29-30/2000

INHALT

Neue Bücher

Spiritualitäten

Josef Sudbrack, Gottes Geist ist konkret. Spiritualität im christlichen Kontext, Echter Verlag, Würzburg 1999, 472 Seiten mit ausführlichem Personen- und Sachregister.

Der Jesuit Josef Sudbrack ist wie kein zweiter berufen, in der heutigen Vielfalt spiritueller Angebote aus ganz verschieden gearteten Schulen und Zentren den christlichen Standpunkt klar und kompetent zu vertreten. Zeit seines akademischen Wirkens hat er sich als kritischer Beobachter der spirituellen Szenen zum Wort gemeldet und die Spreu vom Weizen getrennt. Sudbrack ist aber kein alles ablehnender Inquisitor. Er ist offen für neue Wege, wenn sie nicht in die Irre führen. Aber er entlarvt auch schonungslos klar das Pseudo-Religiöse.
Der vorliegende Band stellt einen gründlichen Überblick der christlichen Spiritualität dar und dazu die vielen spirituellen Strömungen, die heute einen wahren Boom erfahren. Josef Sudbrack arbeitet nun klar heraus, was noch als «christliche Spiritualität» zählt. Zugleich stellt er die so verschiedenen ausserchristlichen Strömungen mit ihren je eigenen Besonderheiten vor.
Josef Sudbrack beginnt mit einem Rückblick auf seinen eigenen spirituellen Werdegang. Er nennt diese geistliche Autobiografie «narrative Spiritualität». Eigentlich ist es eine Übersicht über spirituell-aszetische Tendenzen in Noviziaten und Priesterseminarien aus der genormten vorkonziliären Zeit über den Wandel des Konzils bis zur heutigen Zeit, die immer noch auf der Suche ist. Erst dann legt er die Fundamente christlicher Spiritualiätät fest und zeigt, wie der Weg zu Gott beschaffen ist.

Leo Ettlin


Die Stellung der Frau

Henri Boulad, Starkes Tun, stärkeres Sein. Leid und Sendung der Frau. Übersetzt aus dem Französischen, bearbeitet und herausgegeben von Hidda Westenberger, Otto Müller Verlag, Salzburg 1997, 208 Seiten.

P. Henri Boulad, der charismatische Jesuit aus Ägypten, vermag viele Menschen überzeugend anzusprechen. Seine Vorträge und Publikationen verbinden stets soziales Engagement, für das er erfolgreich die Trommel schlägt, mit religiös verinnerlichter Argumentation. Das ist auch in der vorliegenden ganz den Frauen gewidmeten Publikation der Fall. Der Untertitel «Leid und Sendung der Frau» ist charakteristisch. «Leid»: das ist die Bestandesaufnahme. Und Père Boulad ist hier kompetent wie kein zweiter. Er war jahrelang Leiter der Caritas Ägypten und speziell zuständig für Nordafrika und den Mittleren Osten. Aus dieser Optik ist sein neues Buch über die Stellung der Frau ein wichtiger Beitrag im Sinne der Menschenrechte. Ebenso gewichtig sind seine religiös inspirierten Ausführungen über die Sendung der Frau, wo auch über die Rolle der Frau im liturgisch-pastorellen Bereich gehandelt wird. Höhepunkt dieser Ausführungen bildet aber eine mystische Betrachtung der marianischen Geheimnisse.

Leo Ettlin


Aphorismen

Petrus Ceelen, Jeden Tag neu. Anstösse zum Aufstehen. Mit Zeichnungen von Karl Bechloch, Schwabenverlag, Ostfildern 1999.

«Jeden Tag neu» von Petrus Ceelen ist eine Erfolgspublikation. Der Gefangenenseelsorger und Aidspfarrer für den Grossraum Stuttgart weiss um die Wunden und Gebresten der Menschen, und er versteht es, die Gefallenen aufzurichten. In seinem Buch «Für jeden Tag neu» steht für jeden Kalendertag ein provokativer, zum Nachdenken einladender Text. Paul Ceelen ist ein Sprachkünstler. Seine Sprüche lassen aufhorchen. In der neuen Auflage unterbreitet er über 600 neue Anregungstexte ­ und immer noch keine Abnutzungserscheinungen. Die Aphorismen sind unwiderstehlich. Man bringt sie nicht so schnell los.

Leo Ettlin


Im Vatikan

Luigi Accattoli, Alltag im Vatikan. Einblicke. Fotografien von Grzegorz Galazka, Benno Verlag, Leipzig 1998, 215 Seiten.

Autor und Fotograf dieses Bandes sind hervorragende Vatikanisten. Luigi Accattoli ist Vatikan-Korrespondent des «Corriere della Sera». Von ihm liegen bereits zwei Bände über Johannes Paul II. vor. Grzegorz Galazka ist Hoffotograf des Papstes aus Polen. Er ist ein Insider des Vatikans, der überall Zutritt hat, den alle im Vatikan kennen und der auch selbst alle bestens kennt. Was er an Bildern bietet ­ und das sind viele ­ sind nicht einfach Schnappschüsse. Da steht ein Fachmann mit scharfem Auge und Sinn für das Atmosphärische dahinter. Diese Atmosphäre schliesst auch den Zufall und den Humor nicht aus. Es gibt sicher viele gute Papstbücher. Der Standardband von Accattoli und Galazka wird nicht so leicht zu überbieten sein.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000