35/2000

INHALT

Pastoral

Missio-Spenden: Beispiel Uganda

von Paul Jeannerat

 

Mit diesem Plakat ruft ihr keinen Hund hinter dem Ofen hervor», spottete ein Journalist, als er den Entwurf des Aushangs zum Monat der Weltmission 2000 sah. Und eine Seelsorgerin bemerkte, Missio sei «konservativ wie eh und je». So werden wohl noch andere reagieren, wenn sie in diesen Tagen die «Mustersendung» von Missio erhalten. Ob die Idee, eine Strichzeichnung eines tschadischen Künstlers als Blickfang zu verwenden, gut war, darf durchaus diskutiert werden. Missio bittet aber, die angebotenen Materialien nicht vorschnell zu verurteilen. Wer sich die Mühe nimmt, das «Arbeitsheft» zu studieren, wird brauchbare Anregungen für missionarische Gottesdienste, für den Religionsunterricht («Sternsingen»), für die Erwachsenenbildung (Bibelheft «Leben, Geld, Würde») und vieles mehr finden. Auch das Plakat ist zu «ent-decken»: Es kann als Denkanstoss in Gottesdiensten projiziert und kommentiert, in Gruppen diskutiert («Wie zeichnen Sie die Kirche?») und von Kindern der Unterstufe ausgemalt werden. Dabei ist eine junge Kirche ­ der Tschad ist dieses Jahr «zu Gast» ­ kennen zu lernen, die traditionsbewusst und zeitaufgeschlossen zugleich ist. Durchaus ein Vor-Bild für unsere Pfarreien und Diözesen.

Wie Missio mit dem Geld umgeht

Missio hat noch gegen andere Vorurteile zu kämpfen: Sie ist ein «päpstliches» Werk, deshalb klebt an ihr das Image einer zentralistischen und anonymen Organisation. Das gesammelte Geld kommt in eine grosse Kasse (den so genannten «gemeinsamen Topf» der Weltkirche), und so entsteht der Eindruck, dass Geld in den Gärten des Vatikans versickert. Zudem hat Missio keine Direkt-Projekte (die als attraktiv und kontrollierbar gelten), darum treten immer wieder anti-institutionelle Vorbehalte zu Tage (aufwendiger Verwaltungsapparat u.Ä.).
Deshalb hier einmal eine ­ nicht erschöpfende ­ Antwort auf die Frage, wie Missio mit dem Geld umgeht: Die Kollekte vom Weltmissionssonntag 1999 für den Missio-Ausgleichsfonds der Weltkirche ergab in der Schweiz und in Liechtenstein 1,6 Millionen Franken, lauter kleine Gaben von Menschen, denen die Missionsaufgabe der Kirche wichtig ist. Verwalter Philippe Joliat legte das Geld bei der Raiffeisenbank zinsbringend an und meldete den Betrag an das Zentralsekretariat in Rom. Auch aus allen übrigen Ländern der Weltkirche wurden die kollektierten Summen nach Rom mitgeteilt. Total: 89305500 US$, bestehend aus Gaben der Gläubigen aus aller Welt ­ denn auch in der ärmsten «Buschkirche» war die Kollekte aufgenommen worden.
Gleichzeitig sandten die Bischöfe der Dritten Welt ihre Gesuche nach Rom. Das heisst, für den diözesanen «Grundbeitrag» (jährlich um 35000 US$) brauchten sie nicht anzufragen, der ist ihnen fest zugesichert. Aber für Sonderprojekte ­ wie Bau und Unterhalt von Kirchenzentren (Kirchen und Kapellen, Pfarreisäle, Mehrzweckhallen), von Aus- und Weiterbildungshäusern (für Katechetinnen und Katecheten, Sozialarbeiterinnen) und Ordensniederlassungen, auch für die Präsenz der Kirche in den Medien ­ musste ein detailliertes, begründendes Projekt vorliegen. Diese Eingaben wurden vom Sekretariat evaluiert. Der Papierberg mit allen Angaben aus der ganzen Welt, der dann den Landesdirektorinnen und -direktoren zugesandt wurde, umfasste 1126 Seiten.

