42/2000 | |
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Leitartikel |
Pfarreisozialdienste finden sich in über 50 Pfarreien des Bistums
Basel (vorab in den städtischen Regionen Basel, Bern und Luzern); mehr
als 60 Personen (davon 23 Frauen)<1> sind
in dieser Funktion als zentrale Träger/Trägerinnen und Vermittler/Vermittlerinnen
im Rahmen der diakonischen Grundfunktion der Gemeinde tätig und stehen
zugleich an der Schnittstelle zwischen professioneller Sozialarbeit und
Freiwilligenarbeit. Aufgrund allgemeiner pastoraler Überlegungen und
örtlicher Bedürfnisse entstanden, existiert bislang keine grundlegende
und übergreifende Reflexion ihrer Tätigkeitsfelder, Chancen und
Risiken auf Bistumsebene.<2> Die praktisch-theologische
Fachliteratur bietet zu diesem spezifischen Tätigkeitsfeld kaum Anhaltspunkte,
wenngleich die Gemeindediakonie im Allgemeinen einen zentralen Brennpunkt
diakoniewissenschaftlicher und pastoraltheologischer Reflexion der jüngsten
Zeit darstellt.<3>
Aber auch hinsichtlich wichtiger Fragen der Pfarreisozialdienste vor Ort
bestanden bislang keine gesicherten Grundlagen. Hier knüpft die neu
erschienene empirische Studie «Pfarreisozialdienste: AufgabeIntegrationSelbstverständnis»<4> an. Durch die Diplomarbeit von Peter Gissler
(Baar) entscheidend angestossen<5> und
von der Diakoniekommission des Bistums beantragt, wurde zwischen März
und Mai 1999 unter der Leitung des Pastoralamts eine Befragung der Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen
im Bistum Basel als Vollerhebung<6> durchgeführt.
Eine Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen
Institut (SPI) St. Gallen hat die Ergebnisse entsprechend ausgewertet.<7> Die Studie versucht zentrale Grundfragen
zu klären:
Ohne die nachfolgend näher skizzierten Ergebnisse der Befragung
bereits vorwegnehmen zu wollen, stellen sich Pfarreisozialdienste im Bistum
Basel nach der vorliegenden Studie aus der Sicht der Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen
als ein vielfältiges diakonisches Tätigkeitsfeld mit Schwerpunkten
besonders in der Einzelhilfe und der Altersarbeit dar. Für die Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen
bieten Pfarreisozialdienste ein abwechslungsreiches und weithin eigenverantwortliches
Tätigkeitsfeld mit insgesamt hoher Arbeitszufriedenheit. Hinsichtlich
der Einbindung in die Gemeindepastoral bzw. die übrigen kirchlichen
Strukturen werden hingegen Verbesserungen gewünscht, wenngleich Unterschiede
im Einzelfall gegenwärtig zu halten sind. Weniger problematisch als
vielleicht erwartet stellt sich der Zusammenhang zwischen professioneller
Sozialarbeit, Kirche und Glaube dar: Einerseits erscheint die Kirchlichkeit
der Sozialdienste in den Pfarreien wenig umstritten; andererseits versteht
die Mehrheit der Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen ihre Tätigkeit
als Ausdruck des Glaubens bzw. als Teil des pastoralen Handelns der Pfarrei
und ist offen für entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote
wenngleich sich in diesem Bereich auch ein Gefälle zwischen Jüngeren
und Älteren bzw. Personen mit und ohne Fachdiplom abzeichnet.
Die Stärken der Sozialdienste liegen aus der Sicht der Befragten insbesondere
in der Verbindung mit dem Netz von Freiwilligen, in der Nähe zu den
Menschen im Quartier, in der Niederschwelligkeit des Angebots und der unbürokratischen
Form der Hilfe. Der ausgeprägte Lebensraumbezug der Gemeindediakonie,
der auch in der neueren diakoniewissenschaftlichen Diskussion hervorgehoben
wird<8>, stellt sich in dieser Sicht als
besondere Chance dar, die auch gegenüber Restrukturierungstendenzen
auf höherer Ebene gegenwärtig zu halten ist. Gleichwohl verweist
die Studie auch auf Probleme und Defizite; wichtige Fragen im Blick auf
eine mehrschichtige Weiterentwicklung der Pfarreisozialdienste bedürfen
einer weiteren Diskussion, zu der die Studie anregen will.
