12/2000

INHALT

Kirche in der Schweiz

Ein arbeitsintensives St.Galler Bistums-Jahr

von Rosmarie Früh

 

Auch im Rückblick auf das Jahr 1999<1> muss von einem Wechsel im Ordinariatsrat berichtet werden. Für den am 15. Januar verstorbenen Domdekan und Dompfarrer Alfons Klingl hat im Rat der neue Residenzialkanonikus und Dompfarrer Josef Raschle Einsitz genommen. Bischofsvikar Markus Büchel ist vom Katholischen Administrationsrat aus einer von Bischof Ivo Fürer vorgelegten Dreierliste zum Domdekan gewählt worden.

Personalfragen

An 16 Halbtags- und drei Ganztags-Sitzungen befasste sich der Ordinariatsrat hauptsächlich mit Personal- und Ausbildungsfragen im weitesten Sinn: Stellenwechsel, Anstellungen, Voraussetzungen für den kirchlichen Dienst von Ausländern/Ausländerinnen, Pastoralkurs, Studienbegleitung, Fort- und Weiterbildung, Visitationen, Seelsorge an Seelsorgenden, neues Ausbildungskonzept für nebenamtliche Katechetinnen, Lehrplan Matura-Ergänzungsfach Religion. Am 27. Januar hielt P. Martin Werlen OSB, Einsiedeln, ein Referat zum Thema «Homosexualität als Faktum bei Seelsorgern».

Begegnungen und Aussprachen

Die Kanzlerin Margreth Küng-Epper sorgte mit ihrem Team für ein gutes Betriebsklima. Zu ihren kanzlei-internen Aufgaben für Bischof Ivo zwischen Bischofssynode in Rom, Sitzungen bei der Bischofskonferenz, bei der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz, bei PPK-CH und Fastenopfer waren erneut viele Termine mit verschiedensten Leuten zu vereinbaren: Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen-Gespräche, Altar-Weihen, Besuche von Firmlingen, Pastoralgespräche in den Pfarreien im Rahmen der Firmungen in den Dekanaten Altstätten und Rorschach, Arbeitslunches mit Seelsorgenden, die diesmal dekanatsweise eingeladen wurden, Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Universität und im Rahmen des CCEE auch der Weltkirche sowie mit Medienleuten. Aufgrund einer am Neujahrsempfang gemachten Anregung hat Bischof Ivo die Präsidenten und Präsidentinnen der Kirchenverwaltungen regionsweise zu einer Aussprache eingeladen. Aus den gut angekommenen Runden resultierte zum Abschluss eine Veranstaltung des Kirchgemeindeverbandes am 4. Dezember in Degersheim mit den neu gewählten Kirchenräten und -rätinnen. Dabei orientierten Bischof Ivo über die Regionalisierung von Aufgaben, Generalvikar Anton Thaler und Fortbildungsleiter Paul B. Hutter als Mitglied des Personalteams über die personelle Situation, Domdekan Markus Büchel über pastorale Schwerpunkte und Diözesankatechet Philipp Hautle über den Religionsunterricht und die Jugendarbeit.

Fehlender Nachwuchs

Die Zahl der Interessenten und Interessentinnen an einem kirchlichen Beruf ist rapid zurückgegangen. Im neuesten Studienjahr hat für unser Bistum ein Priesteramtskandidat das Theologie-Studium begonnen, eine Frau ist in die verkürzte theologische Ausbildung des Dritten Bildungsweges eingestiegen; am Katechetischen Institut (mit dreijähriger Ausbildung) haben vier junge Leute angefangen. Im zweiten Studienjahr befinden sich ein Bewerber und eine Bewerberin auf Pastoralassistent/-assistentin, aber kein Bewerber fürs Priesteramt. Fünf Leute bilden sich zur Katechetin, zum Katecheten aus; ein junger Mann macht nach seiner Berufslehre und etlichen hinführenden Kursen die verkürzte Ausbildung zum Pastoralassistenten.
Die Zahlen sehen fürs Studienjahr 1999/2000 folgendermassen aus: 30 Studierende auf Voll-Theologie, verteilt auf mindestens fünf Jahre (unter anderem in Freiburg und Luzern), zwei im Dritten Bildungsweg (auf drei Jahre, Luzern), fünf im Pastoralkurs (in Pfarrei und Seminar, als letztem Block der Ausbildung). Von diesen 37, die sich auf den Dienst in der Seelsorge vorbereiten, sind sechs Priesteramtskandidaten. Dazu kommen neun Studierende am Katechetischen Institut Luzern (dreijährige Ausbildung).
Neben den Sorgen um den Nachwuchs beschäftigte den Regens Joseph Wick und sein Team Ausbildung/Fortbildung (Hildegard Aepli und Fortbildungsleiter Paul B. Hutter) vor allem eine geistliche Begleitung während der Ausbildung.

