwickelte der GIAM zwei
eigene Projekte: Voyage-partage: kurze Einsätze (Schnupperlehren) in
aussereuropäischen Missionsstationen und ToutCouleur: internationale
Ferienlager für Jugendliche. 1996 organisierte der GIAM im Wallis die
14. Route Missionnaire Internationale.
Der GCMSR war immer stark in den Kampagnen des Fastenopfers und des Monates
der Weltmission involviert. Die jährlichen Urlauberkurse wurden zuerst
mehrtägig für die ganze Westschweiz organisiert, seit einigen
Jahren werden nur noch eintägige Treffen auf diözesaner Ebene
als Begegnung mit dem Bischof durchgeführt.
Höhepunkte der Tätigkeit des GCMSR sind die alle zwei Jahre stattfindenden
Treffen Mission et Romandie, die jeweils einige Hundert Missionsfreunde
Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, Laien, Priester, Ordensleute
und auch Bischöfe versammeln.
Die Conferenza missionaria della Svizzera italiana CMSI entfaltete
neben der Koordinationsaufgabe ebenfalls eigene Aktivitäten: Vorträge,
Besinnungen, Wallfahrten und besonders jährlich am Sonntag der Weltmission
den grossen Incontro missionario, eine Begegnung von Familien, Ordensleuten,
Firmlingen usw., an dem der Bischof von Lugano wenn immer möglich persönlich
teilnimmt.
Die CMSI nahm immer auch Aufgaben für das Fastenopfer wahr. Für
die Kampagne zum Monat der Weltmission wurde der Gruppo Missio geschaffen.
Der CMSI obliegt ausserdem die Verantwortung für das Partnerschaftsprojekt
des Bistums Lugano mit Barranquilla (Kolumbien) und die Sorge für die
aus der Svizzera italiana stammenden Missionarinnen und Missionare.
Zur Erfüllung der regionalen und diözesanen Aufgaben sowie als
Zweigstelle von Missio wurde ein Sekretariat geschaffen mit einem vollamtlichen
Animator und einer Sekretariatsperson. Meinungsverschiedenheiten in Bezug
auf die Fastenopfer-Animation und finanzielle Engpässe führten
1992 dazu, dass der Posten des Animators gestrichen wurde. 1999 übertrug
der Bischof von Lugano die Aufgabe der missionarischen Animation einem Priester,
den er dafür teilzeitlich freistellte.
Seit 1993 gibt die CMSI eine Quartalszeitschrift Svizzera italiana e missione
heraus, die an die im kirchlichen Dienste stehenden Priester, Ordensleute
und Laien sowie an Donatoren (3000 Adressen) versandt wird.
Der Schweizerische Katholische Missionsrat SKM bestand ab 1977 aus 20 Mitgliedern: 13 Delegierten der sprachregionalen Missionskonferenzen, vier von der SBK Gewählten und den Direktoren von Fastenopfer und Missio (später auch der Caritas). Regelmässig nahmen der Inhaber des Ressorts Mission der Bischofskonferenz und/oder deren Sekretär an den Sitzungen teil. Der SKM versammelte sich als Plenum jährlich zweimal. Die laufenden Aufgaben wurden vom Vorstand, vom Präsidium und dem 55-Prozent-Sekretariat bearbeitet.
In der Frühlingsversammlung hatte der SKM jeweils die Jahresberichte
der regionalen Missionskonferenzen, von Caritas, Fastenopfer, Missio und
SDW zur Kenntnis zu nehmen. Dies erlaubte die Auseinandersetzung mit grundsätzlichen
Themen von Mission und Entwicklung und mit Fragen der Koordination. So erfüllte
der SKM seine Aufgabe als Plattform des Austausches.
Die Herbstversammlungen widmeten sich jeweils einem bestimmten Anliegen.
Zum Beispiel: die ökumenische Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden
und Bewahrung der Schöpfung, die Enzyklika Redemptoris missio, die
500-Jahr-Feier der Entdeckung, Eroberung und Evangelisierung Lateinamerikas,
Dialog der Religionen.
Im Auftrag der Bischofskonferenz übernahm der SKM 1986 die Schirmherrschaft
über den Ökumenischen Arbeitskreis Schweiz-China. Zur Koordination
der Tätigkeiten von Hilfswerken und kirchennahen Solidaritätsgruppen
im Südlichen Afrika wurde 1988 auf Anregung des Fastenopfers eine Table
ronde «Afrique australe» gegründet.
