40/2000

INHALT

Neue Bücher

Der Ort der Laien in der Kirche

von Franziska Loretan-Saladin

 

Seit rund dreissig Jahren kennt die Kirche in verschiedenen Ländern Europas einen neuen Beruf: die Frauen und Männer, die mit theologischer Ausbildung in Pfarreien und auf verschiedenen kirchlichen Ebenen arbeiten. Der Pastoraltheologe Leo Karrer, Freiburg, kennt und verfolgt diese Entwicklung seit ihrem Beginn, war er doch selber einige Jahre am bischöflichen Ordinariat der Diözese Basel als Mitarbeiter im Personalamt tätig und hat so die Öffnung einer bis dahin auf geweihte Mitarbeiter ausgerichteten Kirche für die neuen pastoralen Berufe von nichtgeweihten «Laien» selbst miterlebt.

Wer sind die Laien?

In seinem neusten Buch «Die Stunde der Laien. Von der Würde eines namenlosen Standes»<1> soll nicht hauptsächlich von diesen hauptberuflich in der Kirche tätigen so genannten Laientheologinnen und -theologen die Rede sein, sondern von allen getauften Christinnen und Christen und ihrem Auftrag in der Welt und in der Kirche. Dabei richtet Karrer seinen Blick auch nicht allein auf die letzten drei Jahrzehnte, sondern zeigt auf, wie die Entwicklung des neuen Selbstbewusstseins der Laien angelegt ist vor allem in den breiten Bewegungen des Katholizismus und der Katholischen Aktion im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dass die Frage nach den Laien in der Kirche sich immer wieder als Frage nach der Ekklesiologie, also nach dem Verständnis von Kirche überhaupt stellt (vgl. 17)<2>, zeigt sich besonders deutlich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die neue Sicht der Kirche als «Volk Gottes» bedeutete einen «Durchbruch» für die Laien: «Die Laien sind ­ ähnlich wie in der Urkirche ­ sozusagen wieder zu Christen und Christinnen geworden; sie sind theologisch rehabilitiert worden» (101).
Schon im Vorwort schreibt Karrer, «dass es nicht nur um die Frage geht, was die Laien in der Kirche tun dürfen, sondern vor allem darum, wer sie sind» (14). Konsequent ist demnach auch der Aufbau des Buches, das in den ersten vier Kapiteln die geschichtliche Entwicklung des Verhältnisses von Klerus und Laien darstellt, und zwar von der neutestamentlichen Zeit (1. Kapitel) mit einem besonderen Schwerpunkt im 19. Jahrhundert (2. Kapitel) über die Umbrüche innerhalb der Gesellschaft im 20. Jahrhundert (3. Kapitel) bis zum erwähnten Wandel des Selbstverständnisses der Kirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (4. Kapitel). Auf diesem Hintergrund erfolgt im 5. Kapitel eine theologische Rechenschaft über das (neue) Verständnis der Laien als Christinnen und Christen, bevor deren Handlungsfelder in Gesellschaft (6. Kapitel) und Kirche (7. Kapitel) beleuchtet werden. Im abschliessenden 8. Kapitel schliesslich gibt Karrer als «spirituelle Perspektiven» ganz konkrete Hinweise für die bewusste Pflege des Christseins im Alltag.

Die Last der Geschichte

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass sich ein «Stand der Laien» in Abhebung von den klerikalen Amtsträgern erst allmählich im Laufe des ersten christlichen Jahrtausends herausgebildet hat. Mit anderen Worten: Der Stand der beamteten geistlichen Funktionäre der Kirche, der «Könige» (so Gratian), hat sich vom «Stand der Unvollkommenheit» abgehoben, dem die ungebildeten ­ damals im wörtlichen Sinn «Laien» ­ angehören (34). Zwar gab es im Mittelalter wie auch in der nachtridentinischen Zeit vielfältige Belege für das religiöse Bewusstsein und die Pflege einer reichen auch tatkräftigen Frömmigkeit des Volkes, doch werden die Erfahrungen und Kompetenzen der «Weltlichen» innerhalb der Kirche mehr und mehr zurückgedrängt. Die Laien werden ihrer spirituellen Kompetenz enteignet und schliesslich im Kirchenrecht von 1917 auf das einzige Recht reduziert, «nach Massgabe der kirchlichen Ordnung vom Klerus geistliche Güter und vor allem die zum Heil notwendigen Mittel zu empfangen» (Mörsdorf, bei Karrer 50).