Dekanatsstatuten der Zeit angepasst

Mit den acht Dekanen trafen sich die Ordinariatsmitglieder zu drei Sitzungen. Neu dabei war Guido Scherrer, der im Dekanat Wil-Wattwil als Nachfolger von Adri Van den Beemt gewählt worden ist; und wieder Einsitz genommen hat Stephan Guggenbühl, diesmal für das Dekanat Appenzell und als Nachfolger von Josef Raschle. Da es in einzelnen Dekanaten kaum mehr möglich ist, die Dekanatskommission gemäss den geltenden Statuten zu bestellen, hat die Dekanenkonferenz dem Bischof eine von Josef Kaufmann ausgearbeitete Teilrevision vorgeschlagen. Diese wurde vom Ordinariatsrat beraten, vom Bischof genehmigt und Ende Jahr in Kraft gesetzt.
Das «Frauenfenster» war unter anderem Thema am zweiten Treffen der Seelsorgerinnen vom Sonntag, 13. Juni. Die dabei gestellten Forderungen bezüglich Stellenbesetzungen mit Frauen trugen Margreth Küng und Rosmarie Früh in den Ordinariatsrat hinein.
Geschätzt wurden die von Paul B. Hutter dezentral angebotenen Einführungsveranstaltungen für neu gewählte Pfarreiräte; der Leitfaden wurde überarbeitet und neu gedruckt. Nicht mehr missen möchten die Pfarreisekretärinnen und -sekretäre den von ihm organisierten Begegnungstag, der am 7. September im St. Otmarsberg Uznach stattfand. Auf ein überaus positives Echo gestossen ist der von Paul B. Hutter geleitete obligatorische Quartener-Kurs als Auftank- und Weiterbildungsmöglichkeit für Seelsorgende.

Zeitaufwändige Verfahren

Im Offizialat waren im Verlauf des Jahres nur vier Verfahren zur Abklärung der Gültigkeit der Ehe hängig. Scheinbar wenig Arbeit für Josef Kaufmann, der noch als Pfarrer für Eggersriet-Grub zuständig ist. Die Verfahren sind jedoch zeitaufwändig, benötigen stundenlange Besprechungen, und wenn sie eröffnet sind, folgen tagelange Befragungen. In anderen Fällen musste nach entsprechenden Vorabklärungen mittels Urkunden ermittelt werden, ob und wie weit bei der Eheschliessung Formfehler vorgekommen sind. Zweimal konnte auf diesem Weg die Ungültigkeit einer früheren Ehe festgestellt werden. Daneben führte der Offizial mit verschiedenen geschiedenen Eheleuten längere Aussprachen, um ein mögliches Verfahren abzuklären. Von andern Offizialaten im In- und Ausland kamen Begehren, Befragungen vorzunehmen im Zusammenhang mit auswärtigen Verfahren, was besonders aufwändig ist, wenn sie in einer fremden Sprache durchgeführt werden müssen. Der auch in anderen Bereichen tätige Offizial überprüfte unter anderem Pfarreiratsstatuten und beriet die betroffenen Pfarreien, klärte die Rechtssituation in verschiedenen Belangen, beschäftigte sich mit Regelungen zu Stiftmessenfonds und zum Datenschutz und begleitete die Entwicklung der Pfarrbuch-Führung mittels EDV.

