3/2000

INHALT

Die Glosse

Es sollte mehr Lausbuben geben

Und natürlich auch Lausmädchen! Denn sie drohen auszusterben. Haben Sie das noch nicht bemerkt? Laus-Buben und -Mädchen haben ja nichts mit Läusen zu tun. Jedenfalls habe ich bei ihnen noch keine Läuse entdeckt! Vielmehr kommt dieser Name vom «Laus Dei», vom Lobe Gottes. Laus-Buben nannte man sie, weil sie regelmässig in der Kirche das «Laus Dei» sangen, nicht nur am Sonntag, sondern auch an Werktagen. Das Lob Gottes macht die Menschen froh. Das spürt man an der Fröhlichkeit und an den Streichen, welche diese Laus-Buben auch ausserhalb der Kirche auszeichnen.
Heute sind wir in Gefahr, die Freude zu übersehen, welche das Lob Gottes bringt. Manche sehen im Gottesdienst nur eine lästige Pflicht. Kinder, die am Sonntag in die Kirche gehen, weil sie gerne beten und singen, müssen sich manchmal rechtfertigen. Kirchgänger werden nicht selten als weltflüchtig, Frömmler oder abnormal hingestellt. Es wird nicht mehr von allen verstanden, welch grosse Freude das «Laus Dei», das Lob Gottes in uns schafft. Doch bei all dem Schlechten dieser Welt sollten wir die noch grössere Güte Gottes nicht übersehen. Das Lob Gottes, die «Laus Dei», ist auch heute wichtig und tut gut. Wir werden dabei reich beschenkt. In der hl. Messe kommen wir mit Jesus Christus zusammen.
Daher sollte es wieder mehr Buben und Mädchen geben, die am Sonntag gerne und regelmässig in den Gottesdienst gehen. Sie dürfen sich deswegen zu Recht «Laus-Buben» und «Laus-Mädchen» nennen. Vielleicht gründen Sie in den Pfarreien eigene Clubs für Laus-Buben und Laus-Mädchen. Sie werden entdecken, dass es auch viele ältere Leute gibt, die mit Überzeugung Laus-Buben und Laus-Mädchen geblieben sind. Man muss sich wirklich nicht schämen, wenn man gerne in den Gottesdienst geht und dabei froh wird und auch andere froh macht. Als Jugendbischof würde ich gerne von Laus-Buben und -Mädchen ihre Erlebnisse mit dem Lob Gottes und ihre Anregungen erfahren. Sie müssen sich nicht verstecken! Sie bleiben modern und dürfen sich freudig zeigen. Schön wäre es, wenn es überall mehr echte Laus-Buben und Laus-Mädchen gäbe!

Weihbischof Martin Gächter


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000