16-17/2000 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Rupert Berger, Neues Pastoralliturgisches Handlexikon, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1999, XXI+ 570 Seiten.
Der Verfasser, Liturgiewissenschaftler, der jahrzehntelang in Bad Tölz
als Pfarrer tätig war und dort eine von der Liturgie als der Mitte
des kirchlichen Lebens ausgehende, höchst ansprechende Pastoral verwirklichte,
darüber hinaus bei vielen anderen Gelegenheiten die bei ihm gegebene
Verbindung von Fachwissen und lebendiger Erfahrung fruchtbar einzusetzen
verstand, legt ein bedeutendes Grundlagenwerk für die pastoralliturgische
Arbeit ebenso wie für die Liturgiewissenschaft vor.
Das Lexikon hat eine 30-jährige Vorgeschichte; schon 1969 erschien
als Taschenbuch das «Kleine Liturgische Wörterbuch», das
der Verfasser später zusammen mit Adolf Adam erweiterte und aktualisierte
und unter dem Titel «Pastoralliturgisches Handlexikon» (1980)
herausgab. Nachdem in mehreren Auflagen nur geringfügige Veränderungen
vorgenommen wurden, unterzog der Verfasser nun das Werk einer grundlegenden
Revision.
Eine Artikelliste (S. XIIIXXI) erlaubt einen schnellen Überblick
über den Inhalt; ein ergänzendes Verzeichnis (S. 565570)
führt Stichwörter an, die keinen eigenen Eintrag haben, aber anderswo
mit abgehandelt werden. Die Lexikonartikel selbst umfassen sowohl klassische
Begriffe der Liturgie und ihrer Wissenschaft als auch aktuelle Sachverhalte,
die sich aus der gegenwärtigen Liturgiepastoral er-geben. So folgen
zum Beispiel unter dem Buchstaben «L» nacheinander die Artikel
«Laetare», «Laie», «Laienverkündigung»,
«Latein», «Lateinische Liturgien», «Laudes
(matutinae)», «Leib» und «Leitung von Gottesdiensten».
Diese Artikelfolge deutet an, worum es dem Verfasser geht: Zum einen soll
das nötige historisch-theologische Grundwissen, das man bei einer intensiveren
Beschäftigung mit liturgischen Fragen ebenso wie für verantwortetes
liturgisches Handeln braucht, bereitgestellt, zum anderen genauso konzise
über neu gewachsene Fragestellungen informiert und orientiert werden.
Gerade in Bezug auf die Gegenwartsfragen geht das «Neue Pastoralliturgische
Handlexikon» erheblich über seine Vorgängerausgaben hinaus;
der Verfasser hat dazu eine Reihe neuer Stichworte aufgenommen, die bisherigen
Stichworte zum grössten Teil gründlich überarbeitet und dabei
oft auf die zentralen Aussagen hin komprimiert und manche weniger bedeutenden
Artikel gestrichen. Die Perspektive des Verfassers ist seiner Herkunft entsprechend
katholisch; doch informiert er, wo dies angezeigt ist, jeweils auch über
den Gottesdienst in anderen christlichen Kirchen. So entsteht ein solides,
im Wesentlichen an den pastoralliturgischen Erfordernissen ausgerichtetes,
aber nicht auf das kurzfristige Heute fixiertes Panorama des Gottesdienstes
der Kirche.
Gelegentlich hätten spezielle schweizerische Belange besser berücksichtigt
werden können; so wäre etwa im Artikel «Amtseinführung»
ein Hinweis auf KG 656657 angezeigt gewesen; unter «Busssakrament»
hätte die Generalabsolution noch anders bewertet werden können;
«Buss- und Bettag» geht nur von der deutschen Situation aus;
während «Gotteslob» zu Recht einen eigenen Artikel erhält,
wird das schweizerische «Katholische Gesangbuch» (1998) unter
«Gesangbuch» nur knapp erwähnt; unter «Laienverkündigung»
werden ausschliesslich die Weisungen der deutschen Bischöfe und Synoden
zitiert.
Den Artikeln werden weiterführende Literaturangaben (auf neuestem Stand)
beigefügt; es fällt auf, dass es sich häufig um Zeitschriftenbeiträge
handelt, weil sich darin die laufende Fachdiskussion meist rascher niederschlägt
als in Monographien und Kompendien. Der Verfasser ist zu dieser Neuausgabe
des Handlexikons zu beglückwünschen; es gibt in deutscher Sprache
derzeit kein vergleichbares Werk. Die genannten kleinen Ausstellungen können
seinen Wert nicht wesentlich mindern. Man möchte hoffen, dass das Buch
bei all denen, die Verantwortung für die Liturgie tragen, gute Aufnahme
findet. Denn kompetente Information kann die gottesdienstliche Praxis sinnvoll
inspirieren, ebenso Defizite aufdecken und zu ihrer Verbesserung beitragen.
Als Referenzwerk sollte das Handlexikon in jeder Privatbibliothek von Theologen
und Theologinnen seinen Platz haben (und benutzt werden) und genauso Gottesdienstvorbereitungskreisen,
Lektoren-, Kantoren- und Kommunionhelfergruppen zur Verfügung stehen.
Winfried Haunerland, Die Primiz. Studien zu ihrer Feier in der lateinischen Kirche Europas, (Studien zur Pastoralliturgie, Band 13), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1997, 564 Seiten.
Beim vorliegenden Band handelt es sich um die Habilitationsschrift des
Verfassers an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Heute
ist Winfried Haunerland Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholischen
Theologischen Hochschule Linz. Als Habilitationsschrift handelt es sich
um ein wissenschaftliches Standardwerk. Allein die Bibliographie umfasst
in Kleindruck 50 Seiten. Das sollte aber nicht von der Lektüre des
flüssig geschriebenen Buches abhalten. Was Winfried Haunerland über
das Thema Primiz zusammengetragen hat, ist immens und sicher auch umfassend.
Seit dem 9. Jahrhundert gibt es Berichte über die Feier der ersten
Messe eines Neupriesters, die sich im Laufe der Jahrhunderte verdichten.
Der Autor macht auch spezielle Studien über Primizbräuche in den
verschiedenen Orden. Dann behandelt er Einzelheiten der Primizfeier: Primizamt,
Primizsegen, Primizpredigt usw. Er übersieht auch nicht die Problematik
der Primizfeier: Personenkult, Primiz und Priesterbild, Primizbraut, geistlicher
Vater und geistliche Mutter usw.