50/2000 | |
INHALT | |
Leitartikel |
Letztes Jahr wurden die redaktionell und verlegerisch Verantwortlichen
der Zeitungsseiten «Religion & Gesellschaft» und «Christ
und Welt» mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet. Diese Wochenendbeilage
erscheint in noch fünf bzw. zählt man die Regionalausgaben
der «Neuen Luzerner Zeitung» einzeln zehn Tageszeitungen
und wird noch von der Vereinigung der Verleger Katholischer Zeitungen (VVKZ)
herausgegeben. Noch. Denn zum einen wird Ende Jahr eine dieser Zeitungen,
die «Thurgauer Volkszeitung», im Zusammenhang des grossen Zeitungszusammenschlusses
im Thurgau in die neue Thurgauische Tageszeitung eingehen. Zum andern hat
die VVKZ die Verantwortung für die Herausgabe dieser Wochenendbeilage
an den Schweizerischen Katholischen Presseverein (SKPV) abtreten können
und sich aufgelöst. Beide Vorgänge stehen für markante Entwicklungen
der katholischen Medienarbeit in der Schweiz.
Während im Rahmen des Verbandskatholizismus für die katholische
Presse bereits 1917 ein Förderverein, der genannte Presseverein, und
1912 eine Standesorganisation der Journalisten, der Verein Schweizerischer
Katholischer Publizisten (heute: Schweizerischer Verein Katholischer Journalistinnen
und Journalisten), gegründet worden waren, schlossen sich die Verleger
der katholischen Presse erst 1963 unter dem Eindruck einschneidender Veränderungen
im schweizerischen Pressewesen zu einer Vereinigung zusammen. Von Anfang
an suchte die Vereinigung gemeinsam mit den Journalisten (Journalistinnen
in der Tagespresse gab es damals praktisch noch keine) ab 1964 im
Rahmen der «Arbeitsgemeinschaft der katholischen Presse»
die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten sowie die Aus- und Fortbildung
der Journalisten zu fördern. So wurde von 1964 bis 1970 fast jährlich
ein Fortbildungskurs durchgeführt, und bereits 1964 wurde an der Universität
Freiburg ein Seminar für Journalismus gegründet und in seinen
Räumen ein Pressesekretariat eingerichtet heute das Schweizerische
Katholische Pressesekretariat, dem im Verlauf der Zeit verschiedene Aufgaben
zugewachsen sind; heute besorgt es die Geschäftsführung der Katholischen
Internationalen Presseagentur (KIPA) und die Sekretariate des Pressevereins
und des Journalistinnen- und Journalistenvereins sowie der Medienkommission
der Schweizer Bischofskonferenz.
Gegründet mit dem Ziel, die katholische Presse zu stärken, muss
die Vereinigung der Verleger Katholischer Zeitungen schliesslich aufgelöst
werden, weil für sie kein Bedürfnis mehr bestand. Im Vorwort zur
kurz gefassten Geschichte der Vereinigung muss ihr letzter Präsident
feststellen: «Der Wandel der schweizerischen Medienlandschaft hat
bei partei- und konfessionell orientierten Medien tiefe Spuren hinterlassen»,
und die Tätigkeiten der Vereinigung wurden im Wettbewerb der Printmedien
gleichsam «aufgefressen».<1>
Zu diesen tiefen Spuren gehört nicht nur die Aufgabe von zahlreichen
Zeitungstiteln, sondern auch die Entwicklung der ehemals katholischen Tagespresse
von der Gesinnungs- bzw. Richtungspresse zur Forumspresse. Diese Entwicklung
war schon absehbar, als die Vereinigung die Übernahme der zuvor von
den «Neuen Zürcher Nachrichten» produzierten Wochenendbeilage
«Christ und Kultur» diskutierte. Im Rahmen der Wochenendbeilage
«Christ und Kultur» wurde in der Folge die Sonderseite «Spektrum
der Kirche» ausgesondert. Die Interessierten hofften, damit die Wochenendbeilage
«von allzu Religiösem entlasten» zu können.
Für das für eine Tageszeitung allzu Religiöse boten sich
in den folgenden Jahren die Pfarrblätter als angemessene Printmedien
an. Wie die jüngste Umfrage, nämlich jene des Luzerner Pfarreiblattes
zu Tage brachte,<2> ist die Bedeutung dieser
Medien nach wir vor erheblich. Rund ein Drittel der Leser/Leserinnen haben
eine sehr hohe emotionale Bindung an ihr Pfarreiblatt; dabei werden regionale
und pfarreibezogene Rubriken sowie der Informationsteil besonders geschätzt.
