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Die Glosse |
Die altgriechischen Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen ei [ei],
h [æ], hi und h [æ], i [i], oi [oi], u [y] werden gegen Ende
des zehnten Jahrhunderts alle als i [i] ausgesprochen. Nach der Aussprache
des Buchstabens '´hta [æta] nennt man dieses Phänomen Itazismus
und versteht darunter auch die gesamte byzantinisch-neugriechische Aussprache
des Attischen.
Byzantinische Gelehrte brachten die itazistische Aussprache im 15. Jahrhundert
nach Westeuropa. Sie wurde von den meisten Humanisten, so Johannes Reuchlin
und Philipp Melanchthon, gefördert und in katholischen wie in reformierten
Kreisen verwendet.
Schon Ende des 15. Jahrhunderts traten ihr aber Aldus Manutius d.Ä.
und vor allem Erasmus von Rotterdam entgegen. Dieser verwendete die etazistische
Aussprache. Die «erasmianische» Aussprache wurde im Calvinismus
verbreitet und setzte sich seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts auch im
Unterricht des deutschsprachigen Raumes sowie in der internationalen Gelehrtenwelt
weitgehend durch.1
Die Aussprache von ku´rie (Herr!) lautet demnach klassisch und gelehrt
[Kyrie!]. Der nachfolgende Bittruf der 2. Person Singular, Imperativ, Aorist,
Aktiv 'el´ehson [eléæson!] (erbarme dich!) wird in der
ost- wie in der westkirchlichen Liturgie itazistisch [eléison!] ausgesprochen.
Konsequenterweise müsste somit auch für die Anrede die byzantinisch-neugriechische
Aussprache [Kirie!] verwendet werden.