Katholizismus

Es liesse sich wohl manche Phase dieser fast zwei Jahrtausende kirchlicher Entwicklung noch detaillierter im Blick auf das Verhältnis von Klerus und Laien untersuchen. Dies würde aber die Anlage dieses Buches sprengen. Genauer fokussiert Karrer im 2. Kapitel die Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter dem Stichwort «Katholizismus» als dem volkskirchlichen Block innerhalb einer aufgeklärten und liberalen Gesellschaft. Obwohl innerkirchlich weiterhin unter der Vormundschaft des Klerus stehend, wurden die Laien im staatlichen, gesellschaftlichen und politischen Bereich als Christen sozusagen «selbstverantwortlich und Ðerwachsenð» (61) und errangen der Kirche in der Welt einen gewissen Handlungsspielraum, allerdings organisiert in einer Art Subgesellschaft oder «Bollwerk».
Die zunehmende Differenzierung, Individualisierung und Pluralisierung der Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der so genannte «zweite Modernisierungsschub», machte auch vor der Kirche nicht Halt (3. Kapitel). Die Parallelgesellschaft des katholischen Milieus löste sich allmählich auf. Religiöse Praxis wurde zur Privatsache, der nicht mit totaler Kirchlichkeit und möglichst integralistischen Seelsorgemethoden begegnet werden darf, will sich die Kirche nicht selbst ins gesellschaftliche Abseits stellen. Karrer stützt sich in diesem 3. Kapitel wenig explizit auf soziologische Untersuchungen. Vermisst habe ich etwa einen Hinweis auf die Werke von G. Schulze, Erlebnisgesellschaft (1992), oder U. Beck, Risikogesellschaft (1986), schon an dieser Stelle und nicht erst im 6. Kapitel. Wachsam deutet er aber schon hier die Ambivalenz an, in der sich das Individuum am Ende des 20. Jahrhunderts befindet angesichts der grossen Freiräume wie auch des Zwangs zur Nutzung der gewonnenen Freiheit (vgl. 83­85). Diese Situation wirkt sich auch auf die Beziehung zur Kirche aus und fördert die neue Suche nach Spiritualität, allerdings nicht mehr im geschlossenen Rahmen kirchlicher Bindung.

Sakramentalität

Wer in den ersten Kapiteln vielleicht etwas ungeduldig viel Bekanntes neu gelesen hat, stösst nun im 5. Kapitel auf das Herzstück des Buches. Als Hauptanliegen des Autors erweist sich sein eigener Entwurf einer «Theologie der Laien». Den Hintergrund der permanenten Zurücksetzung der Laien durch den Klerus entlarvt Karrer prägnant als «geistige und geistliche Störungen..., die Natur und Übernatur, Gott und Welt, Weltflucht und Weltbejahung einander entfremdeten oder sie gar schieden» (154f.). Ein solches Denkmodell vermag aber die inkarnatorische Tiefe des Glaubens nicht umzusetzen. Was theologisch durch die «anthropologische Wende» (K. Rahner), die Theologie der irdischen Wirklichkeiten (T. de Chardin, J. B. Metz) und die insgesamt pastorale Ausrichtung des Zweiten Vatikanischen Konzils (vgl. 155) vorbereitet wurde, wird bei Karrer zum «Plädoyer... für die konkrete Wirklichkeit, für die Weltlichkeit der Realität mit ihren geschichtlichen Bedingungen, für das Denken und die Freiheit, für die Kreatürlichkeit bis hin zu ihrer Fleischlichkeit» (158).
Ohne die Welt und ihre Wirklichkeit zu idealisieren gewinnt Karrer so ein radikales Verständnis der Sakramentalität der Kirche. Im Blick auf einen «handelnden Glauben bzw. auf die Seele der Kirche als Gott antwortende (anbetende) Gemeinschaft inmitten der Welt und unter den Menschen» (169) nimmt Karrer dann die Einheit von Gottes- und Menschenliebe in den Blick. Diese bildet den Hinter- und Urgrund für die «Tat-Orte» christlicher Praxis von Laien, wie sie im 6. Kapitel entfaltet werden.
Die sakramentale Einheit von Wirklichkeit und Glaube im ganz gewöhnlichen Leben, im «Humus der Alltagserfahrung» (186ff.) zeigt sich exemplarisch an der Lebensform der Ehe. In für kirchliche Ohren ungewohnt deutlicher Sprache und im Wissen (aus eigener Erfahrung!) um die glückenden, aber auch um die versöhnungsbedürftigen Momente ehelichen Lebens schildert Karrer glaubwürdig, «dass die Ehe Ðum des Himmelreiches willenð der Ehelosigkeit Ðum des Himmelreiches willenð nicht nachgeordnet werden darf» (189f.). Gerade weil die Liebe von der Hoffnung auf Vollendung lebt, wird «die Partnerschaft von Christen und Christinnen in allen ihren exemplarischen Formen transparent für das entscheidend Christliche» (196). Schliesslich erhält die Treuezusage Gottes zum Menschen ihre letzte Sinnverankerung in der in der Ehe erfahrbaren Solidarität und Treue.

