15/2000

INHALT

Leitartikel

Uni JA = Theologie JA

von Adrian Loretan

 

Bei der Volksabstimmung über das Universitätsgesetz im Kanton Luzern vom 21. Mai 2000 geht es um Sein oder Nichtsein der Universitären Hochschule Luzern (UHL). Mit einem Nein zur Universität wird aus staatlicher Sicht auch die Zukunft der Theologischen Fakultät in Frage gestellt. Es handelt sich bei dieser Abstimmung um keinen gemütlichen Sonntagsspaziergang, sondern um eine Zitterpartie mit enormen Konsequenzen. Alles steht auf dem Spiel. Nur mit einem Ausbau, das heisst nur mit einem Ja zur Uni wird die Theologische Fakultät Luzern aus staatlicher Sicht eine Zukunft haben.
Jetzt gilt es, die Bevölkerung des Kantons Luzern über die Vorteile einer kleinen, kostengünstigen Universität in Luzern zu informieren. Im Grossen Rat ist diese Kommunikation sehr gut gelungen. Schliesslich haben alle Parteien zugestimmt. Die Bürgerinnen und Bürger des Kantons Luzern davon zu überzeugen, ist bedeutend schwieriger. Dies geht nicht ohne viele Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit Verbindungen zur Bevölkerung im Kanton Luzern.
Die Verantwortlichen in Pfarrei und Kirchgemeinde des Kantons Luzern zählen zu diesen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Sie sind aufgefordert, in ihren Gemeinden über das Universitätsgesetz zu informieren oder informieren zu lassen. Sie können dazu auch Referentinnen und Referenten anfragen.<1> Erziehungsdirektor Dr. Ulrich Fässler, einer der wohl brillantesten Redner zum neuen Universitätsprojekt, ist ebenfalls bereit, zu informieren oder an einem Podiumsgespräch teilzunehmen.<2>
Für die Abstimmungskampagne stehen verschiedene Kommunikationsmittel zur Verfügung.<3> Ich zähle verschiedene Möglichkeiten auf:

«Aber warum, Herr Pfarrer, machen Sie Politik?» Diese Frage habe ich im Gespräch mit verschiedenen Seelsorgern herausgehört. Antwort: Weil abwarten und zuschauen feige wäre.
Wir brauchen auch in Zukunft genügend Seelsorgerinnen und Seelsorger, deshalb brauchen wir eine Theologische Fakultät in der Zentralschweiz.

«Das Bistum Basel braucht Luzern», so schreibt Bischof Dr. Kurt Koch im Leitartikel der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ 12/2000). Das Bistum und überhaupt die Kirche in der deutschsprachigen Schweiz sind auf das Wirken der Theologischen Fakultät Luzern angewiesen, so Bischof Koch. Denn Christinnen und Christen sollen «jedem Rede und Antwort stehen, der nach der Hoffnung fragt», die sie erfüllt (1 Petr 3,15). Wie Glaubende in der heutigen Zeit Red und Antwort stehen können, lernen sie auch an der Theologischen Fakultät ihrer Region.
Theologie wird immer häufiger als Kombinationsstudium in Luzern studiert. Als Hauptfach wählen Studierende die Theologie an der kleinen, persönlichen Fakultät. Für ihr Nebenfach sind sie an der Uni Zürich angemeldet oder an der Musikhochschule Luzern und wohl bald auch an anderen Hochschulen.
Seelsorgerinnen und Seelsorger des Kantons Luzern haben im Zusammenhang mit der kommenden Abstimmung über das Universitätsgesetz eine grosse Verantwortung, so der Regionaldekan Dr. Max Hofer. Nicht nur die Dekane dieses Kantons (vgl. deren Stellungnahme in: SKZ 14/2000), sondern auch die übrigen Seelsorgerinnen und Seelsorger sind aufgefordert, klar Farbe zu bekennen zur Theologischen Fakultät der UHL.
Die Stimmberechtigten des Kantons Luzern müssen in den einzelnen Regionen der Landschaft (Dekanate) über die Chance der neuen Universität informiert werden. Es sollen auch die negativen Konsequenzen im Falle eines Neins für die Theologie und damit für die Pfarreien nicht verschwiegen werden.
Die 400-jährige Tradition darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Rechtzeitig zum Jubiläum dieser 400-jährigen Geschichte haben die Historiker beider Fakultäten, Aram Mattioli und Markus Ries, diese Geschichte des höheren Bildungswesens vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen der jeweiligen Zeit dargestellt («Eine höhere Bildung thut in unserem Vaterlande Noth». Steinige Wege vom Jesuitenkollegium zur Hochschule Luzern, Zürich 2000).
Wenn es bisher auch keine organisierte Gegnerschaft gibt, ist dennoch mit einem sehr hohen Nein-Stimmenanteil zu rechnen. Dieser muss mit einem noch höheren Ja-Stimmenanteil überwunden werden. Viele von Veränderungen in der Schullandschaft Betroffene (Sekundarschule, Mittelschule) werden ihr Nein zur Uni nicht öffentlich begründen.
Die Organisation eines Informationsabends über das gesamte Universitätsprojekt sollten verschiedene interessierte Kreise (Frauenbund, Pfarreiratsmitglieder usw.) gemeinsam anpacken. Dann bin ich überzeugt, dass wir das Ja zur Universität Luzern und damit das Ja zur Theologie in Luzern erreichen können. Damit wäre auch die Zukunft der Theologischen Fakultät gesichert.

Adrian Loretan
Dekan der Theologischen Fakultät
der Universitären Hochschule Luzern


Anmerkungen

1 Über die Informationsbeauftragte der UHL, Frau lic. phil. Judith Lauber (Pfistergasse 20, 6003 Luzern, Telefon 041-2287811, E-Mail judith.lauber@unilu.ch), oder über das Dekanat der Theologischen Fakultät (041-2285515 oder 041-2286103).

2 Anmeldungen nimmt entgegen: Telefon 041-2285201. Ich möchte Regierungsrat Dr. Ulrich Fässler an dieser Stelle auch öffentlich danken, dass er sich persönlich so oft für Referate zum neuen Universitätsprojekt in allen Gemeinden zur Verfügung stellt.

3 Diese können beim Aktionskomitee UNI JA, Postfach 3282, 6130 Willisau, bestellt bzw. vom Internet heruntergeladen werden (www.uniluzernja.ch).

4 Postfach 3282, 6130 Willisau.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000