Die meisten Befragten möchten ein Pfarreiblatt, «das für
viele Themen offen ist, verschiedene Meinungen zulässt, sich weniger
an der offiziellen Kirchenmeinung orientiert und sich mehr engagiert».
So wird selbst vom Pfarrblatt erwartet, dass es sich in Richtung Forumspresse
entwickelt.
Wer einen Überblick über das Gesamt jener über 100 Zeitungen
und Zeitschriften in der Schweiz sucht, die sich als christlich bekenntnisorientiert
verstehen, greift zum «Presseverzeichnis 2000», das der SKPV
unlängst aktualisiert neu herausgegeben hat.<3>
In alphabetischer Reihenfolge sind darin die regionalen und überregionalen
Pfarrblätter, Zeitschriften und Zeitungen, die aus der katholischen
Tradition entstanden sind und/oder sich als christlich verstehen, aufgelistet;
denn im Geist der Ökumene sind erstmals auch Publikationen der evangelisch-reformierten
und der christkatholischen Kirchen aufgenommen worden. Bei jedem Titel sind,
neben Adressen und Angaben über Erscheinungsweise und Verbreitungsgebiet,
die religiöse Ausrichtung und das Zielpublikum vermerkt. Diese Informationen
wurden von den betreffenden Herausgebern bzw. Redaktionen eingeholt. Damit
wurde natürlich in Kauf genommen, dass bei den Angaben in Bezug auf
Gesinnung bzw. Richtung nur die Eigenwahrnehmung, und also keine Fremdwahrnehmung,
berücksichtigt wurde. Während die Schweizerische katholische Wochenzeitung
mit der Angabe: «Konservativ-katholische Nachrichten und Meinungen,
Kultur» zu ihrer Ausrichtung steht, verschleiert sie das Schweizerische
katholische Sonntagsblatt mit der Angabe «religiös aufbauend»
bedenkt man die von diesem Blatt kolportierten kultur- und kirchenpessimistischen
Falschmeldungen; deshalb sah sich der Pfarrer von Trimmis, Peter Miksch,
unlängst sogar veranlasst, in seinem Pfarrblatt allen Leserinnen und
Lesern des Sonntagsblattes «dringend zu grosser Vorsicht und gesunder
Skepsis» zu raten.<4> Dass sich auch
der «kritische» und «ökumenische» «Aufbruch»
im Ton vergreifen kann, zeigt vielleicht, wie schwierig es geworden ist,
heute aus einer bestimmten Gesinnung heraus und einer bestimmten Richtung
verpflichtet eine Zeitung zu machen. «Die katholische Presse stärken»
bleibt so eine Aufgabe.
1 «Die katholische Presse stärken». Zur Geschichte der Vereinigung der Verleger Katholischer Zeitungen (19632000), Freiburg Schweiz 2000, 40 Seiten, zu beziehen beim Schweizerischen Katholischen Pressesekretariat, Postfach 510, 1701 Freiburg (Telefon 026-4264831, Fax 026-4264830, E-Mail CHKATHOPRESSE@compuserve.com).
2 Durchgeführt und ausgewertet von DemoSCOPE; Projektleiter war Josef Christen (Telefon 041-3183434, Fax 041-3183470, E-Mail j.christen@bag.ch).
3 Presseverzeichnis 2000. Die christlichen Printmedien der Schweiz, herausgegeben vom Schweizerischen Katholischen Presseverein, Freiburg Schweiz 2000, 74 Seiten; zu beziehen (zum Preis von Fr. 15. das Exemplar zuzüglich Versandkosten) beim Schweizerischen Katholischen Pressesekretariat (siehe Anm. 1).
4 Peter Miksch führt aus jüngster Zeit als Beispiele an: Ein satirischer Bericht der amerikanischen (Satire-) Zeitschrift «The onion» wurde als Tatsachenbericht ausgegeben; der Bericht von einer Orgie von Homosexuellen vor der Residenz von Erzbischof Johannes Dyba in der Nacht vor seinem Tod, die nicht stattgefunden hat; der erfundene Bericht über eine Verweigerung einer Priesterweihe durch Erzbischof Oskar Saier wegen der positiven Einstellung des Kandidaten zur Einzelbeichte.