Mitwirkung ermöglichen

Wer solche Passagen liest und sich erinnert an die frühere Zwei-Stände-Lehre der Kirche, wünscht sich, dass dieses Buch nicht nur von Laien zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins, sondern auch von Kirchenmännern in leitender Verantwortung gelesen und bedacht werden möge. Dies vor allem auch im Blick darauf, was die Konsequenz einer solchen Theologie der Laien für eine neue Struktur der Kirche bedeuten könnte. Ansätze dazu finden sich im 7. Kapitel, in dem der Leser, die Leserin auf Karrers bekanntes und grosses Anliegen einer synodal verfassten Kirche stösst. Sorgfältig geht Karrer den schon vorhandenen Mitsprache- und Mitwirkungsmöglichkeiten der Laien nach und zieht daraus den klaren Schluss: «Die so reichlich belegte Mitarbeit von Laien in der Kirche ruft nach deren formalem Ort in einer noch klerikal strukturierten Kirche. Auf die Dauer wird es der Kirche insgesamt nicht gut bekommen, wenn die alleinige formale Entscheidungskompetenz nur einer kleinen ÐEliteð zukommt, die über bestimmte Voraussetzungen verfügt, welche die anderen davon ausschliessen» (258). Karrer ist sich bewusst, dass eine schnelle Reform und eine strukturelle Veränderung der Kirche momentan keine grosse Chance haben.
So zeichnet er die neuen Konturen denn auch als «Utopie einer synodal verfassten Kirche» (265­281), wobei seine Ansätze für mich durchaus die Möglichkeit enthalten, «Topos» zu werden bzw. einen Ort zu erhalten. Wie im ganzen Buch, so auch in diesem Kapitel besonders wünschte ich mir die Darstellungen und Entwürfe etwas geraffter und mit weniger Wiederholungen. Mag sein, dass der längere Entstehungsprozess des Buches (vgl. Vorwort, 13) ein Grund dafür ist, dass die Kapitel wie lose nebeneinandergestellt wirken.

Das Christsein pflegen

In den «spirituellen Perspektiven» schliesslich gibt Karrer im 8. Kapitel wertvolle Anregungen und Ermutigungen an die Laien, ihr Christsein zu pflegen zum Beispiel durch eine «Aszese der Entfaltung» (306ff.), durch Treue zum Anliegen auch angesichts von Misserfolgen und durch das Verfolgen einer Art Doppelstrategie: «Wir müssen zum einen in unserem eigenen Verantwortungsbereich und nach Massgabe unserer Kräfte das tun, was an Aufgaben vorgegeben ist; und wir müssen zum andern in solidarischen Formen gegenüber den Entscheidungsebenen der Kirche unsere Anliegen Ðpolitischð vertreten, wenn es um strukturelle Änderungen der Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für die schöpferische Mitverantwortung geht» (334).
Bei aller Kritik an begangenen Fehlern und unbeweglichen Strukturen der Institution Kirche ist Karrers Liebe und Verwurzelung in der Kirche als «Bewegung von Menschen, die in der Nachfolge Jesu zusammen unterwegs sind» (332) durchwegs spürbar. Und so ist ihm wohl auch zuzustimmen, wenn er fast zum Schluss festhält: «Das subversivste für die empirische Kirche ist, dass wir sie in ihrer christlichen Dimension lieben» (335).