Bistumsprojekt in der Phase des Urteilens

Domdekan Markus Büchel und Generalvikar Anton Thaler waren an den Mai- und Juni-Wochenenden als Firmspender unterwegs. Viel Zeit forderten die Visitationen in den Dekanaten Uznach und Wil-Wattwil. Stark beansprucht war Markus Büchel als Mitglied der Arbeitsgruppe Bistumsprojekt. In etwa zwei Dritteln der 141 Pfarreien ist das im Rahmen des Bistumsjubiläums lancierte Projekt «He! Was glaubst Du? Glauben in Gemeinschaft ­ Bistum St. Gallen auf dem Weg in die Zukunft» in irgendeiner Weise an- und aufgenommen worden. Aus den von der fünfköpfigen Arbeitsgruppe gesichteten und gebündelten Rückmeldungen geht hervor, dass der Glaube auch heute noch bei vielen Menschen Alltag und Leben prägen und dass aus dem Glauben heraus Verantwortung für eine lebendige Pfarrei, für Gesellschaft und Welt wahrgenommen wird. Zum Projektstart hatte die Arbeitsgruppe als Arbeitshilfe für den ersten Schritt des Mit-teilens und Sehens einen Ordner herausgegeben. Dieser ist nun ergänzt worden mit Material für die Ende November in Angriff genommene Phase des Urteilens. Die Erkenntnisse auf Pfarreiebene sowie die Sammlung und Zusammenfassung der Rückmeldungen sollen in weiteren Gesprächen einem Katalog von «Kriterien für das Leben einer christlichen Gemeinschaft» gegenübergestellt werden. Unterschiedliche Beurteilungen werden herausfordern, können ermutigen oder schmerzen. Lösungen und gemeinsame Wege zu finden, wird schwierig sein. Das Bistumsprojekt war immer wieder auch Thema in den verschiedenen diözesanen Räten; ihre Mitglieder haben es weitervermittelt an die Basis.

Gemeindeleitung, Sakramentalität, Seelsorge-Modelle

Die Mitglieder des Priesterrates und des Rates der hauptamtlichen Laienseelsorger/-seelsorgerinnen haben sich an der zweitägigen Januar-Sitzung im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast zusammen mit Prof. Dr. Medard Kehl, Frankfurt, mit Sakrament und Sakramentalität der Kirche und der Ämter auseinandergesetzt. An der ausserordentlichen Februar-Tagung in Wil wurde anhand zweier vom Büro ausgearbeiteten Papiere an den Themen «Gemeindeleitung» und «Umgang mit Sakramentalität und Sakramenten» weitergearbeitet. Da sich die Bischofssynode in Rom im Jahr 2001 des Bischofsamtes annimmt, beschäftigten sich die Ratsmitglieder an der Juni-Sitzung in Lenggenwil schwergewichtig mit den Fragen «Welches sind die Kompetenzen des Bischofs und der Ortskirche? Was ist wichtig in der Zusammenarbeit von Bischof und Seelsorger/Seelsorgerinnen? Was ist bedeutsam im Miteinander von Bischof und Gemeinden?» Ein weiteres Thema betraf den Inhalt des Pastoralkurses. Die Oktober-Tagung in Jona, an der verschiedene Seelsorge-Modelle vorgestellt und diskutiert wurden, diente als Vorbereitung auf die Arbogast-Tagung 2000.

Ökumenische Konsultation, Asylsuchende, Wortgottesfeiern

Die Mitglieder des Seelsorgerates hatten verschiedentlich auf die Sitzungen hin oder danach Hausaufgaben bekommen und sie auch gelöst. Schwergewichtig setzten sie sich in den von der Spurgruppe vorbereiteten Februar- und Mai-Sitzungen in Kronbühl und Magdenau mit der «Ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz» auseinander. Die Ergebnisse wurden von der Spurgruppe als Meinungsäusserung des Seelsorgerates an das Sekretariat der Konsultation weitergeleitet.
Zur September-Sitzung in Wangs mit dem Thema «Asylsuchende unter uns?» waren als Tagungsreferenten Albert Wassmer, Stellenleiter der Caritas St. Gallen, und Thomas Wieland, Abteilungsleiter beim kantonalen Amt für Flüchtlinge und Soziales, eingeladen worden. Der Brief an die Gläubigen, den Bischof Ivo im Januar über die Bedeutung des Wortes Gottes und die Wortgottesfeiern geschrieben hatte, lieferte die Thematik für die November-Tagung im Bildungshaus Schönstatt in Quarten.