Die Studie will gerade kein normatives Leitprofil für die künftige
Gestaltung der Pfarreisozialdienste, sondern empirisches Material zur offenen
Diskussion bei den Betroffenen und in den einschlägigen Gremien liefern.
Eine systematische Diskussion der Ergebnisse im Blick auf Veränderungen
und Weiterentwicklungsmöglichkeiten würde zudem ein Leitbild der
Diakonie für das Bistum Basel voraussetzen, das gegenwärtig noch
nicht existiert. Andererseits sind auch in der Auswertungsgruppe immer wieder
weiterführende Fragen diskutiert worden, die ein relativ breites Spektrum
abdecken, so zum Beispiel nach alternativen Gewichtungen im Tätigkeitsspektrum
(Selbsthilfe, Gemeinwesenarbeit, Freiwilligenarbeit), nach Verbesserung
der Integration in Pfarrei, Kirchgemeinde, Dekanat und Bistum und näheren
Perspektiven und Handlungsoptionen im Bereich Sozialarbeit, Glaube und Kirche.
Diese werden im Schlussteil der Untersuchung als Anregungen zur Diskussion
der Befragungsergebnisse wiedergegeben (59ff.), ohne jedoch Anspruch auf
Vollständigkeit zu erheben.
Die Studie möchte als ein erster wichtiger Schritt dazu beitragen,
Transparenz über Tätigkeit der Pfarreisozialdienste zu schaffen,
ihre Wahrnehmung im Bereich kirchlicher Öffentlichkeit zu verbessern,
ihr Profil im Gesamt der Diakonie zu schärfen und Möglichkeiten
der Verbesserung zu entwickeln sowie zur Diskussion hierüber einladen.
Entsprechend der genannten Grobgliederung geht der erste Teil der Studie
auf die Aufgabenfelder von Pfarreisozialdiensten ein. Das Tätigkeitsprofil
von Pfarreisozialarbeitenden erweist sich als äusserst breit; hierin
unterscheiden sie sich wesentlich von anderen Bereichen Sozialer Arbeit,
etwa in spezialisierten Beratungsstellen (10ff.). Im Bereich der Einzelhilfe,
für die durchschnittlich mit etwas über einem Drittel die meiste
Arbeitszeit aufgewandt wird, liegen die Schwerpunkte eindeutig bei der Arbeit
mit alten Menschen, Personen mit finanziellen Problemen und Alleinerziehenden.
Aber auch andere Gruppen, wie Passanten/Passantinnen, Ausländer/Ausländerinnen,
Flüchtlinge, Menschen mit Suchtproblemen gehören mit unterschiedlicher
Häufigkeit zum Klientel der meisten Pfarreisozialdienste. In der Sozialen
Gruppenarbeit, die von 82% als Aufgabenfeld genannt wird und durchschnittlich
ca. 10% der Arbeitszeit<9> ausmacht, liegt
das Schwergewicht wiederum bei der Altersarbeit, insbesondere bei der Begleitung
von entsprechenden Freiwilligengruppen. Dies gilt auch für die (seltener
genannte) Arbeit mit Selbsthilfegruppen, die daneben auch den Themenkomplex
Familie/Alleinerziehende als weiteren Schwerpunkt kennt. Gegenüber
der Einzelfallhilfe ist aber der Bereich der Sozialen Gruppenarbeit deutlich
weniger ausgeprägt; die Zahl der Kontakte zu Freiwilligen ist durchschnittlich
niedriger als die Zahl der Klienten/Klientinnen in der Einzelhilfe. Gemeinwesenarbeit
(soziale, wirtschaftliche und kulturelle Projekte in Quartier, Stadt oder
Region mit durchschnittlich ca. 10% der Arbeitszeit) wird immerhin auch
von 74% der Befragten als Tätigkeitsfeld genannt. Sie wird vor allem
von den Jüngeren praktiziert und umfasst eigene wie auch die Mitarbeit
bei fremden Projekten. Schwerpunkte bilden hier besonders die Arbeit mit
Randgruppen (Obdachlose u.a.), mit alten Menschen und im Bereich Schule/Familie
(z.B. Kinderbetreuung, Mittagstisch) sowie die Mitarbeit bei Festen und
in Quartiertreffpunkten.
