42/2000

INHALT

Leitartikel

Pfarreisozialdienste

von Wilfried Lochbühler

 

Pfarreisozialdienste finden sich in über 50 Pfarreien des Bistums Basel (vorab in den städtischen Regionen Basel, Bern und Luzern); mehr als 60 Personen (davon 23 Frauen)<1> sind in dieser Funktion als zentrale Träger/Trägerinnen und Vermittler/Vermittlerinnen im Rahmen der diakonischen Grundfunktion der Gemeinde tätig und stehen zugleich an der Schnittstelle zwischen professioneller Sozialarbeit und Freiwilligenarbeit. Aufgrund allgemeiner pastoraler Überlegungen und örtlicher Bedürfnisse entstanden, existiert bislang keine grundlegende und übergreifende Reflexion ihrer Tätigkeitsfelder, Chancen und Risiken auf Bistumsebene.<2> Die praktisch-theologische Fachliteratur bietet zu diesem spezifischen Tätigkeitsfeld kaum Anhaltspunkte, wenngleich die Gemeindediakonie im Allgemeinen einen zentralen Brennpunkt diakoniewissenschaftlicher und pastoraltheologischer Reflexion der jüngsten Zeit darstellt.<3>
Aber auch hinsichtlich wichtiger Fragen der Pfarreisozialdienste vor Ort bestanden bislang keine gesicherten Grundlagen. Hier knüpft die neu erschienene empirische Studie «Pfarreisozialdienste: Aufgabe­Integration­Selbstverständnis»<4> an. Durch die Diplomarbeit von Peter Gissler (Baar) entscheidend angestossen<5> und von der Diakoniekommission des Bistums beantragt, wurde zwischen März und Mai 1999 unter der Leitung des Pastoralamts eine Befragung der Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen im Bistum Basel als Vollerhebung<6> durchgeführt. Eine Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) St. Gallen hat die Ergebnisse entsprechend ausgewertet.<7> Die Studie versucht zentrale Grundfragen zu klären:

Ohne die nachfolgend näher skizzierten Ergebnisse der Befragung bereits vorwegnehmen zu wollen, stellen sich Pfarreisozialdienste im Bistum Basel nach der vorliegenden Studie aus der Sicht der Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen als ein vielfältiges diakonisches Tätigkeitsfeld mit Schwerpunkten besonders in der Einzelhilfe und der Altersarbeit dar. Für die Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen bieten Pfarreisozialdienste ein abwechslungsreiches und weithin eigenverantwortliches Tätigkeitsfeld mit insgesamt hoher Arbeitszufriedenheit. Hinsichtlich der Einbindung in die Gemeindepastoral bzw. die übrigen kirchlichen Strukturen werden hingegen Verbesserungen gewünscht, wenngleich Unterschiede im Einzelfall gegenwärtig zu halten sind. Weniger problematisch als vielleicht erwartet stellt sich der Zusammenhang zwischen professioneller Sozialarbeit, Kirche und Glaube dar: Einerseits