Kommissionsarbeit

Die Pastoralplanungskommission des Bistums St. Gallen traf sich zu zwei Sitzungen und setzte dabei die im Dezember 1998 begonnene Diskussion über die Erwachsenenbildung im Bistum St. Gallen fort. Ein Rückblick auf die Arbeit der letzten drei Jahre ergab, dass die Stellung und die Arbeit der PPK neu definiert und in einem Leitbild festgehalten werden sollte.
Die Kommission Politisch-wirtschaftlicher Bereich im Bistum St. Gallen traf sich mit Bischof Ivo zu drei Sitzungen. Sie beschäftigte sich mit Fragen des Schwangerschaftsabbruches und mit der FMF-Initiative «Für menschenwürdige Fortpflanzung», mit der Rationierung im Gesundheitswesen (Gast: Chefarzt Dr. Renato Galeazzi, St. Gallen), mit der Problematik von Stellungnahmen der Bischofskonferenz zu Abstimmungsvorlagen, mit der Europa-Bischofssynode in Rom und sie analysierte die National- und Ständeratswahlen 1999.

«Fürchtet Euch nicht!»

«Fürchtet Euch nicht!» hiess das von Hildegard Aepli, Pastoralassistentin und Mitarbeiterin im Regensamt, gewählte Thema für den Besinnungstag des Ordinariates im Advent im Seminar St. Georgen. «Fürchtet Euch nicht!» mussten sich die Ordinariatsmitglieder immer wieder sagen, wenn sie zu Beginn einer Woche in ihre Agenda schauten und dort zu den Aufgaben und Verpflichtungen an Ort noch viele Sitzungen in interdiözesanen Gremien vermerkt waren.

 

Rosmarie Früh ist Informationsbeauftragte des Bistums und des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen.


Anmerkung

1

Priesterweihen:
Am Sonntag, 15. August, hat Bischof Ivo in der Kirche St. Otmar, St. Gallen, Thomas Thalmann zum Priester geweiht; seine erste Kaplanenstelle hat er in Lichtensteig angetreten. In Rom ist am 10. Oktober der in Heiligkreuz-Mels aufgewachsene Roman Giger zum Priester geweiht worden.

Diakonenweihe:
Am 21. November sind in der Kathedrale Elmar Herzig-Minnig (1943), der im Seelsorgeverband Rebstein-Marbach-Lüchingen als Katechet arbeitet, sowie der pensionierte Arzt Hermann Kunz-Balmer (1932), Teufen, welcher als Nachfolger der pensionierten Sr. Consilia Maria Grüninger die Seelsorge im Bürgerspital und an der Geriatrischen Klinik St. Gallen übernommen hat, zu ständigen Diakonen geweiht worden. Josef-Michael Karber, Buchs-Grabs, Absolvent des Pastoralkurses, erhielt die Diakonweihe als Vorstufe zum Priesteramt.

Abtweihe:
Am 29. August weihte Bischof Ivo als Nachfolger des altershalber zurückgetretenen Abtes Ivo Auf der Maur den von der Benediktinergemeinschaft von St. Otmarsberg, Uznach, gewählten neuen Vorsteher Marian Eleganti zum Abt.

Indienstnahme von Pastoralassistenten/-assistentinnen:
Am Sonntag, 27. Juni, sind im Rahmen des Pfarrgottesdienstes in der Christ-König-Kirche in Niederuzwil Gabriele Fiedler-Volk, Widnau; Ottmar Hetzel, Henau/Niederuzwil; Alex Hutter, Wil; Claudia Zimmermann, Gossau, in den kirchlichen Dienst aufgenommen worden.

Verstorbene Priester:
Alfons Klingl, St. Gallen;
Anton Würmli, Eggersriet; Hans Lämmler, Goldach;
Jakob Feurer, Altstätten;
Xaver Lenherr, Benken;
Josef Stillhart, Eschenbach; Stefan Blöchliger, Eschenbach.

