14/2000

INHALT

Neue Bücher

Bruder Klaus

Manfred Züfle, Ranft. Erzählung und Erzählung der Erzählungen, NZN Buchverlag, Zürich 1998, 217 Seiten.

Das Thema «Bruder Klaus» wird wohl nie abgeschlossen sein. Zu geheimnisvoll ist der «Rätselmann», wie ihn der Autor ab und zu nennt. Manfred Züfle, freier Schriftsteller und Publizist, sucht mit quellenkritischer und mentalitätsgeschichtlicher Methode behutsam abzuschälen und wegzuschneiden, was sich an Legenden und Geschichten über den Eremiten vom Ranft abgelagert hat. Er kann für diese Reinigungsarbeit auf die Hilfe bewährter Autoren zurückgreifen (Roland Gröbli, Die Sehnsucht nach dem «einig Wesen»; Heinrich Stirnimann, Der Gottesgelehrte Niklaus von Flüe; Rosalie [nicht Rosaria] Küchler-Ming, Bruder Klaus. Ein Lebensbild, und andere).
Manfred Züfle stellt Fragen an Bruder Klaus, die ein Mensch mit unserem zeitgenössischen Lebensgefühl eben stellt. Beim Verlassen von Haus und Familie distanziert er sich mit bemerkenswerter und gesunder Eigenständigkeit von einem erbaulichen Dorothea-Kult, bei dem der Drang zur Kanonisierung allzu offenkundig ist. Er untersucht auch geschickt die Quellenüberlieferung des 16. und 17. Jahrhunderts nach dem frommen und auch begreiflichen Wunsch, die Heiligsprechung zu beschleunigen.
Manfred Züfle befasst sich, auch wenn er quellenkritische Fragen stellt, persönlich mit Niklaus von Flüe. Dieser subjektive Charakter des Buches fordert bisweilen heraus, aber weckt zugleich Interesse und Spannung. Bruder Klaus steht nach dem Examen des kritischen Skeptikers zwar schlichter und einfacher da, aber auch klarer und noch überzeugender als bisher.

Leo Ettlin


Heiligenverehrung

Josef Imbach, Der Heiligen Schein. Heiligenverehrung zwischen Frömmigkeit und Folklore, Echter Verlag, Würzburg 1999, 279 Seiten.

Die Heiligenverehrung hält die Menschen in der Kirche seit Jahrhunderten auf Trab. Da werden an sich harmlose Ausdrücke leicht zu Reizwörtern: Bilderverehrung ­ Wallfahrt ­ Reliquien ­ Legenden ­ Madonnenkult ­ Heiligsprechung ­ der eine Mittler Jesus Christus und die Fürbitte der Heiligen.
Josef Imbach ­ ein Schweizer Franziskaner, der an der Theologischen Fakultät San Bonaventura in Rom wirkt ­ geht diese Fragen kritisch, gründlich und mutig an. Er lässt viele, die sich zu diesem Thema schon zu Wort gemeldet haben, selber sprechen. Die Zitate (Lehrentscheidungen, Texte der Konzilien, Voten der griechischen und lateinischen Väter, Äusserungen der Reformatoren, Zeugnisse von Theologen und Schriftstellern) sind gut belegt und darum auch nachprüfbar. Die anschauliche und bilderreiche Sprache, häufig mit witzigen Formulierungen angereichert, hält den Leser/die Leserin bei der Stange.
Der Verfasser kennt sich in Theologie wie in Literatur gleicherweise gut aus. Er versäumt es nicht, darauf hinzuweisen, wie das Zweite Vatikanische Konzil in der Dogmatischen Konstitution «Lumen Gentium» das Verhältnis der Heiligen zu uns neu definiert hat. So schreibt er vom Konzil: «Es lehrt, dass die Heiligen Gott Ðihre Verdienste (weiterhin) darbringen, die sie auf Erden erworben habenð, und zwar zu unserem Segen und Nutzen. Mit anderen Worten: wir brauchen die Heiligen gar nicht erst zu bestürmen, damit sie sich unser erinnern. Denn nicht nur gehören sie noch immer zur Gemeinschaft der Kirche, sondern sie fühlen sich dieser Kirche auch weiterhin zugehörig. Ihr Einsatz für die Glaubensgemeinschaft hört mit dem Ende ihres irdischen Lebens nicht auf; vielmehr bleiben jene, die bereits am Ziel sind, über den Tod hinaus mit uns verbunden. Das und nichts anderes meinen wir, wenn wir von der Hilfe sprechen, die sie uns gewähren» (255).

Jakob Bernet


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000