12/2000 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Wilhelm Ziehr, Das Kreuz. Symbol Gestalt Bedeutung, Belser Verlag, Stuttgart 1997, 240 S.
Dieser Bildband bietet mehr als eine Sammlung gut gewählter und
raffiniert fotografierter Farbbilder. Was am meisten überzeugt, ist
die breite und vielseitige Thematik, in die hier die Abbildungen in ihrer
ganzen Fülle eingeordnet werden. Zur Deutung stehen auch ausgedehnte,
sachlich fundierte Abhandlungen zur Verfügung. So erfährt man
über Kreuzdarstellungen in der Vor- und Frühgeschichte (das Kreuz
als Urzeichen).
Das Buch dokumentiert und kommentiert auch Kreuzdarstellungen in den Weltkulturen
der Antike (Sumerer, Assyrer, Azteken, Indien, Ägypten). Der Abschnitt
«Das Kreuz im römischen Reich» geht zurück in die
Zeit vor der Konstantinischen Wende. Darauf wird der Übergang des Kreuzes
vom Zeichen der Schande zum Emblem der Herrlichkeit Christi behandelt. Ebenso
gibt auch das Mittelalter Anlass zu verschiedenen Exkursen in die Kreuzthematik.
Das geht nach Irland, man verfolgt die Spuren der Missionare und erfährt
die Bedeutung des Kreuzes als Herrschersymbol, aber auch zum Kreuz der expressiven
Leidensdarstellung. Ähnlich vielseitig gestaltet sich die Thematik
in der Neuzeit bis zum gedemütigten Kreuz in der Moderne.
Es handelt sich hier um ein ungemein reiches Buch, das schon beim Blättern
und Betrachten der Bilder schlechthin fesselt. Aber der volle Genuss kommt
erst mit der begleitenden Lektüre, die man nicht verpassen sollte.
Erich Zenger, Die Nacht wird leuchten wie der Tag. Psalmenauslegungen, Neuausgabe, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1997, 496 Seiten.
(Dieses Buch ist die Zusammenführung der beiden Bücher von
Erich Zenger: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung
in das Psalmenbuch, 1993, und: Ich will die Morgenröte wekken. Psalmenauslegungen,
1996).
Was der bekannte Münsteraner Alttestamentler Erich Zenger hier vorlegt,
ist für Priester und Ordensleute ein willkommenes Geschenk. Die Psalmen
bleiben für sie eine Lebensaufgabe, in die man zwar immer tiefer eindringt,
aber im Verstehen und Vertiefen doch nie ans Ende kommt. Erich Zenger vermittelt
sein Wissen über Herkunft und Entstehung dieser alttestamentlichen
Poesie. Er lässt die archaische Welt entstehen, aus der diese ansprechenden
und doch wieder exotischen Gewächse spriessen. Mit besonnener Sorgfalt
führt er behutsam in die geistliche Tiefe dieses Gebetsschatzes aus
der frühen jüdischen Kultur ein. Die meisten Kapitel des Buches
erschienen zuerst in der Wochenzeitschrift «Christ in der Gegenwart».
Der Autor hat sie nochmals gewissenhaft überarbeitet und Anregungen
aus dem fachwissenschaftlichen Gespräch mit seinen Kollegen darin eingebracht.
Régine Pernoud, Hildegard von Bingen. Ihre Welt, ihr Wirken, ihre Visionen. Aus dem Französischen übersetzt von Radbert Kohlhaas, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1997, 177 Seiten.
Die Hildegard-Literatur drohte auf ihren 900. Geburtstag (1998) hin zu überborden. Es ist kaum mehr möglich, alles zu sichten. Für eine sachliche und umfassende Orientierung empfiehlt sich das Buch der französischen Mediävistin Régine Pernoud. Diese Historikerin, die «grande dame» der französischen Geschichtswissenschaft, ist zuverlässig und sachlich. Sie hat eine stupende Kenntnis des Mittelalters und sie ist auch imstande, ihr Wissen gefällig zu präsentieren. Ihre Biografie liest sich leicht wie ein Essay. Sie geht aber auf alle wesentlichen Aspekte der so vielseitigen Nonne von den Ufern des Rheins ein, historisch seriös und ohne Fantastereien. Hier kommt ihr die intime Vertrautheit mit dem 12. Jahrhundert entgegen. Régine Pernoud stellt Hildegard geschickt in diese farbige Landschaft. Ihr Porträt hebt sich von einem reichen Hintergrund mit tiefer Perspektive ab.