21/2000 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Peter Klasvogt, Reinhard Lettmann (Hrsg.), Priester mit Profil. Die Zukunftsgestalt des geistlichen Amtes, Bonifatius Verlag, Paderborn 2000, 146 Seiten.
Dieses Buch ist der Etrag von drei Studientagungen an der Katholischen Akademie Schwere (jeweils Februar 1998 und 1999) und im Bistumshaus St. Ludwig in Speyer (Mai 1999). Sie wurden vom Bischof von Paderborn, Reinhard Lettmann, angeregt und geleitet und auch von Bischof Joachim Warnke von Erfurt begleitet. Beide Bischöfe haben mit bemerkenswerter Offenheit über den priesterlichen Dienst im Spiegel der Zeit gesprochen. Sie wurden unterstützt von Seelsorgern und Professoren der Diözese Paderborn. Die Autoren dieses Bändchens sind sich einig, dass das geistliche Amt eine Zukunft hat. Aber in der gegenwärtigen Umbruchszeit gilt es, Linien und Konturen neu zu ziehen. Die Priester müssen Brücken schlagen in eine neue Zeit und vorstossen in unwegsames Gelände. Da kann Müdigkeit und Resignation über einen kommen, doch lohnt es sich, den Blick für das Positive zu bewahren. Freundschaftliche Aufmerksamkeit und Anteilnahme ist wohltuend. So erneuert sich die Sehnsucht nach dem Echten, Wahren und Ewigen.
Rudolf Stertenbrink, Die grosse Liebe des kleinen Senfkorns. Begegnungen mit Thérèse von Lisieux, der neuen Kirchenlehrerin, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2000, 160 Seiten.
1997 hat Papst Johannes Paul II. in Lyon Thérèse von Lisieux, die kleine heilige Theresia, mit dem Titel Kirchenlehrerin ausgezeichnet als erst dritte Frau neben der Dominikanertertiarin Katharina von Siena und der spanischen Karmelitin Teresa von Avila, Theresia der Grossen. Aufsehen erregender als die kurze Lebensgeschichte der neuen Kirchenlehrerin sie starb 1897 24-jährig im Karmel von Lisieux an Tuberkulose ist ihre posthume Wirkgeschichte. Ihre selbstbiografischen Schriften erfuhren ein eigenes Schicksal. Von ihrer eigenen leiblichen Schwester, der Priorin Mutter Agnes im Karmel von Lisieux, wurden ihre Darlegungen verharmlost und sentimental verkitscht. Diese raffinierten Fälschungen hatten aber als «Geschichte einer Seele» einen durchschlagenden Erfolg. Sie begründeten die frühe Erhebung zur Ehre der Altäre (Seligsprechung 1923, Heiligsprechung 1925). Erst subtile Textstudien brachten Theresens «Urtext» zum Vorschein und offenbarten eine Mystikerin von einfacher Grösse und erstaunlicher Intuition. Auf den erneuerten Schriften stützen sich wesentliche Abhandlungen von Hans Urs von Balthasar, Ida Friederike Görres, J. G. Six und anderen ab. Der Dominikanertheologe Rudolf Stertenbrink fasst die wesentlichen Gedankengänge und Impulse der neuen Kirchenlehrerin geschickt und prägnant zusammen.
Werner Gross und Wolfgang Urban (Hrsg.), Martin von Tours. Ein Heiliger Europas, Schwabenverlag, Ostfildern 1997, 392 Seiten.
Zum Jubiläum des 1600. Todestages des heiligen Martin von Tours
kam aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein in Bild und Text reicher
Band, der den Diözesanpatron ehrt. Die Thematik dieses Bandes bewegt
sich auf zwei Ebenen. Zuerst erscheint Martins Stellung und Bedeutung im
historischen Kontext der Spätantike und des Frühmittelalters.
Hier ist der Freiburger Kirchenhistoriker Karl Suso Frank mit seinem Beitrag
«Martin von Tours und die Anfänge seiner Verehrung» grundlegend.
Er stellt Martins Leben und seine Bedeutung anhand der Biografie des Zeitgenossen
Sulpicius Severus dar. Das ist aber viel mehr als bloss erbauliche Nacherzählung.
Prof. Frank ortet mit Kompetenz die Sulpicius-Biografie im historisch-literarischen
Umfeld. Um die «Ortung» des Heiligen geht es auch im Beitrag
des vormaligen Bischofs von Rottenburg, Walter Kasper. Er stellt Martin
in europäische Zusammenhänge.
Die zweite Ebene ist das süddeutsche Umfeld. Da wird von der Verehrung
Martins in Patrozinien, Ikonographie und Brauchtum berichtet. Das ist auch
für uns Schweizer aufschlussreich. Die gemeinsame alemannisch geprägte
Kultur wird hier eindrucksvoll dokumentiert. Zu erwähnen ist auch die
opulente und ausgewogene Illustration des reichen, dem Thema angemessenen
Bandes.
Gioia und Fernando Lanzi, Wege nach Rom. Eine Kulturgeschichte der Pilgerfahrt in die Ewige Stadt. Aus dem Italienischen (Vie per Roma, Jaca Books, Milano 1999) übersetzt von Dagmar Zerbst, Belser Verlag, Stuttgart 2000, 248 S.
Der Belser Verlag in Stuttgart ist für seine Kunstbände für
höchste Ansprüche bekannt. Diesem guten Ruf wird der vorliegende
Band in jeder Hinsicht gerecht. Über die Farbaufnahmen braucht man
nur eines zu sagen: Sie werden dem Ruf des Verlages gerecht. Aber auch die
Informationstexte sind mit grosser Sorgfalt gearbeitet und vermitteln eine
erschöpfende Fülle von Informationen. Auch diese Texte sind von
vielen professionell ausgewählten Schwarzweissaufnahmen begleitet,
den Text bildlich ergänzend.
In einem einleitenden Kapitel werden allgemeine Fragen der Pilgerschaft
behandelt mit Akribie und fachlicher Kompetenz und zugleich in erschöpfender
Fülle. Dasselbe gilt vom folgenden Kapitel über die Jubeljahre
und den Ablass, den Erlass von Sündenstrafen.
Erst dann folgen nach dem Axiom «Alle Wege führen nach Rom»
die Beschreibungen der grossen europäischen Pilgerstrassen; die Wege
der Iren und Briten, die Strassen der Portugiesen, Spanier und Franzosen,
die Alpenübergänge der Deutschen und die Fernstrassen der Slawen.
Eingehend werden jeweils die Routen durch Italien behandelt immer
an der Seite kundiger Begleiter.
Ein spezielles Erlebnis wird die Besichtigung Roms einfach professionell!
Der Band bietet viel, sehr viel zur Vorbereitung einer Romreise. Aber er
lässt einen, von der Wallfahrt zurückgekehrt, nicht mehr in Ruhe
so gut und so umfassend ist er.