Altarweihen:
Pfarrkirche St. Antonius, Mols (10.1.); Kloster- und Pfarrkirche Alt St. Johann (5.4.); Pfarrkirche St. Josef, Muolen (13.5.); Pfarrkirche St. Antonius, Wangs (27.6.); Pfarrkirche St. Josef, Zuzwil (14.8.); Pfarrkirche Maria, Mutter vom guten Rat, Berneck (22.8.); Pfarrkirche Johannes Baptist, Mörschwil (19.9.).


Kirchliches Leben im Bistum Sitten

von Heidi Widrig

 

Am 27. Oktober 1999 fand im Bildungshaus St. Jodern unter der Leitung des Präsidenten Stefan Roth die Herbstsitzung des diözesanen Priesterrates statt. Zum Hauptthema «Seelsorge am Seelsorger» sprach Dr. Markus Thürig, Psychologe und Pfarrer von Kriegstetten.
Von einem Seelsorger werde heute vielerorts erwartet, dass er jedem Pfarreimitglied in seiner persönlichen Lebenssituation gerecht wird, dass er zu 120 Prozent spontan, offen, dynamisch und persönlich ist, dass er nie zu Floskeln Zuflucht nimmt, dass er tolerant, ehrlich und kontaktfreudig ist. Ebenso soll er volksnah sein, ausgesprochen teamfähig, belastbar und konfliktfähig. Bei einem solchen Anforderungsprofil ist wohl jeder Priester überfordert!
Der Referent ging in seinem Vortrag der Frage der Seelsorge am Priester nach. Ist sie in unserem Bistum auch relevant, erforderlich? Eine solche Hilfe sollte auf verschiedenen Ebenen angeboten werden: in Gesprächen mit dem Bischof oder seinem Stellvertreter, durch geistliche Begleitung von besonders dafür ausgebildeten «Fachleuten». Dabei sollten sich diese Ebenen nicht konkurrenzieren, sondern aufeinander aufbauen. Sie soll ein Angebot an die Priester sein, Krisensituationen besser lösen zu können.

Kongress des Seelsorgerates Oberwallis

Am Samstag, 6. November 1999 trafen sich in der Aula des Schulhauses von Susten über 100 Frauen und Männer aus dem Oberwallis zu einem engagierten Austausch über die Seelsorge im Oberwallis mit dem Seelsorgerat. Diakon Robert Moser, Präsident des Seelsorgerates, führte durch den Tag. Der Seelsorgerats-Kongress ist der Ort, wo die Basis informiert wird über die verschiedenen Aktivitäten der Dienststellen und Kommissionen des Seelsorgerates, und wo Fragen und Anliegen mit dem Seelsorgerat besprochen und beantwortet werden können.
Alle Dienststellenleiter haben Bericht erstattet über ihre Arbeit im vergangenen Jahr. Aus den Berichten konnte man mit Freude feststellen, dass die Kirche im Bistum Sitten lebt. Anschliessend an jeden Bericht war ein gegenseitiger Austausch möglich. Der Präsident stellte in seinem Rückblick fest, dass gute Arbeit geleistet wurde, bedauerte aber auch, dass der Seelsorgerat im Oberwallis noch nicht den Stellenwert hat, der ihm zusteht. Dennoch tat es gut zu sehen, wie viel im Oberwallis unternommen wird, um die Kirche zu den Menschen zu tragen und den Glauben zu festigen.
Von besonderem Interesse war für die Kongressteilnehmer das erstmalige Vorstellen der Radioarbeit durch das Radioteam Kirche und den Verein «Kirchen auf Radio Rottu Oberwallis».
Den Abschluss des Kongresses bildete die Eucharistiefeier mit der Bevölkerung von Susten. Bischof Norbert Brunner stellte in seinem Predigtwort fest, dass sich in der Gesellschaft die Art, seinen Glauben zu leben, geändert hat. So seien das Gebet und die gemeinsame Sonntagsmesse als Höhepunkt des geistlichen Lebens «aus der Mode» geraten und haben Sportanlässen, Maskentreiben oder dem so genannten Halloween Platz gemacht. Um so mehr dankte der Bischof auf diesem Hintergrund der Gegebenheiten allen kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, namentlich den Mitgliedern des Seelsorgerates für ihr Engagement in der Verkündigung der Frohen Botschaft.

