14/2000 | |
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Kirche in der Schweiz |
Am kommenden Dreifaltigkeitssonntag wird im Rahmen eines Treffens in Solothurn im Bistum Basel ein Gesprächsprozess eröffnet, in dem über zunächst zwei Jahre auf allen Ebenen die Taufe als grundlegendes Sakrament reflektiert werden soll; erfolgen soll dies auf dem Hintergrund heutiger Erfahrungen, um gestärkt weitere Schritte in die Zukunft zu gehen und neue, andere Erfahrungen möglich zu machen: als Einzelne, als Gemeinden, als Bistum, als Kirche im Engagement für eine Welt, in der Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung höchstrangige Werte sind.
Vorbereitet wurde dieses Bistumsprojekt nach jenen der Bistümer
Lausanne, Genf und Freiburg (mit Neuenburg) sowie St. Gallen über
längere Zeit in den verschiedenen Gremien des Bistums, konkretisiert
wurde es in kurzer Zeit von einer Konzeptgruppe, deren Vorschläge vom
Bischofsrat ergänzt und dann von Bischof Kurt Koch angenommen wurden.
Das ganze Bistum zum Mitmachen einladen wird Bischof Kurt Koch im Rahmen
des Bistumstreffens vom Dreifaltigkeitssonntag in Solothurn; bei dieser
Gelegenheit werden die Vertreter und Vertreterinnen der Pfarreien und Fremdsprachigenmissionen
eine Impulsmappe erhalten.
Einen Anstoss zu diesem diözesanen Projekt gab der Übergang in
ein neues Jahrtausend. Dabei sollte dieser nicht als ein fixes Datum wahrgenommen
werden, sondern als Marschhalt auf einem Weg im Bewusstsein, dass das Bistum
Basel als Ortskirche unterwegs bleiben und aus der christlichen Hoffnung
heraus Zukunft gestalten muss. Der Horizont des diözesanen Projektes
wird deshalb mit dem Untertitel «Aufbruch des Bistums Basel ins 3.
Jahrtausend» verdeutlicht. Damit kommt eine Fülle von Fragen
und Anliegen in den Blick, deren umfassende Behandlung ein einzelnes Bistum
indes überfordern müsste. Aus den Beratungen in den diözesanen
Gremien hat sich deshalb ein Thema ergeben, dessen Behandlung nicht so rasch
an Grenzen stösst und das alle Bistumsangehörigen gleichermassen
verbindet und betrifft: «Als Getaufte leben».
«Als Getaufte leben» ist denn auch der Titel des Bistumsprojektes.
Was mit der Taufe begann, möchte sich ein Leben lang entfalten und
alle Bereiche des Lebens prägen: Das persönliche Leben des und
der einzelnen Getauften, die Kirche als die Gemeinschaft der Getauften und
schliesslich die Weltverantwortung der Getauften als Einzelne und als Gemeinschaft.
Für die Zielformulierung dieses Gesprächsprozesses ist der
Konzeptgruppe die Ausgangslage wie die Option wichtig. Zur Ausgangslage
gehört die Taufe als das, was Christen und Christinnen gemeinsam haben,
und ihr aktiver und praktischer Vollzug. Dazu gehört aber auch das
Unterwegssein ins 3. Jahrtausend mit den Stichworten: Übermacht der
Wirtschaft, Bedeutung der Politik, Rolle von Ideologie, Religion und Kultur.
Und dies alles schliesslich im konkreten Raum des Bistums Basel mit seinen
Regionen, Pfarreien und Menschen.
Diese Ausgangslage ist heute an der Tagesordnung. Die Option des vom Bischof
angenommenen Konzepts ist, diese Tagesordnung wohl ernst zu nehmen, sie
aber nicht einfach zu übernehmen, sich also nicht mit möglichst
marktgerechten Inhalten und Methoden unter die vielen Sinnanbieter einzureihen.
«Als Getaufte leben» beinhalte nämlich eine eigene Tagesordnung,
«als Getaufte leben» heisse Profil zeigen.
«Als Getaufte leben» heisse auch: An den Gott des Lebens glauben.
Jesus von Nazareth, dem auferstandenen Christus, nachfolgen. Aus der pfingstlichen
Geistmacht leben und Kraft schöpfen gegen alle Gegenwinde.
«Als Getaufte leben» erinnert schliesslich die Frohe Botschaft,
die in der Taufe zum Ausdruck kommt: Du bist von Gott angenommen. In dieser
Perspektive sollen im Bistumsprojekt die drei Dimensionen der christlichen
Berufung thematisiert werden: Als Einzelne von Gott gerufen, in die Gemeinschaft
der Kirche aufgenommen, an der Sendung Jesu Christi zur Mitarbeit im Reich
Gottes teilhaftig. Daraus ergeben sich die drei in den Gesprächsimpulsen
entfalteten Dimensionen: 1. Getauft, angenommen ohne Vorleistung und persönlich
beim Namen genannt; 2. Getauft, aufgenommen und eingebunden in christliche
Gemeinde. 3. Getauft, aufgenommen, eingebunden und mitverantwortlich für
die Welt.