Die Vernetzung mit Gremien (Leitungsteam/Pfarreirat) und Vereinen innerhalb
der Pfarrei wie auch mit unterschiedlichen fachlichen Partnern innerhalb
und ausserhalb der Kirche ist recht hoch (ca. 10% Arbeitszeit im Durchschnitt).
Die Mitarbeit in anderen kirchlichen Handlungsfeldern (z.B. Liturgie, besonders
Gottesdienstgestaltung/Krankenkommunion; Verkündigung, besonders Predigt
und Gemeinschaftsleben, mit Schwerpunkt Feste und gesellige Anlässe)
wie auch in der Pfarreiadministration, kommt bei den meisten vor (ca. 20%
durchschnittliche Arbeitszeit). Sie bleibt aufs Ganze gesehen im Rahmen
und bezieht sich überwiegend auf Wechselwirkungen und Überscheidungen
von Diakonie mit anderen Grundfunktionen der Gemeinde. Etwa 23 der Befragten
zeigt sich mit dieser Verteilung der Arbeitszeit zufrieden (20ff.); der
Schwerpunkt bei der Einzelhilfe entspricht wohl auch den Kompetenzen und
der Selbsteinschätzung der Befragten. Gewünschte Veränderungen
beziehen sich eher auf den Abbau administrativer Tätigkeiten, während
Einzelhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit zunehmen sollten. Für
die Zukunft erwarten sie aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen
ein deutliches Wachstum der sozialen Problemfälle und damit ein
Anwachsen aller sozialarbeiterischer Tätigkeitsfelder.
An der Frage nach der Einbindung der Sozialdienste in die Gesamtpastoral
(einem zentralen Teil der Studie, 22ff.) entscheidet sich wesentlich, ob
die Sozialdienste als wichtiger Teil der Diakonie im Rahmen der Gesamtpastoral
integrierend im Sinne einer «diakonischen Gemeinde» wirken können,
oder ob sie eher eine zur Isolation tendierende Randfunktion einnehmen.
Wichtige inhaltliche Orientierungspunkte für die Tätigkeit der
Sozialdienste sind einerseits das Leitbild, das in knapp der Hälfte
der Pfarreien existiert, andererseits ein entsprechendes Pflichtenheft (bei
knapp 23 vorhanden); nur bei 20% der Pfarreien existiert ein spezieller
Ausschuss für diakonische Fragen. Die Vorgesetztenaufgabe wird überwiegend
inhaltlich von der Pfarreileitung, administrativ von der Kirchgemeinde wahrgenommen.
Im Seelsorgeteam (bei 82% der Befragten vorhanden) sind die Sozialarbeitenden
überwiegend gut integriert und können mehr oder weniger regelmässig
über ihre Tätigkeit berichten. Nur in 40% der Seelsorgeteams wird
aber auch über Fragen der Sozialarbeit näherhin inhaltlich beraten;
in diesen Pfarreien werden auch gemeinsame Projekte mit anderen Pfarreiteammitgliedern
durchgeführt. Deutlich geringer ist die Resonanz der Sozialdienste
allerdings in Pfarrei- und den Kirchgemeinderäten; eine regelmässige
Diskussion über Fragen der Sozialarbeit ist hier eher die Ausnahme.
Auf Dekanatsebene ist die Mehrzahl der Sozialarbeitenden Mitglied der Dekanatsversammlung,
deren Bedeutung für die eigene Arbeit aber eher gemischt beurteilt
wird. Ein wichtiger Bezugspunkt liegt jedoch bei den regionalen Fachgruppen
kirchlicher Sozialarbeitender, deren einhellig eine hohe Bedeutung beigemessen
wird.
