7/2000 | |
INHALT | |
Leitartikel |
Die Kirche ist bereit, ihre Anliegen öffentlich zu vertreten und
über ihr Handeln in den Medien zu informieren. Sie betreibt eine aktive
Informationspolitik und bemüht sich um eine offene und professionelle
Information der Journalistinnen und Journalisten.» Diese im «Pastoralplan
für Kommunikation und Medien der Katholischen Kirche in der Schweiz»
festgeschriebene Absichtserklärung der Schweizer Bischofskonferenz
konkretisierte ihr Informationsbeauftragter Nicolas Betticher mit einer
ausserordentlichen Pressekonferenz in der Umgebung von Freiburg. Unmittelbaren
Anlass dazu bot das Jubiläumsjahr 2000. Es schliesse an das Jobeljahr
an, das Brachjahr, das JHWE gehört und eine Befreiung für alle
Bewohner des Landes bedeutete. Weil das Land JHWE gehört, ist der Boden
letztlich unverkäuflich: So erinnere auch das Heilige Jahr, das Jubeljahr
2000 daran, dass der Mensch auf der Erde nur vorübergeht, und als 7.
Sabbatjahr lade es auch dazu ein, für sich Zeit zu nehmen.
Als kirchliches Jubeljahr greife das Heilige Jahr drei Linien auf, erklärte
Nicolas Betticher: Die Nächstenliebe (la charité), die Läuterung
und das Gedenken der Märtyrer. Die Kirche stehe in der Kette der Menschheit
und damit auch in der Geschichte ihrer Ungerechtigkeiten. Deshalb werde
Papst Johannes Paul II. am Aschermittwoch erklären, dass die Kirche
zu ihrer Schuldgeschichte stehe, und am darauf folgenden Sonntag das diesbezügliche
Dokument unterzeichnen. Deshalb setzten sich der Papst und mit ihm auch
die Schweizer Bischöfe im Zusammenhang des Jubiläumsjahres in
besonderer Weise für eine Entschuldung der ärmsten Länder
ein. Der Märtyrer werde in Rom in besonderer Weise am 7. Mai im Rahmen
eines Gottesdienstes im Kollosseum gedacht.
Die Gläubigen werden eingeladen, die Gesinnung des Heiligen Jahres
besonders auf drei Weisen konkret zum Ausdruck zu bringen: Mit Wallfahrten,
mit dem Schreiten durch die Heilige Pforte, mit dem Ablass. Die Wallfahrt
könne eine Pilgerfahrt sein, aber auch ein In-sich-selber-Gehen. Um
die Pilgerfahrt zu veranschaulichen, wurden die an der Pressekonferenz Teilnehmenden
zunächst nach Tafers, dem Hauptort des Sensebezirks, geführt,
wo ihnen der Dorfkern und in ihm nicht nur die Pfarrkirche, sondern auch
und vor allem die St. Jakobskapelle vorgestellt wurden. Tafers war eine
Station auf der Strecke des Jakobsweges von Flüeli-Ranft nach Freiburg.
Die Pressekonferenz selber wurde dann im neuen Pilgerhaus des Marienwallfahrtsortes
Borguillon (Bürglen) oberhalb der Stadt Freiburg durchgeführt.
Das Schreiten durch die Heilige Pforte habe mit einem Übergang (passage)
zu tun wie schon das Erdenleben, und das Überschreiten einer Schwelle
sei auch ein psychologischer Schritt. Das Bistum Sitten schuf ein Jubiläums-Evangeliar,
auf dessen Deckel das Portal der St. Theodulskirche abgebildet ist; so soll
zum Ausdruck gebracht werden, dass Jesus Christus die Pforte ist. In diesem
Zusammenhang seien auch die 46 Ablasskirchen zu sehen, zu denen in der Schweiz
die Gläubigen pilgern können, um einen Ablass zu gewinnen
aber auch die grossen gemeinschaftlichen Wallfahrten nach Rom, namentlich
zum Weltjugendtreffen (15.20. August) und zum Schweizertag (25. September).
In seiner Begrüssung anerkannte Nicolas Betticher, dass die Medien
über die Kirche regelmässig informieren dies allerdings
«nicht immer ganz präzise». Deshalb will die Bischofskonferenz
ihr Informationsangebot um wöchentliche Hintergrundinformationen und
regelmässige Fachtagungen (hearings) erweitern. An diesen Fachtagungen
werde jährlich dreimal zu einem bestimmten Thema eine prominente Auskunftsperson
zur Verfügung stehen; erstes Thema werde die Ökumene sein und
Gast dafür Bischof Walter Kasper vom Rat für die Einheit der Christen.
(Im Unterschied zu den früheren Zürcher Pressegesprächen
müssen diese Fachtagungen zunächst ohne Beteiligung anderer Kirchen
durchgeführt werden.) Über die Medien könne die Kirche Milieus
ausserhalb der sonntäglichen Gottesdienstgemeinde erreichen, Menschen,
die so die Kirche entdecken oder wieder entdecken, Menschen, die nach Orientierungswissen
suchen. So wurde das Jubiläumsjahr 2000 auch Anlass, die Umsetzung
des Pastoralplanes für Kommunikation und Medien unverzüglich an
die Hand zu nehmen.