48/2000

INHALT

Leitartikel

Die Schweizerische Missionsgesellschaft

von Rolf Weibel

 

Die Mitarbeitenden der Missionsgesellschaft Bethlehem, die nicht Mitglieder der Gesellschaft sind, können sich seit kurzem dennoch an der Leitungsverantwortung beteiligen und das Missionswerk in die Zukunft mittragen; was durch Jahrzehnte hindurch gewachsen ist, erhielt am Gründungsfest des Vereins «Bethlehem Mission Immensee» eine rechtlich verankerte Form. Vorausgegangen war am 30. Juni 2000 die Gründung des Vereins «Partnerverein Bethlehem», in dem sich 136 Mitarbeitende in der Schweiz, in Süddeutschland und in Übersee zusammengeschlossen haben und der für weitere Mitarbeitende und am Werk sonst Beteiligte und Engagierte offen ist. Zusammen mit dem Verein «Missionshaus Bethlehem», der die 196 Mitglieder ­ Priester und Laienbrüder ­ umfassende Missionsgesellschaft zivilrechtlich vertritt, gründeten die beiden Mitgliederorganisationen am 17. November 2000 den Verein «Bethlehem Mission Immensee». Diesem neuen Verein ist aufgetragen, den missionarischen Auftrag und die missionarischen Tätigkeiten und also das Missionswerk der Schweizerischen Missionsgesellschaft Bethlehem weiterzuführen. Nicht nur die grössere Bedeutung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Missionswerks, die nicht Mitglieder der Missionsgesellschaft sind, hat zu dieser neuen rechtlichen Struktur geführt, sondern auch die theologische Reflexion der Missionserfahrung, aus der ein neues Leitbild hervorgegangen ist. Mit der erweiterten Trägerschaft wurde so eine Möglichkeit geschaffen, jener Partnerschaftlichkeit in der gemeinsamen Tätigkeit eine verbindliche Form zu verleihen, die das Leitbild auf den Begriff «Verantwortung und Aufgaben geschwisterlich teilen» bringt.
Dass zu diesem Zweck die Missionsgesellschaft nicht einfach um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erweitert wurde, hat mit den kirchenrechtlichen Vorgaben zu tun. Die Schweizerische Missionsgesellschaft Bethlehem ist nicht mit einer protestantischen Missionsgesellschaft, in der sich missionarisch tätige Frauen und Männer und Familien verbunden haben, zu vergleichen. Sie ist nämlich eine «Gesellschaft apostolischen Lebens», deren Mitglieder «entsprechend ihrer Berufung und Lebensordnung gemeinsam ein apostolisches Ziel» verfolgen. Mit der Lebensordnung wird die Praxis der evangelischen Räte übernommen, so dass Verheiratete nur zur Mitwirkung beigezogen werden können. Zu Beginn und bis heute waren und sind diese zum einen Angestellte der «Werke»; zum andern sind es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mehr als arbeitsvertragsrechtlich verpflichten.
Dazu gehörte einmal sogar die religiöse Frauenkongregation der «armen Missionsschwestern von Bethlehem», der die Aufgabe übertragen wurde, das Werk der Patres und Brüder von Bethlehem zu unterstützen, und die von 1898 bis 1908 Bestand hatte. Eine neue Zeit begann mit dem Einsatz von Freiwilligen, die ­ nicht nur von der Missionsgesellschaft Bethlehem ­ zur Mithilfe am Missionswerk beigezogen wurden; ihr 1963 gegründeter Berufsverband hiess zunächst denn auch Deutschschweizerisches (seit 1964: Schweizerisches) Katholisches Laienhelferwerk. Nachdem anfänglich die Missionare selber auch noch Entwicklungshilfe geleistet hatten, bedeutete der Einsatz von in den Bereichen Schule, Medizin, Landwirtschaft usw. ausgebildeten Laien eine Qualitätsverbesserung, merkte Bischof Ivo Fürer als Präsident des Vereins «Missionshaus Bethlehem» an der Medienkonferenz an. Was die Missionsgesellschaft mit ihren Projekteinsätzen begann, sei zudem «in anderer Weise durch die Weltpriester aus verschiedenen Diözesen in einem zeitlich befristeten Missionseinsatz ergänzt» worden (Fidei-Donum-Priester).