erscheint die Kirchlichkeit der Sozialdienste in den Pfarreien wenig umstritten; andererseits versteht die Mehrheit der Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen ihre Tätigkeit als Ausdruck des Glaubens bzw. als Teil des pastoralen Handelns der Pfarrei und ist offen für entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote ­ wenngleich sich in diesem Bereich auch ein Gefälle zwischen Jüngeren und Älteren bzw. Personen mit und ohne Fachdiplom abzeichnet.
Die Stärken der Sozialdienste liegen aus der Sicht der Befragten insbesondere in der Verbindung mit dem Netz von Freiwilligen, in der Nähe zu den Menschen im Quartier, in der Niederschwelligkeit des Angebots und der unbürokratischen Form der Hilfe. Der ausgeprägte Lebensraumbezug der Gemeindediakonie, der auch in der neueren diakoniewissenschaftlichen Diskussion hervorgehoben wird<8>, stellt sich in dieser Sicht als besondere Chance dar, die auch gegenüber Restrukturierungstendenzen auf höherer Ebene gegenwärtig zu halten ist. Gleichwohl verweist die Studie auch auf Probleme und Defizite; wichtige Fragen im Blick auf eine mehrschichtige Weiterentwicklung der Pfarreisozialdienste bedürfen einer weiteren Diskussion, zu der die Studie anregen will.
Die Studie will gerade kein normatives Leitprofil für die künftige Gestaltung der Pfarreisozialdienste, sondern empirisches Material zur offenen Diskussion bei den Betroffenen und in den einschlägigen Gremien liefern. Eine systematische Diskussion der Ergebnisse im Blick auf Veränderungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten würde zudem ein Leitbild der Diakonie für das Bistum Basel voraussetzen, das gegenwärtig noch nicht existiert. Andererseits sind auch in der Auswertungsgruppe immer wieder weiterführende Fragen diskutiert worden, die ein relativ breites Spektrum abdecken, so zum Beispiel nach alternativen Gewichtungen im Tätigkeitsspektrum (Selbsthilfe, Gemeinwesenarbeit, Freiwilligenarbeit), nach Verbesserung der Integration in Pfarrei, Kirchgemeinde, Dekanat und Bistum und näheren Perspektiven und Handlungsoptionen im Bereich Sozialarbeit, Glaube und Kirche. Diese werden im Schlussteil der Untersuchung als Anregungen zur Diskussion der Befragungsergebnisse wiedergegeben (59ff.), ohne jedoch Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Die Studie möchte als ein erster wichtiger Schritt dazu beitragen, Transparenz über Tätigkeit der Pfarreisozialdienste zu schaffen, ihre Wahrnehmung im Bereich kirchlicher Öffentlichkeit zu verbessern, ihr Profil im Gesamt der Diakonie zu schärfen und Möglichkeiten der Verbesserung zu entwickeln sowie zur Diskussion hierüber einladen.