Demokratie à la Missio

Im Mai 2000 fand die Generalversammlung der Landesdirektoren statt: 110 Priester und Ordensfrauen, die meisten bestandene Missionare, die Mehrzahl aus Ländern der Dritten Welt. Für uns war Missio-Direktor P. Damian Weber dabei. Die Bedürfnisse der rund 1500 Bistümer wurden einzeln diskutiert: Hat es den Grundbeitrag noch nötig (einzelne, zum Beispiel Hongkong, haben von sich aus darauf verzichtet, weil ihre finanzielle Situation dies erlaubt) und welche Projekte werden bewilligt? Es wurde argumentiert und debattiert, ohne Konkurrenzdenken, sondern in der Absicht, wirklich den Bedürftigsten auch am meisten Geld zu geben. Und schliesslich wurde demokratisch abgestimmt. Bei diesen Entscheidungen sind die Direktoren jener Länder, die wenig spenden können, aber viel erhalten, in der Mehrzahl, die «Geberländer» in der Minderheit. Typisch «Missio-Demokratie».
Das Generalsekretariat erhielt dann den Auftrag, den Empfänger-Diözesen die bewilligten Subsidien mitzuteilen und die Geber-Länder anzuweisen, wem sie wie viel zu überweisen haben. Am 24. Juli 2000 erhielt Missio Schweiz/Liechtenstein die Anweisung, 739182 US$, das heisst das Ergebnis der Kollekte vom Weltmissionssonntag 1999, an die Diözesen in Uganda zu bezahlen: Arua, Fort Portal, Gulu, Hoima, Jinha, Kabale, Kampala, Kasana-Luweero, Kiyinda, Mityana, Kotido, Lira, Lugazi, Masaka, Mbarara, Moroto, Nebbi, Soroti, Tororo, und noch einen Beitrag an die ugandische Bischofskonferenz für Medienarbeit. (1999 vermittelten wir die «Grundbeiträge» an die Diözesen von Nigeria, 1998 an jene von Zambia, 1997 von Papua-Neuguinea.) Da die Diözesen keine Bankverbindungen mit der Schweiz haben, ist der Nuntius in der Hauptstadt Kampala dafür verantwortlich, dass das Geld zu den Bistümern gelangt. Die 19 Diözesen erhalten insgesamt (also Grundbeitrag und Projektbeiträge zusammen) 2059195 US$, davon den oben erwähnten Betrag aus der Schweiz und das Übrige aus den USA. Davon sind 1000 US$ abzuziehen, nämlich jener Betrag, den diese Diözesen selber gesammelt haben und der von Missio Uganda verwaltet wird.

Und die Kontrolle?

Der Schweizer Missio-Verwalter hat dem Zentralsekretariat in Rom zu melden, wann er das Geld weitergegeben hat. Die Administratoren der Bistümer bestätigen ihrerseits den Empfang des Geldes. Punkt. Fertig. Keine weitere Kontrolle, allenfalls ein Dankesschreiben. Die Bistümer haben auch gar nichts zu danken, denn der «Ausgleichsfonds der Weltkirche» gehört allen gemeinsam, auch ihnen. Durch das allgemeine Kirchenrecht ist jedes Bistum gehalten, einen Administrationsrat zu haben und eine externe Finanzkontrolle durchführen zu lassen. Diesen Instrumenten der lokalen Ortskirchen vertraut Missio. Sie sind nicht mehr und nicht weniger zuverlässig als die Revisionsstellen der schweizerischen Kirchgemeinden. Bischöfe der Dritten Welt äussern sich dankbar darüber, dass Missio ihnen dieses Vertrauen entgegenbringt.