Weil es Aufgabe des SKM ist, öffentlich Stellung zu nehmen, wenn
hier oder weltweit die Glaubwürdigkeit der Verkündigung
betroffen ist in Fragen von Gesellschaft und Kirche, von Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung (wie es im Leitbild SKM heisst),
hat sich der SKM immer wieder öffentlich artikuliert: Er arbeitete
mit an den beiden Europäischen Ökumenischen Versammlungen (Basel
1989, Graz 1998), sammelte Unterschriften für Petitionen (Beispiel:
Entwicklung braucht Entschuldung), unterschrieb Aufrufe an Staatenlenker
oder Weltbank, trat dem Komitee für den Beitritt der Schweiz zur UNO
bei und wurde Mitglied der Gemeinschaft zur Unterstützung der Stiftung
solidarische Schweiz.
Wie schon der frühere Missionsrat gelangte auch jener von 1977 periodisch
mit Publikationen zum missionarischen und entwicklungspolitischen Engagement
der Kirche in der Schweiz an die Öffentlichkeit. Als er sich 1994 einer
«Standortbestimmung» stellte, wurde diese zur Erörterung
der Frage ausgeweitet, was es in der heutigen Situation bedeutet, die Kirche
in der Schweiz missionarisch zu aktivieren. Drei Schwerpunkte wurden ausgemacht:
Die Basis stärken (d.h. Missions- und Solidaritätsgruppen und
die synodal-demokratischen Organe unterstützen), den Austausch fördern
(Mission nicht als Einbahnstrasse, sondern als Gegenverkehr verstehen) und
in der Öffentlichkeit Stellung beziehen (auch zu heiklen Fragen wie
staatliche Entwicklungshilfe oder Migrationspolitik nicht schweigen).
Da immer mehr Pfarreien eigene Missionsprojekte übernahmen, diskutierte
der SKM das Problem der so genannten Direkthilfen und publizierte 1987 Richtlinien
für Direkthilfen auf dem Gebiet der Missions- und Entwicklungszusammenarbeit.
Unter dem Stichwort «Wir brauchen Partnerschaft, nicht Patenschaft»
wird festgehalten, dass es nicht genügt, Geld zu sammeln, sondern dass
Informations- und Bildungsarbeit geleistet werden muss. Deshalb werden Pfarreien
und Aktionsgruppen, die sich für ein Projekt engagieren, ersucht, zehn
Prozent der Sammelergebnisse für die eigene Bildungsarbeit einzusetzen
oder einem Hilfswerk bzw. einem Missionsinstitut zu diesem Zweck zur Verfügung
zu stellen. In einem zweiten Papier zu diesem Thema, mit dem Titel Missionarische
Bewusstseinsbildung und Solidaritätsarbeit (1995), erklärte der
SKM, dass missionarische Tätigkeit nicht nur dort zu leisten ist, sondern
auch hier einen Mentalitätswandel nach dem Evangelium herbeiführen
soll. Darum wurde festgehalten, dass es legitim ist, für die missionarisch-entwicklungspolitische
Bildungs- und Solidaritätsarbeit in der Schweiz und in internationalen
Organisationen auch Spendengelder einzusetzen.
Im Oktober 1997 publizierte der SKM zum Jubiläum «20 Jahre (neuer)
Missionsrat» ein Leitbild. Anhand des Dreischrittes Sehen (pastoral-soziologische
Beobachtungen), Urteilen (Texte aus der Bibel und von der Kirche), Handeln
(Anweisungen für die Tätigkeit der missionarischen Gremien) war
ein Dokument entstanden, das den Titel trägt Der missionarische Auftrag
in der Welt von heute und das auch für Missionsinstitute und missionarische
Werke von Bedeutung ist.
Als Beratungsorgan der SBK für missionarische Fragen wirkte der SKM jeweils mit, wenn die Kommissionen der SBK zu Vernehmlassungen oder zu Aussprachen herangezogen wurden. So äusserte er sich zu den Lineamenta der römischen Bischofssynoden für Europa 1991 und 1999 sowie mehrerer Ordentlicher Vollversammlungen der Bischofssynode. Aus eigenem Antrieb veröffentlichte der SKM 1990 eine Erklärung zu Handen der SBK über «Die durch die Ernennung von Wolfgang Haas zum Bischof von Chur manifest gewordene Vertrauenskrise in der Kirche der Schweiz beleuchtet aus missionarischer Sicht».
Die Funktion als nationales Koordinationsorgan nahm der SKM mehrmals
wahr. Zum Beispiel rief er 1997 die regionalen Missionskonferenzen, die
Missionsinstitute und die missionarischen Werke zusammen, um mit den gemeinsamen
Anliegen weltweiter Solidarität den Auftritt der Kirchen an der Expo
2001 missionarisch zu beeinflussen.