1. Pfarreisozialdienste ­ ein plurales Aufgabenfeld

Entsprechend der genannten Grobgliederung geht der erste Teil der Studie auf die Aufgabenfelder von Pfarreisozialdiensten ein. Das Tätigkeitsprofil von Pfarreisozialarbeitenden erweist sich als äusserst breit; hierin unterscheiden sie sich wesentlich von anderen Bereichen Sozialer Arbeit, etwa in spezialisierten Beratungsstellen (10ff.). Im Bereich der Einzelhilfe, für die durchschnittlich mit etwas über einem Drittel die meiste Arbeitszeit aufgewandt wird, liegen die Schwerpunkte eindeutig bei der Arbeit mit alten Menschen, Personen mit finanziellen Problemen und Alleinerziehenden. Aber auch andere Gruppen, wie Passanten/Passantinnen, Ausländer/Ausländerinnen, Flüchtlinge, Menschen mit Suchtproblemen gehören mit unterschiedlicher Häufigkeit zum Klientel der meisten Pfarreisozialdienste. In der Sozialen Gruppenarbeit, die von 82% als Aufgabenfeld genannt wird und durchschnittlich ca. 10% der Arbeitszeit<9> ausmacht, liegt das Schwergewicht wiederum bei der Altersarbeit, insbesondere bei der Begleitung von entsprechenden Freiwilligengruppen. Dies gilt auch für die (seltener genannte) Arbeit mit Selbsthilfegruppen, die daneben auch den Themenkomplex Familie/Alleinerziehende als weiteren Schwerpunkt kennt. Gegenüber der Einzelfallhilfe ist aber der Bereich der Sozialen Gruppenarbeit deutlich weniger ausgeprägt; die Zahl der Kontakte zu Freiwilligen ist durchschnittlich niedriger als die Zahl der Klienten/Klientinnen in der Einzelhilfe. Gemeinwesenarbeit (soziale, wirtschaftliche und kulturelle Projekte in Quartier, Stadt oder Region mit durchschnittlich ca. 10% der Arbeitszeit) wird immerhin auch von 74% der Befragten als Tätigkeitsfeld genannt. Sie wird vor allem von den Jüngeren praktiziert und umfasst eigene wie auch die Mitarbeit bei fremden Projekten. Schwerpunkte bilden hier besonders die Arbeit mit Randgruppen (Obdachlose u.a.), mit alten Menschen und im Bereich Schule/Familie (z.B. Kinderbetreuung, Mittagstisch) sowie die Mitarbeit bei Festen und in Quartiertreffpunkten.
Die Vernetzung mit Gremien (Leitungsteam/Pfarreirat) und Vereinen innerhalb der Pfarrei wie auch mit unterschiedlichen fachlichen Partnern innerhalb und ausserhalb der Kirche ist recht hoch (ca. 10% Arbeitszeit im Durchschnitt). Die Mitarbeit in anderen kirchlichen Handlungsfeldern (z.B. Liturgie, besonders Gottesdienstgestaltung/Krankenkommunion; Verkündigung, besonders Predigt und Gemeinschaftsleben, mit Schwerpunkt Feste und gesellige Anlässe) wie auch in der Pfarreiadministration, kommt bei den meisten vor (ca. 20% durchschnittliche Arbeitszeit). Sie bleibt aufs Ganze gesehen im Rahmen und bezieht sich überwiegend auf Wechselwirkungen und Überscheidungen von Diakonie mit anderen Grundfunktionen der Gemeinde. Etwa 23 der Befragten zeigt sich mit dieser Verteilung der Arbeitszeit zufrieden (20ff.); der Schwerpunkt bei der Einzelhilfe entspricht wohl auch den Kompetenzen und der Selbsteinschätzung der Befragten. Gewünschte Veränderungen beziehen sich eher auf den Abbau administrativer Tätigkeiten, während Einzelhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit zunehmen sollten. Für die Zukunft erwarten sie ­ aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen ­ ein deutliches Wachstum der sozialen Problemfälle und damit ein Anwachsen aller sozialarbeiterischer Tätigkeitsfelder.

