15/2000 | |
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Leitartikel |
Bei der Volksabstimmung über das Universitätsgesetz im Kanton
Luzern vom 21. Mai 2000 geht es um Sein oder Nichtsein der Universitären
Hochschule Luzern (UHL). Mit einem Nein zur Universität wird aus staatlicher
Sicht auch die Zukunft der Theologischen Fakultät in Frage gestellt.
Es handelt sich bei dieser Abstimmung um keinen gemütlichen Sonntagsspaziergang,
sondern um eine Zitterpartie mit enormen Konsequenzen. Alles steht auf dem
Spiel. Nur mit einem Ausbau, das heisst nur mit einem Ja zur Uni wird die
Theologische Fakultät Luzern aus staatlicher Sicht eine Zukunft haben.
Jetzt gilt es, die Bevölkerung des Kantons Luzern über die Vorteile
einer kleinen, kostengünstigen Universität in Luzern zu informieren.
Im Grossen Rat ist diese Kommunikation sehr gut gelungen. Schliesslich haben
alle Parteien zugestimmt. Die Bürgerinnen und Bürger des Kantons
Luzern davon zu überzeugen, ist bedeutend schwieriger. Dies geht nicht
ohne viele Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit Verbindungen zur Bevölkerung
im Kanton Luzern.
Die Verantwortlichen in Pfarrei und Kirchgemeinde des Kantons Luzern zählen
zu diesen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Sie sind aufgefordert,
in ihren Gemeinden über das Universitätsgesetz zu informieren
oder informieren zu lassen. Sie können dazu auch Referentinnen und
Referenten anfragen.<1> Erziehungsdirektor
Dr. Ulrich Fässler, einer der wohl brillantesten Redner zum neuen Universitätsprojekt,
ist ebenfalls bereit, zu informieren oder an einem Podiumsgespräch
teilzunehmen.<2>
Für die Abstimmungskampagne stehen verschiedene Kommunikationsmittel
zur Verfügung.<3> Ich zähle
verschiedene Möglichkeiten auf:
«Aber warum, Herr Pfarrer, machen Sie Politik?» Diese Frage
habe ich im Gespräch mit verschiedenen Seelsorgern herausgehört.
Antwort: Weil abwarten und zuschauen feige wäre.
Wir brauchen auch in Zukunft genügend Seelsorgerinnen und Seelsorger,
deshalb brauchen wir eine Theologische Fakultät in der Zentralschweiz.
«Das Bistum Basel braucht Luzern», so schreibt Bischof Dr.
Kurt Koch im Leitartikel der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ 12/2000).
Das Bistum und überhaupt die Kirche in der deutschsprachigen Schweiz
sind auf das Wirken der Theologischen Fakultät Luzern angewiesen, so
Bischof Koch. Denn Christinnen und Christen sollen «jedem Rede und
Antwort stehen, der nach der Hoffnung fragt», die sie erfüllt
(1 Petr 3,15). Wie Glaubende in der heutigen Zeit Red und Antwort stehen
können, lernen sie auch an der Theologischen Fakultät ihrer Region.
Theologie wird immer häufiger als Kombinationsstudium in Luzern studiert.
Als Hauptfach wählen Studierende die Theologie an der kleinen, persönlichen
Fakultät. Für ihr Nebenfach sind sie an der Uni Zürich angemeldet
oder an der Musikhochschule Luzern und wohl bald auch an anderen Hochschulen.
Seelsorgerinnen und Seelsorger des Kantons Luzern haben im Zusammenhang
mit der kommenden Abstimmung über das Universitätsgesetz eine
grosse Verantwortung, so der Regionaldekan Dr. Max Hofer. Nicht nur die
Dekane dieses Kantons (vgl. deren Stellungnahme in: SKZ 14/2000), sondern
auch die übrigen Seelsorgerinnen und Seelsorger sind aufgefordert,
klar Farbe zu bekennen zur Theologischen Fakultät der UHL.
Die Stimmberechtigten des Kantons Luzern müssen in den einzelnen Regionen
der Landschaft (Dekanate) über die Chance der neuen Universität
informiert werden. Es sollen auch die negativen Konsequenzen im Falle eines
Neins für die Theologie und damit für die Pfarreien nicht verschwiegen
werden.
Die 400-jährige Tradition darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Rechtzeitig
zum Jubiläum dieser 400-jährigen Geschichte haben die Historiker
beider Fakultäten, Aram Mattioli und Markus Ries, diese Geschichte
des höheren Bildungswesens vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen
Auseinandersetzungen der jeweiligen Zeit dargestellt («Eine höhere
Bildung thut in unserem Vaterlande Noth». Steinige Wege vom Jesuitenkollegium
zur Hochschule Luzern, Zürich 2000).
Wenn es bisher auch keine organisierte Gegnerschaft gibt, ist dennoch mit
einem sehr hohen Nein-Stimmenanteil zu rechnen. Dieser muss mit einem noch
höheren Ja-Stimmenanteil überwunden werden. Viele von Veränderungen
in der Schullandschaft Betroffene (Sekundarschule, Mittelschule) werden
ihr Nein zur Uni nicht öffentlich begründen.
Die Organisation eines Informationsabends über das gesamte Universitätsprojekt
sollten verschiedene interessierte Kreise (Frauenbund, Pfarreiratsmitglieder
usw.) gemeinsam anpacken. Dann bin ich überzeugt, dass wir das Ja zur
Universität Luzern und damit das Ja zur Theologie in Luzern erreichen
können. Damit wäre auch die Zukunft der Theologischen Fakultät
gesichert.
1 Über die Informationsbeauftragte der UHL, Frau lic. phil. Judith Lauber (Pfistergasse 20, 6003 Luzern, Telefon 041-2287811, E-Mail judith.lauber@unilu.ch), oder über das Dekanat der Theologischen Fakultät (041-2285515 oder 041-2286103).
2 Anmeldungen nimmt entgegen: Telefon 041-2285201. Ich möchte Regierungsrat Dr. Ulrich Fässler an dieser Stelle auch öffentlich danken, dass er sich persönlich so oft für Referate zum neuen Universitätsprojekt in allen Gemeinden zur Verfügung stellt.
3 Diese können beim Aktionskomitee UNI JA, Postfach 3282, 6130 Willisau, bestellt bzw. vom Internet heruntergeladen werden (www.uniluzernja.ch).
4 Postfach 3282, 6130 Willisau.