 

Die Theologin Franziska Loretan-Saladin ist Lehrbeauftragte für homiletische Übungen an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern.


Anmerkungen

1 Leo Karrer, Die Stunde der Laien. Von der Würde eines namenlosen Standes, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 351 S.

2 Die Zahlen in Klammern im Text entsprechen den Seitenzahlen des besprochenen Buches.


St. Franziskus, Riehen

Menschen zur Gemeinschaft führen. 1899­1999. 100 Jahre katholische Kirche in Riehen und Bettingen, Verlag z'Rieche, Riehen 1999, 159 Seiten.

Zu ihrem Jahrhundert-Jubiläum im Jahr 1999 legte die katholische St.-Franziskus-Pfarrei der baselstädtischen Gemeinden Riehen und Bettingen einen Band über ihre Geschichte vor, der in seiner gediegenen Ausstattung den Rahmen des Durchschnittlichen sprengt und nur schon deshalb die Aufmerksamkeit einer überregionalen Öffentlichkeit verdient. In den sechs Beiträgen gelang es den (allesamt ortsansässigen) Autoren aufzuzeigen, wie sich in all den Jahren und dementsprechend sich wandelnden Ausdrucksformen pfarreilichen Lebens eine gemeinsame Hoffnung und Zielrichtung durchhielt: «Menschen zur Gemeinschaft führen». Dass der Rückblick nicht auf die Zeit des hundertjährigen Bestehens eingeschränkt bleiben, sondern auch das in Riehen bereits Jahrhunderte vor der Reformation blühende katholische Leben miteinbeziehen sollte, war eine gute Entscheidung. So kann man mit Staunen dem ersten, weit gespannten Beitrag des evangelischen Theologen Michael Raith, des sicher ortskundigsten Historikers, entnehmen, wie viele Spuren katholischen Lebens ­ bis zu noch heute gebräuchlichen Flurnamen ­ von der in Riehen früh durchgesetzten Reformation nicht ausgelöscht werden konnten.
Der zweite Beitrag zur «Geschichte der Riehener Katholiken von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart» aus der Feder des Rechtswissenschaftlers Dr. Stefan Suter basiert nicht weniger als der erste auf sorgfältigem Quellenstudium. In liebevoller Detailarbeit brachte er das in Archiven Verstreute in einen klar gegliederten Zusammenhang. Was man heute mit dem Etikett «Ghettokatholizismus» allzu leichtfertig abtut, erweist sich in Suters Ausführungen als eine auf viele Jahrzehnte hin beeindruckend kreative und offenkundig erfolgreiche Weise kirchlichen Reagierens auf die bedrängende Situation der «Diaspora» («Zerstreuung») und der sozialen Benachteiligung und Marginalisierung. Wie wichtig war das katholische Vereinswesen ­ und in Riehen offensichtlich von Anfang an bis heute besonders der Kirchenchor! ­ in der Umsetzung des Zieles, «Menschen zur Gemeinschaft zu führen»!
Der kenntnisreiche, aktenkundige Rückblick Suters wird angenehm aufgelockert mit (von Lukrezia Seiler redigierten) «Erinnerungen aus hundert Jahren», Anekdoten, Zeugnissen von zum grösseren Teil noch lebenden «Zeitzeugen» aus der Pfarrei sowie von ehemaligen Pfarrseelsorgern. Sicher ist besonders Lukrezia Seiler, einer langjährigen Mitarbeiterin des in seiner Aufmachung einzigartigen, seit Jahrzehnten erscheinenden Riehener Jahrbuches, das niveaugleiche Layout dieses Jubiläumsbandes zu verdanken.
Im Rückblick auf die jüngste Pfarreigeschichte steht zu Recht die Nachzeichnung des mitunter spannungsreichen Weges zur Realisierung der längst fällig gewordenen künstlerischen Ausgestaltung des bereits bei seiner Errichtung im Jahre 1950 zukunftsweisenden, architektonisch gut durchdachten Kirchenraumes von St. Franziskus im Mittelpunkt. Als Mitglied der damaligen Projektkommission konnte Franz Osswald davon «aus erster Hand» berichten. In diesem Zusammenhang durfte auch eine «Geschichte der Orgeln in der Pfarrei St. Franziskus» nicht fehlen. Geschrieben haben sie der derzeitige Kirchenmusiker Cyrill Schmiedlin und der langjährige Riehener Lehrer René Tanner, beide Initiatoren des Baus der neuen, wohl gelungenen Füglister-Orgel.
Überblickt man das Gesamte dieses stattlichen, mit einer sorgfältigen Bildauswahl versehenen Bandes, dann fällt allerdings auf, dass die Konturen des pfarreilichen Lebens desto blasser und abstrakter werden, je mehr man sich der Gegenwart nähert. Sicher fordert Geschichtsschreibung immer eine gewisse Distanz. Man könnte in dem spürbaren Manko aber auch eine Aufgabe erblicken, die von der Pfarrei St. Franziskus mit der Herausgabe ihres Geschichtsbandes nicht als gelöst, sondern als überhaupt erst eigentlich gestellt angesehen werden sollte. Diese liegt darin, eine ehrliche Konfrontation ihrer Situation heute mit dem, was früher war und, daraus hervorgehend, eine Deutung ihrer Geschichte zu wagen, die dazu ermutigt, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Der Rezensent, ehemals Vikar in der St.-Franziskus-Pfarrei, kann nur wünschen, dass die Chance wahrgenommen wird, die mit dem Erscheinen dieses Jubiläumsbandes gegeben ist: «Lerne aus den Jahren der Geschichte» (Dtn 32,7)!