Dieser eher offenen Struktur mit nicht allzu starkem strukturellem Rückhalt
entspricht die hohe Eigenverantwortung, die die Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen
hinsichtlich der Gestaltung ihrer Arbeit ganz allgemein wie auch hinsichtlich
Einsatz von Finanz- und Sachmitteln haben. Zwei Drittel können im Rahmen
des Budgets frei entscheiden, und auch die Ausstattung mit materiellen Ressourcen
sowie Räumen und Infrastruktur wird tendenziell als ausreichend eingestuft.<10> Das Profil der Pfarreisozialdienste ist
demnach eher offen und schliesst eine hohe Gestaltungsfreiheit ein. Die
Möglichkeit fachlicher Fortbildung wird hingegen nur von gut der Hälfte
wahrgenommen, Supervision nur von knapp einem Drittel (4850).
Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass von einer Isolation oder gar Marginalisierung
der Sozialarbeitenden innerhalb der Pfarreien und kirchlichen Strukturen
insgesamt nicht die Rede sein kann; es bestehen aber deutliche Unterschiede
im Einzelfall; immerhin gut ein Drittel sieht die Gefahr eines Schattendaseins
in der Pfarrei (46). Es besteht ein differenzierter Bedarf an Verbesserung
der Einbindung auf verschiedenen Ebenen, der im Wunsch nach mehr Sensibilisierung,
Aussprache, Begleitung, Anerkennung und Unterstützung für Fragen
der Pfarreisozialdienste gegenüber Pfarrei- und Kirchgemeinderäten
sowie dem Dekanat deutlich artikuliert wird. Dies gilt noch eindeutiger
für die Bistumsleitung, bei der der Wunsch nach mehr Anerkennung am
deutlichsten und einhelligsten hervortritt. Hingegen sind die Befragten
mit der Anerkennung durch Klienten/Klientinnen, Berufskollegen/Berufskolleginnen
und ausserpfarreiliche Personen, aber auch im Seelsorgeteam eher zufrieden.
Die allgemeine Zufriedenheit mit der Arbeit erscheint jedoch insgesamt als
hoch (76%)<11>, sodass Pfarreisozialarbeit
jenseits alltäglicher Belastungen doch als insgesamt befriedigende
und vielseitige Tätigkeit mit viel individuellem Gestaltungsspielraum
angesehen wird. Es zeigt sich aber auch, dass neben der allgemeinen Anerkennung
insbesondere die Integration in Pfarrei und Seelsorgeteam, die Wahrnehmung
und Unterstützung der sozialarbeiterischen Arbeit dort, einen entscheidenden
Faktor für die allgemeine Zufriedenheit mit der Arbeit ausmacht.
Im Blick auf die Zukunftsperspektiven (35ff.) und längerfristige Absicherung
der Pfarreisozialdienste artikuliert allerdings über die Hälfte
der Befragten eine mehr oder weniger grosse Verunsicherung. Knapp 23 wünschen
den Erhalt des Sozialdienstes auf Pfarreiebene und stehen auch Restrukturierungen/Zentralisierungen
im Sinne integrierter Sozialdienste auf Quartiers- oder Dekanatsebene eher
ablehnend gegenüber. Am ehesten noch wäre eine gemeinsame Organisation
mit der katholischen Nachbarpfarrei denkbar (knapp 50%), während eine
Zentralisierung etwa auf Dekanatsebene nur von 14% befürwortet wird.
Ein Brennpunkt der diakoniewissenschaftlichen Diskussion und teilweise
auch in der diakonischen Praxis der vergangenen Jahre liegt bei der Frage
der Kirchlichkeit, insbesondere der institutionellen Caritas (in eigener
Rechtsform) und kirchlicher Hilfswerke. In Zusammenhang mit Pfarreisozialdiensten
(38ff.) kommen entsprechende Diskussionen bei knapp 23 der Befragen hin
und wieder, bei 22% häufig vor, wobei dies von den Befragten eher als
Chance denn als Belastung empfunden wird. 60% sehen ihre Tätigkeit
auch explizit als Ausdruck ihres persönlichen Glaubens, nur 6% wollen
hierin keinen Zusammenhang sehen. Für die meisten, besonders für
die Älteren mit langjähriger Berufspraxis, scheint berufliche
Identitätsstiftung aus dem persönlichen Glauben und entsprechende
Motivation wichtig, während bei den jüngeren Sozialarbeitern/Sozialarbeiterinnen
die Tendenz eher etwas rückläufig ist. So verwundert es auch nicht,
dass drei Viertel ihre Arbeit explizit als Teil des pastoralen Handelns
der Pfarrei verstehen. Sinn- und Glaubensfragen werden bei etwa einem Drittel
recht häufig auch in der Arbeit (z.B. Beratungsgesprächen) thematisiert;
bei einem Drittel ist das eher nicht so und ein weiteres Drittel liegt hier
in der Mitte. Dem korreliert auch das Verhältnis zu anderen Pfarreiaktivitäten:
wer Sozialarbeit als Ausdruck des eigenen Glaubens sieht, hat auch weniger
Mühe als Privatperson an anderen Pfarreiaktivitäten teilzunehmen.