Diakonatsweihe

Der 8. Dezember 1999 war nicht nur ein Hochfest Mariens für das Bistum, sondern auch ein Freudentag besonderer Art. Bischof Norbert Brunner konnte den 25-jährigen Konrad Rieder aus Wiler in Visperterminen zum Diakon weihen, wo er sein Pastoraljahr absolviert. Konrad Rieder trat nach Abschluss der Matura am Kollegium Spiritus Sanctus in Brig ins Priesterseminar des Bistums ein und studierte an der Theologischen Fakultät in Freiburg. Er absolvierte in Innsbruck ein so genanntes Auslandjahr und schloss sein Studium mit dem Lizentiat in Theologie ab.
Auf seine Berufung zum Priester gefragt, antwortete der Diakon kurz vor der Weihe, dass er sich auch hätte vorstellen können, etwas in Richtung Naturwissenschaften zu machen, aber «ich merkte jedoch, dass mir da etwas fehlen würde (...) ich kam immer wieder an einen bestimmten Punkt, an dem ich die Erfahrung machte, (Priester-Sein) das könnte mein Weg sein, bis ich mir eines Tages sagte: Jetzt lässt du dich mal auf diesen Weg ein. Und ich habe mich eingelassen.»

Eröffnung des Heiligen Jahres

Während der Mitternachtsmesse eröffnete Bischof Norbert Brunner in der Kathedrale von Sitten das Heilige Jahr. In einer bis zum letzten Platz gefüllten Kathedrale wurde beim Einzug das für diesen Anlass speziell angefertigte Evangeliar feierlich zum Altar getragen. Vor der Verkündigung der Frohen Botschaft schritt der Bischof zum geschlossenen, mit dem Bild einer Tür versehenen Evangeliar. Die Schola und eine Orchestergruppe spielten und sangen zusammen mit allen Gläubigen den Hymnus zum Heiligen Jahr. Der Bischof öffnete feierlich das Evangeliar und proklamierte das Heilige Jahr als eröffnet.
Ein Gleiches taten alle Pfarrherren und Priester im ganzen Bistum während der Mitternachtsmesse in ihren Pfarrkirchen oder Kapellen ­ mit einem gleichen Evangeliar in kleinerem Format. Dieses Evangeliar möchte ein sichtbares Zeichen während dem Heiligen Jahr sein, um das «Miteinander-Kirche-Sein», das «Miteinander-auf-dem-Weg-Sein», um Christus zu begegnen, zum Ausdruck zu bringen.
Bischof Norbert Brunner und der Abt der Gebietsabtei St-Maurice, Abt Joseph Roduit, haben fünf Kirchen für ihre Ortskirchen bezeichnet, in denen der von Papst Johannes Paul II. ausgekündigte Ablass während dem Heiligen Jahr gewonnen werden kann. Es sind dies: die Basilika von St-Maurice, die Pfarrkirche von Martinach als dem ersten Sitz des Bischofs, die Kathedrale von Sitten, die Basilika auf Valeria in Sitten sowie die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau von Glis.
Seit dem 2. Februar sind diese fünf Kirchen mit dem römischen Logo für das Heilige Jahr (in Grossformat) gut sichtbar bezeichnet. In jeder Kirche findet der Wallfahrer einen Stand mit allen Informationen bezüglich der Angebote der fünf Kirchen, der Ablassgewinnung, des Heiligen Jahres sowie einer geschichtlichen Beschreibung der Kirche.