Als ersten Schritt zu einer erweiterten Trägerschaft bzw. Mitgliedschaft bezeichnete Josef Meili, Generaloberer der Missionsgesellschaft und Präsident des neuen Trägervereins, die 1972 eröffnete Möglichkeit für Diözesanpriester, sich der Missionsgesellschaft als Mitglieder auf Zeit anzuschliessen. «Die Gruppe wurde durch das Generalkapitel 1974 ausgedehnt auf unverheiratete männliche Laien, die als Mitglieder auf immer oder auf Zeit in der Missionsgesellschaft leben und wirken konnten. Priester, Brüder und Laien sollten als Mitglieder für das ganze Leben oder als assoziierte Mitglieder auf Zeit das Bild der Missionsgesellschaft prägen. 1981 wurde die Mitsprache der Mitarbeitenden, die ihrer Verantwortung und Aufgabe entspricht, positiv festgehalten. Frauen und Eheleute kamen ins Gespräch. Als Modell des Zusammenlebens und -wirkens bot sich die missionarische Jüngergemeinde an. Eine Vertiefung dieses Verständnisses der Zusammenarbeit führte dann 1988 zur Gründung der Assoziation, welche die unkündbare missionarische Berufung von Frauen und Männern, ledigen und verheirateten, verbindlicher und dauerhafter zum Ausdruck bringen wollte.» Weitere Generalkapitel verfolgten den eingeschlagenen Weg bis zur Erweiterung der Trägerschaft weiter, die der missionarischen Berufung, wie sie im Leitbild ausgedrückt ist, eine rechtlich verankerte Form gibt: «Wir sind Männer und Frauen, Ledige und Verheiratete, Laien, Brüder und Priester. Betroffen von Jesu Tat und Wort schliessen wir uns im katholischen Missionswerk Bethlehem Mission Immensee zusammen, in dem wir Verantwortung und Aufgaben geschwisterlich teilen.»
Für den Präsidenten des Partnervereins Bethlehem, Pius Süess, beinhaltet diese Geschwisterlichkeit nicht nur Partnerschaftlichkeit auf der Leitungsebene, sondern auch ein partizipatorisches Ziel: «Ein klares und verlässliches Profil zeigen, dem die gemeinsame Spiritualität zugrunde liegt.» Die gebürtige Peruanerin Mercedes Bernal Elmiger hat in ihrer Erfahrung mit der Bethlehem Mission eine Kirche entdeckt, «die die Option für und mit den Armen ernst nahm», und dies hat in ihr das Interesse geweckt, in ihrem Leben als Christin neue Wege zu suchen, was sie schliesslich in die zweite Mitgliedorganisation geführt hat.
So erscheint die Bethlehem Mission Immensee als eine breit abgestützte Arbeitsgemeinschaft mit gemeinsamer Spiritualität. Pius Süess sieht in der neuen Struktur sogar ein Integrationsmodell «mit Zukunft». Für Josef Meili könnte es für andere Missionsgesellschaften in der römisch-katholischen Kirche ­ weltweit gibt es 23 anerkannte sowie einige, die sich auf dem Weg zur Anerkennung befinden ­ tatsächlich anregend sein, weniger hingegen für Ordensinstitute, wie er auf eine entsprechende Frage ausführte. Denn das Modell der erweiterten Trägerschaft, wie es im Verein Bethlehem Mission Immensee zum Tragen komme, gehe konsequent vom Auftrag aus, während Ordensinstitute, so wäre zu ergänzen, vom gemeinsamen Leben ausgehen, weil sie zuerst Lebensgemeinschaften und erst dann Arbeitsgemeinschaften sind.
Dass auch die Ordensinstitute wesentlich zur Missionierung beigetragen haben, unterstrich Bischof Ivo Fürer. «Wenn wir in der Missionsgeschichte zurückblicken, treffen wir in den damaligen Kolonien Missionare aus verschiedenen Ländern an. Sie folgten den Kolonisatoren. Weltweit verbreitete Priester- und Schwesternorden entsandten sodann auch Schweizer Missionare in ihre Gebiete. Es sind dies die alten Orden wie die Kapuziner, Jesuiten, Benediktiner, Dominikaner und neuere Kongregationen wie Steyler-Missionare, Weisse Väter, Marianhiller-Missionare, Missionare von La Salette, Missionare der Heiligen Familie und so weiter. Die Missionsgesellschaft Bethlehem ergänzte diese Einsätze. Als Missionare aus der Schweiz wirkten sie von Anfang an ohne das eigene Land als Kolonisatorin im Hintergrund.» Die Schweizerische Missionsgesellschaft Bethlehem hatte aber nicht nur diesen geschichtlichen Auftrag, als einzige katholische Missionsgesellschaft in der Schweiz hatte und hat sie auch in der katholischen Kirche Schweiz eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000