Knapp die Hälfte wünscht sich eine gewisse theologische Fortbildung
bzw. spirituelle Vertiefung für ihre Arbeit als Weiterbildungsangebot;
sogar 23 sehen eine spezifische Berufseinführung (Brancheneinführung)
in die theologischen Grundlagen und kirchlichen Strukturen/Arbeitsfelder
als sinnvoll und notwendig an (49ff.). Der Wunsch wird besonders deutlich
von den Älteren und jenen, die ohne Fachdiplom tätig sind, artikuliert.
In diese Richtung weist auch, dass knapp die Hälfte eine offizielle
kirchliche Beauftragung für ihre Arbeit wünscht; eine Weihe zum
Diakon/zur Diakonin können sich hingegen nur etwa 20% gut vorstellen.
Besonders interessant ist die Frage nach den Stärken und Schwächen
der Pfarreisozialdienste (43ff.), weil sie nicht nur ein Indikator für
die Arbeitszufriedenheit darstellt, sondern darüber hinaus die Möglichkeit
bietet, aus der Sicht der Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen Vorteile und
Risiken dieser Form von Gemeindediakonie einzuschätzen.
Bei den Stärken<12> wird die Vielfalt
der Arbeit (Tätigkeitsfelder; Personen), das Netz von Freiwilligen
und die intensive Beziehung zu Personen, Gruppen und Menschen im Quartier
allgemein besonders genannt (zwischen 70% und 86% der Nennungen). Es folgen
als weitere Punkte das niederschwellige Angebot der Hilfe, die geringe Bürokratie
und das soziale Handeln aus dem Geist des Evangeliums, die jeweils von knapp
23 der Personen hervorgehoben werden. Wichtige weitere Vorzüge sind
die Fachkompetenz bei Personen und Tätigkeitsfeldern, die Vernetzung
mit fachlichen Partnern und die Anbindung an das Pfarreileben (über
50% der Befragten).
Schwächen werden hingegen deutlich weniger klar artikuliert, mit Ausnahme
von Überlastung und Zeitmangel, die für 60% ein Problem darstellen.
Ansonsten sieht ein Drittel bis ein Viertel der Befragten Schwierigkeiten
durch zu wenig Anerkennung in der Pfarrei, durch zu geringe Fachkompetenz
in Einzelbereichen (z.B. Gemeinwesenarbeit oder bei Menschen mit finanziellen
Problemen), durch zu wenig zur Verfügung stehende finanzielle Mittel
und zu hohe ideelle Ansprüche.
Aufs Ganze gesehen lässt sich jedoch als Ergebnis festhalten, dass Pfarreisozialdienste eine wichtige fachlich-professionelle und lebensraumbezogene Funktion wahrnehmen, die einerseits aufgrund der Komplexität der Notlagen und Hilfesysteme in modernen Gesellschaften bedeutsam ist, andererseits auch Freiwilligenarbeit unterstützt und überwiegend in deutlicher Verbindung zum Glauben und zum übrigen Gemeindeleben steht. Gerade vor diesem Hintergrund erscheinen sie nach dieser Studie als wichtiges Element einer zeitgemässen Diakonie christlicher Gemeinden.
1 Ca. 50% der Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen verfügen über ein Fachstudium Soziale Arbeit, die übrigen über andere Fachstudien bzw. Ausbildungen; Zusatzqualifikationen/Zusatzausbildungen sind häufig. Das Durchschnittsalter ist mit 49 Jahren recht hoch; die Stelleninhaber/Stelleninhaberinnen sind durchschnittlich seit 12 Jahren in der Sozialarbeit und seit 6 Jahren in Pfarreisozialdiensten tätig, vgl. Pfarreisozialdienste (s. Anm. 4), 51f.4.