Missio: Drei Werke einer Organisation

Neben dem hier beschriebenen «Ausgleichsfonds der Weltkirche» verantwortet Missio noch zwei weitere Institutionen: das Apostel-Petrus-Werk für einheimische kirchliche Berufe (ohne obligatorische Kollekte, doch mit «Bettelbrief») und das Kinder- und Jugendmissionswerk (in der Schweiz hauptsächlich «Sternsingen») für Projekte von Gesundheit, Schulung und sozialer Fürsorge. Finanziell sind die drei Werke auf den selben Prinzipien aufgebaut: Alle spenden für alle, alles wird in gerechter Weise nach demokratischen Grundsätzen auf die Bedürftigsten aufgeteilt.
Nach 10 Jahren Tätigkeit im Sekretariat von Missio wage ich zu behaupten: Es gibt in der katholischen Weltkirche keine demokratischere Institution als die «Päpstlichen Missionswerke», als Missio.

 

Paul Jeannerat ist Mitarbeiter von Missio für die deutschsprachige Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. Ferner ist er Sekretär des Schweizerischen Katholischen Missionsrates.


"... denn bei den Minis läuft etwas!"

von Matthias Müller

 

Vor rund einem Jahr, am 5. September 1999, trafen sich 4200 Ministrantinnen und Ministranten im Zentrum von Bern zum ersten deutschschweizerischen Minifest. Die Organisatorin, die «Deutschschweizerische Arbeitsgruppe für MinistrantInnenpastoral» (DAMP), war sich angesichts des überwältigenden Interesses bereits im Vorfeld einig, dass ein solcher Anlass nicht einmalig bleiben sollte. Einig war sie sich nach der Durchführung aber auch darin, dass ein gleicher Einsatz für das nächste Minifest am 1. September 2002 die ehrenamtlichen Kapazitäten der DAMP-Mitglieder definitiv sprengt ­ zumal für 2001 bereits die Teilnahme an der internationalen Ministranten-Wallfahrt nach Rom im Programm stand. Um der steigenden Nachfrage in der Ministranten- und Ministrantinnenpastoral gerecht werden zu können, ohne in den nächsten Jahren bei den bewährten Kurs- und Tagungsangeboten Abstriche machen zu müssen, strebte die DAMP die Einrichtung einer unterstützenden Koordinations- und Administrationsstelle an.<1>