Kanonische Visitation im Priesterseminar

Vom 28. bis 30. Januar 2000 führte Bischof Norbert Brunner im bischöflichen Priesterseminar in Givisiez die kanonische Visitation durch. Er war über die gute und dynamische Atmosphäre im Seminar sehr erfreut. Obwohl das Haus drei verschiedene Kommunitäten beherbergt, ist es der Hausleitung gelungen, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen.
Zurzeit absolvieren fünf Kandidaten des Bistums das Einführungsjahr (Année de discernement) zusammen mit drei Kandidaten aus dem Bistum Lausanne, Genf und Freiburg und einem Kandidaten aus dem Jura. Fünf Seminaristen aus dem Bistum und zwei Seminaristen aus der Gemeinschaft des Grossen St. Bernhard studieren an der Universität Freiburg. Auch leben ein Seminarist und ein Priester aus anderen Diözesen im Haus. Ein Seminarist und ein Laientheologe sowie ein Seminarist vom Grossen St. Bernhard machen zurzeit ein Auslandjahr in Rom.
Sinn und Zweck dieses kanonischen Besuches des Bischofs ist es, zu hören und zu spüren, wie es den Seminaristen, seinen zukünftigen Mitarbeitern in der Diözese, geht, wo sie stehen und was sie beschäftigt. Zum Abschluss am Sonntag waren auch die Familienangehörigen zur feierlichen Eucharistie und dem anschliessenden Mittagessen eingeladen. Beim Verabschieden wünschte einer dieser jungen Herren dem Bischof alles Gute und fügte bei: «und...führen Sie das Bistum weiterhin gut».

Versöhnungstag und Bistumsfest

Im Rahmen der diözesanen Anlässe während des Heiligen Jahres findet im Bistum Sitten am vierten Fastensonntag, dem 2. April 2000, ein Versöhnungstag statt. Die Vorbereitungszeit begann mit dem Aschermittwoch. Der Sinn dieses Ereignisses hat den Ursprung im Sinn des Heiligen Jahres ­ dem Hall- und Erlassjahr. Wenn wir vom 16. bis 18. Juni 2000 ein grosses und freudiges Bistumsfest feiern, liegt es auf der Hand, dass dieses Fest vorbereitet werden soll. «Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe» (Mt 5,23f.).

Vorbereitung

Für diesen Versöhungstag hat P. Josef Heinzmann eine Arbeitshilfe erstellt, die über die Regionalverantwortlichen allen Pfarreien zur Verfügung gestellt wird. Sie enthält Vorschläge für die Gestaltung der Fastenzeit, von Versöhnungsfeiern, einer Hinführung zum Sakrament der Beichte sowie eine Beilage für die biblische Vertiefung des Themas usw. Sie lässt sich auch gut verbinden mit dem Thema des Fastenopfers «Time out».
An zwei Samstagen der Fastenzeit (25. März und 8. April) werden die Gläubigen zu einer Wallfahrt nach Glis eingeladen. Um 9.00 Uhr findet jeweils ein Wallfahrtsgottesdienst mit Predigt von P. Josef Heinzmann statt.
Bischof Norbert Brunner wird zusammen mit dem Abt der Gebietsabtei St. Maurice, Mgr. Joseph Roduit, zum Versöhnungstag einen Hirtenbrief an die Gläubigen richten.
Am Vorabend, am Samstag, 1. April, werden von 16.45 bis 17.00 Uhr alle Glocken des Bistums den Versöhnungstag einläuten.

Die Bistumskirche feiert Eucharistie

Am Sonntag, 18. Juni 2000, findet auf dem Gelände des Kasernenplatzes ein feierlicher Festgottesdienst mit Bischof Norbert Brunner statt. Ziel ist es, dass an diesem Sonntagmorgen im ganzen Bistum nur eine Eucharistie gefeiert wird. Während diesem Festgottesdienst wird Diakon Konrad Rieder vom Bischof zum Priester geweiht.
Während den drei Tagen des gemeinsamen Feierns ­ vom 16. bis 18. Juni ­ wird in der alten Seminarkapelle eucharistische Anbetung sein. Bis zu 20 Gemeinschaften wurden von Bischof Norbert Brunner eingeladen, am Bistumsfest ihre Tätigkeiten, die Vielfalt kirchlichen Lebens in unserem Bistum vorzustellen und so das «Miteinander-Kirche-Sein» ein wenig in die Tat umzusetzen. Dafür werden in einem grossen Saal Stände eingerichtet.

 

Heidi Widrig ist Mitarbeiterin namentlich des Informationsdienstes im Bischöflichen Ordinariat Sitten.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000