2 Allerdings ist bei der Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz eine Orientierungshilfe in Arbeit: Zur Rolle professioneller Sozialarbeit in den Pfarreien der Deutschschweiz. Eine Orientierungshilfe für Verantwortliche in Pastoral und staatskirchlichen Behörden, kirchliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen, Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen im kirchlichen Dienst und weitere interessierte Kreise. Entwurf zur Vernehmlassung, hrsg. v.d. Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz, Arbeitsgruppe 39. Unveröffentl. Manuskript, Dezember 1997; vgl. ferner Z. Cavigelli-Enderlin, Pfarreisozialarbeiter/Pfarreisozialarbeiterinnen Probleme und Perspektiven, in: SKZ 167 (1999) 143146.
3 Vgl. die Übersicht bei H. Pompey/P. S. Ross, Kirche für andere. Handbuch für eine diakonische Praxis, Mainz 1998, 229ff.; ferner W. Lochbühler, Was ist Caritas-Ethik? Vorüberlegungen zu einem notwendigen Forschungsprogramm, in: SKZ 166 (1998) 422429. 422f.
4 Pfarreisozialdienste. Aufgabe, Integration, Selbstverständnis: Eine empirische Studie bei Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im Bistum Basel, hrsg. v. Pastoralamt des Bistums Basel, Solothurn 2000; Bezugsquelle: Pastoralamt des Bistums Basel, Postfach 216, 4501 Solothurn; E-Mail pastoralamt.bistum-basel@kath.ch (die Seitenangaben im vorliegenden Beitrag beziehen sich auf dieses Dokument).
5 Mit der Diplomarbeit lag ein Fragebogen zur Durchführung der empirischen Studie vor: Peter Gissler, Pfarreisozialdienste. Fragen nach der Integration der Diakonie in die Gemeindepastoral. Entwurf zu einer empirischen Studie über Tätigkeiten, institutionelle Position und kirchliches Selbstverständnis von Sozialarbeitern/Sozialarbeiterinnen im Bistum Basel. Diplomarbeit im Aufbaustudium Caritaswissenschaft an der Universität Freiburg i.Br., Unveröffentl. Manuskript, Basel 1998 (noch beziehbar über das Pastoralamt Bistum Basel, s. Anm. 4).
6 Befragte: 62 Pfarreisozialarbeiter/Pfarreisozialarbeiterinnen; Rücklauf 50 Bögen (= 80,6%).
7 Mitglieder der Auswertungsgruppe: Hans-Rudolf Häusermann (Theologe und dipl. Sozialarbeiter, Leiter Pastoralamt Bistum Basel), Michael Krüggeler (Dr. theol., SPI, St. Gallen); Peter Gissler (dipl. theol., dipl. Caritaswissenschaftler, Pastoralassistent, Baar); Andrea Jäkle-Keller (lic. theol., Sozialarbeiterin HFS, Olten); Wilfried Lochbühler (Dr. theol., Forschungs- und Lehrbeauftragter für Caritas, Soziale Arbeit und Sozialpolitik, Univ. Luzern). Der Text der Studie wurde von einzelnen Mitgliedern verfasst und in der Auswertungsgruppe gemeinsam diskutiert. Der Verfasser dankt Dr. Michael Krüggeler und Andrea Jäkle-Keller für die Durchsicht des vorliegenden Beitrags.
8 Vgl. z.B. H. Pompey/P.S. Ross (Anm. 3), 269ff.
9 Medianwerte mit im Einzelfall deutlichen Abweichungen.
10 Bei etwa einem Drittel wird allerdings eine zu geringe Ausstattung mit finanziellen Mitteln beklagt (47).
11 Entsprechend ist die Zahl derjenigen, die ihre Stelle eher verlassen wollen (10%) bzw. glauben, nicht wirklich etwas bewirken zu können (14%), eher niedrig (vgl. 37.48).
12 Hier können nur die wichtigsten Stärken und Schwächen aufgeführt werden (vgl. näherhin 4348).