Auf Grund einer Beobachtung des Sekretariats der Bischofskonferenz, wonach
zwischen den katholischen Werken der Nothilfe, der Entwicklungshilfe und
der Mission sowie den Missionsinstituten eine gewisse sich negativ auswirkende
Konkurrenz bestehe, lud der SKM am 20. Oktober 1998 zu einer Aussprache
ein. Die Vertreter/Vertreterinnen von Caritas, Fastenopfer und Missio sowie
von Missionsinstituten erklärten in der Folge einmütig, «miteinander,
nicht gegeneinander» arbeiten zu wollen und Regeln gegenseitiger Rücksichtnahme
bei öffentlichen Sammlungen anzuwenden.
1997, also zwanzig Jahre nach Inkrafttreten der Neuordnung von 1977, beschloss die Bischofskonferenz, die Gesamtheit der missionarischen Strukturen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Sie beauftragte eine Expertengruppe mit der Bestandesaufnahme der bestehenden missionarischen Strukturen. Gespräche mit Exponenten der missionarischen Gremien auf nationaler, regionaler und diözesaner Ebene ergaben weiteren Handlungsbedarf. Die Expertengruppe schlug den Bischöfen vor, die Pastoralplanungskommission mit der Weiterarbeit zu beauftragen. Diese zogen es vor, eine interne Arbeitsgruppe zu bilden, die mit Hilfe von Experten eine Revision der Statuten des Missionsrates und des Stiftungsrates Missio vornahm. Ein Konsultationsverfahren ergab Einmütigkeit zu zwei Vorschlägen:
In andern Punkten gingen die Meinungen von SKM und regionalen Missionskonferenzen
einerseits und der bischöflichen Arbeitsgruppe andererseits auseinander.
Dennoch setzte die SBK am 6. Juni 1999 neue Statuten auf den 1. Januar 2000
in Kraft. Dabei bestätigte sie ausdrücklich ihre Erklärung
zum missionarischen Auftrag von 1977.
Der neue Missionsrat besteht nun in der Regel aus elf Mitgliedern, die ein
bestimmtes Fachwissen vertreten und die von den betreffenden Organisationen
vorgeschlagen und/oder gewählt werden:
Dazu kommen Direktor/Direktorin von Missio und Sekretär/Sekretärin
der SBK. Der bischöfliche Inhaber des Ressorts Mission ist nicht Mitglied,
nimmt aber nach Möglichkeit an den Sitzungen teil.
Im Übrigen wurden die Statuten inhaltlich nicht geändert, einzig
die Verantwortung für Missio wird nicht mehr erwähnt.
Der Missionsrat ist durch diese Reorganisation eindeutiger zu einem Fachgremium
geworden, das die Beratungsfunktion für die Bischofskonferenz kompetent
wird ausüben können. Allerdings wurde für das Sekretariat
nur noch eine Arbeitsstelle von 30 Prozent (bisher 55%) zugestanden, was
die Arbeitslast der Mitglieder zwangsläufig vergrössern oder die
Übernahme gewisser Aufgaben nicht mehr erlauben wird.
Das Statut des Stiftungrates Missio ist bezüglich der Zusammensetzung
des Rates abgeändert worden. Die Diözesanbischöfe haben dem
Vorschlag zugestimmt, einen diözesanen Missionsbeauftragten/eine diözesane
Missionsbeauftragte zu ernennen. Diese Beauftragten bilden den Stiftungsrat
Missio, zusammen mit je einem Vertreter/einer Vertreterin der drei regionalen
Missionskonferenzen und je einem Vertreter/einer Vertreterin von AGMI (Arbeitsgemeinschaft
der Missionsinstitute) und von GRIM (Groupe romand des instituts missionnaires).
Die Statuten der regionalen Missionskonferenzen werden durch die Revision
1999 nicht tangiert.
Mit dieser Neuordnung beginnt für den Schweizerischen Katholischen Missionsrat ein neues Kapitel. Der abtretende Vorstand ist überzeugt, dass der SKM das Missionsanliegen im heutigen Umfeld der Kirche in der Schweiz mutig weitertragen wird. Die synodale, also Basis und Hierarchie verbindende, typisch schweizerische Struktur (Synode 72) wird gewährleisten, dass die Missionsaufgabe der Kirche weiterhin auf viele Schultern verteilt bleibt und von vielen Menschen mitgetragen wird.
Rolf Weibel, Missionarische Strukturen in der Ortskirche Schweiz, in:
Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft, Immensee, 511995/4;
Erich Camenzind, Überlegungen zum zweiten Jahrzehnt des SKM, Manuskript,
1971;
Protokolle, Jahresberichte und Publikationen von SKM, MK DRL, GCMSR und
CMSI.