Lorenz Gadient


Monastische Zentren

Cesare Romanó, Abteien und Klöster in Europa. Illustrierter Führer zu 480 Zentren monastischen Lebens, Pattloch Verlag, Augsburg 1997, 310 Seiten.

Cesare Romanó, ein versierter Journalist aus Italien, hat dieses Buch zusammengestellt, nachdem er rund 480 Zentren monastischen Lebens auf dem europäischen Kontinent besucht hatte. Das Buch stellt prinzipiell nur Klöster und Ordenshäuser vor, in denen noch monastische Spiritualität gelebt wird. Klöster werden da nicht in erster Linie als Stätten des Kunstgenusses betrachtet, sondern als Oasen der Sammlung. In diesem Sinne erhält auch jeder einzelne Beitrag Bemerkungen über die Möglichkeiten, an der klösterlichen Gastfreundschaft zu partizipieren. Daneben bietet dieser Kompaktführer alles Wissenswerte über Geschichte und Gegenwart jedes einzelnen Klosters, verbunden mit allen nützlichen touristischen Informationen.

Leo Ettlin


Orte religiöser Sehnsüchte

Georg Schmid, Sehnsucht nach Spiritualität. Neue religiöse Zentren der Gegenwart. Mit Reportagen über Pondicherry, Canigou, Dozwil, Puttaparthi, Anaheim, Pensacola, Sedona, Plum, Village, Karampa, Pune, Geneshpuri, Amritapuri, Taizé und Porträts von Sri Aurobindo, Bruder Ephraim, Sai Baba, Thich Nhat Hanh, Lama Ole Nydahl, Gurumayi, Amma, Frère Roger, Kreuz Verlag, Stuttgart 2000, 239 Seiten.

Der Autor ist Pfarrer der evangelisch-reformierten Zürcher Gemeinde Greifensee und Titularprofessor für Allgemeine Religionsgeschichte an der Theologischen Fakultät Zürich. Als Sektenbeauftragter seiner Kirche mit der Informationsstelle «Kirchen, Sekten, Religionen» hat er in einem halbjährigen Studienurlaub Stätten religiöser Begeisterung, inniger Mystik und feurigen Glaubens aufgesucht. Dabei hatte er ein grosses Programm: Europa, Vereinigte Staaten von Amerika und Indien. Auf diesen Exkursionen hat er buddhistische, hinduistische und christliche Bewegungen ­ zum Teil begeistert gehütet, zum Teil schamlos ausgenützt ­ gefunden. Georg Schmid steht diesen verschiedenartigen Phänomenen zwar offen, aber auch wohlwollend kritisch gegenüber. Sein für diesen Sektor geübtes Auge bemerkt auch Unechtes, das bis an die Grenzen schamloser Ausbeutung geht. Zu seinem eigenen Erstaunen traf er auch fast überall Schweizer und Europäer, die ihre religiösen Sehnsüchte auf eigenartige Weise zur erfüllten Ruhe bringen möchten.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000