2. Integration in die Gesamtpastoral

An der Frage nach der Einbindung der Sozialdienste in die Gesamtpastoral (einem zentralen Teil der Studie, 22ff.) entscheidet sich wesentlich, ob die Sozialdienste als wichtiger Teil der Diakonie im Rahmen der Gesamtpastoral integrierend im Sinne einer «diakonischen Gemeinde» wirken können, oder ob sie eher eine zur Isolation tendierende Randfunktion einnehmen.
Wichtige inhaltliche Orientierungspunkte für die Tätigkeit der Sozialdienste sind einerseits das Leitbild, das in knapp der Hälfte der Pfarreien existiert, andererseits ein entsprechendes Pflichtenheft (bei knapp 23 vorhanden); nur bei 20% der Pfarreien existiert ein spezieller Ausschuss für diakonische Fragen. Die Vorgesetztenaufgabe wird überwiegend inhaltlich von der Pfarreileitung, administrativ von der Kirchgemeinde wahrgenommen. Im Seelsorgeteam (bei 82% der Befragten vorhanden) sind die Sozialarbeitenden überwiegend gut integriert und können mehr oder weniger regelmässig über ihre Tätigkeit berichten. Nur in 40% der Seelsorgeteams wird aber auch über Fragen der Sozialarbeit näherhin inhaltlich beraten; in diesen Pfarreien werden auch gemeinsame Projekte mit anderen Pfarreiteammitgliedern durchgeführt. Deutlich geringer ist die Resonanz der Sozialdienste allerdings in Pfarrei- und den Kirchgemeinderäten; eine regelmässige Diskussion über Fragen der Sozialarbeit ist hier eher die Ausnahme. Auf Dekanatsebene ist die Mehrzahl der Sozialarbeitenden Mitglied der Dekanatsversammlung, deren Bedeutung für die eigene Arbeit aber eher gemischt beurteilt wird. Ein wichtiger Bezugspunkt liegt jedoch bei den regionalen Fachgruppen kirchlicher Sozialarbeitender, deren einhellig eine hohe Bedeutung beigemessen wird.
Dieser eher offenen Struktur mit nicht allzu starkem strukturellem Rückhalt entspricht die hohe Eigenverantwortung, die die Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen hinsichtlich der Gestaltung ihrer Arbeit ganz allgemein wie auch hinsichtlich Einsatz von Finanz- und Sachmitteln haben. Zwei Drittel können im Rahmen des Budgets frei entscheiden, und auch die Ausstattung mit materiellen Ressourcen sowie Räumen und Infrastruktur wird tendenziell als ausreichend eingestuft.<10> Das Profil der Pfarreisozialdienste ist demnach eher offen und schliesst eine hohe Gestaltungsfreiheit ein. Die Möglichkeit fachlicher Fortbildung wird hingegen nur von gut der Hälfte wahrgenommen, Supervision nur von knapp einem Drittel (48­50).
Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass von einer Isolation oder gar Marginalisierung der Sozialarbeitenden innerhalb der Pfarreien und kirchlichen Strukturen insgesamt nicht die Rede sein kann; es bestehen aber deutliche Unterschiede im Einzelfall; immerhin gut ein Drittel sieht die Gefahr eines Schattendaseins in der Pfarrei (46). Es besteht ein differenzierter Bedarf an Verbesserung der Einbindung auf verschiedenen Ebenen, der im Wunsch nach mehr Sensibilisierung, Aussprache, Begleitung, Anerkennung und Unterstützung für Fragen der Pfarreisozialdienste gegenüber Pfarrei- und Kirchgemeinderäten sowie dem Dekanat deutlich artikuliert wird. Dies gilt noch eindeutiger für die Bistumsleitung, bei der der Wunsch nach mehr Anerkennung am deutlichsten und einhelligsten hervortritt. Hingegen sind die Befragten mit der Anerkennung durch Klienten/Klientinnen, Berufskollegen/Berufskolleginnen und ausserpfarreiliche Personen, aber auch im Seelsorgeteam eher zufrieden. Die allgemeine Zufriedenheit mit der Arbeit erscheint jedoch insgesamt als hoch (76%)<11>, sodass Pfarreisozialarbeit ­ jenseits alltäglicher Belastungen ­ doch als insgesamt befriedigende und vielseitige Tätigkeit mit viel individuellem Gestaltungsspielraum angesehen wird. Es zeigt sich aber auch, dass neben der allgemeinen Anerkennung insbesondere die Integration in Pfarrei und Seelsorgeteam, die Wahrnehmung und Unterstützung der sozialarbeiterischen Arbeit dort, einen entscheidenden Faktor für die allgemeine Zufriedenheit mit der Arbeit ausmacht.
Im Blick auf die Zukunftsperspektiven (35ff.) und längerfristige Absicherung der Pfarreisozialdienste artikuliert allerdings über die Hälfte der Befragten eine mehr oder weniger grosse Verunsicherung. Knapp 23 wünschen den Erhalt des Sozialdienstes auf Pfarreiebene und stehen auch Restrukturierungen/Zentralisierungen im Sinne integrierter Sozialdienste auf Quartiers- oder Dekanatsebene eher ablehnend gegenüber. Am ehesten noch wäre eine gemeinsame Organisation mit der katholischen Nachbarpfarrei denkbar (knapp 50%), während eine Zentralisierung etwa auf Dekanatsebene nur von 14% befürwortet wird.