Trotz der thematischen Beschränkung ergeben sich so viele und vielfältige
Möglichkeiten zu Gespräch und Handeln. Denn jede und jeder Getaufte
im Bistum Basel ist eingeladen, sich nach den jeweiligen Möglichkeiten
zu beteiligen. Deshalb wird es inhaltliche Vorschläge und methodische
Anregungen zu zunächst fünf Bezugspunkten geben: Person, Familie,
Pfarrei/Fremdsprachenmission, Dekanat/Region, Bistum. Als weitere Bezugspunkte
sind Verbände, Ordensgemeinschaften und andere Lebens- und Lernorte
gefragt.
Als in allen Dimensionen und allen Bezugspunkten anzustrebende Ziele nennt
das Konzept:
«1. Christen und Christinnen in unserem Bistum sollen gestärkt
werden in dem Bewusstsein, dass sie durch die Taufe als Personen angenommen
und bejaht sind.
Christen und Christinnen in unserem Bistum sollen herausgefordert werden,
sich damit auseinander zu setzen, dass sie durch die Taufe aufgenommen und
eingebunden sind in eine christliche Gemeinde und Kirche, dass sie Mitverantwortung
tragen für den christlichen Auftrag in der Welt.
2. Das Bistum, die Bistumsregionen und die Pfarreien sollen gestärkt
werden in dem Bewusstsein, dass sie eine Gemeinschaft von getauften Personen
sind, die angenommen und bejaht, aufgenommen, eingebunden und mitverantwortlich
sind.
Das Bistum, die Bistumsregionen und die Pfarreien sollen herausgefordert
werden, in dieser Gemeinschaft menschliche Beziehungen zu pflegen und dadurch
Verbundenheit zu schaffen, die auch zu Verbindlichkeit und Mitverantwortung
führt.
3. Alle: Personen, Familien, Gruppen, Regionen, Bistum sollen gestärkt
werden in dem Bewusstsein, dass das Angenommen- und Aufgenommen-Sein durch
die Taufe eine Lebensquelle sein kann.
Alle: Personen, Familien, Gruppen, Regionen, Bistum sollen herausgefordert
werden, diese Lebensquellen zu nutzen und fruchtbar zu machen für die
Welt, in der wir leben, für Gerechtigkeit, Frieden und zur Bewahrung
der Schöpfung.»
Diese Globalziele werden für jeden Bezugspunkt in jeder Dimension
zu Feinzielen. Wie diese erreicht werden können, werden die inhaltlichen
Vorschläge und methodischen Anregungen der Impulsmappe aufzeigen. Themen
zum Nachdenken und Austausch gibt es viele. Unmittelbar kann so auf der
persönlichen Ebene beispielsweise gefragt werden: Was bedeutet «als
Getaufter leben» für mich in meinem Berufsleben? Was bedeutet
es, dass für die getauften Kinder die Familie ein Lern- und Lebensort
ihrer Taufe ist? Auf pfarreilicher Ebene könnte man sich fragen: Wie
begleiten wir Eltern, die ihre Kinder zur Taufe bringen, und wie begleiten
wir Eltern, die die Taufe aufschieben? Im Blick auf die Solidarität
liesse sich überlegen: Unser Projekt für die Gemeinde in Südamerika
interessiert viele. Sehen sie den Zusammenhang mit der eigenen Taufe?
Aus einem Austausch über die Pfarreigrenzen hinaus könnten sich
dann Anliegen abzeichnen, die auf Bistumsebene zu einer gemeinsamen Pastoral
führen müssten. So werden vom Bistum her nicht nur Anregungen
zum Gespräch angeboten, sondern es wird auch zu einem Austausch auf
Bistumsebene eingeladen. Weil es dazu vieler Gefässe bedarf, sind Beiträge
auch von Anlässen und Ereignissen erwünscht, die ihre eigene Organisation
und ihren eigenen Charakter haben. So werden von diözesanen Einrichtungen
wie der Fortbildung der Seelsorger und Seelsorgerinnen Anregungen erwartet,
aber auch von freien Initiativen wie der Tagsatzung 2001.
Mit der Einladung am Bistumstreffen vom kommenden Dreifaltigkeitssonntag
ergeht konkret die Einladung, dem Thema «Als Glaubende leben»
vom Pastoraljahr 2000/2001 an während zwei Jahren eine besondere Aufmerksamkeit
zu schenken. Danach soll das Bistumsprojekt mit einem Bistumsanlass zu einem
gewissen Abschluss gebracht werden ob als Etappenziel, ob als Projektabschluss
wird der Verlauf des Gesprächsprozesses bzw. das Ergebnis des Austauschs
zeigen.
Als Projektleiter hat der Bischof seinen Generalvikar Rudolf Schmid eingesetzt;
ihm zur Seite steht eine Projektgruppe, vor allem Fabian Berz als Leiter
der Diözesanen Fortbildung.