37/2000

INHALT

Leitartikel

Fraktioniert

von Rolf Weibel

 

Dass sich 1991 der Schweizerische Katholische Volksverein (SKVV) vom Dachverband zum Förderverein wandelte, zeigte nicht nur eine Krise des Verbandskatholizismus an, sondern brachte auch ein Gesprächsforum an sein Ende. Wohl hatten die Frauenvereine im Schweizerischen Katholischen Frauenbund (SKF) ihr Forum und trafen sich die Jugendverbände und -bewegungen im Rahmen der OKJV (Ordinarienkonferenz-Jugendverbände und -bewegungen, seit 2000: Ordinarienkonferenz-Jugendvereinigungen); aber noch hatten die Neuen Geistlichen Bewegungen kein gemeinsames Forum<1> und noch weniger standen sie im regelmässigen Austausch mit dem herkömmlichen Verbandskatholizismus ­ während die französischsprachige Schweiz alle «laienapostolisch» Tätigen in der CRAL (Communauté Romande de l'Apostolat des Laïcs) gesammelt hatte. In dieser Situation hatte Weihbischof Martin Gächter für die deutschsprachige Schweiz die Bildung eines Gesprächsforums, zu dem alle katholischen Vereinigungen eingeladen werden sollten, angeregt
Dieses Gesprächsforum traf sich zum ersten Mal vor sechs Jahren unter dem Namen «Deutschschweizer Laienforum»; um mit seinem Namen nicht vereinnahmend zu wirken, wurde es ein Jahr später umbenannt in «Deutschschweizer Forum Katholischer Organisationen (DFKO)». Wie schon im letzten Jahr kam das Forum auch dieses Jahr nur einmal zusammen, nachdem es in den ersten Jahren jeweils zweimal jährlich einberufen worden war. Eingeladen wurde dieses Jahr zu einem Rückblick auf sechs Jahre DFKO mit einer Standortbestimmung. Angezeigt war dieser Rückblick nicht zuletzt, weil die Zusammenkünfte immer schlechter besucht wurden; dass immer mehr Organisationen zudem unentschuldigt fernblieben, liess berechtigte Zweifel an ihrem Interesse an einem Begegnungsort, als den sich auch dieses Forum versteht, aufkommen
Die ergebnisoffene Aussprache der diesjährigen Zusammenkunft ergab zum einen eine recht grosse Zufriedenheit mit dem Erreichten: Die bisherigen Zusammenkünfte hatten vor allem dem gegenseitigen Austausch gedient. Dabei wurden nicht nur Informationen ausgetauscht, sondern auch menschliche Begegnungen ermöglicht, was zum Abbau von Vorurteilen beigetragen hat. Die Frage, ob die Klimaverbesserung zwischen den Delegierten der unterschiedlichen Vereinigungen ­ von den herkömmlichen Verbänden bis zu den Neuen Geistlichen Bewegungen ­ in die Vereinigungen selbst zurückgewirkt hat, musste allerdings offen bleiben. Obwohl die Leitlinien des Forums über diesen Austausch hinaus gemeinsame Aktivitäten vorsehen, ist das DFKO nie gemeinsam aufgetreten oder gemeinsam in Erscheinung getreten. Die an der Zusammenkunft aufgeworfene Frage, ob es für die katholischen Organisationen gemeinsame Aufgaben gebe, wurde nicht einmal aufgenommen. Vielmehr wurde bezweifelt, ob ein Forum aller katholischen Organisationen zu einer gemeinsamen Stellungnahme finden könnte. Denn dies bedürfte zum einen einer gewissen Professionalisierung und zum andern und vor allem sei die Bandbreite der Meinungen zwischen den verschiedenen katholischen Organisationen zu gross.
Die entscheidenden Fragen lauteten schliesslich: Soll das DFKO weiter machen oder eine Pause einlegen oder sich sogar auflösen? Und wenn es weiter macht, soll es seine Ziele beschränken oder sich organisatorisch professionalisieren? Es zeigte sich bald, dass nur der Variante «weiterhin und gezielter den Austausch pflegen» zugestimmt würde. Für eine solche Fortsetzung des Forums sprachen sich zwei Drittel der Teilnehmenden aus. Weit zögerlicher als diese Zustimmung war die Bereitschaft, sich für den Arbeitsausschuss des Forums, die so genannte Initiativgruppe, zur Verfügung zu stellen. Es scheint, dass die Ehrenamtlichen in den Verbänden und Bewegungen selber so gebraucht werden und die Professionellen in Verbandsleitungen und auf Arbeitsstellen so wenig Spielraum haben, dass für das Zusammenkommen und die Zusammenarbeit mit anderen kaum mehr Zeit und andere Ressourcen bleiben. Die Rücktritte aus der Initiativgruppe konnten dann aber doch ersetzt werden, und auch für das schweizerische Forum, das Schweizerische Koordinationskomitee Katholischer Laien (SKKL),<2> konnten die Deutschschweizer Mitglieder bestellt werden. Hierbei wurde zum einen das Unbehagen darüber ausgesprochen, dass so (verbandlich) organisierte Laien «die Laien» vertreten bzw. repräsentieren; zum andern sollte damit die Bedeutung des Austauschs zwischen den Sprachregionen der Schweiz und in Europa nicht herabgesetzt werden.<3>

Mit diesen Entscheiden hat das «Deutschschweizer Forum Katholischer Organisationen» letztlich zum Ausdruck gebracht, dass es sich zur Zeit mit der Fraktionierung des Schweizer Katholizismus abfindet, aber zugleich dazu beizutragen bereit bleibt, dass Fraktionen im Gespräch bleiben.


Anmerkungen

1 Dieses Forum besteht auch erst seit einem Jahr, ist aber auch dieses Jahr wieder einberufen worden.

2 Das Schweizerische Koordinationskomitee Katholischer Laien (SKKL) wurde 1965 als Schweizerisches Nationalkomitee für das Laienapostolat (CNAL) gegründet.

3 Das SKKL ist Mitglied des Europäischen Forums der Nationalen Laienkomitees (vgl. dazu den Bericht S. 529).


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000