3. Sozialarbeit, Glaube, Kirche

Ein Brennpunkt der diakoniewissenschaftlichen Diskussion und teilweise auch in der diakonischen Praxis der vergangenen Jahre liegt bei der Frage der Kirchlichkeit, insbesondere der institutionellen Caritas (in eigener Rechtsform) und kirchlicher Hilfswerke. In Zusammenhang mit Pfarreisozialdiensten (38ff.) kommen entsprechende Diskussionen bei knapp 23 der Befragen hin und wieder, bei 22% häufig vor, wobei dies von den Befragten eher als Chance denn als Belastung empfunden wird. 60% sehen ihre Tätigkeit auch explizit als Ausdruck ihres persönlichen Glaubens, nur 6% wollen hierin keinen Zusammenhang sehen. Für die meisten, besonders für die Älteren mit langjähriger Berufspraxis, scheint berufliche Identitätsstiftung aus dem persönlichen Glauben und entsprechende Motivation wichtig, während bei den jüngeren Sozialarbeitern/Sozialarbeiterinnen die Tendenz eher etwas rückläufig ist. So verwundert es auch nicht, dass drei Viertel ihre Arbeit explizit als Teil des pastoralen Handelns der Pfarrei verstehen. Sinn- und Glaubensfragen werden bei etwa einem Drittel recht häufig auch in der Arbeit (z.B. Beratungsgesprächen) thematisiert; bei einem Drittel ist das eher nicht so und ein weiteres Drittel liegt hier in der Mitte. Dem korreliert auch das Verhältnis zu anderen Pfarreiaktivitäten: wer Sozialarbeit als Ausdruck des eigenen Glaubens sieht, hat auch weniger Mühe als Privatperson an anderen Pfarreiaktivitäten teilzunehmen.
Knapp die Hälfte wünscht sich eine gewisse theologische Fortbildung bzw. spirituelle Vertiefung für ihre Arbeit als Weiterbildungsangebot; sogar 23 sehen eine spezifische Berufseinführung (Brancheneinführung) in die theologischen Grundlagen und kirchlichen Strukturen/Arbeitsfelder als sinnvoll und notwendig an (49ff.). Der Wunsch wird besonders deutlich von den Älteren und jenen, die ohne Fachdiplom tätig sind, artikuliert. In diese Richtung weist auch, dass knapp die Hälfte eine offizielle kirchliche Beauftragung für ihre Arbeit wünscht; eine Weihe zum Diakon/zur Diakonin können sich hingegen nur etwa 20% gut vorstellen.

4. Stärken und Schwächen

Besonders interessant ist die Frage nach den Stärken und Schwächen der Pfarreisozialdienste (43ff.), weil sie nicht nur ein Indikator für die Arbeitszufriedenheit darstellt, sondern darüber hinaus die Möglichkeit bietet, aus der Sicht der Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen Vorteile und Risiken dieser Form von Gemeindediakonie einzuschätzen.
Bei den Stärken<12> wird die Vielfalt der Arbeit (Tätigkeitsfelder; Personen), das Netz von Freiwilligen und die intensive Beziehung zu Personen, Gruppen und Menschen im Quartier allgemein besonders genannt (zwischen 70% und 86% der Nennungen). Es folgen als weitere Punkte das niederschwellige Angebot der Hilfe, die geringe Bürokratie und das soziale Handeln aus dem Geist des Evangeliums, die jeweils von knapp 23 der Personen hervorgehoben werden. Wichtige weitere Vorzüge sind die Fachkompetenz bei Personen und Tätigkeitsfeldern, die Vernetzung mit fachlichen Partnern und die Anbindung an das Pfarreileben (über 50% der Befragten).
Schwächen werden hingegen deutlich weniger klar artikuliert, mit Ausnahme von Überlastung und Zeitmangel, die für 60% ein Problem darstellen. Ansonsten sieht ein Drittel bis ein Viertel der Befragten Schwierigkeiten durch zu wenig Anerkennung in der Pfarrei, durch zu geringe Fachkompetenz in Einzelbereichen (z.B. Gemeinwesenarbeit oder bei Menschen mit finanziellen Problemen), durch zu wenig zur Verfügung stehende finanzielle Mittel und zu hohe ideelle Ansprüche.

5. Ergebnis

Aufs Ganze gesehen lässt sich jedoch als Ergebnis festhalten, dass Pfarreisozialdienste eine wichtige fachlich-professionelle und lebensraumbezogene Funktion wahrnehmen, die einerseits aufgrund der Komplexität der Notlagen und Hilfesysteme in modernen Gesellschaften bedeutsam ist, andererseits auch Freiwilligenarbeit unterstützt und überwiegend in deutlicher Verbindung zum Glauben und zum übrigen Gemeindeleben steht. Gerade vor diesem Hintergrund erscheinen sie nach dieser Studie als wichtiges Element einer zeitgemässen Diakonie christlicher Gemeinden.


Anmerkungen

1 Ca. 50% der Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen verfügen über ein Fachstudium Soziale Arbeit, die übrigen über andere Fachstudien bzw. Ausbildungen; Zusatzqualifikationen/Zusatzausbildungen sind häufig. Das Durchschnittsalter ist mit 49 Jahren recht hoch; die Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen sind durchschnittlich seit 12 Jahren in der Sozialarbeit und seit 6 Jahren in Pfarreisozialdiensten tätig, vgl. Pfarreisozialdienste (s. Anm. 4), 51f.4.