Die neue Arbeitsstelle DAMP

Mit ihrem Anliegen stiess die DAMP bei den verantwortlichen Gremien verbreitet auf offene Ohren. In der Folge wurde das dreijährige Projekt «Arbeitsstelle DAMP» ausgearbeitet, von der DOK bewilligt und durch Fastenopfer/RKZ finanziell realisiert, wobei versucht wird, weitere Finanzträger wie Kirchgemeinden und kantonalkirchliche Organisationen zu gewinnen. Die Arbeitsstelle DAMP ist mit einer 50%-Stelle besetzt und hat am 1. Juli 2000 in Zürich ihren Betrieb aufgenommen. Geleitet wird sie von Matthias Müller. Er ist Theologe und Journalist, seit 1993 Mitglied der DAMP und betreute ihr Sekretariat seit 1997. Der Auftrag der Arbeitsstelle DAMP wird im Rahmen einer Leistungsvereinbarung umschrieben und evaluiert. Die Arbeitsstelle ersetzt das ehrenamtliche Engagement der DAMP-Mitglieder nicht, sondern unterstützt dieses gezielt und wird umgekehrt von ihnen unterstützt.
Gemäss ihrem Grundsatzpapier von 1997 möchte die DAMP zu einer qualitativ guten Ministranten- und Ministrantinnenpastoral beitragen, die in der Pfarrei verankert ist.<2> Dank der Arbeitsstelle kann die DAMP die Ministranten- und Ministrantinnenpastoral in der Deutschschweiz noch effektiver begleiten, und zwar auf verschiedenen Ebenen: Die Arbeitsstelle DAMP versteht sich als Anlaufstelle für Fragen aller Art zur Ministranten- und Ministrantinnenpastoral und bietet fachliche Unterstützung für Präsides sowie Leiterinnen und Leiter. Dazu gehört die individuelle Beratung, der Vertrieb der bestehenden DAMP-Hilfsmittel sowie das Erarbeiten von neuen Materialien. Die Arbeitsstelle DAMP ist zuständig für die Administration bei allen Kursen, Tagungen und Veranstaltungen der DAMP und koordiniert Grossanlässe wie die Romwallfahrt 2001 oder das Minifest 2002. Sie betreut die Internet-Plattform für Minis, Leiterinnen, Leiter und Präsides unter der Internet-Adresse www.minis.ch. Die Arbeitsstelle DAMP übernimmt ausserdem die bisherigen Aufgaben des DAMP-Sekretariats und steht in Kontakt mit kirchlichen Organisationen und Stellen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.
Um alle an der Ministranten- und Ministrantinnenpastoral Interessierten direkt ansprechen zu können, setzt die DAMP seit Anfang 2000 auf ein mehrschichtiges Informationskonzept: Im Internet ist unter der Adresse www.minis.ch das komplette Angebot zur Ministranten- und Ministrantinnenpastoral in der Deutschschweiz mit Ausschreibungen, Anmeldeformularen, Online-Bestellungen, Materialien-Übersicht und vielen nützlichen Links abrufbar. Weiter werden die Kurs- und Tagungsdaten in der SKZ publiziert und die entsprechenden Ausschreibungen den Bistumsversänden beigelegt.
Neu können Interessierte die Informationen und Unterlagen der DAMP auch direkt über die Arbeitsstelle beziehen. Für Fr. 10.­ pro Jahr werden ihnen die Ausschreibungen und das zweimal jährlich erscheinende Informationsbulletin zur Ministranten- und Ministrantinnenpastoral direkt ins Haus geliefert.

 

Matthias Müller ist Leiter der Arbeitsstelle DAMP («Deutschschweizerische Arbeitsgruppe für MinistrantInnenpastoral»).


Aktuelle DAMP-Veranstaltungen

Die Unterlagen wurden oder werden mit den Bistumsversänden verschickt, können aus dem Internet unter www.minis.ch heruntergeladen oder bei der Arbeitsstelle DAMP bezogen werden:
Arbeitsstelle DAMP, Bederstrasse 76, Postfach 147, 8027 Zürich, Telefon 01-2041779, Fax 01-2024933, E-Mail damp@minis.ch, Internet www.minis.ch


Ministranten/Ministrantinnen

Erich Schredl, Wir Minis. Für junge Leute, die einer grossen Sache dienen, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2000, 160 Seiten.

Ein guter Text und Zeichnungen, die in ihrer Fröhlichkeit immer wieder zu Aha-Erlebnissen führen, zeigen Ministrantinnen und Ministranten, was in ihrer Aufgabe wichtig ist. So kommen zur Sprache die Gewänder, die Gefässe, Zeichen und Körperhaltungen, Gottesdienstformen, das Kirchenjahr, das Kirchengebäude, die Ministrantengruppe, Ausflüge und Reisen sowie das tägliche Gebet. Am Schluss des altersgerecht gestalteten Buches werden noch wichtige Begriffe erklärt.
Mädchen und Buben, die den Dienst in der Pfarrei bereits einige Zeit versehen, finden hier ein wertvolles Hilfsmittel, das sie in ihrem Elan bestärkt. Leider wird auf die Deutschschweiz kein Bezug genommen, wo nicht das «Gotteslob», sondern das «Katholische Gesangbuch» verwendet wird.

Jakob Bernet


Anmerkungen

1 Vgl. SKZ 41/1999.

2 Vgl. SKZ 5/1998.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000