26/2000

INHALT

Neue Bücher

Spiritualitätsformen

Anton Rotzetter, Spirituelle Lebenskultur für das dritte Jahrtausend, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2000, 224 Seiten.

Der Kapuzinertheologe Anton Rotzetter ist seit Jahren ein anerkannter Experte franziskanischer Spiritualität. Mit Recht ist er bemüht, die grossen spirituellen Strömungen von zwei christlichen Jahrtausenden in das dritte Jahrtausend hinüberzuführen. Dazu muss er zuerst darlegen, worin das spirituelle Erbe besteht, das man bewahren soll. Nach einer die Begriffe klärenden Introduktion entwirft er auf originelle Art die Hauptströmungen christlicher Ordensspiritualität. Die Gegenüberstellung von je zwei Exponenten ist geschickt gewählt: die umbrische Seinspolarität mit der Stabilitas Loci Benedikts und der Mobilität des Franz von Assisi. Beide entwickeln sich in einer völlig anderen Umwelt. Benedikts Stabilität bringt das Kloster als ruhenden Pol in die Unsicherheit der Völkerwanderung, Franziskus findet die Menschen in den Städten, für deren geschäftige Bürger seine Armutsidee ein Zeichen setzt.
Eine zweite Polarität findet Anton Rotzetter in den beiden Spaniern Dominikus Guzmann und Ignatius von Loyola. Bei beiden Spaniern muss man wie bei den beiden Umbriern das zeitgeschichtliche Umfeld kennen.
Eine besondere Bedeutung hat der Karmel innerhalb der christlichen Spiritualitätsformen. Mit Recht spricht man von einer karmelitischen Glaubensästhetik. Die karmelitische Spiritualität leuchtete im vergangenen Jahrhundert durch die heilige Thérèse von Lisieux und Edith Stein, aber auch andere Zeugen der Theologie des Kreuzes.
In den zwei letzten Kapiteln setzt sich der Autor mit spirituellen Phänomenen der Gegenwart auseinander, umfassend und subtil differenzierend mit der Esoterik, die schon eine lange Geschichte hat, heute aber zu einem Massenphänomen geworden ist. Das Kapitel ist als wegweisende Einführung in ein verworrenes Phänomen empfehlenswert. Das Schlusskapitel «Mystische Erfahrung und gesellschaftliche Prophetie» setzt wesentliche Akzente für eine Mystik des neuen Jahrtausends.

Leo Ettlin


Träume als Impuls

Ingrid Riedel, Lebensträume ­ Lebensräume. Stufen inneren Wachstums, Herder/Spektrum 4751, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 189 Seiten.

Ingrid Riedel ist Dozentin und Lehranalytikerin am C. G. Jung-Institut in Zürich. Sie legt in diesem Buch dar, wie Träume neue Lebensperspektiven eröffnen können. Für die leise Sprache der Träume möchte sie sensibilisieren. Die Traumphänomene können nach den Ausführungen von I. Riedel zur Erkenntnis führen, was neu im Leben Gestalt annehmen will. Darin liegt auch der Impuls, sich zuversichtlich neuen Herausforderungen zu stellen. So möchte I. Riedel helfen, Engführungen zu überwinden und offene Horizonte zu entdecken.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000