2 Allerdings ist bei der Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz eine Orientierungshilfe in Arbeit: Zur Rolle professioneller Sozialarbeit in den Pfarreien der Deutschschweiz. Eine Orientierungshilfe für Verantwortliche in Pastoral und staatskirchlichen Behörden, kirchliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen, Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen im kirchlichen Dienst und weitere interessierte Kreise. Entwurf zur Vernehmlassung, hrsg. v.d. Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz, Arbeitsgruppe 39. Unveröffentl. Manuskript, Dezember 1997; vgl. ferner Z. Cavigelli-Enderlin, Pfarreisozialarbeiter/Pfarreisozialarbeiterinnen ­ Probleme und Perspektiven, in: SKZ 167 (1999) 143­146.

3 Vgl. die Übersicht bei H. Pompey/P. S. Ross, Kirche für andere. Handbuch für eine diakonische Praxis, Mainz 1998, 229ff.; ferner W. Lochbühler, Was ist Caritas-Ethik? Vorüberlegungen zu einem notwendigen Forschungsprogramm, in: SKZ 166 (1998) 422­429. 422f.

4 Pfarreisozialdienste. Aufgabe, Integration, Selbstverständnis: Eine empirische Studie bei Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im Bistum Basel, hrsg. v. Pastoralamt des Bistums Basel, Solothurn 2000; Bezugsquelle: Pastoralamt des Bistums Basel, Postfach 216, 4501 Solothurn; E-Mail pastoralamt.bistum-basel@kath.ch (die Seitenangaben im vorliegenden Beitrag beziehen sich auf dieses Dokument).

5 Mit der Diplomarbeit lag ein Fragebogen zur Durchführung der empirischen Studie vor: Peter Gissler, Pfarreisozialdienste. Fragen nach der Integration der Diakonie in die Gemeindepastoral. Entwurf zu einer empirischen Studie über Tätigkeiten, institutionelle Position und kirchliches Selbstverständnis von Sozialarbeitern/Sozialarbeiterinnen im Bistum Basel. Diplomarbeit im Aufbaustudium Caritaswissenschaft an der Universität Freiburg i.Br., Unveröffentl. Manuskript, Basel 1998 (noch beziehbar über das Pastoralamt Bistum Basel, s. Anm. 4).

6 Befragte: 62 Pfarreisozialarbeiter/Pfarreisozialarbeiterinnen; Rücklauf 50 Bögen (= 80,6%).

7 Mitglieder der Auswertungsgruppe: Hans-Rudolf Häusermann (Theologe und dipl. Sozialarbeiter, Leiter Pastoralamt Bistum Basel), Michael Krüggeler (Dr. theol., SPI, St. Gallen); Peter Gissler (dipl. theol., dipl. Caritaswissenschaftler, Pastoralassistent, Baar); Andrea Jäkle-Keller (lic. theol., Sozialarbeiterin HFS, Olten); Wilfried Lochbühler (Dr. theol., Forschungs- und Lehrbeauftragter für Caritas, Soziale Arbeit und Sozialpolitik, Univ. Luzern). Der Text der Studie wurde von einzelnen Mitgliedern verfasst und in der Auswertungsgruppe gemeinsam diskutiert. Der Verfasser dankt Dr. Michael Krüggeler und Andrea Jäkle-Keller für die Durchsicht des vorliegenden Beitrags.

8 Vgl. z.B. H. Pompey/P.S. Ross (Anm. 3), 269ff.

9 Medianwerte mit im Einzelfall deutlichen Abweichungen.

10 Bei etwa einem Drittel wird allerdings eine zu geringe Ausstattung mit finanziellen Mitteln beklagt (47).

11 Entsprechend ist die Zahl derjenigen, die ihre Stelle eher verlassen wollen (10%) bzw. glauben, nicht wirklich etwas bewirken zu können (14%), eher niedrig (vgl. 37.48).

12 Hier können nur die wichtigsten Stärken und Schwächen aufgeführt werden (vgl. näherhin 43­48).


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000